JK 19|2O. Dienstag, den 24. Januar. 1888
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ME* Wegen der hl. Bischofsweihe wird die nächste Nummer ds. Bl., am Donnerstag ausgegeben.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Januar.
* S. M. der Kaiser empfing heute Vormittag den von seiner Reise nach Rom und San Remo in Berlin eingetroffenen Fürstbischof von Breslau, Dr. Kopp.
* Der Reichstag ehrte zunächst das Andenken des heute früh gestorbenen Abg. v. Waldow- Reitzenstein (kons.) durch Erheben von den Plätzen, wählte den Abg. Myer-Jena (nl.) zum Schriftführer an Stelle des zurückgetretenen Dr. Tröndlin und nahm dann in 3. Lesung die Vo.lage betr. die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß- Lothringen mit einer Resolution des Abg. Henneberg auf einheitliche Regelung der Dampskeffel- gesetzgebung für das ganze Reich an. Hierauf wurde die Berathung des Staatshaushalts beim Etat des Innern, Kapitel Reichsoeisicherungsamt, fortgesetzt. Der Etat des Innern wurde unverändert angenommen. Morgen: Reliktenbeiträge, Etat. — Das Abgeordnetenhaus erledigte heute eine Reihe von Spezialetats. Morgen: Erleichterung der Volksschullasten.
* lieber die dem preußischen Abgeordnetenhause vorliegenden Gesetzentwürfe schreibt die iSchlesische - Vztg/: Der Gesetzentwurf, betreffend die Erleichterung der Schullasten ist so rein mechanisch verfertigt worden, daß er, außer selbstverständlich bei den eingeschworenen Bewunderern alles deffen, was von oben kommt, nur mit sehr gemischten Gefühlen begrüßt wird. Er entspricht den Anforderungen der Gerechtigkeit und Billigkeit so wenig, daß er nicht allein Stadt und Land, industrielle und nicht industrielle Bezirke, Ost und West ganz ungleich bedenkt, er kann sogar vorkommen, daß er den Kommunen, statt ihre Lasten zu erleichtern, neue auferlegt, da er Aufhebung der Schulgelder fordert. Ehe er Gesetz wird, hat er also vorausstchtlich noch gründliche Umänderungen zu erfahren. Gegen die Vorlage wegen Aufhebung der Witt wen- und Waisengeldbeiträge der Beamten wird sich wohl kein Widerspruch erheben. Der noch nicht eingegangene Gesetzentwurf, betreffend die Aufbesserung der Lage der Geistlichen hat dagegen schon in protestantischen Kreisen zu lauten Klagen Anlaß gegeben. Und merkwürdigerweise scheinen in diesem Punkte alle Richtungen vollständig übereinzustimmen, wie denn auch alle Synoden in der Frage der „befielen Dotation" der „evangelischen Landeskirche" eines Sinnes waren. Alle bis jetzt laut gewordenen Stimmen verfichern, daß die protestantische „Kirche" mit dem Gebotenen nicht zufrieden sei; 740,000 Mark, wie der Finanzminister angekündigt hat, ist ihnen zu wenig. Die Synoden haben allein für den Ausfall an Stol- gebühren infolge des Z'vilstandsgesetzes 750,000 Mark namens der „Kirche" gefordert, uno fitzt sollen 740,000 Mark für die Geistlichen aller Bekennntnifse ausreichen. Die übliche „Parität", welche den katholischen Geistlichen gegenüber wieder Platz greifen soll, ist auch nicht gerade geeignet, auf unserer Seite große Begeisterung für die zu erwartende Vorlage zu erwecken. Die protestantischen Presiger sollen auf 3600 Mark gebracht werden, die katholischen Priester aber nur auf 2400 Mark, also ein volles Drittel weniger erhalten. Wir möchten wohl wissen, welche stichhaltigen Gründe man für diese ungleiche Behandlung wird anführen können. Dazu kommt die diskretionäre Befugniß der Regierung bei Ver-
theilung der Spende, während wir den Klerus doch vor allem unabhängig von Gunst ober Ungunst staatlicher Organe sehen möchten.
