ten Schmerze als Opfer des Kulturkampfes fallen sehen. Für die Pflege des innerkirchlichen Lebens in den letzten Jahren erwiesen sich als recht erfolgreich die zweite 1868 in Wiesbaden abgehal- tene Volksmission, welche 3 Jesuitenpatres leiteten; die am 26. September 1869 eben dahin berufene und von etwa 2000 Katholiken besuchte Katholikenversammlung; die im Dezember 1870 von dem hochberühmten Redner, Jesuitenpater Roh, gehaltenen Konferenzvorträge und namentlich auch die Fastenpredigten der tüchtigsten Prediger aus dem Jesuiten- und Kapuzinerorden, welche Geistlicher Rath Weyland zur Freude seiner Pfarrkinder in seine Pfarrkirche einlud.
Schwere Zeiten mußte Weyland durchmachen, als neben dem traurigen Kulturkampf die sogenannte „altkatholische Bewegung" in Wiesbaden Ruinen bereitete. Während Weyland nämlich in ersterer Hinsicht das unvermeidliche Loos aller treuen Priester zu theilen hatte, da? er bei dem Streite beider Gewalten nothwendig der einen mißfallen mußte, trafen ihn die altkatholischen Wirren besonders schwer. Eine Kette von Unannehmlichkeiten und Bedrängniffen ging dem letzten und härtesten Schlage voran: die von den Katholiken unter schweren Opfern erbaute schöne katholische Pfarrkirche, welche über 2500 Besucher faßt, wurde von den Altkatholiken im wörtlichen Sinne mit Sturm genommen. Durch die zerbrochenen Thorflügel, zu welchen Weylano die Schlüffel verweigert hatte, drangen sie am Passionssonntag 1876 mit Hurrahrufen in das Gotteshaus ein. „Wir Katholiken waren zwar nicht rechtlich, aber faktisch auf die Straße gesetzt, da die kirchlichen Gesetze uns den „rechtlich" zustehenden Mitgebrauch mit den Altkatholiken zusammen unmöglich machten." Die ersten Sonn-- tage nach jenem Leidenstage kniete die Gemeinde auf dem Straßenpflaster und im Hofraume vor der kleinen, etwa 30 Menschen fasienden Kapelle der Barmherzigen Schwestern. Mit großen Opfern wurde zuerst ein Saal gemiethet, dann eine „No'h- kirche" erbaut. Unablässig erhob die katholische Gemeinde zusammen mit ihrem Pfarrer ihre Stimme und ruhte nicht eher, bis endlich wenigstens eine Besierung ihrer Lage dadurch eintrat, daß die „Altkatholiken" die Rothkirche, die Katho- liken aber die große Pfarrkirche zur ausschließlichen Benutzung erhielten. So konnte Weyland am Christi-Himmelfahrtstyge 1886 wieder in die schöne Pfarrkirche einziehen, konnte in demselben Jahre sein fünfundzwanzigjähriges Pfarrjubiläum feiern, zu welchem die katholische Pfarrgemeinde herrliche Glasfenster in die Pfarrkirche stiftete. Schon früher (11. August 1882) hatte der Heilige Vater ihm in Anerkennung seines treuen Festhaltens, besonders den Altkatholiken gegenüber, den Rang eines päpstlichen Hausprälaten verliehen. Dem neuen Bischof rufen wir zu: »Ad multos annos! “
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Januar.
• Durch ein päpstliches Breve werden sämmt- liche katholische Bischöfe aufgefordert, für die Custodie der Franziskaner im hl. Lande am Charfreitag Sammlungen zu veranstalten. Der neu ernannte Custos Castelmadama reiste gestern von Rom nach Jerusalem ab.
* Zur Zeit finden in Rom zwischen der Kurie und Preußen Verhandlungen wegen Verwendung der im Kulturkampf aufgesammelten Sperrgelder statt. Die Regierung soll einen beträcht- lichen Thell derselben zu ihrer Verfügung behalten wollen. Eine Zentrumskorrespondenz meint, „e*
Jlo 22
Freitag, den 27. Januar.
1888
W *
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Joseph Weyland, Bischos von Fulda.
