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Freitag, den 13. Januar.
1888
vr Jahres-Rundschau.*) vin.
Da» Papstthum im Jahre 1887.
Auch auf einem anderen Gebiete drängt der neueste Zug nach Rom hin: wenn e» nämlich gilt, die verwaisten Bischofsstühle wieder zu besetzen. Je inniger der Episkopat mit Rom verbunden ist, und je mehr der apostolische Stuhl selber Einfluß übt auf die Wiederbesetzung der verwaisten Bischofiiühle, desto stcherer und bester werden in der Regel die Interessen bet Kirche gewahrt. Allein abermals müssen wir sagen: ganz anders liegt die Sache, wenn der h. Stuhl nicht aus eigener Initiative direkt eingreift, sondern ge- drängt von der Staatsregierung, und zwar nach bestimmter Richtung hin gedrängt. Naturgemäß ist der Horizont, von dem aus Rom eine solche Angelegenheit behandelt, ein ganz anderer, als der Horizont der kirchlichen Faktoren an Ort und Stelle. Während letztere nur die Interessen der betreffenden Diözese zu wahren haben, kommen für Rom noch ganz andere Rückstchten und Gesichtspunkte in Betracht. Wa» für die betreffende Diözese von der größten Wichtigkeit sein kann, kann in den Augen Roms als minderwichtig erscheinen, sobald nicht ausschließlich die Jntereffen der Kirche in Betracht gezogen werden können, sondern auch den Wünschen der Staatsgewalt Rechnung zu tragen ist. Auch im Jahre 1887 hat der h. Vater Anlaß genommen, in ganz direkter Weise zur Bestellung von Oberhirten mitzuwirken. Diun, ein Oberhirte, der nicht blo» von Rom bestätigt, sondern direkt von dort gesendet ist, wird immer mit vollstem Vertrauen von Klerus und Volk empfangen werden. Das hat man im Jahr 1887 sehen können.
Wie im Jahr 1886, so hat der hl. Vater auch im Laufe des Jahre» 1887 in der deutlichsten Weise ausgesprocken, und zwar wiederholt, daß da» ruhmreiche Centrum Deutschland» seine volle Anerkennung hat. E» ist deßhalb unhistorisch, wenn behauptet werden will, der Papst sehe im Gentrum ein Hinderniß seiner Friedensbestrebungen, und es ist pietätlos in hohem Grade, wenn sogar da» feierliche Jubiläum des h. Vaters dazu benützt würde, solche unhistorische Behauptungen öffentlich und feierlich auszusprechen.
*) Nachdruck verboten.
Murin.
Original-Roman von Marie Roman?.
(6. Fortsetzung.)
Der Goldschmied stutzte einen Moment.
„Herr Polizeirath," sagte er dann ruhig, „es ist nicht im Interesse de» Geschäft», über derlei Angelegenheiten mehr al» nöthig Bericht zu geben; die Damen der Gesellschaft haben ihren Bedarf in verschiedener Art. Vielleicht ging ich zu weit, indem ich Ihnen die beiden Stücke hier zeigte. Da» Nebel ist geheilt," fügte er schnell hinzu indem er die Uhrkette, die längst fertig war, ihrem Eigenthümer entgegenhielt.
Herr Martine! befestigte die Kette langsam zwischen Knopfloch und Uhr.
„Wie viel bin ich Ihnen schuldig?"
Der Juwelier nannte eine Bagatelle, die der Polizeiraih erlegte. Dann nahm er den Stock zur Hand und griff nach seinem Hut.
„Die Saison hat chren Einzug gehalten," meinte er artig, indem er dem Ausgang zuschritt; „ich wünsche Ihnen die besten Geschäfte."
