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1887.

Sonnabend, den 17. Dezember.

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* Die FtMge «ach Wchiachte«.

Unmittelbar nach dem hl. Weihnachtsfeste folgen die Festtage de« hl. Stephanus, de« hl. Johannes und der unschuldigen Kinder; diese Anordnung ist keine willkürliche, sondern eine in der Weisheit der Kirche bestimmte. Dieselbe feiert den Todestag der Heiligen, weil dieser der Geburtstag derselben für den Himmel ist. So folgen passend auf das Fest der Geburt de« Herrn die christlichen Geburts­tage derjenigen, welche durch ihn erlöst und durch seine Gnade zuerst geheiligt wurden. Zugleich ver­künden diese Feste das Zeugniß der Erlösten für Christus. Der hl. Stephanus war ein Märtyrer d. i. Blutzeuge durch die Gesinnung und die That, der hl. Johannes, der neben dem Kreuze des sterbenden Heilandes stand, war es durch die Gesinnung, die unschuldigen Kinder, die für Christus starben, waren es durch die That.

Der hl. Stephanus, der erste christliche Märtyrer, ist durch seine Glaubenstreue, sein muthiges Bekenntniß und seine Kindt »liebe das leuchtende Vorbild aller Märtyrer geworden. Da­rum hat sein Andenken zu allen Zeiten in der Kirche hohe Verehrung gefunden. Auf Kirchen­bildern, welche die himmlischen Heerschaaren dar­stellen, führt Stephanus die Märtyrer an. Zu seiner Ehre heißt unter den Edelsteinen der blut- rothe Carneol der Stephansstein.

Der hl. Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn, ist der Verfasser des vierten Evangelium» und der geheimen Offenbarung. Um feine geistige Hoheit anzuzeigen, nennt Polykarpus ihn den „Hohenpriester mit dem goldenen Stirnband." Auf den Kirchenbildern ist der Adler fein Attribut, der sich am höchsten emporschwingen kann, und von dem eine alte Sage erzählt, daß er uner­müdet in die Sonne schauen könne. Ein anderes Attribut des Heiligen ist der Kelch, über dem sich eine Schlange windet. Das bezieht sich auf die Legende, nach welcher er einmal einen Becher voll Gift ohne Schaden nahm; die Schlange ist ein Sinnbild des Giftes. Den Christen, so erzählt eine andere Legende, soll der große Apostel immer gepredigt haben: „Kinder, Liebet euch einander!' Und als er von ihnen gefragt wurde, weßhalb er immer dieselben Worte wiederhole, antwortete er ihnen: „Wenn ihr dieses thuet, werdet ihr das ganze Gesetz erfüllen". Aus dem Mitgetherlten erklärt es sich, weßhalb am Feste des hl. Johannes der Wein gesegnet wird. Das geschieht, wie die Weihgebete es aussprechen, damit Gott alle die­jenigen, welche von dem gesegneten Weine trinken, vor den Nebeln des Leibes und der Seele be­wahren möge, wie er den hl. Johannes bewahrte, als dieser den ihm gereichten Becher mit vergif­tetem Weine gesegnet und zur Bestätigung des christlichen Glaubens ohne Schaden getarnten hat. Ferner sollen dieselben durch die Fürbitte des hl. Johannes im Glauben befestigt und in der Liebe Gottes und de» Nächsten, worin dieser Apostel ein Vorbild geworden ist, entzündet werden. Deß- halb spricht auch der Priester bei Darreichung de»

Weine»: „Trinke die Liebe de» hl. Johannes im Namen des Vaters, des Sohne» und de» heiligen Geistes. Amen."

Das Fest der unschuldigen Kinder ist zum Gedächtnißtage jener Kinder eingesetzt, welche Herodes in Bethlehem umbrtngen ließ. Die Kirche verehrt dieselben als Heilige, weil sie für Christus starben und so die Bluttaufe empfingen. Auf Bildern des Weltgerichtes umschließen sie oft als lieblicher Kranz den untersten Saum des Himmels. Die Voltssitte ehrt diesen Tag dadurch, daß sie den Kindern besondere Freiheiten gestattet.

Kostre?kpt für Wkihnachtssesdungko.

Die echte Hausfrau weiß Bescheid Und richtet Alles hübsch bei Zeit; So soll sie sich auch nicht verspäten Mit ihren Weihnachts-Postpacketen. Ein fester Tag läßt sich nicht nennen; Sie selbst mutz die Entfernung kennen. Muß wiffen, daß ein Stück bis Wien Braucht länger als nach Potsdam hin. Dazu muß man noch wohl bedenken. Daß bei Millionen Christgeschenken In solcher Zeiten Sturm und Drang Die Fahrzeit dauert doppelt lang. Und daß zum Schluß das Ueberbringen Auch nicht so rasch wird stets gelingen. Drei Tage vor dem Weihnachtsfest Sollt drum bis auf den letzten Rest Der Gaben Menge groß und klein Der Post schon überwiesen sein.