(Nach dem.Mainzer Journal'.)
Als im November der elektrische Draht aus Fulda die Kunde brachte, daß das hochwürdige Domkapitel den beliebten Stadtpfarrer, Prälaten Weyland von Wiesbaden zum Bischöfe erwählt habe, da vereinigten sich alle Konfessionen in dankbarer uud freudiger Anerkennung seiner Verdienste und weit über das Weichbilv Wiesbadens, wie die Grenzen der Diözesen Fulda und Limburg hinaus, weckte die Botschaft ein freudiges Echo. Am 25. November 1887 wurde der neuerwählte Bischof vom hl. Vater in feierlichem Konsistorium präkonisirt und erhielt dadurch die Jurisdiktion über diejenige Diözese, die das Grab des großen Apostels der Deutschen ihr Eigen nennt.
Am heutigen Tage, Mittwoch, den 25. Jan., auf den Tag Pauli Bekehrung, empfängt Joseph Weyland von der Hand des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Dr. Johann Christian Roos, des Metropoliten der oberrheinischen Kirchenprovinz, die heilige Bischofsweihe, welche ihn als Glied in die lange Reihe der ehrwürdigen Nachfolger der Apostel einfügt, und wird gleichzeitig feierlich inthronisirt.
Joseph Weyland wurde am 13. März 1826 zu Hadamar, einem Landstädtchen des schönen HerzogthumS Nasiau, als Sohn braver katholischer Bürgersleute geborem Nachdem er die städtische Elementarschule und das „Pädagogium" seiner Vaterstadt besucht hatte, ward er 1840 Schüler des Gymnasiums zu Weilburg, welches er zu Ostern 1844 mit dem Zeugniß der Reife verließ. Welche Zeitrichtung damals herrschte, charakterifirt wohl der eine Umstand, daß in Hadamar auf dem Pädagogium „allgemeiner Religionsuntericht" für Katholiken, Protestanten und Juden als obligatorisches Lehrfach nach „Muth's Abriß" er- theilt wurde, ein Unterricht, der selbst damals dem Gespötte der lieben Jugend anheimfiel. Der junge Student bezog die nahe Universität Gießen, welche neben manchen nicht gerade sehr vortheil- haft bekannten Profesioren doch auch streng kirchliche Lehrer besaß, wie den trefflichen Profesior Scharpff, Lehrer der Kirchengeschichte, den Moralisten Fluck und den Lehrer des Kirchenrechts, Hartnagel, Männer, deren der ehemalige Schüler noch heute in Verehrung und Liebe gedenkt.
Im Juni 1847 bestand Weyland das theologische Examen und hielt mit noch 7 Gefährten feinen Einzug in's Priesterseminar zu Limburg. Von jenen 8 Seminaristen, leben außer Weyland heute nur noch die Herren Bernhard, Tirektor der Liebfrauenkirche zu Frankfurt am Main, und Schmelzeis, Pfarrer zu Lorch. Am 6. September des stürmischen Jahres 1848 empfing Weyland mit päpstlicher Dispens (da ihm 18 Monate am kanonischen Alter fehlten) durch Bischof Peter Joseph die Priesterweihe und wurde am 1. Okt. als Kaplan zu Oberursel angestellt. Dort blieb er etwas über ein Jahr (bis zum 10. Januar 1850), wurde dann zur Aushilfe nach Rennerod gesandt, wo er einige Monate die ganze Pfarrei an Stelle des erkrankten Pfarrers leiten mußte, um dann die Kaplanei Höchst zu versehen (24. Mai 1850). Vom 1. Januar 1852 bis zum 1. September 1858 wirkte Weyland als Kaplan am Dom zu Frankfurt am Main. Hier war er zugleich Religionslehrer an der „Selektenschule", jener katholischen Lehranstalt (zugleich Progymnasium und Realschule), welche den Katholiken Frankfurts als Ersatz für ein ihnen rechttich zustehendes Gymnasium bewilligt war.
Es herrschte damals in Frankfurt ein ungewöhn
liches reges kirchliches Leben. An der Spitze der Dompfarrei stand der in ganz Deutschland berühmte Pfarrer Beda Weber; die katholische Gemeinde selbst aber zählte eine Reihe der edelsten und geistig bedeutendsten Männer von Frankfurt zu den Ihrigen.
