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Mittwoch, den 21. Dezember.

J8 292.

1887

Die Kuldaer, Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher «bonnementSprei« ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen'in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Dezember.

♦ Der Großherzog von Sachsen hat sich gestern Nachmittag von den Kaiserlichen Majestäten ver­abschiedet und ist heute Vormitlag nach Weimar zurückgereist.

* Ueber das Befinden des Kronprinzen liegt im ,B. T.' eine erfreuliche Meldung vor. Danach ist das neue Gewächs am linken Ventricularband im Abnehmen begriffen, während die B-fferung im Allgemeinbefinden anhält. Der ,Magdb. Ztg.' zufolge hat Dr. Mackenzie Marseiller Journalisten versichert, da» Befinden de»Kronprinzen sei bester al» er erwartet; dasselbe sei überhaupt weniger schlimm, al» allgemein vermuthet worden, für den Augenblick sogar ganz gefahrlos. Man könne auf einen glücklichen Verlauf der Krankheit hoffen.

* Prinz Wilhelm hat gestern anläßlich des Christfeste» des Gardehusaren-Regiments in Pots­dam folgende Ansprache an die Mannschaften ge­halten :

„Husaren! Seit dem vorigen Jahre, wo wir das Weihnachtsfest hier feierten, hat sich die Zeit geändert, sie ist ernst geworden. Wir stehen vor einer vielleicht un­sicheren Zukunft; da ziemt es sich, an unsere alte Devise, die wir an unserer Kopfbedeckung tragen: „Mit Gott, für König und Vaterland!" zu denken. Vor allen Dingen: „Mit Gott!" Möge Er uns beistehen in dieser schweren Zeit, da einer unserer größten Heerführer und Feldherren, der unsere Armeen angeführt hat in so manchen Kriegen, unter schwerer Prüfung steht. Wie sollte da nicht in die. sen Tage« das Herz eines jeden preußischen und deutschen Soldaten beten für die Gesundheit und Genesung dieses hohen Herrn! Möge der Herr, der unserem Heere stets beigestanden in schweren Zeiten der Entscheidung, auch fer­ner mit uns sein! „Für König und Vaterland!" Dafür dienen wir, dafür werdet Ihr ausgebildet. Ihr seid aus der großen Armee und der weiten Familie, deren Vater der König ist, und in der engeren Familie Eures Regi­ments. Dies will Euch, so weit es geht. Euere Familien «Hetzen, daher wird für Euch Weihnachten bereitet, wie ein Familienvater es für seine Kinder thut. Wir über­geben Euch hiermit diese Geschenke, die Ihr Euch gewünscht habt und ich wünsche Euch bei diesem Feste zugleich ein gutes neues Jahr! Möget Ihr Euch in demselben als treue, tüchtige Husaren bewähren und möget Ihr stets deffen eingedenk sein, daß Se. Majestät der Kaiser und König als die drei Grundpfeiler seiner Armee bezeichnet: die Tapferkeit, das Ehrgefühl und den Gehorsam. Um diesen Gesinnungen Ausdruck zu geben, rufen wir: Se. Majestät der Kaiser und König, unser allergnädigster 'Kriegsherr, Er lebe hoch — hoch — hoch!"

• Hebet da» dem Adg. Dr. Windthorst ertheilte päpstliche Vertrauensvotum er»

Take the pledge!

Eine lehrreiche Geschichte von H. L.

2. Fortsetzung

3.

Als Eugens Strafzeit abgelaufen war, wurde er zum Direktor der Strafanstalt geführt. Dieser händigte ihm einen dicken Brief ein, und forderte ihn auf, stch zu fitzen, den Brief mit Ruhe zu lesen und deffen Inhalt zu überlegen. Er war von dem Baron selbst geschrieben. Von der Ver­gangenheit stand nichts darin, wohl aber trug er Eugen auf, sich möglichst bald nach einer seiner Besitzungen, die mehrere Tagereisen von 3E. ent­fernt war, zu begeben. Dort waren große Wal­dungen, und mitten drin lag ganz einsam eine Holzschneidemühle, die auch dem Herrn Baron gehörte. Auf dieser Mühle sollte Eugen sich in das Geschäft einarbeiten. Eine umfangreiche An­weisung darüber lag dem Schreiben bei, sowie auch eine Summe Geldes, damit er sich einrichten, kleiden und reisen könne.

