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Sonnabend, den 31. Dezember.

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Zeitiiiig

1887

!Die Suldaer, Zeitung- "glich^vonn, undF-i^t°g« ausgenommen Vierteljährlicher «bonnementspreis^ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 M 50 Pf mit belleMstifchen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen- in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M 75 Pf. V '

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Erstes Blatt.

Es waren gerade in Deutschland, und insbesondere in dem Lande, dem wir angehören, in Preußen, schwere Ver­wickelungen entstanden. Der hl. Vater hat gerade diesen Wirren seine Aufmerksamkeit zuqewanot, und er hat durch seine Einsicht und Umsicht den Weg zur Umkehr gebracht. Der Friede ist «och nicht ganz erreicht. Aber es wird noch weiter gearbeitet, und Sie dürfen versichert sein, daß auch das letzte erreicht wird, was wir wollen, nämlich die volle Freiheit t>u Kirche. Der hl. Vater hat auch gesagt, daß das, „ut er zu Stande gebracht, nur der Anfang des Frie­dens, aber der Friede selbst nicht sei. Ich will das heute nicht weiter erörtern, ich will nur entscheiden, was wir dem hl. Vater schulden und noch schuldig sind. Nun sehen wir, daß das Oberhaupt unserer hl. Kirche sein Land ver­loren, selbst die Stadt, welche providentiell zu der Haupt­stadt der katholischen Christenheit bestimmt zu sein scheint, • daß er in einem Palast allein sich eingeschlossen findet. Man leugnet das freilich. Wenn wir aber sehen, was ge­schehen ist, so wissen wir, daß, wenn irgend etwas ge­schähe, was ihn in seine Verbindung mit dem Volke brächte, die äußersten Insulte statlfinden werden. Ist doch selbst die Leiche seines Vorgängers nicht vor Insulten gesichert gewesen. Ich brauche nur daran zu erinnern, was statt­fand — ob spontan oder veranlaßt, will ich dahin gestellt sein lassen — als dieGebeinePius'IX. übertragen wurden.

Deshalb ist und bleibt es wahr, daß der heil. Vater nicht frei ist, und daß er sich eingeschlossen halten muß, um seine Person zu sichern. Das ist ein Zustand, der, wie Jeder begreift, unmöglich dauernd sein darf. Denn in der Stellung, in welcher der hl. Vater sich befindet, ist es nothwendig, daß er frei ist. Er muß in der Lage sein, von seinem hohen Standpunkte aus das auszusprechen, was recht ist, auch dann, wenn es nicht gefällt. ;@r muß Hohen und Niedrigen zu gleicher Zeit immer die Wahrheit sagen können, und ich frage, ob das möglich ist, wenn er von der Gnade anderer Machthaber abhängt. Ich bin des-

Iim IahnmeW!

as Jahr geht um. Der Faden rollt sich sausend ab. Ein Stündchen noch, das letzte heut,

Dann steigt hinab ins dunkle Grab, Was einstens war lebend'ge Zeit. Ich harre stumm.

Rings tiefe Nacht!

Ob wohl ein Auge offen noch? An diesen Mauern rüttelt dein Verinnen, Zeit! Mir schaudert doch. Es will die letzte Stunde sein Einsam durchwacht.

Da steht vor mir,

Was ich begangen und gedacht. Was mir aus Haupt und Herzen stieg. Wie oft ich Gottes Stimm' verlacht. Nun bin ich durch der Sünde Sieg Verlaflen hier.

Mein Lämpchen will Verlöschen, und begierig saugt Der Docht den letzten Tropfen Oel. Wenn so mein Leben auch verraucht, Eröffnet sich des Grabes Höhl' Mir schwarz und still.

Horch, welch' Gesumm'!

Es klingt wie Sterbemelodie. — Die Glocke regt den eh'rnen Mund. O Gott, ich falle auf die Knie, Sei gnädig meiner letzten Stund'! Das Jahr ist um. —

Eine er« ifl» muß :r

Rede des Abgeordneten De.

Windthorft

bei der Leo-Feier in Hannover am 27. Dezember 1887.