* Aus Westpreußen schreibt man der ,Köl. Vztg.': Die königliche Regierung zu Marienwerder beabsichtigt, in Deutsch-Krone eine königliche Präparanden-Anstalt für katholische Seminar- Zöglinge aus staatlichen Mitteln in's Leben zu rufen. Ein Haus ist hierfür bereits gepachtet; bis zur Einrichtung beffelben werden die verfügbaren Räume der Bauschule benutzt werden. Durch die Gründung der Anstalt soll dem eingetretenen Mangel an katholischen Lehrern in unserer Pvovinz abgeholfen werden.
* Zum Prozeß Thüm mel-Wiemann wird aus K a s s e l geschrieben: Durch mehrere Zeitungen ging dieser Tage die Nachricht, daß im Prozeß Thümmel-Wiemann seitens der Vertheidigung bezw. der Angeklagten Revision gegen das Urtheil der Strafkammer zu Kassel eingelegt worden fei. Diese Nachricht hat sich als unzutreffend erwiesen.
Ausland.
* In einer anarchistischen Versammlung in Havre feuerte ein Anarchist Namens Lucas zwei Revolverfchüffe auf die bekannte Louise Michel ab. Die Michel wurde schwer verwundet, der Attentäter, nachdem er von der Menge halbtodt geschlagen, blutüberströmt noch dem Polizeiposten getragen.
* Aus Massauah wird berichtetGeneral San Marzano wird in drei Tagen zum Angriff auf Saati vorgehen. Der Negus hat Adua in der Richtung auf Gondar verlassen. Die Sudanesen rücken von Metommeh gegen die Abessi« vier vor. _____
Aus Stadt, Provinz uud Nachbargebiet.
Fulda, 24. Januar.
* Um den Festtheilnehmern am 25. d. MtS. Abends Gelegenheit zu geben nach Hause zu fahren, werden an den Güterzug 532, welcher um 9 Uhr Abends hier abfährt, Personenwagen 3. und 4. Klaffe angehängt. Der Zug hält in Neuhof, Flieden und Elm, worüber hinaus Passa- giere nicht befördert werden. An den Schnellzug 1 Abends 10 Uhr 31 werden III. Klasse-Wagen angehangen und können Passagiere in dieser Klasse nach Hünfeld, Herrfeld und Bebra fahren.
B. Am Sonntag feierte der hiesige St. Iosephs - Arbeiterverein in recht würdiger und erhebender Weise das Fest seiner Fahnenweihe. An der kirchlichen Feier, welche um 3 Uhr Nachmittags in der Stadtpfarrkirche stattfand, beteiligten sich die katholischen Brudervereine Fuldas — der Gesellenverein in corpore mit Fahne — und eine sehr große Menge von Gläubigen, welche das Gotteshaus anfüllten: ein Beweis, welcher Sympathien sich der noch junge Verein bei den Bewohnern der Stadt Fulda erfreut. — In wohldurchdachter Rede zeigte Herr Regens Prälat Dr. Komp die hohe Bedeutung der Fahnenweihe für den Verein selbst und die übrigen Zuhörer. Anknüpfend an den schönen Gedanken des hl. Ignatius, wie von jeher 2 feindliche Heerführer, Christus und Lucifer, wetteifern, die Menschheit unter ihre Fahne zu schaaren, wies Redner nach, wie die» gerade heutzutage der Fall sei, wo der Feind alles Guten mit seinen Werbungen an alle Schichten des Volkes, und namentlich die arbeitenden, herantrete, und ihnen durch den Umsturz der bestehenden Ordnung Gluck in der Befriedigung ihrer Gelüste und Leidenschaften verspreche; wie dagegen der Sohn Gottes durch den Mund seiner Kirche ebenfalls die Arbeiter rufe
