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Donnerstag, den 26. Januar.
1888
Marr
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Deutsches Reich.
Berlin, 25. Januar.
• Der .Reichsanzeiger' meldet, daß der Kaiser den zum Bischof von Fulda gewählten und durch Papstbieve vom 7. Dezember vorigen Jahres al» Bischof bestätigten Dekan Joseph Weyland mittelst Urkunde vom 12. Januar die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung er- the,lt hat. Die Urkunde ist am 24. ds. dem neuen Bischof durch den Ober Präsidenten von Hessen-Nassau ausgehändigt worden, nachdem derselbe den in der Verordnung vom 13. Februar 1887 vorgeschriebenen Eid geleistet hatte.
♦ Im Abgeordnetenhaus« kam heute die Interpellation der Abgeordneten Dr. v. Jazd- zewski und Genvffen betreffend den Wegfall des polnischen Sprachunterrichts in den Volksschulen der Provinzen Posen und West, preußen zur Vorlesung. In der Begründung seiner Interpellation bezeichnete Abg. Dr. v. Iazd- zewSki den Erlaß des KultusmintsterS al» einen Wendepunkt in dem System der UnterrichtSver- waltung bezüglich der Schulangelegenheiten. Der Grundgedanke des früheren Systems, daß dem Kinde der Unterricht in seiner Muttersprache er- theilt werden müffe, sei damit völlig aufgegeben. Die polnischen Mitbürger erfüllten ihre Pflichten ebenso wie die deutschen, sie könnten deshalb auch dieselben Rechte beanspruchen wie diese. Die Maßregel fei auch vom pädagogischen Standpunkt durchaus zu verwerfen, denn sie setze die Schule in Gegensatz zu der Familie, während doch die Schule die Ergänzung der Familie sei. Redner beleuchtete sodann die bedenklichen Folgen, welche es für den Religionsunterricht haben müßte, wenn die Kinder nicht den polnischen Katechismus und das Gebetbuch lesen könnten. Redner schloß seine Ausführungen mit der Versicherung, daß, wenn der preußische Staat den Polen gegenüber Gerechtigkeit übe. er sich auf sie als feste Säulen stützen könne. Der Kultusminister Dr. von Goßler beantwortete die Interpellation lautBe- richt der ,Germ.' dahin, daß das Ziel des in Rede stehenden Erlafles dahin gerichtet fei, die preußischen Unterthanen polnischer Zunge mit der deutschen Sprache vertrauter zu machen, sie aus ihrer wirthichaftlichen und sozialen Jsolirung zu
Pttiin.
Original-Roman von Marie Romany.
(16. Fortsetzung.)
Mit kalter Berechnung nahm er das Protokoll zur Hand. Es lag ein gewisser Triumph auf seiner Miene, als sein Blick über Marions Erzählung flog, die Rettung aus Schmach und Schande für die Baronin verkündete. Er frohlockte über den Erfolg, der seiner Inquisition zur Seite stand.
Und dennoch, so siegesbewußt er sich fühlte, er war unzufrieden, daß seine Arbeit bei der Affaire mit diesen Verhören zu Ende war. Er ersehnte diese» Ende. Ohne einen Moment zu verlier, n, beorderte er schnell zuerst Raoul und dann EUy herein. Rur ein paar nebensächliche, längst f-stge- stellte Thatsachen waren es, deren Bestäligung er von beiden begehrte; die Versicherung, daß Elly in Begleitung der Baronin den Nachmittag im Boulogner Wäldchen zugebracht habe und daß Raoul zuerst im Fechtklub, dann, zur Begegnung von Mutter und Schwester, gleichfalls bei der Cascade gewesen sei. Auch den Ümstand, daß Madeleine in seinem Auftrag nach Reuilly fort» geschickt worden, fügte er der Aussage des jungen von Wildenau bei.
