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Sonnabend, den 24. Dezember.
1887
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^Ehre sei Gott in der Lühe, Frieds den Menschen auf Erden,
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wenigstens bei denen, die überhaupt glauben wollten und darum vor der Beweiskraft der Thatsachen sich beugten. Allein deutlicher, durchgreifender zugleich hat auch der unsichtbare Lenker der Kirche kaum jemals es bewiesen, als unter dem Pontifikate Le'o XIIL Die Großen der Erde wie ihre Völker können es sehen, daß die Kirche in Wahrheit auf einen Felsen gegründet ist. Und wenn sie auch nicht durchweg daran glauben, so erfüllt sie doch eine Ahnung von der Bedeutung der Worte Jesu. In der Kirche wie im Papstthum sehen sie eine höhere Macht als die, welche auf ausgedehnte Grenzen, auf einen gefüllten Staatsschatz und auf wohlausgerüstete Kriegsarsenale sich stützt. Und sie kommen alle und neigen ehrfurchtsvoll ihr Haupt. Welch' eine Wendung I Wer hätte diesen großartigen und raschen Wechsel noch vor einem Jahrzehnt für möglich gehalten? Das ist es, was dem Jubiläumsfeste unseres hl. Vaters einen ganz eigenen Charakter verleiht, mit wahrhaft überirdischer Glorie es umstrahlt.
Und wie im Pontifikate Leo's XIII., so tritt in seinem ganzen Leben deutlich und Allen ei kennbar das Eingreifen der göttlichen Vorsehung zu Tage. Die Geschichte seines Pontifikats breitet das nöthige Licht über seine ganze Vergangenheit aus. Und in diesem Lichte erscheint uns die lange Geschichte seines Wirkens als Diener der Kirche, wie eine Stufenleiter mit sicheren, ehernen Treppen, deren End-Ausgang sich den Blicken entzieht, so lange man nicht oben angekommen ist. Ruhigen und festen Schrittes steigt ein gottgeweihter Mann hinan. Er sucht nichts für sich selber, darum genügt es ihm, auf der ersten Treppe zu weilen. Aber der, dem er sich geweiht hat, läßt ihn Schritt für Schritt die Stufen emporsteigen. Auf jeder darf er weilen, auf jeder sich umsehen. Aber sobald er heim sch ist, muß er höher hinansteigen. Der gottgeweihte Mann läßt sich willig führen: er verschmäht die niedere Stufe nicht, er sucht nicht die höhere, er weigert sich aber auch nicht, höher empor zu steigen. Wohin soll es führen? Mehr als Einer von denen die ihn genau beobachten, ohne aber den zu sehen, der ihn emporführt, denkt und sagt es laut. Er selber ahnt es nicht, denn sein Herz wünscht es nicht. Endlich hat er die oberste Stufe erklommen; er sieht nun selber welchem Ziele er zugesührt ward: vor ihm steht der verwaiste päpstliche Thron. Und derselbe Führer, o r ihn Stufe um Stufe hat. empor-
steigen lassen, schiebt und drängt ihn vorwärts 5 und heißt ihn niedersitzen Das war Joachim P-cci als Priester, Bischof und Kardinal, und ist Leo XIII., der der Welt Segen spendet und Frieden bringt.
Das Leben des Menschen ist häufig eine Kette von Räthseln, in welche nicht selten erst Tod und Gericht Klarheit bringt. Auch das Leben des erhabenen Jubelgreises ist eine lange Kette — nicht von Räthseln, wohl aber von auffallenden Thatsachen. Sein Pontifikat verbreitet Licht und läßt diese Kette als em Meisterwerk göttlicher Kunst erscheinen, die Ring um Rmg emgefügt, bis die Tiara die Kettte geschlossen hat. Die lange Reihe der Päpste schließt große Heilige in sich, es finden sich in ihr Männer von erstaunlicher Gelehrsamkeit, man findet unter ihnen die größten, wahrhaft heroischen Dulder neben den großartigst angelegten Herrschertalenten und unbeugsamsten stahlharten Charakteren. Was sich an wahrer menschlicher Größe nur denken läßt, das findet man unter den Päpsten vertreten. Nichts von menschlicher Größe kann auf dem päpstlichen Stuhle zur Erscheinung kommen, das nicht schon dagewesen ist. Leo XIII. ist ein Mann christlicher Tugend und Vollkommenheit, andere sind es vor ihm gewesen; eine große Schaar heiliger Männer hat vor ihm den päpstlichen Stuhl geziert. Leo XIII. ist ein Dulder und Bekenner: Bekenner und Märtyrer haben vor ihm das Oberhirtenamt bekleidet, Leo XIII. ist ein eminenter Gelehrter und Freund der Wissenschaft; er wandelt hierin die Pfade, die andere Päpste zum Ruhme des hl. Stuhles und der Kirche vor ihm begangen haben. Leo XIII. ist ein Mann von ausgesprochener Klugheit und Weisheit, zum Herrscher geboren • mehr als emer seiner Vorgänger hat den Gipfel der Herrschergröße erstiegen.
