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Freitag, den 16. Dezember.
1887
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die
Vor dreihmdert Jahns
das von de» des
Da lag nun der fromme und gute Herr Lu> wig Reitz in dem finsteren Raum, wo man nicht | die Hand vor dem Gesicht sehen konnte, und wußte ' nicht, was die Räuber mit ihm vorhatten, und welches Schicksal ihm noch bevorstand.
Aber so tiefes Dunkel auch um ihn herrschte, in seiner Seele war e» dennoch licht, da strahlte und leuchtete ja das helle, gläubiae Vertrauen auf den himmlischen Vater, ohne dessen Willen kein Haar von unserem Haupte fällt. Und voll Inbrunst betete er: „Herr, wenn Du willst, so kannst Du mich b. freien und erretten aus meiner großen Bedrängniß!"
Durch das Hau» aber scholl wüster Lärm: Gläserklingen und johlende Gesänge verkündeten das tobende Gelag, welches die Spießgesellen feierten.
Da wurde plötzlich die Thüre auf .geriffelt.
„Kommt jetzt mit !" herrschte eine wilde Stimme, und eine rauhe Hand erfaßte den Gefangenen und führte ihn mitten in da« Zechgelage hinein.
Es war ein wildes, farvenreiche» Bild, das sich hier in der wüsten, geräumigen Holle entfaltete.
Ring» am Boden lagerten die Banditen bunt durcheinander. Die trotzigen, verwegenen Gestalten mit ihren phantastischen Gewändern und weiten, glänzenden Sluspstüfeln hoben sich im wirksamem
I Lebensalter hinein für die Einberufung im Kriegsfall von vorn herein einem gewiss-n diskretionären Ermessen der Militärbehörden unterworfen sein werden. Und, wa» zu betonen ist — alle diese Bestimmungen haben rückwirkende Kraft. Jammert man schon über die rückwirkende Kraft, welche man den Getreidezöllen beilegen will und die nur den Geldbeutel der Großhändler einstweilen treffen, so dürfte es sicher erlaubt sein, die prüfende Hand an ein Gesetz zu legen, welche» eine schwere Blutsteuer vom Volke mit rückwirkender Kraft einzuziehen bestimmt ist. Wir sind gewiß die Letzten, welche sich weigern, zum nothwendigen Schutze und zur Wehrhaftigkeit der Ration einen Pfennig zu verweigern, noch weniger die zur Vertheidigung b<8
I Vaterlandes nothwendigen Mannschaften. Wir ver- ! kennen auch nicht die Gefährlichkeit der gegenwär- : tigen politischen Situation und der geographischen Lage Deutschlands, und doch vermögen wir nicht, die Militärvorlage mit„Hurrah zu begrüßen." Es dürften, wie aus Reichstagskreisen verlautet, Kau- telen in Bezug auf die Reihenfolge der Einberufung zu Gunsten der älteren Jahresklaflen im Verhält- niß zu den jüngeren und auch sonstige Aenderungr- vorschläge gemacht werden. Eine genaue Prüfung der Vorlage dürfte auf die Vaterlandsliebe der Volksvertreter kein schlimmes Licht fallen lassen, sintemal Blut ein besonders kostbarer Saft ist und die Blutsteuer in Bezug auf Sorgfalt der Be- rathung doch nicht hinter dem schnöden Mammon, dem Getreidezoll, zurücktreten darf?!
* Der Reichstag hat heute die zweite L sung der Zollvorlage beendet und nach langer Debatte die Bestimmung über die Sperrmaßregel mit der Bestimmung angenommen, daß auf Getreide- und Mühlenfabrikate, die bis zum 15. Januar künftigen Jahre» auf Grund von Verträgen eingehen, die vor dem 26. November d. I. abgeschlossen sind, die bisherigen niedrigeren Zollsätze Anwendung finden sollen. Für diesen Zusatz traten ein die Abgg. Struckmann (nathb.), Dr. Windt- horst und Düvigneau (natlib.). Von den Abgg. j v. Wedell, v. Heldorff und Graf v. Behr war dagegen beantragt worden, die bisherigen nie- I drigeren Sätze nur für vor dem 26. November zur Verladung aufgegebenes Getreide zu bewilligen. Für düsen Antrag sprachen die Abgg. v. Wedell und Klemm (kons.), Gamv (Rbsp.)