Hochansehnliche Versammlung! Ich heiße Sie heute von Herzen willkommen. Ich habe dem Rufe des Kirchen­vorstandes, welcher gewünscht hat, daß ich heute Abend zu Ihnen spräche, entsprechen zu müffen geglaubt, weil ich es immer für die Pflicht eines Gemeinde-Mitgliedes halte, dem Willen des Kirchenvorstandes nachzukommen. Dann bin ich der Meinung, daß es von mir nicht unbe­scheiden sei, zu reden, weil ich jedenfalls zu den ältesten Mitgliedern der Gemeinde gehöre und vielleicht hier in diesem Festsaale der Aelteste big.

Zunächst kann ich der Versammlung mittheilen, daß der h. Vater auf Antrag des Kardinals Hergenröther allen Versammlungen, die zu Ehren d r Sekundiz Sr. Heiligkeit in den Monaten Dezember und Januar abge­halten werden, den päpstlichen Setzen ertheilt. Wir tagen also hier unter dem Segen desjenigen, deffen Gedenktag wir feiern. Die Sekundiz Sr. Heiligkeit,/ d. h. das 50. Jahr nach seiner Priesterweihe und nachdem er zum ersten Male die hl. Messe celcbrirt hat, ist ein seltenes Fest bei den Priestern überhaupt und noch seltener bei den Päpsten, die durch Anstrengungen und Sorgen sehr oft ihren Lebenslauf verkürzt sehen.

Diese Feier muß uns mit Freude, aber auch mit ernster Betrachtung erfüllen; mit Freude, daß der heil. Vater dieses Ziel seines Lebens erreicht hat, und daß er diesen Weg gegangen ist, die Völker segnend und Gnade ausspendend Nach allen Seiten; mit der ernstesten Betrach, tung, weil dieses Fest in eine Zeit fällt, die viel ernster ifi als viele Zeiten vorher. Ich glaube, daß es angezeigt sein wird, wenn wir zunächst die Betrachtung uns ver­gegenwärtigen, welche die Institution des Papstthums in uns wachruft, und wenn wir dann zum zweiten uns ver­gegenwärtigen. was der jetzige Inhaber des h, Stuhles für u»S und für die Welt ist.

Meine Herren und Damen! Ich werde vielleicht nur Bekanntes wiederholen, wenn ich aufmerksam darauf mache, daß das Papstthum eine unmittelbare Gründung des göttlichen Heilandes, daß das Papstthum der Eckstein ist, auf welchem die Kirche Gottes gebauL.routbe. Er sagte zu dem Apostel-Fürsten Petrus: „Du oist Petrus, der Fels, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen." «r gab ihm die Schlüffe! des Himmelreichs und sagte: »Was du lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöset sein, und was du binden wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gebunden sein." Und dann vor den andren Jüngern ihn auszeichnend, sagte er: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe." Das sind die in der hl. Schrift wörtlich angeführten Sätze, mittelst deren der Heiland den hl. Petrus zum Apostel-Fürsten gemacht hat, und da es seine Absicht war, eine Kirche für alle Zeiten zu schaffen, selbstverständlich auch für alle Zeiten den

Wer daran noch zweifeln sollte, den fordere ich auf, dieser ehrwürdige Greis u?" Bewegung;,„ gehemmt, als Gefangener, und was bietet die Welt für ,}m Schauspiel ? Aus allen Elenden der gmrzen Welt wandern Einzelne und ganze Scha°r-n nach Rom, um zu ken Füßen des hl. Vaters kennen zu geben. Man hat mir c ,;ahlt, daß die Pilger aus den verschiedensten Län ern *n Rom sich begrüßt haben als Söhne des einen Vaters. Das, meine ich, ist ein Schauspiel für Engel und Menschen, wie es schöner nicht vorkommen kann, und ich habe nicht einen Augen­blick Zweifel, daß ein großer Schatz von Gnaden sich an- schließeir wird. Und wer etwas näher den Strömungen der Welt zusteht, wer wahrnimmt, wie die Völker in blutigen Kriegen über einander herfallen, wer die falschen Ideen sich immer breiter machen sieht, wer erkennt, wie alles gegen das Christenthum und gegen jeden positiven Glauben überhaupt ankämpft, der könnte versucht sein, den Untergang der Welt nahe zu glauben.

