JS 297.
1887
Mittwoch, den 28. Dezember.
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Fullmer
Die Fuldaer, Z-iiung' «schont täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. BierteljShrlicher «bonnem.ntspreiS ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pi., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Steine und Blumen' tn Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
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das am 1. Januar beginnende I. Quartal des kommenden Jahres 1888 wolle man schleunigst dem nächsten Postamt zustellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können «nd prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Dezember.
• Die politische Lage hat sich in den Weihnachtstagen nicht geändert. Da ihr Wesen hauptsächlich in der größten Unklarheit besteht und diese noch dadurch vermehrt wird, daß jetzt österreichische offiziöse Stimmen bestreiten, daß die bulgarische Frage den Kernpunkt der Situation bilde, so will die Beruhigung dec Gemüther keine Fortschritte machen, obwohl beunruhigendere neue Nachrichten nicht vorliegen. Als eine solche wäre höchstens die militärische Konferenz auszu- faffen, die gestern wieder einmal unter dem Vorsitz des Kaisers von Oesterreich getagt hat. Gegen diese Konferenzen wird aber die öffentliche Meinung allmälig abgestumpft, weil man praktische Resultate derselben nicht sieht. Wenn Deutschland unmittelbar vor dem Kriege mit zwei Großmächten stände, so würden wahrscheinlich in Berlin nicht halb so viel militärische Konferenzen stattfinden, als jetzt schon inMen stattgefunden haben und sicher würde die Welt nicht durch den zehnten Theil von Depeschen darüber beunruhigt werden, wie es jetzt seit Wochen von Wien aus geschieht. Die Ankunft des Prinzen Joseph Windischgrätz in Berlin, die man tn Wien auch wieder als neues Moment der Beunruhigung verwerthet zu haben scheint, ist, wie man der ,Fr. Z.' von hier schreibt, in Berlin so- fort als bedeutungslos erkannt worden, weil jeder Zeitungsleser weiß, daß dieser Prinz alljährlich die Weihnachtstage bei hiesigen Verwandten zubringt.
Take ths pledge!
Eine lehrreiche Geschichte von H. L.
17. Fortsetzung
So konnte Eugen sich nie entschließen, in seine Seimath und nach X. zu reisen. Einstmals war er aenöthigt, sich in eine Maschinenfabrik zu begeben wo seine persönliche Anwesenheit bei Anfertigung einer neuen Holzschneidemaschine dringend erforderlich war. Die Reise dahin führte unumgänglich über X. Um nun mit keinem Bekannten aus früherer Zeit zusammenzutreffen, wählte er sich einen Nachtzug, der in X. gar nicht hielt; und damit er auch nicht zufällig erkannt werden könnte, ließ er sich vor der Reise seinen schönen Vollbart, den er früher auch in X. getragen hatte .vollständig abrasiren. Auch in anderer Weise wurde er von Zeit zu Zeit an seine früheren Sünden erinnert. Bet der Ausdehnung des Geschäftes konnte es nicht ausbleiben, daß unter den vielen Fremden, die auf die Holzschneiderei kamen, ab und zu sich einer befand, der Eugen aus jener Zeit her kannte, und von seiner damals erfolgten Verurtheilung wußte. Das Zusammentreffen mit solchen Leuten gereichte Eugen dann jedesmal zur größren hinein Qual; und wenn er auch noch so sehr sich davon überzeugen konnte, daß man ihm
* Die Erhebung der spanischen Gesandtschaft zu Berlin zum Range einer Botschaft ist jetzt offiziell erfolgt.
* Das Gesetz über die Konsulargerichts- barkeit vom 10. Juli 1879 ist durch Kaiserliche Verordnung vom 1. Januar k. I. ab auch für das südwestafrikanische Schutzgebiet in Kraft gesetzt worden.
* Das ,Kl. Journal' läßt sich aus London berichten, daß die Anstrengungen der hessische Verwandten des Londoner Hofe», den Prinzen Alexander von Battenberg, den ehemaligen Fürsten von Bulgarien, mit der ältesten Tochter des Prinzen von Wale« zu vermählen im Windsor- schloß nicht ohne Erfolg geblieben seien.
• Die Einfuhr von Schweinen über die gc- sammte Grenzstrecke gegen das Großherzogthum Luxemburg ist bis auf Weiteres verboten worden, um zu verhüten, daß Schweine aus Dänemark oder Skandinavien, wo die Schweinepest ausge- drochen ist, über Luxemburg nach Deutschland gelangen.
* Der Betrag der für die Naturalverpflegung von Truppen zu gewährenden Vergütung ist für 1888 wie folgt ftstgestellt worden: Für die volle Tageskost mit Brod 80 Pf., ohne Brod 65 Pf., für die Mittagskost mit Brod 40 Pf., ohne Brod 35 Pf., für die Abendkost mit Brod 25 Pf., ohne Brod 20 Pf. und für die Morgenkost mit Brod 15, ohne Brod 10 Pf. für Mann und Tag.
* In Betreff der Krankenversi-ches-ung der Arbeiter wird geschrieben: Nach neueren Wahrnehmungen sind Personen, welche dem Krankenversicherungszwange unterliegen, aus den freien Hilfskassen, welchen sie angehörten, aus freiem Antriebe wegen Nichtzahlung der Beiträge oder aus anderen Gründen ausgeschieden. Von dem Zeitpunkte eines selchen Ausscheidens ab werden jedoch diese Personen, vorausgesetzt, daß sie die bisherige Beschäftigung beibehalten, nach dem Krankenversicherungs - Gesetze ohne Weiteres Mitglieder der Ortskrankenkaffe und dem betreffenden Arbeitgeber liegt die Anmeldung der aus der freien Hilfskaffe Ausgeschiedenen, sc- wie die Einzahlung der Beiträge an die Orts- krankenkoffe ob, weshalb die Arbeitgeber die Zu- mit aller Achtung und mit Wohlwollen entgegenkam, er konnte sich des Gefühles nicht entfchlagen die andern dächten an feine Jugendsünde.