lbefreien und sie zu befähigen, an dem öffent- ichen und wirthschaftlichen Leben de» preußischen Staates und des Deutschen Reiches mehr al» dies jetzt der Fall sei, Theil zu r ehmen. Die deutsche Sprache müffe Gemeingut aller deutschen Unterthanen werden, das sei die Konsequenz de» Ge- schäftSsprachengesetzeS von 1876, der sich die Re- gierung nicht habe entziehen können. Bei dem System des doppelsprachigen Unterrichts sei die deutsche Sprache zurückgedrängt worden, und so vor die Wahl gestellt, ob die polnische oder die deutsche Unterrichtssprache allein gebraucht werden solle, habe man sich für die deutsche Sprache ent- schieden. Mit der Religion und dem Religionsunterrichte habe dieser Erlaß nichts zu thun; nur die von den Geistlichen bisher geleitete Agitation verquicke in dieser Angelegenheit das religiöie Moment mit dem großpolnischen. Auf Antrag des Abg. Magdzinski fand eine Besprechung der Interpellation statt, in der zunächst der Abg. Dr. v. Stablewski in eingehender Weise auf die Antwort des Kultusministers replicirte. Das „vae victis* mache sich jetzt den Polen gegenüber in der Anwendung der preußischen Staatsraison geltend. Jnsbesoudere widerlegt Redner die Behauptung des Kultusministers, daß die Aufhebung des polnischen Sprachunterrichts mit der Er- theilung des Religionsunterrichts in der polnischen Muttersprache in gar keiner Beziehung stehe; wie sollen die Kinder ein Religionsbuch in polnischer Sprache lesen und verstehen lernen, wenn sie keinen polnischen Sprachunterricht mehr haben. Der Abg. Frhr. v. Minnigerode gestand zu, daß diese Maßregel eine sehr peinliche sei, aber dieselbe sei dcktirt durch die Roth wendigkeit, da» polnische Element in das preußische und deutsche Staatsleben ganz einzugliedern. Eine unbedingte und freudige Zustimmung fand der Erlaß sowohl nach seinem Zweck als mit dsm vorgeschlagenen Mittel seitens des freikonservativen Abgeordneten Freiherrn v. Zedlitz-Reukirch. Abg. Dr. Windthorst bemtheilt die Frage von ihrer prinzipiellen Seite. Es sei nicht zulässig, mit einem Federstriche die ganzen Schulverhältmsse auf den Kopf zu stellen. Was könne da geschehen, wenn einmal ein atheistischer Minister als Leiter der Unterrichtsverwaltung kommen würde? Zur Begründung de» Erlasse» fei vom Kultusminister ein sachlicher und durchschlagender Grund nicht
Mit die'en Vernehmungen hatten seine Bureaustunden für den heutigen Vormittag ihr Ende erreicht. Er ordnete die Papiere, verschloß den Schreibtisch, verließ dann das Bureau und eilte an den Hinteren Ausgang, wo seine Chaise ihn erwartete. Er konnte sich ein gewisses B-Hagen nicht verhehlen, als er die Präfektur im Rücken hatte und seiner Wohnung zufuhr; er mochte, wenn er sich auch dagegen sträubte, heiauSgefühlt haben, daß die Prozedur, welche er soeben Marion hatte vornehmen lass n, allerdings Pflicht des Amtes, aber eine Verwundung seiner besseren Empfindung gewesen war.
VH.
