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M 294. Freitag, den 23. Dezember. 1887

Muer K Jeitii».

Dir Fuldaer, Bettung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljithrlicher «bonuementtpreir ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Pf„ mit der bell^istischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Bestellungen e^Ä >ad am 1 Januar beginnende I. Quar­tal des kommende« Jahres 1888 wolle «an möglichst bis zum 28. d. M. dem nächsten Postamt Anstelle«, damit «ns dieselbe« rechtzeitig übermittelt werden könne» «nd prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.

Der Post-Abonuementspreis beträgt für die »Fnldaer Zeitung^ Pro Quartal «nr 1 Mk. 50 Psg. exel. Bestellgeld.

* Die äußere politische Lage wird immer verwickelter und der unpartei­ischen, unabhängigen Presse geziemt es, mehr al» je zur Ruhe und Besonnenheit zu mahnen. Bereit» stellt der offiziöse russische,-Worb' die Sache auf den Ehrenpunkt und bemerkt, Rußland wäre keine Großmacht mehr, wenn e» gestatte, daß man von ihm Rechenschaft darüber fordere, was es in seinem Innern zu seiner Sicherheit zu thun angemessen halte. Da» strikte Recht Ruß­land« wird ja von Niemand bestritten, man laße den Ehrenpunkt au« dem Spiel, denn man weiß au« Erfahrung, wenn der in die Diskussion ge­zogen wird, dann donnern bald Kanonenschläge. Bestreitet aber Rußland Niemand da« Recht zu Sicherheitsmaßregeln, wie sie jeder vorsichtige Staat, und also auch Oesterreich und Deutschland gekosten, so kann doch die Frage, ob solche Ver­stärkungen der russischen Streitmächte in Polen opportun, zeitgemäß sind, in aller Ruhe erörtert werden. Je ruhiger und leidenschaftsloser diese Erörterung auf beiden Seiten geführt wird, desto bester wird dem Frieden gedient. Es ist Sache der Regierungen, zu erwägen, ob und welche Segenmaßregeln gegen die russischen Rüstungen zu Kesten sind. In dieser Beziehung hat sich aber auch unter der deutschen Preffe einer- und der österreichischen andererseits eine unerquickliche Po­lemik erhoben. In deutschen Preßorganen wirft man öffentlich den Oesterreichern vor, sie wären zu lässig in Gegenmaßregeln, während öster- • reichische Blätter entrüstet antworten, Preußen Hetze Oesterreich zum Kriege. Weiß man doch

Take the pledge!

Sine lehrreiche Geschichte een H. L.

4. ocisrtzung.

Eugen wurde außerordentlich verlegen, weil er feintet dachte: Der Verwalter kennt deine Ver­gangenheit! Deshalb schwieg er. Aber auch hierin erkannte er den Fluch seiner früheren Leidenschaft, der ihn länger verfolgen würde, al» die gerichtliche Strafe gedauert hatte. Ganz heiß wurde es ihm xm's Herz, wenn er an ein Zusammentreffen mit seinen früheren Bekannten in 1. dachte.

„Es ist das," fuhr der Verwalter fort, „um so einfältiger von den Leuten, weil Jeder z. B. bei den Versteigerungen es mit Händen greifen ftrnn, daß er den freien Trunk nur gereicht be­kommt, um nachher desto toller zu bieten I

„Wie kam das aber," frug jetzt Eugen, „daß lein Getränk im Saale war?"