Bei einer Gelegenheit wurde sie ihm sogar direkt vorgerückt. Unter den später hinzugezogenen Arbeitern war einer aus der Nähe von X. zu Haus, was Eugen aber Anfangs nicht wußte. Der betreffende Arbeiter wurde nun eines Tag-S unter vier Augen von Eugen verdientermaßen getadelt. Trotzig senkte er den Kopf und antwortete: „Ich habe doch noch nicht im Gefängmß gesiffen."
Diese Antwort machte auf Eugen einen so meder- fchmetternden Eindruck, daß er sich stehendes Fußes zu dem H-rcn Baron begab, welcher zufällig auf der Holzschneidemühle war, und ihn dringend um seine Entlaffung bat. Er wolle nach Amerika aus- wandern.
Der Baron war ganz verblüfft über diesen unerwarteten Wunsch und frug ihn um den Grund dieses seltsamen Gedanken». Nach längerem Zögern theilte Eugen ihm die Worte des Arbeiters mit, und fügte hinzu: „Jetzt kann meines BleiberS hier nicht länger fein. Dieser Mann wird meine Geschichte den übrigen Arbeitern erzählen, und ich kann unmöglich den Gedanken ertragen, daß die Leute diesen dunklen Punkt aus meiner Vergangenheit kennen."
Der Baron war selbst im Augenblicke unsicher,
gehörigkeit ihrer Arbeiter zu den erwähnten Hilfskaffen genau zu beaufsichtigen haben.
* Posen, 27. Dez. Der ,Kuryer Poznanski' widerspricht der Meldung der ,Köln. Ztg.', daß vor den Thüren der Wohnung de« Erzbischofs Dinder in Posen polnische Schmähschriften gefunden worden seien.
Ausland.
* Wien, 27. Dez. Offiziös wird der Anwesenheit des Prinzen Windischgrätz in Berlin jede politische Bedeutung abgesprochen. — Unter dem Vorsitz des Kaisers fand gestern in der Hof- bürg e«ne militärische Konferenz statt, welcher der Erzherzog Albrecht, der Kriegsminister v. Bylandt-Rheydt und der Chef des Generalstabes, Feldmarschall-Lieutenant v. Beck, beiwohnten.
* Das Wiener offiziöse ,Fremdenblatt' erkl die Meldung der .Nationalzeilung', wonach l Gemahlin des Prinzen Waldemar von Dänemar dem Czaren das vielberufene gefälschte Aktenstück auf Schloß Fredensborg überreicht habe, für erfunden.
* Rom, 23. Dez. Heute Morgen hat der h. Vater im Vatikan ein öffentliches Consistorium zur Vorbereitung der Canonisation gehalten. Die Kardinäle, die französischen und die anderen hier anwesenden Bischöfe, darunter Msgr. Stumpf von Straßburg, sowie Vertreter der Presse, wohnten der feierlichen Ceremonie bei. Der heil. Vater hörte die Verlesung der Dekrete an, nach welchen die Canonisation auf den 15. Januar festgesetzt ist, und sprach hierauf seine Entscheidung aus, daß die Seligen heilig zu sprechen seien.
* Rom, 26. Dez. Der Papst empfing heute in besonderen Audienzen die Mitglieder des diplomatischen Corps, welche demselben ihre Glückwünsche anläßlich seines Priesterjubiläums, sowie zu dem bevorstehenden Neujahrsfeste darbrachten. Der Herzog von Norfolk überreichte dem Papste Namens der Königin von England ein Geschenk, der König von Holland, der König von Württemberg und der Großherzog von Baden ließen gleichfalls Geschenke überreichen. — Herr LJebre de Behaine, französischer Gesandter, der in den nächsten Tagen hier wieder eintreffen wird, überbringt ein Glückwunschschreiben des Präsi-
was er thun sollte. Doch schnell entschlossen antworte er: „Ruhiges Blut, Eugen! Stelle Dich in jenes Zimmer; ich werde den Arbeiter sofort sprechen, und Du kannst also Alles hören, was vorgeht.
Er ließ den Arbeiter sogleich rufen, und als derselbe eintrat, frug er. ihn: „Was • haben Sie eben zu Herrn Pitsch gesagt?"
Der Arbeiter war betreten, antwortete aber der Wahrheit gemäß.
„Wie kommen Sie dazu, Ihrem Vorgesetzten, der mein volles Vertrauen genießt, ich sage Ihnen, mein volles Vertrauen hat, eine solche Grobheit zu sagen?"
Der Arbeiter wurde noch mehr verlegen und stammelte: „Es ist mir so heraus geschlüpft, ohne daß ich es überlegt halte."
„Rufen Sie mir sofort diejenigen Ihrer Kameraden hierhin, denen Sie von der Geschichte etwas gesagt haben. Ihnen und den Betreffenden, die darum roifi.n, w>ll ich ein Wort sagen, das Sie sobald nicht vergeffen werden."
„Aber", entgegnete der Arbeiter, „ich habe noch mit keinem Einzigen hier von der Sache gesprochen. „Ich habe" fuhr er, freier werdend fort, „selbst bisher nicht daran gedacht — bis eben, aU der Aufseher mir Vorwürfe machte."