Und mitten in diesem Chaos sitzt der h. Vater auf fernem Throne, durch nichts geschützt als durch die mora- lrsche Kraft, welche ihm di« Einigkeit des katholischen Volkes gewährt. Wir sehen, wie die weltlichen Staaten sich rüsten, wir hören das Geklirr der Waffen; der He l. Vater hat von allem dem nichts und ist doch stark durch die moralische Kraft, welche in der Vereinigung des Vaters mit den Kindern beruht. Das ist ein Schauspiel, welches auch den Mächtigen der Erde zu denken geben nmß und auch zu denken gibt, welches endlich die Augen öffnen muß, daß nicht die physische Macht es ist, die solches wirkt, sondern die moralische Macht, und es ist mein Stolz, zu sehen, daß die moralische Macht siegreich dasteht über alle andern Mächte.

Das ist die Bedeutung des Papstthums, das ist seine Begründung im Allgemeinen.

Nun noch ein Wort über den ehrwürdigen Greis, den wir mit Stolz unfern h. Vater nennen. Er ist in diesen schlimmen Zeiten auf den Stuhl Petri berufen worden. Er hat von dem ersten Momente seiner Thättgkeit an die größte Energie entwickelt, neue Bisthümer gegründet, für dre Ausbreitung des Glaubens viel gethan, vorhandene Mißverständniffe gehoben.

Er hat auch für unser deutsches Vaterland unendlich viel geleistet, seine Sorgfalt für dieses ist sprichwörtlich I geworden, und andere Nationen haben geglaubt, daß i Deutschland den übrigen Rationen vorgezogen wurde I M. H.! In einem Familienhause hat Lm Kind Eifersucht auf das andere. Und wenn wir uns freuen, daß der hl Vater uns so sehr auszeichnet, so freuen wir uns auch “en? « anton feine Liebe erzeugt. TM ist so schön in' der katholischen Kirche, daß in ihr alle andern Unterschiede aufhoren, daß Alle einig sind.in demselben Glauben, in derselben Hoffnung, in derselben Liebe. Es ist heidnisch wenn man einen Unterschied zivischen die Menschen zu bringen sucht. Leider ist das in den heutigen Zeiten gar ° Fall und man vergißt, daß wir Alle zusammen hier auf Erden sind, um uns vorzubereiten auf den Himmel, daß wir gemeinsam den Herrn loben müffen, der seine Freude daran hat, das gemeinsame Lob seiner Kinder zu

Nachfolger des h. Petrus zum Papst gemacht hat. Man fragt, rote man dazu komme, ben Papst vor anderen Bischöfen auszuzeichnen, ja vor andern Priestem, und Viele gehen sogar so weit, daß sie sagen, daß ein Jeder Priester sei. Wollte Gott, es wäre so! Die Antwort, die man solchen Zweiflern geben kann, ist in diesem Falle mit Unzweideutigkeit gegeben. Ich wüßte nicht, wie man einen Zweifel an der göttlichen Jrstitution des Papstthums haben kann. Niemals ist darüber in der Kirche Zweifel gewesen. Die Apostel haben sofort den h. Petrus als ihr Oberhaupt anerkannt und die ersten Christen gleichfalls.

Und der deutlichste Beweis, wie unzweifelhaft dieses den Aposteln und ersten Christen war, ist in dem Uro,- ganbe gelegen, daß, als zu Lebzeiten des h. Apostels Johannes em Zweifel entstand, man sich nicht Ün ihn sondern an den Bischof von Rom wandte, an tzen Nach­folger des h. Petrus. Alle Concilien haben denselben Satz als unzweifelhaft anerkannt, und die gesamm.te Kirche der Welt hat ihn als solchen hingestellt. Schri«g und Tradition gehen nebeneinander, und Niemand lonfate tor'Rroeifer "ufrecht erhalten. Seih der Gründung der Kirche durch den göttlichen Heiland sind viele Jahrhunderte hingegan- gen Sturme sind entstanden. Das-Papstthum hat sieg, re^ch bestanden und besteht heute..' „och, wiewohl viele Mächte der Erde sich vereint hatten ,8 zu stürzen. Wir suchen nur an die Zeit zu denken, welche am Anfänge btefeä Jahrhunderts war. All' hie Reiche der Welt sind un ergegangen, aber das Papfjthum steht fest wie ein Thurm im brausenden Meere, j

