M 299.
Freitag, den 30. Dezember.
1887
fulbaet
Die Fuldaer «eituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher »bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. De zember.
♦ Das Jubiläum des heiligen Vaters ist in Deutschland an allen Orten unter zahlreicher Betheiligung der Katholiken aller Stände am Feste des hl. Stephanus kirchlich mit Hochamt, Te Deum und Festpredigt und in sehr vielen Orten auch weltlich begangen worden. In den bischöflichen Restdenzen nahmen die hochwürdigsten Bischöfe an der weltlichen Feier und dem mit derselben verbundenen Festmahle gleichfalls Theil. Aus Köln, Mainz, Trier, Breslau, Hildesheim, Osnabrück, Münster, Paderborn u. a. größeren Städten eingegangene Nachrichten schildern die Begeisterung, mit welcher die Toaste und Festreden ausgenommen wurden, welche bei dieser Veranlassung gehalten worden sind. Vielfach war mit der Festesfeier auch eine Illumination verbunden. In Hannover hielt der Abg. Dr. Windthorst die Festrede.
• lieber das Befinden Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen ist heute folgendes Bulletin aus- gegeben worden:
San Remo, 29. Dezember, 7 Uhr 25 Min. Vorm. Die zuletzt aufgetretene Wucherung am linken Taschenbande hat nicht weiter um sich gegriffen, sondern hat sich in eine Gefchwürsflocke umgewandelt, welche sich zu benarben beginnt; in der Umgebung derselben bleibt eine dauernde Verdickung des Taschenbandes, sowie eine Neigung zu Schleimabsonderung, welche jedoch auch im Nuchlassen begriffen ist. Das Allgemeinbefinden ist, wie immer seit Wochen, durchaus befriedigend. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell.
* Die Blätter, welche das widerwärtige Schauspiel eines Streites um die künftigen deutschen Kaiser vor dem deutschen Volke aufführen, find fast ausschließlich dieselben, welche sofort mit dem Vorwurf des „Mangels an monarchischer und nationaler Gesinnung" bei der Hand sind, wenn ein katholisches Blatt nicht über alles in Entzücken geräth, was die Regierung von dem Volke zu fordern beliebt. Es find dieselben, welche vor einem Jahre die Verwerfung des Septennats als eine Beleidigung des Kaisers ausschrien, bei den Wahlen die Parole „für oder wider den Kaiser" ausgaben und überhaupt bet jeder Gelegenheit die Person des Monarchen in das Partei-
Take the pledge!
Eine lehrreiche Geschichte von H. L.
9. Fortsetzung statt Schluß
10.
Eugen war froh, daß j-tzt die Sache wenigstens vorläufig in den Gang gekommen war. Nach Hause zurückgekehrt, berichtete er dem Verwalter, was geschehen, und auch dieser freute sich sehr über dem Anfang der Ausführung. Er meinte, wenn die Leute nur ein Bischen Verstand hätten, würden sie sicher eine günstige Antwort ertheilen. Eugen's Hoffnung war nun nicht so fest, aber er gab sich auch keiner aussichtslosen Schwarzseherei hin. —
Schon waren 14 Tage verflossen, und noch immer war keine Antwort da.
Jetzt fing Eugen doch an, an einem glücklichen Ausgang des Unternehmens zu zweifeln. Der Verwalter aber sagte:
„Gerade im Gegentheil! Wären die Eltern von Vornherein entschlossen gewesen, „Nein" zu sagen, so hätten sie das gleich geantwortet. So aber ist klar, daß sie sich die Sache gründlich überlegen, was man ihnen gewiß nicht verdenken kann. Es ist sogar wahrscheinlich, daß sie Erkundigungen über Sie eingezogen haben, vielleicht bei dem Baron selbst."