„Ja, int Versteigerungslokale nicht! Dort läßt kein anständiger Notar es sich gefallen, daß wäh­rend feiner Amtshandlung die Leute betrunken ge­macht werden — aber vor der Versteigerung und während derselben in einem andern Zimmer. Eben der letzte junge Bauer hat für da« Stück Land ^elleicht 150 Mark über den wirklichen Werth ge­boten. Zudem ist für ihn die Bebauung doppelt

daß die volle Eintracht zwischen der deutschen und österreichischen Bevölkerung, da» gegenseitige Ver­trauen nie nothwendiger gewesen, als in dieser kritischen Zeit. Wozu das Mißtrauen säen in der Presse? Hält unsere Regierung Oesterreichs Rüstungen in Galizien nicht für genügend, so wird Fürst Bismarck es sicher nicht unterlaßen, die Verbündeten darauf ausmerkfam zu machen. Da» ist sein Recht und seine Pflicht alr Alliirter. Aber wozu sollen die öffentlichen Vorwürfe und Gegenvorwürfe in der Preffe dienen? Sie können ja nur zur Lockerung de« gerade jetzt so noch- wendigen Vertrauen« beitragen. Daß aber die österreichische Regierung e« an Wachsamkeit nicht fehlen läßt, beweisen doch die fortdauernden Be- rathungen. Freilich ist daran festzuhalten, daß nicht die Preßstimmen der russischen Offi­ziösen, sondern da» wa» Rußland thut, entschei­dend ist. Vielleicht aber gäbe es noch ein Mittel, um Rußland vor übereilten Provokationen zurück- zuhalten. E» wäre die« die Veröffentlichung de» Texte« de» deutsch-österreichischen Allianzvertrages. Einem Wiener Blatte zufolge wird dieser von Berlin au» angeregte Gedanke von ungarisch-poli­tischen Kreisen lebhaft befürwortet. Bekanntlich wurde zu solchen Friedenszwecken, freilich ohne Erfolg vor dem Ausbruch de» französischen Kriege» der Bündnißvertrag zwischen dem norddeutschen Bunde und ben südbeutschen Staaten ebenfalls veröffentlicht. Ist ber Text bes deutsch - öster­reichischen Vertrage» geeignet, Rußland vorsichtig zu machen und e» von Krieg«plänen abzubringen, so liegt kein Grund vor, welcher der Veröffentlichung entgegenstände. Dagegen erscheint die von der Lon­doner ,Temp»' empfohlene Absendung eine» Ul­timatum» an Rußland doch verfrüht und sehr bedenklich. Einem solchen Ultimatum pflegt der Kanonendonner auf dem Fuße zu folgen. Da» ferne unbeteiligte England mag ja solche Dinge leicht nehmen; die Diplomatie der Verbündeten aber dürfte von solchen Mitteln erst im äußersten Nothfalle Gebrauch machen. Daß die verbündeten Mächte jetzt nach ben offiziösen russischen Er­klärungen von Petersburg Aufschlüsse ver­langen, erscheint allerbings in dem gegenwärtigen Stadium für berechttgt. Aber in freundlicher Weise Aufschlüffe verlangen ist etwa» Anderes, als

so teuer wegen ber Entfernung, als für ben an- bern, ben er Überboten hat. Er ist sonst kein übler Mensch, unb wenn er roieber nüchtern ge­worden sein wird, ärgert er sich über seinen Sauf­handel. So treibt er e» aber regelmäßig, er ist darin unverbesserlich, und es ist Alles zu verwet­ten, daß er in ein paar Jahren vollständig ver­armt. Ich merke e« schon daran, daß er die paar Dielen, die er von Zeit zu Zeit bei uns kauft, nicht einmal baar bezahlt, sondern immer Monate lang damit zurück bleibt."

Diese Wendung der Unterhaltung benutzte Sagen, um den Verwalter nach seiner neuen Stellung auf der Mühle zu fragen.

Dieser erzählte ihm nun weitläufig, worauf ee bei dem Betrieb der Holzschneiderei ankäme, setzte ihm die Absatzoerhältniffe auseinander und schloß mit den Worten:

„Der Herr Baron hat mir auf mein wiederhol­tes Bitten um einen tüchtigen Gehülfen — ich werde nächsten Monat 68 Jahre alt — endlich nachgegeben und mir vor einigen Tagen schreiben lassen, Sie kämen gestern oder heute hier an. Sehen Sie, wir können den Betrieb ganz leicht bedeutend vergrößern; aber allein bin ich zu alt dafür. Wenn Sie sich nun in da» Geschäft hin­eingearbeitet haben, bann gehen wir baran unb behnen r» allmählich au». Nach ein paar Jahren

