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M 18.

Montag, den 23. Januar.

1888

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Die Fuldaer, Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Von den Päpstlichen Bullen, welche bei Ge­legenheit der Bestätigung der Wahl des hochwür­digsten Herrn Bischofs Joseph hierher gelangt find, theilen wir die an die Gläubigen der Diö­zese gerichtete in wörtlicher Uebersctzung nachstehend mit:

Papst Leo XIII., Knecht der Knechte Gottes, entbietet dem geliebten Volke der Stadt und Diözese Fulda Heil und Apostolischen Segen.

Wir haben heute die Wahl unseres geliebten Sohnes Joseph Weyland, des erwählten Bischofs von Fulda, welche, als diese Diözese der Sorge eines Oberhirten entbehrte, durch unsere geliebten Söhne das Kapitel und die Kanoniker des Ful« daischen Bisthums in kanonischer Weise vorgenom­men worden war, aus Apostolischer Vollgewalt unter dem Beirathe Unserer ehrwürdigen Brüder, der Kardinäle der heiligen römischen Kirche, ge­nehmigt und bestätigt, haben dieselbe Diözese dem genannten erwählten Bischof Joseph der Uns und Unseren erwähnten Brüdern wegen seiner Ver­dienste genehm ist, mit dem Beirathe der näm­lichen Kardinäle aus der gleichen Apostolischen Vollmacht verliehen, haben denselben zum Bischöfe und Oberhirten der Diözefe^Fulva eingesetzt und ihm die Obsorge, Regierung und Verwaltung der letzteren im Geistlichen und Weltlichen vollständig übertragen, wie dies Alles in unserem besonderen, hierüber erlasienen Schreiben ausführlich enthal­ten ist.

Deshalb ermahnen wir Euch und befehlen Euch durch dieses Apostolische Schreiben, daß Ihr den genannten erwählten Bischof Joseph als den Vater und Oberhirten Euerer Seelen liebevoll aufnehmet, ihn mit gebührender Ehrfurcht behandelt und auf seine heilsamen Mahnungen und Weisungen de- müthig achtet, so zwar daß der genannte erwählte Bischof Joseph a-r Euch treuergebene Söhne und Töchter und hinwiederum Ihr an Ihm einen wohlgewogenen Vater finden möget.

Mari«».

Original-Roman von Marie Romany.

(14. Fortsetzung.)

„Die Dämmerung war gekommen," sagte Ma­rion weiter; „ich legte meine Arbeit nieder und öffnete das Fenster weit, um den Himmel zu be­trachten; die Sterne funkelten so einer nach dem andern und ich vertiefte mich in den Anblick. Plötzlich glaubte ich, auf dem Korridor vor mei­nem Zimmer Schritte zu hören; ich rufe, in der Meinung, Jeannette sei es, aber Niemand gibt Antwort; ich zünde ein Licht an und öffne die Thür, aber so weit ich hinausleuchten mochte, war Niemand zu sehen. Ein unheimliches Bangen kam über mich. Ich weiß nicht, aus welchem Grunde, aber ich blieb, ängstlich umherlauschend, ein paar Sekunden in der offenen Thür stehen. Alles war noch finster und still, nur in dem Zimmer, welche» dem meinigen gegenüberlag, glaubte ich Stimmen zu hören. Meine Angst wurde größer, well jenes Zimmer während der letzten Jahre niemals benutzt «orden ist; meine Knies wanktm, als ich mich an die Thür schlich; ich klopfte noch einmal, dann, da keine Antwort erfolgte, versuchte ich zu öffnen, aber die Thür war zu.

Gegeben zu Rom bei dem heiligen Petrus im Jahre der Menschwerdung unseres Herrn 1887, am 25. November und im zehnten Jahre Unseres Pontifikats.

A. Pilo Abbs.

______________________C. Cagiano Abbs.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Januar.

• Der ,Germania' geht Folgendes zu:

„Zu meinem Geburtstage sind mir wieder so viele Telegramme, Briefe, Blumenspenden und andere Beweise der ungeminderten Theilnahme von allen Seiten zuge­gangen, daß es mir bei dem Drang meiner sonstigen Ob­liegenheiten; zu meinem schmerzlichsten Bedauern ganz un­möglich ist, für jeden einzelnen Glückwunsch insbesondere zu danken. Ich bitte deßhalb, auch in diesem Jahre meinen so herzlichen als ganz verbindlichsten Dank öffentlich und Allen zugleich abstatten zu dürfen. Derselbe ist um so viel inniger, je freundlicher sich mit den Glückwünschen fast überall die ausdrücklichsten Zustimmungen zu meinem Verhalten im politischen Mandat und die ergreifendsten Versicherungen vereinigtsjhaben, daß nichts und Niemand auf der Welt im Stande fein werde, mich von den Freun­den oder diese von mir loszureißen. An meinem Theil lege ich abermals gern das Versprechen ab, daß ich, durch keine Anfechtung erschüttert, auf dem mir anvertrauten Platz ausharren und alle meine Kraft der großen Sache, für die wir arbeiten, so lange widmen werde, als nicht der Herr über Leben und Tod ein Ende machen will.

Besonderen Dank statte ich denen ab, welche den An­laß meines Geburtsfestes benützten, um mir größere und kleinere Geldbeiträge und sonstige Gaben für die Marien­kirche, in Hannover zur Verfügung zu stellen. Indem ich dieses Lieblingskind meiner Wünsche dem sortgesetzten Wohlwollen aller meiner verehrten. Freunde recht ange­legentlich empfehle, bitte ich Gott, daß er den gütigen Gebern lohne, was ich ihnen nicht vergelten kann.

Berlin, 21. Januar 1888. Dr. Windthorst."

