Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag, den 12. Januar.

M 9.

1888

Zeitlin;

Mm

Die Fuldaer, Zeitung" erscheint täglich. Sonn« und Feiertag« auigenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen WochenbeUage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserat«: Die «inspaltige Zeil« ober deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

। " —---------------------------- » ....................

tt Jahres-Rundschau.*) VII.

Da» Papstthum im Jahre 1887.

Wa» die Regelung kirchlicher und kirchen« politischer Angelegenheiten betrifft, so nahm die meiste Arbeit und Sorge de» h. Vater» unser deutsches Vaterland in Anspruch. In dieser Be­ziehung war da» Jahr 1887 ein sehr sorgenvolle» für den h. Vater, aber auch ein sehr gesegnete». E» liegt die Zeit nicht weit hinter uns, in welcher unser Zusammenhang mit Rom den Gegnern An­laß und Gegenstand de» Hohne» und de» Hasses war, in welcher man eifrigst darnach trachtete, das Band zwischen dem katholischen Deutschland und dem Papst in Rom zu lockern. Politik und Wissenschaft suchten sich zu diesem Behufs gegen­seitig in die Hände zu arbeiten; ja wir haben es erlebt, daß die kirchliche Treue des Katholiken gegen den h. Vater ihn zum minderwerthigen Staatsbürger stempelte, und daß sogar der Ver­such gemacht wurde, den Papst für das katholische Deuischland gesetzlich abzußtzen. Das hat sich ganz gründlich geändert. In neuester Zeit drängt der Zug nach Rom hin, wie er vordem von Rom abzustoßcn suchte. Allem Anscheine nach hat diese Strömung im eben beendeten Jahre ihren Höhe­punkt erreicht, und man wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß sie naturgemäß ihren Lauf wieder abwärts nimmt.

Wir Katholiken können e» nur mit Freude und Äeiiuglyuung vegrutzrn, wem-.

unserer Kirche angerufen wird, um diese oder jene kirchliche Frage auf einem einzelnen Territorium der Kirche zu regeln. Bischof und Volk werden durchaus damit einverstanden sein, fall» man sich dazu verstehen wollte, zu jeder Zeit wichtige Angelegenheiten durch den Papst erledigen zu lasten. Anders liegt die Sache, wenn Rom nur in diesem oder jenem Falle angerufen werden will, weil man glaubt durch direkte Verhandlungen mit dem Vatikan staatliche Ansprüche eher durchzudrücken, oder weil man gar hofft, den ferneren Vatikan als Trumpf ausspielen zu können gegen Den näheren Landes-Episkopat. Das Ja^r 1887 war ja ungemein reich an Erfahrungen dieser Art. Gegen den Episkopat sowohl wie gegen da» ka-

*) Nachdruck verboten.

Marien.

Original-Roman von Marie Romany.

(5. Fortsetzung.)

III.

Drei Wochen nach jenem Besuch der Baronin bei bim Polizeirath Martinel gingen, ohne daß sich etwas von Bedeutung zugetragen hätte, in der bunten Aufeinanderfolge von Gesellschaften und Festen rote sie die neu eröffnete Saison mit sich brachte, für Frau von Wildenau wie im Fluge vorder; wohl kamen Stunden, in welchen die Er» inneiung an ihren Ruin sie mit Gewistensbrsten auätte, doch ihre Prunksucht und Ettelkeit Regten; E..gewe eilte mit um so beflügelteren Schritten bim Ende des ihr so unentbehrlich büntenben Prachtlebens zu. Ihren Brillantschmuck hatte sie bis sitzt auf keinem ber Feste angelegt; Re begnügte sich, der Mode angi paßte Kapricegeyänge zu tra­gen, unb überbot sich dafür in ber Pracht ber Toiletten, waü von ben Damen ber Gesellschaft für Laune genommen warb. Somit erreichte Re für bie Dauer breser Festlichkeiten genügenb ihr Ziel; R emand hatte eine Ahnung, daß an den Verhältmsten der schönen Frau da» Mindeste fehlte; man verih'te sie, man vergötterte ihre Töchter; unb so warb es ihr nicht schwir, im Rausche ber