SRiffW »ra-Papstthum, ist der römische .Lt9°r Oberhaupt der Kirche so allgemein, so frei- der" Fall°w""^'^ anett<uM n»£e das in den letzten Jahren

Realisirung finden. Wir wollen deshalb bei jede. ______

genheit wiederholen: wir verlangen, daß der hl. Vater frei ist, daß er das ©einige zurückerhält. Wir wollen beten zu Gott, daß er dieses Ziel bald verleihen möge; dann wird uns Gott beistehen, und der Waffen bedürfen wir nicht. Ich habe Ihnen b reits gesagt, wie der hl. Vater in der ganzen katholischen Christenheit anerkannt ist. Es ist aber nicht allein die katholische Christenheit, welche die Bede.- tung des Papstthums erkennt, es sind auch die Mächte die­ser Erde, und wir haben bereits gesehen, rote oft und wie erfolgreich der hl. Vater eingetreten ist und den Frieden zu erhalten m der Lage war. Wir sehen, wie er bemüht ist, die großen Kämpfe, welche auf dem sozialen Ge­biete statlfinden, in die richtige Bahn zu führen, und keine Macht der Erde hat so viel gethan rote die kathol. Kirche, um die soziale Frage zu lösen, und nach meinem Dafür­halten hat der Staat mitzuhelfen. Die Kirche wird das Ziel erreichen, daß sie die Gegensätze ausgleicht und wie­der Frieden in die Welt bringt. Das ist die große Auf­gabe des Papstthums und der katholischen Kirche in der heutigen Zeit. Wir sind noch nicht am Ende, aber wir müffen uns schon jetzt klar machen, woher der Erfolg kom­men muß. Und erreichbar wird er sein, wenn wir die Wege wandeln, welche der hl. Vater uns zeigt. Seien wir überall Christen, und es wird keine soziale Frage mehr geben. Diese Gedanken habe ich Ihnen vorsühren wollen, weil sie Ihnen gleichzeitig Veranlaffung geben, Ihre Zu. stimmunz dazu auszusprechen und so mir Gelegenheit zu geben, dem hl. Vater kund zu rhun, was die katholische Gemeinde in Hannover gedacht, gefühlt und gelobt hat. Die Gemeinde in Hannover ist nicht groß, aber sie ist in stetem Wachsen begriffen, und ich habe keinen dringenderen Wunsch als den, daß fte auch an innerem Werthe zuneh­men möge. Ich faae. seien wir Katholiken, das ist die beste Werse, uns geltend zu machen, so wie wir es wollen, und die Anderen zu überzeugen, daß wir auf dem rechten Wege stad. Wir mögen ober bei einem solchen Fsste uns recht ernst das Gewiffen darüber erforschen, ob wir katholisch sind und katholisch leben. Denn nur dann, wenn rou solche Nutzanwendung aus solchem Feste ziehen, wird es nützlich sein für Zeit und Ewigkeit.

Meine Herren und Damen! Dre Letzteren gehören nothwendig dazu. Denn vom frommen Sinne der Frau hängt es ab, wie es im Hause aussieht. Eine wahrhaft fromme Frau hat schon oft ihren Mann auf den rechten Weg zurückgedracht. Die Frau glaubt oft, daß fie durch allerlei Aeußerlichkeit Werth habe. Ich will nicht darüber streiten. Ich bin anderer Me nung, und ich kann Ihnen f.gen, daß es nichts Erfreulicheres, nichts Unwidersteb licherrs gibt, als eine betende Frau. Und ich glaube'

sollen. Aber wenn die katholische ^,->-ffte»h«it dann wird endlich die Wahrheit duichdiii.j,--n. kannte Wahrheit kann nicht unterdrückt roetben"

halb der Meinung, daß die ganze katholische Welt diejPflicht und das Recht hat, einen Wandel auf diesem Gebiete zu verlangen, versteht sich, daß wir keineswegs der Meinung sein können, zur Durchführung eines solchen Zieles irgend "'«'ja an-''k"n--» . D.rrck Keropkt roetben Insti-