Herr Farman dankte und öffnete die Ladenthür;
Wie bereits angedeutet wurde, hat der h. Vater im Laufe des Jahre« wiederholt Anlaß genommen, über die kirchenpolitische Lage Deutschland» im Allgemeinen, wie auch einzelner Theile desselben sich auszusprechen. Es war die» um so wichtiger, als allenthalben das katholische und nichtkatholische Volk glauben gemacht werden wollte, der Friede sei voll und ganz hergestellt, so daß die Kirche keine Wünsche mehr habe oder wenigstens kerne mehr geltend machen dürfe. Und es war um so angemessener, je mebr die Gegner der Kirche und des katholischen Volkes behaupteten, nur eine bestimmte Partei sei unzufrieden und schüre und Hetze, während der Papst selbst zufrieden sei. Dem ist der h. Vater entgegengetreten in einer Ansprache an die Kardinäle, in einem hochwichtigen Schreiben an den neuen Staat»sekretär Rampolla und unmittelbar vor Schluß des Jahres 1887 in einem Rundschrei en an die Bischöfe Bayerns.
Seit Antonelli'» Tod ist ein auffallend häufiger Wechsel im Staatssekretariat gewesen. Gerade die Männer, die in ganz hervorragendem Maße für dieses hochwichtige Amt wie geschaffen schrenen, hat der Tod unerwartet bald ihrer Stellung entrückt. So war es im Jahre 1887 mit Staatssekretär Jakobini, der zu Anfang des Jahres einen Stellvertreter bekam, bis nach seinem Tode Rampolla sein definitiver Nachfolger wurde. Bei seinem Amtsantritt überreichte ihm Leo XIII. eine Art Instruktion, die eines der interessantesten historischen Aktenstücke bildet. In wenigen markanten Sätzen hat der h. Vater darin die Beziehungen der Kirche zu den einzelnen Reichen geschildert und zugleich seinem Staatssekretär Winke ertheilt, wie er dem betr. Reiche oder Staate gegenüber seines Amtes walten solle. Das Aktenstück führt uns recht eindringlich zu Gemüthe, daß Charakter unv Beruf des Papstthums auch weltgeschichtlich ist. Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die hohe diplomatische Gewandtheit und die göttlich erleuchtete Weisheit des h. Vaters, so hätte dieses Aktenstück ihn geliefert.
Merkwürdig ! Es lauscht i ie Welt förmlich auf die Worte Leo's XIII. Und wenn er sich vernehmen läßt, so sind es immer herrlich schöne Worte, voll Wahrheit und voll Kraft, denen es nie weder an der Beachtung noch an der Wirkung fehlt.
Es war, wie wenn das Jahr 1887 im engen Anschluß an 1886 die Welt voll und ganz zum er geleitete auch den Polizeirati'. weil er den Staatsdiener in ihm respektirte, vier den Hausflur bis zur Straße, dann trat er zurück in fein Geschäftslokal.
Mißvergnügt schritt Herr Martine! über den Boulevard; er war nicht zufrieden mit dem Erfolge, welchen seine Visite bei dem Goldschmied erzielte. Zwar hatte er die Versicherung, daß vor zwei Jahren noch der Schmuck vollständig echt war und wußte auch, daß Fräulein Delorme Juwelen verkaufte, die einen — für die junge Dame wenigstens — beträchtlichen Werth repräsentirten, doch hatte er nicht den entferntesten Anhalt für da» Thema gefunden, welche» ihn hingeführt.
Er ging nach seiner Wohnung, wo seine Chaise auf ihn wartete, die ihn nach St. Cloud in seine Villa trug.
Mißlaunig, wie er den Laden be» Juweliers verlassen hatte, verbrachte er den Rest des Abend»; es verdroß ihn mehr, al» er sich selbst zugestehen mochte, daß jeder Versuch, da« Faktum im Verborgenen zu ergründen, bi» jetzt fthlgeschlagen war.
Al» er am nächsten Morgen wieder in sein Bureau kam, fand er ein Schreiben de» Taxator» vom königlichen Lombard in Brüssel vor.