tholische Volk, besten parlamentarische Vertretung und Preffe ist zu wiederholten Malen der Name des Papstes in mißbräuchlichster Weise als Trumpf ausgefpielt worden. Lange hat das unehrliche Spiel der Gegner nicht anhalten können; bei paffender Gelegenheit hat der h. Vater Anlaß ge­nommen, immer und immer wieder kund zu geben, daß Episkopat, Klerus und katholisches Volk in Deutschland seine ungetheilteste Anerkennung haben, und daß es nur aus Kosten der Wahrheit ge­schehen kann, wenn zwischen seinen Wünschen und Bestrebungen und denen des Episkopats und des katholischen Volkes ein Widerspruch und Gegensatz behauptet werden will. Vor neun Jahren hat der h. Vater da» vielgenannte Wort gesprochen, daß sein Herz nicht ruhen werde, bis die katholische Kirche Deutschlands den Frieden wieder gefunden. In der That hatte sein Herz die neun Jahre hindurch keine Ruhe, ständige Sorge um Deutsch­land war sein Antheil; das Jahr 1887 hat aber den ersehnten Frieden eine gute Strecke näher ge­führt. Mit wahrhaft heroischer Geduld hat der h. Vater Jahr um Jahr gehofft und gearbeitet, um mit dem leitenden Staatsmanns Preußens den Frieden zu vereinbaren. Das Jahr 1887 war endlich ein Friedensjahr; zwar hat es nicht den Frieden selbst gebracht, wohl aber ein wahres Friedenswerk erstehen gesehen. Soweit der h. Vater beim Zustandekommen mitgewirkt hat, trägt es in hohem Maße den Stempel de» Vertrau-nS. Ohne ein sehr weitgehendes P;rt;guen zur. .preußischen machen können^ole^er gemacht hat? '

großes Vertrauen zum Klerus Preußens hätte er ie gleichfalls nicht machen können, da sie die Ge­fahr ber allmäligen Korruption m sich lerqen. Episkopat wie Klerus unb Volk Preußens war und ist sich dieser Gefahr bewußt. Der Klerus selbst hat es allerdings in seiner Hand, sie zu verringern. Es ist unschwer zu errathenl, was den h. Vater bestimmte, die großen Zugestänbmfle zu machen. Es soll allmälig der volle Friede ein­treten; es soll da« Verhältniß gegenseitigen Ver­trauens und Wohlwollens bleiben, und es soll das Vorgehen des leitenden Staates auch die übrigen nachziehe«. Letzteres hat der h. Vater m einer Ansprache an bie Kardinals ausdrücklich ausgc» sprachen und es ist ja noch im Lause de» Jahres Lust für ben Moment zu vergessen, wie entsetzlich ber Schlag war, von welchem sie durch den Aus­spruch des Juwelenhänblers betroffen warb.

V Richt so schnell, wie sie selbst, hatte der Poli­zeirath bis ihm gewordenen Mittheilungen bereite aeleat Im Gefühl seiner langjährigen Freund­schaft für das Haus von Wilbenau (Eugeme hatte chon o manches ihrer Geheimnisse ferner Theil- nahme aufgebütbet) hielt er wohl sm ersten Augen­blicke bie Angelegenheit für eine private Sache, für einen Vertrauenserguß ber Baronin, doch als er am nächsten Morgen mit der Nüchternheit, die ihn so charakteristisch hervorhob, die Unterredung über­dachte, hatte sein Pflichtbewußtsein jebe andere Empsinbung au» dem Wege gelegt. Die Anftlä» runa de» Frevel», bie Sühne war fern einziges Kiel. Freilich blieb er entschlossen, bre Unantast­barkeit be» Namen» von Wilbenau ber O-ffentlrch° leit gegenüber, so lange e» irgend thunlrch fern würde, aufrecht zu erhalten, aber er nahm es für eine Verletzung seines Amtes zu rasten, bevor der schuldige Theil seiner Strafe zugefuhrt war. Im Bewußtsein der Pflichterfüllung rüttelte auch seine Freundschaft für bas Haus von Wilvenau nicht an seinem Plane; sein« Stellung gebot ihm, die Fährte be« Verbrechens schonungslos zu ergründen, und er vertraute feiner Tüchtigkeit, seinem Schars»