Aber Eines ist, was vor allen Andern ihn auszeichnet: menschliche Grüße von Gottes Gnade getragen und von Gott selbst berangebildet und in denl Wirkungskreis hineinzestellt, in welchem sie nicht Menschen dienen, sondern Gottes Zwecke sördern sollte. Bei keinem der vielen Päpste tritt es deutlicher und unzweifelhafter zu Tage, daß der Herr selbst ihn nicht blos berufen zu dem hehren Amte, sondern auch für daffelbe herangezogen hat.
Das Jubelfest des Papstes ist darum in erster Linie ein erhabenes Danksest der katholischen Christenheit. In Leo XIII. ist ihr verkörpert und lebendig der Beweis dafür gegeben, daß der gute Hirte von den Höhen des Himmels herab allzeit über seine Heerde wacht, mit seiner Macht sie schirmend und mit seiner Liebe sie segnend.
Und wenn wir sehen, wie das ganze Erdenrund Aufmerksamkeit und Interesse dem Jubelgreis im Vatikan zuwendet, und alle Fortschritte des Jahrhunderts zu Hilfe nimmt, um den Glanz seines Ehrenfestes zu erhöhen, so erscheint uns das „ewige Rom" in diesem Glanze verjüngt; winzig klein ist die Weltherrschaft der römischen Cäsaren im Vergleich zur Weltherrschaft des Papstes in Rom, wenn auch der weltliche Besitz ihm entriffen ist; das Jubelfest des Papstes ist, wie ein Triumph der Kirche, so auch ein Triumph des Höheren, Geistigen über das Materielle, ein Triumph der ewigen Macht über die irdischen Gewalten, ein Triumph des Glaubens und der Religion über Unglauben und Jndifferentismus, ein Triumph der immerwährenden Einheit und Einmüthigkeit über die Zerrissenheit in Sachen der Religion. Je mehr unser Jahrhundert in Materialismus versunken ist, je weniger die Generation dem Ideellen nachjagt; je mehr Fürsten und Völker geneigt sind, auf d«e Machtmittel dieser Welt die Gegenwart zu sichern und die Zukunft aufzubauen, desto erhabener erscheint uns das Jubelfest des heil Vaters in seiner universellen Bedeutung. Die Welt, die unter dem Druck des Materialismus leidet, folgt dem Zuge ihres eigenen Interesses, wenn fte in Theilnahme und Verehrung dem hl. Vater sich zuwendet, wie sie vordem in Gleichgiltigkeit und Haß sich von ihm abgewendet hat. Es ist em Stück Selbsterhaltungstriebes, der die Völker wie ihre Herrscher zum Jubelgreis in Rom hindrängt; in ihm findet sich repräsentirt und verkörpert, was Schutz in den drohenden Gefahren bieten kann. So hat das Jubelfest des hl. Vaters neben dem Charakter des Triumphes auch den der Erlösung und Rettung. Gerade nach dieser Richtung hin hat Leo XIII. selbst den schönsten Festschmuck bereitet, der das Fest lange überdauert, seinen und des Papstthums Ruhm der Nachwelt verkünden wird. Es sind die herrlichen Eneycliken, die wie in festgegliederter Kette eine nach der anderen die Hauptkrankheiten des 19. Jahrhunderts aufdecken und zugleich offenbaren was Heilung bieten kann. So ist das Jubelfest des h. Vaters ein Fest' wie es aus rein weltlichen Berhältniffen heraus undenkbar wäre. Mehr noch als des Papstes Ehre und Ruhm verkündet es uns das Walten der göttlichen Vorsehung über den G-schicken der Kirche wie der Völker und laßt es Sieg und Triumph der Kirche int sanften Schimmer der Heiligung und Versöhnung uns schauen. Darum vor Allem Gott die Ehre, ihm der Dank! Der rein persönliche Charakter des Jubelfestes ist ungemein anziehend und schon. Zur menschlichen Größe gesellt sich in Leo XIII. Alles, was auch das Herz der Menschen anzuziehen und zu gewinnen vermag. Müßten Engel des Himmels der Welt erklären, was das Fest unseres hl. Vaters bedeutet, so würden sie wohl wieder verkünden:
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ir stehen vor einer Festesfeier, wie dieses Jahrhundert eine zweite nicht gesehen hat. Und wir mögen in der Geschichte __- ■ bet Kirche zurückblättern, so weit wir wollen, wir finden keine zweite, die ihr an die Seite gestellt werden könnte. Schon mehr als einer aus der Reihe der Nachfolger Petri hat als Oberhaupt der katholischen Christenheit sein bOjähriges Priesterjubiläum gefeiert und Glückwünsche von Hoch und Nieder entgegengenommen. Schon mehr als einer aus der langen Reihe der Päpste hat die Großen dieser Erde wetteifern gesehen in Kundgebungen der Verehrung urb Huldigung; schon mehr als einer hat die Völker der Erde im vollsten Sinn des Wortes zu seinen Füßen gesehen, mit dankbarster Freude, innigster Verehrung und unbegrenztem Vertrauen zu ihm emporschauend. Aber so wie Leo XIII. hat noch kein anderer Papst Fürsten und Völker wette fern gesehen, dem Träger der päpstlichen Krone Verehrung zu bezeugen und Huldigung darzubringen. Die Geschichte der Kirche wie die Geschichte des Papstthums speziell erzählt viele glänzende Triumphe; jeder hat sein eigenes Kolorit. Mehr als einer hat Aehnlichkeit mit dem Triumphe des Jubelpriesters auf dem päpstlichen Throne, aber keiner ist ihm gleich. Dieser herrliche Triumph ist zugleich der Triumph der Kirche und Aller, die ihr ongehören. Bis in die letzte Hütte hinein, die von Katholiken bewohnt ist, hat die Sorge ob der Leiden des päpstlichen Stuhles ihren Einzug gehalten, und so bringt auch bis in bie letzte Hütte hinab bie Freude ob des Triumphes.
Merkwürdiges Jahrhundert, dieses neunzehnte! Man ist gewohnt, es als das Jahrhundert der Revolution zu bezeichnen, und man hat Grund dafür. Noch andere charakteristische Titel wären berechtigt, doch keiner mehr als der: Jahrhundert des Papstthums. Es ist das neunzehnte, welches das Schifflein Petri auf dem Meere der Menschengeschichte dahinsegeln sieht. In keinem anderen Jahrhundert war dieses Schifflein mehr und allgemeiner auf seiner Fahrt beachtet, wie auch der, der das Steuerruder lenkt; niemals war seine Fahrt so wechselvoll, niemals die Geschicke seines Steuermannes so verschieden wie in diesem Jahrhundert. Diesen Wechsel in der Geschichte des pästlichen Stuhles hat Leo XIII. in seinem ganzen Verlaufe mit eigenen Augen geschaut, aus nächster Nähe ihn verfolgend. Und in seinem eigenen Pontifikate spiegelt er konzentrirt sich wieder, '
Menschen sind es, welche in der WeligeschiOe die verschiedenen Rollen spielen; unsichtbar und verborgen greift auch die Hand der göttlichen Vorsehung ein. Wer sehen will, kann dann und wann deutlich ihre Spuren merken. Menschen spielen auch in der Geschichte der Kirche die Rollen; allein ungleich mehr und ungleich deutlicher greift hier die Macht dessen ein, der den päpstlichen Thron aufgerichtet und gesprochen hat: „Die Pforten der Hölle werden ihn nicht überwältigen", .... ich bin bei Euch alle Tage bis an's Ende der Welt." In mehr als einer Periode der Kirchengeschichte hat sich der Herr den Glauben an diese seine Verheißung erzwungen —
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