* Der Reichstag nahm heule den Gesetzent­wurf betr. die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen mit der Modification an, daß die dort bestehenden Bestimmungen über die Anlage der Dampfkeffel bestehen bleiben sollen. Ein Antrag, die Beschränkungen der deutschen Gewerbeordnung hinsichtlich der jugendlichen Arbeiter erst nach Ablauf von 3 Jahren in den Reichslanden einzuführen, wurde abgelehnt. Dann wurde die Etatsberathung beim Etat des Innern fortgesetzt. Abg. Lingens äußerte verschiedene Beschwerden hinsichtlich des Auswanderungswesens, sowie über die Reichspostdampfer. Staatssekretär v. Bötticher theilte mit, daß die Auswanderung

Die Schweißtropfen perlten auf ihrer Stirn; ihre Stimme vibrirte.

„In der Angst, die mich erfaßte, —"

„Einen Augenblick," unterbrach der Polizeirath hastig; „in welchem Stockwerk lag ihr Zimmer?"

„Im zweiten."

„Nach welcher Seite?"

„Auf die Straße hinaus."

„Und das Zimmer Ihnen gegenüber, zu welchem Zwecke diente es?"

„Es war unser Arbeitsstübchen, als wir noch Kinder waren; während der letzten Jahre war es so gut wie gar nicht benutzt worden."

„Und immer verschloffen?"

„Nein," sagte Marion, vibrirend in Angst, „die Thür war immer offen; deshalb gerade erfaßte mich ein so unaussprechliches Bangen, als ich fie, weil ich doch glaubte, Stimmen in dem Zimmer gehört zu haben, verschloffen fand."

Der Polizeirath notirte.

„Fahren Sie fort," sagte er dann barsch, tote vordem."

Die Thränen rollten über Marion'« Wangen, als fie nun sagte:

„Meine Haud mußte zitter« in der Furcht, denn da» Licht wankte im Leuchter und fiel zur Erde;

betrug 1887: 92712, 1886: 78444 und 1885 : 103 547. Die Beschwerden über die Reichspost­dampfer seien vielfach unbegründet; soweit fie begründet seien, würden fie in entgegenkommender Weise berücksichtigt. Die Capitel Reichscommiffariate, Schiffsvermeffungsamt (neu), Statistisches Amt, Gesundheitsamt, Patentamt re. werden angenommen und vor Eintritt in die Berathung des Capitels Reichsversicherungsamt Vertagung auf Montag beschlossen.

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die erste Berathung des Etats fort. Abg. v. Epnern (nl.) befürwortete die vorgeschlagene Schuldotation, sprach sich aber entschieden gegen die in Aussicht genommene außerordentliche Tilgung der Staats­schuld aus. Dafür wünschte er Förderung der westlichen Kohlenindustrie durch billigere Eisen­bahntarife und einen weiteren Beitrag zu den Kosten des Rhein-Ems-Kanals. Abg. v. Zedlitz- Neukirch (freit.) sprach sich für die vorgeschlagenen Verwendungszwecke aus, suchte die Unausführbar­keit der Huene'schen Vorschläge nachzuweisen und die freikonservative Partei gegen den Vorwurf, nicht warm genug für die Interessen der Land- wirthschaft eingetreten zu sein zu vertheidigen. Ubg. Dr. Meyer (frs.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu den Vorschlägen wegen BeseitigungdesSchul- gelbes. Trotz der großen Steuererhöhungen seien schließlich doch nur Vorschläge gemacht worden, die Alles ins diskretionäre Ecmeffen der Regieruna stellten. Finanzminister v. Scholz und Minister Maybach suchten den Etat und die Verwendungs­vorschläge gegen die im Laufe der Debatte ge­machten Ausstellungen zu vertheidigen. Schließ­lich wurde der Etat zum größten Theil an die Budgetkommission verwiesen. — Montag zweite Berathung des Etats.

* Die polnische Fraktion des Abgeord­netenhauses hat von Mitgliedern des Zen­trums unterstützt, laut der ,Fr. Z.' folgende In­terpellation eingebracht: „Laut Ministerial- reskript vom 7. September und 6. Oktober 1887 ist der polnische Sprachunterricht unterschiedslos in sämmtlichen Volksschulen de» GroßherzogthumS Posen und der Provinz Westpreußen in Wegfall gekommen. Wir richten an die königliche Staats - regierung die Frage: Welches sind die leitenden Motive beim Erlaß der in Rede stehenden Ver-

natürlich war es jetzt 'durchaus finster um mich her. Ich hätte mein halbes Leben darum gegeben, in diesem Augenblicke einen Gefährten gehabt zu haben; ich wollte rufen, aber der Ton erstickte mir in der Kehle; und überdies, zu was hätte es mir genützt! Ich erinnere mich kaum, wie lange ich so regungslos stehen blieb; ich weiß nur, daß ich endlich meine Zimmerthür wieder erreichte, über die Schwelle trat und die Thür hinter mir schloß. Dort blieb ich stehen; ich glaube, die Furcht hätte mir nicht erlaubt, einen Schritt vorwärts zu gehen."

Der Polizeirath beobachtete mit gierigen Blicken das ängstliche Funkeln der Augen und die Leichen­farbe, die bis in die Lippen auf Marion'S Zügen lag.

„Und dann?" rief er.

„Dann?" wiederholte das junge Wesen, mit thränengesüllten Augen umherirrend, als ob fie von einem Traume befangen wäre. „Dann — wurde die gegenüberliegende Thür geöffnet und wieder geschloffen und Jemand stürmte die Treppe hinab."

„Was?" machte der Polizeirath triumphtrend.

„Wer war der Jemand?"

„Ein Mann," stammelte Marion.

„Sin Mann?! — Woher wußten Sie, daß e» ein Mann war?'