In jedem Haushalt finden sich Cigarrenkistchen sicherlich. Auch Schachteln von verschied'ner Güte Für Blumen, Bänder oder Hüte;

Auch Packpapiere aller Sorten, Die öfters schon verwendet worden, Wie Riffe, ehrenvolle Wunden, Unwiderleglich es bekunden;

Von Bindefaden kleinen Enden, Wie sie wohl Budiker verwenden, Den Propfen fest zu Überspannen Und so der Weißen Geist zu bannen.

Mmm dieses ganze Material Und — schenke es mit einem Mal Der Köchin oder Maid für alles, Doch mit dem Zwange jedenfalles: Zu weihen den gesammten Schatz Dem ersten besten Lumpenmatz.

Bist Du nun dieses Plunders bar Und so entronnen der Gefahr, In Fetzenkram und alten Flicken Die hübschen Sachen zu verschicken. Dann schaffe Dir ein Kistchen an, Des Deckel man verschieben kann. Hübsch leicht, doch haltbar, nicht zu groß: Dann verpackt es sich famos. Und nebenbei wird noch erreicht, Daß Dein Geschenk sich netter zeigt. Als in der alten Schachtel, die Gefällt der Welt bekanntlich nie.

Dann wird hübsch vorsichtig und fein Jedwedes Stück gewickelt ein Und so ins Kistchen weich placirt. Daß es den Nachbar nicht gemrt, Roch auf der Fahrt zum Ziele dann Von seinem Platz sich rühren kann. Ganz obenhin legt man etn Blatt, Auf dem man sich benamset hat

Und den Empfänger; zu dem Zweck, Daß, wenn mal die Adresse weg. Man doch zum Nothfall kann ersehen. An wen das Christgeschenk soll gehen.

Dann schiebt, wie Lempel man in Ruh Des Weihnachtskistchens Deckel zu Und schlägt d'rauf so viel Nägel ein, Als dieserhalb benöthigt sein;

Nächstdem dürst' wünschenswerth erscheinen: Wo Wand und Deckel sich vereinen. Ein Siegel noch zu bringen an;

Wer weiß, wozu es nützen kann.

Nur die Adresse: daß sie richtig, Ist, wie wir wiffen, äußerst wichtig. Recht deutlich, groß (zumal das Wort, So kündet den Bestimmungsort) Schreibt man sie auf ein Blatt Papier Und klebt sie aus den Deckel hier Der ganzen Fläche nach, mit Leim, Mit Kleister oder Gummiseim, Und ja nicht nur an denen Ecken Mit den bekannten kleinen Flecken Von Siegellack, die schon zerkracht, Bevor das Stück zur Post gebracht. Legt Bindfaden noch am Schluß Um's Kistchen man zum Ueberfluß, So kann der schlimmste Sekretär Es nicht bemäkeln hinterher;

Im Gegentheil, er schweigt und nickt, Wenn er das Musterftück erblickt.

Und nun in jener fernen Stadt: Der Jubel, wenn man's richtig hat; „Die gute Tante!" heißt es da; Das eine jagt das andere „A!“ „Oh, sieh doch nur, wie himmlisch, reizend!" Et cetera; mit Dank nicht geizend Wird so das Lob der süßen Tante Verkündet laut in jedem Stande.

Ist dies nicht kleiner Mühe werth? Und eins noch: Die Ihr froh bescheert, Gevenkt des Postmanns, der allein Von Weib und Kind mutz ferne sein Um in der Weih-Nacht Eure Spenden, Die Ihr verspätet, zu versenden. Käm' alles vor den Feiertagen, So wär' die große Schlacht geschlagen, Bevor der Lichterbaum Bereit, Und auch dem Postmann bliebe Zeit, Am Heil'gen Abend mit den Seinen Im trauten Kreis sich zu vereinen.

Literarisches.

Gedichte v on Friedrich Wilhelm Richt er. Münster und Paderborn. Verlag von Ferdinand Schöningh. 278 S. 8«.

Man fürchte nicht, in dem Verfasser obiger Gedichte einen jener Bersemacher zu finden, wie sie in den letzten Jahren dutzendweise auf den Büchermarkt kommen. Es zeigt sich im Gegentheil in diesen Poesien eine Frische und Ursprünglichkeit, wie sie uns selten begegnet sind. Wenn der Dichter auch keine neuen Bahnen einschlägt — wer vermöchte das auch in unseren Tagen, wo schon alles besungen ist! — so zeigt er doch, daß auch in vielbegan­genen Pfaden ein sinniges Dichter« ige noch viel Schönes entdecken kann. Der Form ist Richter in hervorragendem Maße mächtig, Versbau und Reim sind tadellos und von hohem Wohllaut. Wir zweifeln nicht, daß der Dichter mit den Erzeugnissen seiner Muse allgemein Anerkennung finden wird.