„Nun", frug der Direktor, „haben Sie alles gelesen? Was wollen Sie thun? Herr Baron hat mich gebeten, ihm Ihren Entschluß sofort mit» zutheilen!"

hält auch der .Westfälische Merkur' einen Bericht und zwar von Herrn Pfarrer Dr. Windthorst. Er lautet: Rom, den 13. Dezember 1887. Unter­zeichneter Priester der Diözese Cincinuati, ein Neffe Sr. Excellenz des Staatsministers o. D. Dr. Windthorst, befindet sich augenblicklich in Rom bei Gelegenheit der bevorstehenden Sekundizfeier Leo'» XIII. Durch Verwendung des Msgr. de Waal wurde ich am vorigen Freitag dem Unter­staatssekretär Msgr. Mocenni behufs Erlangung einer Audienz beim hl. Vater vorgestellt. Durch Msgr. Mocenni wurde ich sodann mit Sr. Eminenz dem Herrn Kardinal-Stratssekretär Rampolla be­kannt, welcher nach Kenntnißnahme meines Namens sogleich auf meinen Onkel, den Führer des Zen­trums, zu sprechen kam und mit begeisterten Worten deffen Verdienste um die Religion und Kirche feierte. In Rücksicht auf meine verwandt­schaftlichen Beziehungen mit demselben hielt Kar­dinal Rampolla es für angezeigt, eine Privat­audienz bei Sr. Heiligkeit für mich anzuordnen. Gestern schon ging mir in Folge deffen au» der Camera Pontificia durch Msgr. della Volpe die offizielle Einladung zur Prioataudienz auf den­selben Abend zu. Leo XIII. empfing mich mit außerordentlicher Herzlichkeit und spielte sogleich auf mein verwandtschaftliches Verhältniß mit dem Herrn Staatsminister an. Der Papst beteuerte es mit ernstem Nachdruck, daß derselbe der an­erkannte Chef (le chef reconnu) des Centrums sei, und trug mir ausdrücklich auf, meinem Onkel mitzutheilen, daß dies der Papst gesagt habe. So­dann fuhr der h. Vater bedeutungsvoll fort, derselbe möge ausharren (perseverer) auf seinem ihm von der Vorsehungsangewlesenen Posten, dieKircheGotteS und die Rechte des heil. Stuhles zu vertheidigen. Leo XIII. sprach dann die Hoffnung aus, daß Gott dem Centrum feinen verdienstvollen Führer noch lanae Jahre erhalten und ihm Starkmuth und Ur ersch rockenheit verleihen wolle, alle Anschläge seiner Feinoe zu Schanden zu machen und die Verleumvungen und den Trug einer lügenhaften Preffe zu verachten."

• Der .Koblenzer Volkszeitung' geht aus ihrem Leserkreise eine Abschrift nachstehenden Schreibens an die .Frankfurter Zeitung' mit der Bitte, um Veröffentlichung zu:

„Koblenz, 16. Dez. An die Redaktion! Ich halte seit li/2 Jahren Ihr Blatt, lese es regelmäßig und insofern

Eugen antwortete: „Nee werde ich diesem Herrn dankbar genug sein können, weil er mir wieder Gelegenheit gibt, ein ordentlicher Mensch zu fein. Er soll sich di ßmal an mir nicht täuschen."

„Ich hoffe das auch von Ihnen", sagte der Direktor; „aber lösten Sie stch von mir einen auf langjähriger Beobachtung gegründeten Rath geben. Von hundert Sträflingen verdanken neunzig es dem Trünke, daß sie hier sitzen muffen. Hüten Sie sich vor dem ersten Schritte! Sie haben während Ihres Aufenthaltes in der Anstalt niemals die Gelegenheit gehabt; darum blieb Ihnen auch die Versuchung ferne. Jetzt sind Sie wieder ein freier' Mann, jetzt wird auch die Versuchung wieder an Sie herantreten. Je öfter Sie dieselbe überwinden, desto stärker werden Sie sein; fallen Sie aber nur einmal in den alten Fehler zurück, dann wird die Gefahr für Sie immer größer, und die letzten Dinge werden dann, wie es im Evangelium heißt, schlimmer, als die ersten! Nehmen Sie das mit in’» Leben, und beherzigen Sie es! Es ist vielleicht nicht süß — aber gut gemeint." Damit reichte er Eugen die Hand — und entließ ihn.