wenigstens theilweise zur Wahrheit geworden: da» Großherzogthum Heffen ist dem Beispiele Preußen» gefolgt, und auch im Großherzogthum Baden sind im alten Jahre noch die ersten Schritte geschehen, um gleichfalls diesem Beispiele zu folgen. Be­zeichnender Weife war man in Darmstadt schon etwas spröder als in Berlin, und in Karlsruhe noch spröder als in Darmstadt. Erst die Zukunft wird lehren, ob das große Doppel-Vertrauen be­gründet war, welches den h. Vater bei seinen Zu- gsständniffen leitete. Es wäre frevelhafter Leicht­sinn, wenn Episkopat, Klerus und Volk nach den Erlebnissen der letzten V/2 Jahrzehnte jeglicher Besorgniß und jeglichem Mißtrauen entsagen wollten. Das kann und darf nicht geschehen. Auf der anderen Seite muß gegenseitiges Vertrauen die Grundlage wahrer Friedenswerke sein.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Januar.

* Der kürzlich sertiggestellte Entwurf eine» bürgerlichen Gesetzbuchs für das deutsche Reich ist nunmehr dem Kaiser zugegangen.

* Der Präsident der bayerischen Reichsraths­kammer unb Vorsttzenbe ber Centrumsfraktion bes Reichstages, Freiherr zuFranckenstein ist vor­gestern, Dienstag, vom Papst in Audienz em­pfangen worden.

• Auf dem Gebiete der Sonntagsruhe hat der ®ifenbahttttttnifl er einen interessanten uupx<- ersehen nur aus einem Zeit ergangenen Erlaß des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten an die königlichen Eisenbahn- Direktionen, daß derselbe bestrebt ist, den Be­diensteten seines Refforts in ausgedehnterem Maße diejenige Ruhe zu gewähren, welche zur Erholung vom anstrengenden Dienst denselben so sehr noty» wendig ist. Der Erlaß ordnet an, daß fämmt» lieben gegen Tagelohn beschäftigten ständigen Ar­beitern, sowie sämmtlichen im ötations«, Expedr» tionS», Telegraphen-, unb Materialien-V erwallnng«- bienft in der Eigenschaft als Subaltern- und Unterbeamten ebenfalls gegen Tagelohn beschäftigten Personen, sofern dieselben an Sonn» unb Fest­tagen mit Rücksicht auf bie Bedürfnisse bes Eifenbahnbetriebes regelmäßig zur Dienstleistung sinn durch welchen schon so mancher nicht weniger diskrete Fall mit Ersolg behandelt worden war.

Eines Abends klopfte er bei dem Juwelier Far- arbeiten allein?" fragte er, während er eine geringe Verletzung an feiner Uhrkette präfenttrte.

Der Goldschmied lächelte.

Die Arbeitsstunde ist vorüber, meinte er, be­mühte sich jedoch, die kaum merkliche Verkrümmung

D^Pottzettath schwieg. Anscheinend gleichgil- tiq betrachtete er bas schimmernde Durcheinander von Ringen und Kleinodien, welches ben Laden ^ÜlI%n hübsche» Sortiment," begann er bann leichtweg. „Man müßte Kenner sein, um alle diese Schätze in ihrem richtigen Werthe zu verstehen.

Der reale Werth bestimmt nicht immer ben Preis solcher Dinge," erroieberte ber Goldschmied; „man arbeitet zumeist für L>ebhabe:, bei denen ein geschmackvolles Arrangement, eine feine Arbeit mehr gilt, al» der wirkliche Werth." .

„Aber ich meine doch, ein annäherndes Aequt- valent für ben Preis müßte vorhanden fein."

„Annähernd gewiß. Betrachten Sie jutn Ver­spiel jenes Medaillon, desien Fayon so viel Be­wunderung findet. Der Prer» davon tfl zwettau-