Unter Beda Weber hat Weyland sechs volle Jahre gewirkt, bis dieser hochbegabte Mann im Februar 1858 im wörtlichen Sinne in Wcyland's Armen seine Seele aushaucht?. Noch in demselben Jahre (1. September 1858) wurde Weyland nach Lorch, zuerst als Koadjutor bei dem kranken Pfarrer, dann als Pfarrverwalter berufen, wo er im Ganzen 3 Jahre thätig war.
In schwierige Verhältnisse berief der Wille des seligen Bischofs Peter Joseph den verhältnißmäßig noch jungen Pfarrer von Lorch, indem er ihn gegen Ende des Jahres 1861 zum katholischen Pfarrer von Wiesbaden ernannte. Weyland hat durch sein zurückhaltendes und kluges Benehmen, verbunden mit wirklicher Herzensreinheit, erreicht, daß unter seiner mehr als 26jährigen Verwaltung auch nie der Schatten eines bösen Verdachtes auf ihn oder sein Pfarrhaus fallen konnte. In Anerkennung seiner priesterlichen Reinheit, seiner allseitigen Unbescholtenheit sind sicher Alle einig, die ihn kennen, selbst wenn sie seine Freunde nicht sein sollten. In Wiesbaden fand sich für den neuen Pfarrer ein reicher Wirkungskreis; etwa ein Jahr lang ertheilte er auch den Religionsunterricht an den höheren Schulen, deren Wiesbaden damals drei zählte, nämlich ein vollständiges Gymnasium, ein Realgymnasium, dem die Ünterkassen fehlten, und eine städtische Bürgerschule. Die katholische Pfarrei Wiesbaden zählte damals etwa 5000 Seelen; dem Pfarrer standen zwei Kapläne und ein Expo- fitus in Biebrich zur Seite; Sonnenberg mit den umliegenden Ortschaften gehörte gleichfalls noch zu Wiesbaden. Die Zahl der Erstkommunikanten einschließlich jener in Biebrich, Sonnenberg u. s. w. betrug damals etwa 112; für Ostern 1888 sind deren allein aus Wiesbaden 310 im Unterricht, während Biebrich für sich allein gegen 100 Erstkommunikanten zählt. Die katholische Gemeinde Wiesbaden zählt gegenwärtig 17,000 Seelen; über 2600 Schulkinder besuchen allein die Elementarschulen.
In Wiesbaden fehlte damals außerordentlich Vieles; noch war die Kirche nach Innen und Außen nicht vollendet, im Innern fehlte fast jeder Schmuck, nach Außen stand sie ohne Thürme da. Unter Weyland's Verwaltung und auf sein eifriges Be- treiven hin wurden die Thürme (1863—1866) mit einem Aufwand von etwa 80,000 Gulden ausgebaut, wurde eine fünfte Glocke, die größte der Stadt (76 Centner schwer), gegossen, welche die Inschrift trägt: „Zur Danksagung für die glückliche Vollendung der Kirche bin ich gegossen worden im Jahre 1866", wurden 14 große Kreuzweg - Stationen aus Terracotta als Schmuck der Wände angebracht, und endlich ein schönes neues Haus für die barmherziger« Schwestern und ein solche« für die barmherzigen Brüder gebaut. Wir entnehmen der ,K. Warte' noch Folgendes:
An Vereinen wurden in dieser Zeit gegründet: der „Katholische Leseverein", der „Kirchenchor", der „Gesellenverein" und der „Elisabethenverein". Ein besonderes Verdienst aber erwarb sich Wey- land durch die Gründung einer katholischen Privat- Mädchenschule (gehobene Elementarschule mttfakul- tattvem französischen Unterrichte), welche von geprüften Lehrerinnen aus der Kongregation der „armen Dienstmägde Christi" geleitet wurde. Leider bestand diese segensreich wirkende Anstatt, die von etwa 200 Kindern besucht wurde, nur von 1871—1876: Weyland mußte sie zu seinem grüß