Eugen bewegte sich nach der Pförtnerwohnung

mit Liebe, weil es in politischer Beziehung einen freien, selbstbewußten Standpunkt vertritt, mit am besten bedient ist und durch intereffante feine Kunstkritiken den Leser auf dem Laufenden erhält. In konfessioneller Beziehung blieb Ihr Blatt, von gelegentlich bösen Stimmungen (gewiffen Klosterschauermähren? Die Red.) abgesehen, leidlich neu­tral, ließ Achtungswerthem und Ehrwürdigem seinen Werth, oder hat es doch soweit mir bekannt, nicht verunglimpft. Mit wahrhaftem Bedauern lese ich nun Ihr gestriges Feuilleton: „Römische Jubiläumsbriefe I", welches mich dazu drängt, meine Ansicht in einer Beziehung zu ändem und Ihre Zeitung für die Folge abzubestellen, um nicht dergleichen mehr in meine Wohnung gebracht zu sehen. Denn aus diesem I. Briefe resp. dieser sophistischen Schmäh­schrift, welche auch den lauesten Katholiken empören muß, ergießt sich eine Unsumme hämischen Hohnes, frivoler nichts ehrender Indifferenz, niedrigdenkender, jüdischer Bosheit, wüthenden Geifers und effekthaschenden, mit der Macht und dem Raube heulenden Gekläffes über einen achtzigjährigen Greis, der von der ganzen katholischen Christenheit beglückwünscht und von den bedeutendsten staatlichen und politischen Größen geehrt wird; einen Greis, der beschenkt wird von der ganzen katholischen Welt und einem Adel, welcher, sich selbst ehrend, es für heilige Konsequenz und Pflicht erachtet, auch im Unglück, jenem treu zu bleiben; einen Greis sage ich, der sich soeben an­schickt, sein bOjähriges Priesterjubiläum zu feiern, ein Ju­biläum der Entsagung, Demuth, Frömmigkeit, Liebe und Gottesfurcht; einen Greis endlich, der ausgeschmückt ist mit den höchsten Eigenschaften eines eminenten Friedens­fürsten, einer Leuchte, zu welcher 200 Millionen Christen in Liebe und Ehrfurcht hinaufsehen, ausgezeichnet durch Gaben und Tugenden, welche ihn zu einem würdigen Statthalter Christi machen. Wie erhaben steht diese hehre, mächtige Greisengestalt da, wie unantastbar als Mensch und Fürst. Wie niedrig, selbst wenn millionenfach ver­größert, sind diese Schreibereien und Schreierei en: Kreuziget ihn, raubet Alles; tausendjähriges Eigenthum und großartigste Vergangenheit;, ziehet alles in den Koth, was ehrwürdig und treu ist! — Erlaub- mir noch zu be­merken, daß, da Ihre „Römischen Jubiläumsbriefe" I" ja selbstredend für die Oeffentlichkeit bestimmt sind, auch diese Zeilen dieselbe Bestimmung erhalten, indem ich sie der Redaktion der hiesigen Volkszeitung zur Verfügung stelle." J. M.

• Posen, 19. Dez. An ben vereinigten Vor­schulen und königlichen Gymnasien der Stadt Posen ist von Neujahr ab der polnische Sprachunterricht aufgehoben.

Ausland.

* Brüssel, 19. Dezbr. Die Klagen über schlechte Zeiten und die Klagen unserer indu­striellen Welt über ihre unheilbare AuSstellungS- müdigkeit zerfallen in Nichts, wenn man von Zeit zu Zeit die Mittheilungen über die Fortentwick­lung des demnächstigen Brüsseler Wett­streites entgegennimmt. Von dem am Abgrunde

wie im Traume. Hier trat er zu dem Pförtner hinein, der ein Landsmann von ihm war, er er­zählte ihm von feiner neuen Anstellung.

„Höre Eugen", sagte dieser zu ihm, „so, wie Du jetzt gekleidet bist, kannst Du Deine neue Anstellung nicht gut antreten. Du bist immer ein schmucker Junge gewesen, hast nunmehr Deine Strafe verbüßt, mußt j tzt auch wieder stramm auftreten. Hast ja noch eine schöne Zukunft vor Dir — also muthig hinein I Ich werde meine Frau in ein Kleider-Magazin schicken, und wir werden Dich gehörig heraus putzen. Kleider machen Leute. Geld hast Du ja, und wenn es nicht reicht, bin ich auch noch da. Verloren geht mir nichts an Dir, das weiß ich. Heute Nacht schläfst Du in meiner Wohnung und morgen mit dem ersten Zuge fährst Du auf Deine neue Stelle. Ich habe von heute Abend ab bis morgen Mittag frei und kann Dich deshalb noch bis zum Bahnhofe begleiten."

Engen folgte der freundlichen Einladung und ließ den biedern Pförtner und feine gescheidte Frau für feine neue Ausstattung sorgen. Darüber wurde es Abend, und nach einfachen Nachteffen, wobei zur Feier des Tages auch ein G!as W in getrun­ken ward, legte Eugen sich früh zu B-tte, um am