Jemanb mit einem Ultimatum bie Pistole auf bie Brust setzen. Zu solchen Vorstellungen in einer Kollektivnote soll jetzt auch Minister Kalnoky bereit fein. So wie bie Dinge liegen ist bei allseitig gutem Willen eine friedliche Lösung noch nicht ausgeschloffen. Hoffen wir, daß sie gelingt. Die Entscheidung steht beim Czaren. Ihm bleibt auch die Verantwortlichkeit.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Dezember.

* Die Vorarbeiten für den preußischen Landtag, deffenEinberufung für den 13.Ja­nuar k. I. in Aussicht genommen fein soll, sind dem Vernehmen nach so betrieben worden, doß e» möglich fein wird, gleich bei dem Zusammentreffen desselben da» gesammte Material vorzulegen. Dasselbe wird in der Hauptsache au« dem Staats­haushaltetat und der Kreis- und Prooinzial- orbnung für Schleswig-Holstein bestehen. Außer­dem wirb eine Vorlage über (Erweiterung bes Netze» ber Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung unb eine Reihe kleinerer Vorlagen provinziellen Eharakter» erwartet. Die Rreisorbnung für Schleswig-Holstein dürste dagegen zuerst dem Herrenhause zugehen.

* Die Abgg. Dr. Lieber und Hitze haben im Reichstage einen Gesetzentwurf über da» Ver­bot der Sonntag»arbeit in Fabriken, Werk­stätten und Verkaufsstellen in ber früher von der Arbefterschutzkornmisston befchloflenen Fassung im Namen der Sentrum«partei wieder eingebracht, der Abg. Johannsen mit Unterstützung von Polen und elsaß-lothringischen Abgeordneten den Antrag, ben Herrn Reichskanzler zu ersuchen: dem Reichstage eine Vorlage, betreffend die Revision der bestehen­den gesetzlichen Bestimmungen und sonstigen Vor­schriften für das G.fängniß- und Strafvollstreckung«- roefen, zugehen zu lassen.

* Das neue Sozialistengesetz soll, der ,Köln. Volkrztg.' zufolge, die Bundesstaaten zu Ausweisungen aus ihren Gebieten ermächtigen; dagegen soll eine Ausweisung aus dem Reichsge­biet nicht stattfinden.

* Das Gesetz über die Getreidezollerhöhung nach

darf kein Holz mehr aus unseren Waldungen ge­fahren werden, das wir nicht selbst verschneiden. Sie haben hier eine sehr interessante und lohnende Beschäftigung, und wenn Sie mir ein Bischen bei der Hand find, werden Sie für den Baron glän­zende Geschäfte machen. Das wird auch Ihr Scha­den nicht sein. Wenn ich noch einige Jahre, wie ich hoffe, meine Arbeitskraft behalte, dann werde ich noch selbst Alles thun können, um unser Absatz­gebiet zu erweitern. Freilich," fügte er gleichsam bedauernd hinzu, „wäre es Ihnen als jungem Manne am Ende angenehmer, die Reisen selbst machen zu können."

„Nein, nein," wehrte Eugen ab, „so ist es mir gerade recht. Je weniger ich veranlaßt bin, mit fremden Leuten zu verkehren, desto lieber ist es mir. Ihre Pläne werde ich bald ganz verstehen; schon jetzt gefallen sie mir, und Sie werden für den Betrieb der Mühle in mir vollen Ersatz für Ihre eigene Thätigkeit finden. Um so schneller werden Sie sich der andern Angelegenhett ganz widmen können."

Das gefiel dem alten Herrn recht gut. Er kannte zwar die Geschichte Eugen'«, aber er sah in dessen Fehler mehr eine einmalige, unglückliche Uebereilung. Darum war er sofort geneigt, ihm sein volles Vertrauen entgegenzubringen. Als gute Freunde langten sie bei der Mühle an.