und ihnen wahres, kein trügerisches Glück, zeitliche» und ewiges, in Uebung der christlichen Tugenden, in kirchlichen Arbeitervereinigungen verspreche. Diese Tugenden seien keine anderen al» jene, welche der St. Josephsverein auf seine Fahne geschrieben: Arbeitsamkeit und Fleiß — Frohsinn und Scherz — Einigkeit und Friede — Religion und Tugend. Der inhaltreichen, erhebenden Predigt lauschte die Menge mit gespannter Aufmerksamkeit. Dann wieder hohe Redner noch auf das Beispiel des heil. Joseph, des Vereinspatrons, dessen Bild auf der überaus geschmackvollen Fahne prangt, hin und schloß, indem er dem Vereine Gottes Segen wünschte und ihn dem Wohlwollen und Gebete der Anwesenden empfahl. Hierauf nahm der Herr Prälat auch den eigentlichen kirchlichen Weiheakt unter Assistenz der Stadtpfarrgeistlichkeit und mehrerer Alumnen des Priesterseminars vor, woran sich eine sakramentale Andacht, verherrlicht durch den Gesang unseres wohlbewährten Kirchenchores anschloß. — Ein recht würdiges Nachspiel hatte diese kirchliche Feier in der am Abend in dem großen Saale der „Harmonie" stattfindenden gemüthlichen Unterhaltung, deren Verlauf man kurz mit den zwei Wahl- sprüchen dc» Vereins kennzeichnen kann: Religion — Frohsinn. Herr Professor Schick hielt in schwungvoller kräftiger Sprache einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Zwei sich gegenseitig befehdende Armeen, so führte er ungefähr aus, durchziehen den Schauplatz der Geschichte de» Menschengeschlechtes, die Armee Gottes und die der Feinde seines Reiches, beide von ganz entgegengesetzten Grundsätzen geleitet, zwischen denen keine Vermittelung möglich, von denen aber die Grundsätze Christi stets den Sieg davontrügen, wie auch heutzutage zu sehen sei. Uebergehend dann auf die Lage des Arbeiters zeigte Redner, wie nur die Kirche allein ein wahres Herz für dieselbe habe von den Tagen ihres Stifter» bis hinab zu Leo XIII. Interessante Einzelheiten der liebenden Fürsorge desselben für die Arbeiterklassen au» denEncycliken und der Thätigkeit Leo'» auf sozialem Gebiete, welche Herr Schick lebendig darstellte, weckten neue Begeisterung für den hl. Vater, die in dem daraus von dem Präses des St. Josephsvereins ausgebrachten und von der zahlreichen Versammlung der katholischen Vereine begeistert auf genommenen Hoch stürmischen Ausdruck fand. — Die ganze weltliche Feier, welche nach der Absicht de» Verein» selbst durch ihre Einfachheit ein Protest gegen die immer weiter um sich greifende Vergnügungssucht sein sollte, wechselte zwischen Ansprachen her Felltheil- nehmer, u. A. des Herrn Fabrikanten Richard Schmitt, der- Herren Stadlpfarrer Rhiel, ernsten und heiteren Gedichten, vorgetragen durch Mttglie- ber des St. Joseph- und Gesellenverein» und Ab- ftngung von Vereinsliedern. Dem Gesellenverein gebührt ganz besonderes Lsb, indem er in echteriBruder- geftnnung durch fein zahlreiches Erscheinen und seine gelungenen Deklamationen die frohej Feststimmung wesentlich erhöhte. — Dem jungen Verein, der schon gegen 90 Mitglieder zählt, wünschen wir am Tage seiner kirchlichen Weihe und neuen Anerken- nung wachsendes Gedeihen und den Segen Gotte» I
• Dem Herrn Hauptmann z. D. und Bezirks- Offizier Schmidt zu Fulda ist laut dem,F.K.< der Charakter als Major verliehen worden.
• Nach den bislang gütigen Vorfchristen war den Reifenden der vierten Wagenklasse gestattet, Traglasten rc. im Gewichte bis zu fünfunddreißig Kilogramm mit in die Personenwagen zu nehmen. Am 1. Januar dieses Jahres ist nun ein neuer Tarif für die Beförderung von Personen und Reisegepäck auf den Staatsbahnen ein- geführt, welcher für die bezeichneten Traglasten keine Gewichtsgrenze vorschreibt, diese Beschränk-