treiben zerren. Wir fragen aber: wer schadet dem Ansehen der Krone und dem monarchischen Prinzip mehr, wer trägt zur Verwüstung der monarchischen Gesinnung und zur Untergrabung der Autorität mehr bei, die „ultramontan-demokratische" Presse, welche unablässig mahnt: laßt den Kaiser und das Kaiserhaus aus dem Parteigezänk — oder die „nationalen" und „königstreuen" Blätter, welche nicht allein die Person des gegenwärtig regierenden Kaisers in den Kampf der Parteien hineinzuziehen suchen, sondern sich auch schon vor allem Volke um die beiden künftigen Kaiser zanken und streiten? Gereicht das etwa zur Stärkung des monarchischen Bewußtseins im Volke und zur Vermehrung des Schutzes gegen Umsturzbestrebungen, wenn das Volk sieht, wie jede Partei die Thronerben für sich und im eigenen Interesse mit Beschlag legen möchte und dabei zugleich die Dreistigkeit besitzt, sich und ihren Anhang für das ganze Volk auszugeben? Doppelt widrig und doppelt verderblich wirkt das Schauspiel, wenn die Streitenden dabei zugleich von monarchischen Phrasen triefen und ihrer „Entrüstung" darüber Ausdruck geben, daß der Gegner dasselbe thut, wie sie.
* Breslau, 27. Dez. Wie die .Schlesische Volksztg.' berichtet, fand zur Feier der Sekundiz des h. Vaters Papst Leo XIII. am Montag Nachmittag 5 Uhr im neuen Saale des St. Vin- zenzhauses ein Festmahl der katholischenBürger- sHaft Breslaus statt, welchem der hochw. Herr Fürstbischof Dr. Kopp p:äsidirte. An der Feier nahmen mehr als 250 Personen, den verschiedensten Berufsständen und Bevölkerungsklaffen angehörig, Theil. Zur Rechten des Herrn Fürstbischofs nahm Graf Hans Ulrich v. Schaaffgotsch, zu seiner Linken Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Porsch Platz. Dem hochwürdigsten Herrn gegenüber saß der Herr Weihbischof Dr. Gleich. Der Herr Fürstbischof feierte den erhabenen Jubilar mit folgenden Worten:
Hochwürd ge, hochgeehrte Herren!
Ich habe mich erhoben, um mit Ihnen der festlichen Stimmung Ausdruck zu geben, welche uns am heutigen Abend hier beseelt. Sie gilt unserem h. Vater, der heute 50 Jahre seines Priesterthums vollendet hat. Was soll ich jedoch zu Ehren dieses hohen Freudentages sagen?
So war es wirklich.
Das Schreiben des Barons hatte einen günstigen Erfolg. Er konnte ja auch mit gutem Gewiffen Eugen empfehlen.
Groß war die Freude Eugen's und des Verwalters, als endlich eine Antwort kam, die für unseren Freund recht schmeichelhaft war. Es stand darin, daß sie gerade aus seinem Geständniß und aus 6er Offenheit, mit welcher er diesen Umstand zuerst zur Erledigung gebracht hätte, den besten Einbruck von seinem Charakter gewonnen hätten. Sie hätten der Tochter die Sache mitgetheilt; dieselbe sei nicht abgeneigt, mit ihm in nähere Bekanntschaft zu treten, behalte sich aber ihren Entschluß noch vor, bis daß sie sich genauer kennen gelernt hätten.
Eugen's Schwester schrieb ebenfalls. Sie lud ihn ein, etliche Wochen zur Faschingszeit in ihrem Hause zuzubringen, und ihr Mann hätte in freundlichster Weise diese Einladung wiederholt.
Kurz entschlossen sandte Eugen diese Briefe alle zusammen an seinen väterlichen Gönner, den Herrn Baron von Schönborn. Dieser antwortete recht bald. Er wünschte ihm Glück zu dem einstweiligen Erfolge, und gab ihm für die 14 Tage vor der Fastenzeit Urlaub.
Schon während des Winter« schrieb Eugen mehrere Briefe an die Eltern des Müschens und an diese» selbst. Er erhielt auch Antwort,
Neues vermag ich nicht mehr zu sagen, alles was des Katholiken Herz für diesen Tag fühlt, das ist schon durch Wort und That an den Tag gelegt und zum Ausdruck gebracht, viel schöner, als ich dies heute zum Ausdruck bringen könnte. Die katholische Kirchs erstreckt sich über den ganzen Erdkreis und unter allen Nationen zählt sie ihre Bekenner, aber so verschieden auch die Nationen und Staaten in Kultur und Sitte sind, ja so sehr sie auch gegenseitig in politischer Beziehung fremd sind, für alle ist dieser Tag doch der gleiche, an dem die ganze katholische Welt eins ist in ihrer begeisterten Liebe für das Oberhaupt unserer hl. Kirche. In dem Augenblicke, in welchem die Nationen sich feindlich gegenüber stehen und im Begriffe sind, sich zu zerfleischen, zeigt sich um so herrlicher ein anderes Bild, das Bild der innigsten Eintracht unter den Nationen. Dieses Bild zeigt uns einen schwachen Greis, einen armen Greis ohne Armee, ohne irdische Hilfsmittel. Und diesem Greise hangen die Nationen an mit einer Liebe, einer Begeisterung, welche des Martyriums fähig ist und fähig gewesen ist. O, wunderbare Einheit der katholischen Welt! Dies ist ihre Stärke im Kampfe und ihr Ruhm und ihre Ehre für die ganze Welt.