Mit vollständiger Willenlosigkeit hatte Marion sich dem Polizist gefügt, der mit ihrer Inhaftnahme beauftragt worden war. Sie schien kern Verständniß für das zu haben, was mit ihr vorgenommen wurde; den Befehlen „Kommen Sre heraus" und „Treten Sie dort hinein" leistete sie ohne den geringsten Widerspruch Folge; sie jammerte nicht einmal, sie fragte nicht; würden nicht die geisterbleiche Mi-ne und das in Thränen schwimmende Auge vom Gegentheit Zeugnrß abgelegt haben, man hätte glauben sollen, daß sie
angeführt; derselbe hätte einfach sagen können: so ist' es in Varzin oder Friedrichsruh dekretirt. Eine solche Schultyrannei könne niemals zum guten Ende führen. Der nationalliberale Abg. Seer schloß sich der Erklärung de» Freiherrn v. Zedlitz an, während Abgeordneter Freiherr von Schorlemer-Alst den Ausführungen des Ab- geordneten Dr. Windthorst beipflichtete, wobei er gelegentlich das Vorgehen der polnischen Deputation und die Adresse cm den Erzbischof Dr. Dinder einer tadelnden Kritik unterwarf. Der freikonservative Abg. Dr. Wehr trat selbstverständlich in dieser Frage auf die Seite der Negierung. Nachdem noch Abg. v. JarochowSki im Sinne der Ausführungen seiner polnischen Freunde sich ausgesprochen, wurde die Debatte geschlossen. Anträge waren an die Interpellation nicht geknüpft, weshalb dieselbe damit ihre parlamentarische Erledigung gefunden hat. Nächste Sitzung Sonnabend, Tagesordnung kleinere Vorlagen.
• Bei dem Ordens- und Krönungsfest vom 22. ds. haben drei Bischöfe einen Orden erhalten: der Erzbischof von Posen und Gnesen den Rothen Adler-Orden 2. Klasse, der Fürst- bischos von Breslau den Stern zum königlichen Kronen-Orden 2. Klasse, der Bischof von Limburg den königlichen Kronen-Orden 2. Klasse. Persönlich anwesend von denselben ist nur der Fürstbischof von Bre»lau gewesen. Wie die.Kreuzztg.' berichtet, hat derselbe auch dem nach der Ordensfeier von dem Oberhofprediger Dr. Kögel unter Assistenz der übrigen Hof- und Domprediger abgehaltenen (protestantischen) Gottesdienst beigewohnt. Als im Jahre 1861 in Königsberg die Krönung Sr. Majestät des König» stattfand, wohnten die daselbst erschienenen Bischöfe dem nach der Krönung abgehaltenen Gottesdienst nicht bei. Vorerst bleibt die Bestätigung abzuwarten. — Fürstbischof Dr. Kopp hat sich am 24. d». Vormittags zum Reichskanzler Fürsten Bismarck nach Friedrichsruhe begeben, von wo er schon im Laufe des Avend» wieder in Berlin eintraf, um alsbald wieder nach Breslau abzureisen.
* Köln, 24. Jan. Verschiedene Blätter versichern, der Herr Erzbischof von Köln werde im nächsten Consistorium zum Cardinal ernannt. Die gleiche Angabe ist schon wiederholt aufgc- taucht, jedoch unbestätigt geblieben.
überhaupt ohne Empfindung, vielleicht ohne Er- kenntniß ihrer elenden Latze sei. Der Polizist, dem sie übergeben worden, betrachtete sie mit Bewunderung. lieber die Gänge und Treppen des riesenhaften Bauwerks hatte er ste nun geleitet, sie batten den Hof überschritten, an dessen unterem Ende sich die Abtheilung für Arrestanten befindet, und immer noch hatte Marion nicht durch die leiseste Bewegung verrathen, daß sie Verständniß für da» Loos habe, dem sie entgegenging. Jetzt waren sie am Portal. Der Polizist öffnete und mit seinem gewohnten „Treten Sie ein, Madame", führte er sie in die Vorhalle de» Arrestlokals, welches jede Berechtigung an ein Wiederaufleben in der guten Gesellschaft vernichtet, in welchem jede Hoffnung auf die Wohlfahrt de» Lebens untergeht.
Marions Haltung zeigte nicht die geringste Veränderung. Man notirte ihre Personalien, man wog sie, maß sie, man teerte ihre Taschen, sie ober zeigte nicht die geringste Empfindung; man führte sie durch das Thor, welch-« zu den Zellen der Gefangenen führt, man übergab sie den dienst- thuenden Schw-st^rn, doch Marion erwachte nicht aus der Lethargie, in die sie gefallen war. I tzt führte man sie die Treppen hinauf bis zum zweiten