Bewußtsein hätte bringen sollen, daß Leo XIII. an alle großen Fragen der Kirche herantreten will, die gegenwärtig ihrer Lösung harren: auf den Gebieten de» innern Leben» der Kirche wie auf denen der äußeren Beziehungen zur Welt. So mag es zu erklären sein, daß die Frage der Aussöhnung Italiens mit dem päpstlichen Stuhle Europa zur Diskussion unterbreitet wurde und gerade in Italien selbst die lebhafteste Erörterung fand. Leo XIII. brauchte nur die Hoffnung und Sehnsucht auszusprechen, Italien mit dem Papstthum versöhnt zu sehen, und alsbald vernahm man aus allen Gegenden und allen Ständen das Echo derselben Sehnsucht. Italien vor Allem bedarf dieser Versöhnung und wird Segen von ihr ernten. So hat Leo XIII. dem Lande zugerufen, das seine Heimath ist und seine ganze Liebe hat.
So sehr sein Wort Anklang fand, so hat man es doch nicht verstanden oder vielmehr nicht ver« stehen wollen. Man suchte glauben zu machen, daß er Versöhnung herbeiführen wolle auf Kosten der unveräußerlichen Rechte des hl. Stuhles, all das Unrecht bestätigend, das Italien ihm zugefügt hat. So sah er sich denn genöthigt, bestimmter zu sprechen, so daß teilte Mißdeutung und kein Mißbrauch seiner Worte mehr möglich war. Nunmehr mußte abermals Alles anerkennen: was Pius IX. gesprochen hat, spricht auch Leo XIII., nur die Worte lauten anders.
So sehr Land und Volk Italiens die Versöhnung mit dem hl.Stuhle wünschen mag, so ist doch die Regierung wie auch die Kammer des Landes keineswegs gewillt, von dem Entrissenen etwas zurückzuerstatten, und der König selbst hat Rom als „unantastbar" bezeichnet. Indessen wäre es ja nahezu wunderbar, wenn das Jahr 1887 schon die Lösung dieser Frage uns gebracht hätte. Sie ist auch viel zu groß, als daß die kleinen Staatsmänner Italiens sie lösen könnten. „International" hat Leo XIII. sie bezeichnet, und keine Macht hat dagegen protestirt. Sträubt sich also Italien heute gegen das, was es selbst und allein auiführen kann, so kann es schon morgen tn die Lage kommen, einem internationalen Richterspruche sich beugen zu müssen. Mehr als die Staaten hat die Kirche Theil an der Ewigkeit Gottes; sie ist darum auch eher in der Lage, auf das morgen warten zu können, wenn das heute ihr das Recht versagt.
Der Schluß des Jahres 1887 bildete den Glanz-
„Werthgeschätzter Herr!" so hieß e» darin wörtlich — r, ,
„Ich entsinne mich des Kolliers, Über welche» Sie Auskunft wünschen, genau. Die Steme, welche für die Dame, die das Schmuckstück pro- sentirte, von unermeßlichem Werthe zu sein scheinen, waren mit Ausnahme einiger kleinen, die fast nicht in Betracht kommen, Imitation. Meinem Gutachten zufolge muß sich das Kollier vor nicht langer Zeit in Umarbeitung befunden haben; die Fassung einiger großen Steme tragt nicht zu verkennende Spuren davon. Genehmigen Sie rc. rc. r „
Ihres ergebenen Plaimbotr.
Dem Polizeirath boten diese Zeilen eine gewisse Genugthuung.
„Es wird mir gelingen, der Sache auf die Fährte zu kommen," lächelte er vor sich. Dann heftete er das Schreiben feinen Notizen an.
Herr Martine!, wie schon früher erwähnt, war, fein Amt betreffend, ein bi» in» Kleinste diffiziler, gewissenhafter Mann. Er hatte wiederholt den Versuch gemacht, die Baronin zu einer nochmaligen, vielleicht eingehenderen Erklärung zu bewegen, doch Frau von Wlldenau hatte ihren f&es zu Liebe