Aber, meine Herren, worin liegt das Geheimniß dieser wunderbaren Einheit? Es liegt in jenem Greise auf dem Stuhle des h. Petrus. Er ist der Mittelpunkt, welcher alle Sympathie, alle innige Anhänglichkeit und Liebe der ganzen katholischen Welt in sich zeigt und in sich vereinigt. Ja, diese Liebe und Ehrfurcht, dieser innige An- schluß an den Mittelpunkt der Kirche, an das Oberhaupt, er ist ein urkatholisches Merkmal, er ist eine zarte Sache, welche nicht getrübt werden kann, er ist das unerläßliche Merkmal des katholischen Christen. Je mehr man sich von der Liebe und Ehrfurcht gegen den h. Vater entfernt, desto mehr lockert man das Band, welches mit der Kirche verknüpft. Dieser Grundsatz ist es, welcher die katholische Einheit vom Nordpol bis zum Südpol, von einem Ende der Welt zum anderen, der zerrissenen und von Feindschaft und Zwietracht entzweiten Welt vor die Augen führt.
Und so hoffe ich denn, meine Herren, alle die Ehrenbezeigungen, alle die Gefühle katholischer Liebe und katholischer Begeisterung gegen das Oberhaupt unserer Kirche zusammen — allerdings nicht aus der ganzen Welt, dafür habe ich keinen Auftrag — aber aus meiner ganzen Diözese, vom Ostseestrande bis zur Oderquelle, alle diese fasse ich zusammen und bringe sie heute Abend schon zu den Füßen unseres hl. Vaters, um sie in Ihrem Namen, so Gott will, in einigen Tagen ihm wirklich zu Füßen zu legen. So wollen wir denn unserer Verehrung und Liebe gegen Leo XIII. einen lauten Ausdruck geben, indem wir ihm zurufen:
Unser h. Vater, dem wir das Gefühl der innigsten Lieb- und die herzlichsten Glückwünsche zu Füßen niederlegen, er lebe noch recht lange und zur Ehre unserer hl. Kirche, er lebe glücklich, und alle Wünsche mögen in Er- füllung^gehen, die auch in unseren Wünschen für seine
woraus er mit Freuden die schlichte und verständige Gisinnung eikannte, welche seine Auserwählte beseelte.
Der Urlaub von 14 Tagen verfloß ihm wie ein Traum; nicht als ob sie sich aus einem rauschenden Vergnügen in's andere gestürzt hätten; im Gegentheil, obschon sie das eine oder andere Fest mitfeierten, so brachten sie doch die meiste Zeit in gemüthlicher Unterhaltung bald in dem Hause des Schwagers, bald in dem Hause der Eltern zu.
Als Eugen sich endlich verabschieden mußte, nahm er das Jawort feiner Zukünftigen mit; und da der Vater des Mädchens als vernünftiger Mann sich gegen einen zu langen Brautstand ausgesprochen hatte, wurde die Hochzeit auf den Herbst desselben Jahres festgesktzt. Als glücklicher Bräutigam kehrte Eugen stolz und vergnügt auf die Holzmühle zurück.
Im Verlauf des Sommers ließ der Herr Baron für das junge Paar eine freundliche Wohnung Herrichten, und nachher kam die zukünftige Schwiegermutter, um die innere Einrichtung des Hauses an Ort und Stelle zu überlegen und vorzunehmen. Er gefiel der Dame so wohl auf der Holzmühle, daß sie schon bei dieser Gelegenheit Eugen versprach, sie werde mit ihrem Manne in nicht allzulanger Frist sich ihren Wohnsitz in der Nachbarschaft aussuchen. Es lag dieser Gedanke um so