2. Fortsetzung.
Als sie ihrem Gefangenen jetzt die Binde von den Augen lösten, gewahrte er, daß die Nacht fast völlig hereingebrochen war. Aus dem Dämmerungsdunkel aber ragte ihm ein seltsamer, verwahrloster Bau entgegen mit windschiefen Mauern und eingesunkenem Firste, der ringsum von dichtem Gestrüpp umwuchert war. Es war die Heimstätte der wüsten Spießgesellen; hier entledigten sie sich zunächst der Beute, die sie aus dem heutigen Raubzuge gemacht und in den weiten ©tief, In und weiten Aermeln, die ihnen wie große Malter sacke um die Arme hingen, zum größten Th il verborgen hatten.
Was kam da nicht alle» heraus zum Vorschein! Gäns-, Hühner, Enten, Würste, Schinken, Brod- laibe, — lauter Dinge, die sie den armen Bauern geplündert hatten.
Der Gefangene wurde dann in ein dunkle» Zimmer gebracht, wo man ihn gefesselt auf dort aufgeschüttetes Ktoh niederstieß.
„So, Hochwürden, nun ruht Euch au» von dem Spazierritt", lachten die rohen Gesellen, indem sie das Zimmer verlüßen.
der Präsident die Mittheilung, daß der frühere Reichstags-Präsident Graf von Arnim-Boytzenburg heute früh verstorben ist. Das Haus ehrte
v. Fischer (natlib.). v. Landsberg-Steinfurt und Böckel. Minister Dr. Lucius trat für die Sperrmaßregel ohne Zusatz bezw. für den Antrag Wedell ein, indem er u. A. auf Grund von Konsulatsberichten mittheilte, daß auch j tzt noch der Versuch gemacht werde, Abschlüsse auf Getreive- lteferungen mit zurückdattrten Verträgen zu treffen. — Ferner wurde das Abkommen mit Oesterreich wegen Verlängerung des Handelsvertrags in 1. und 2. Lesung angenommen. Dr. Bamberger hielt dabei eine längere Rede zu Gunsten de» Freihandels. Ihm trat Abg. v. Kardorff entgegen. — Am Schluß der Sitzung machte noch
* Der Volkswirthschaftsrath hat Berathung der Grundzüge der Alters- und
Jnvaliden-Versorgung beendet. Der Antrag des Ausschusses, die nächsten sechs Jahre hindurch auf dem Wege der Prämie von jedem Versicherten vier Mark Jahresbeitrag zu erheben und sodann die jährlich nothwendig gewordenen Ausgaben durch Umlage, über den Jahresbedarf hinaus jedoch noch jährlich 10 Prozent zu erheben, wurde mit 41 gegen 16 Stimmen abgelehnt und das von der Regierung vorgeschlagene Deckungsverfahren angenommen. Abgelehnt wurde ferner die Errichtung einer ReichSversicherungS- Anstalt und beschlossen, die Verwaltung der Alters- und Invalidenversicherung den Berufsgenoffen- schaften zu übertragen.
* Heidelberg, 13. Dez. Der altkatholische Pfarrer Rieks ist seit vorgesternformellabgesetzt. Eine deshalb sofort Samstag Abend zusammenberufene Versammlung de» Kirchengemeinderath» hatte den Zweck, zu berathen, ob man dem reni- tirten Pfarrer die Kirchenthüre verschlossen halten solle oder nicht. Man einigte sich aber dahin, ihn wenigstens seine Abschiedsrede halten zu lassen.
Ausland.
* Aus Brüssel liegt in mehreren Blättern die Nachricht vor, daß Rußland gewaltige An-
Farbenkontraste von den kahlen, grauen Mauern ! ab und über die bärtigen Gesichter, die ohnedies i vom Genüsse des feurigen Trankes glühten, den ! sie aus hohen Gläsern oder weiten, metallenen
Kannen zu sich nahmen, zuckte flammend der rorhe Lichtschein, welchen die brennenden Kienspäne verbreiteten.
Mit wilvem Gelächter begrüßten sie den Priester; schaudernd und erbleichend aber wandte dieser sich ab al» er sah, wie einer der gottvergessenen Frevler mit sakrilegischer Hand einen Kirchenkelch erfaßte und grinsend ihm daraus zutrank.
„Hochwürdigsür Herr!" begann j tzt Han« K Leitung, der Anführer der ruchlosen Bande, in seinem spöttischen Tone, indem er sich den langen Schnurrbart drehte. „Ihr habt UNS zwar versichert, daß Ihr keinen Heller bei Euch trüget, vlffenungc achtet haben wir UNS aber die Mühe nicht verdrießen lass n, die Talch n Euerer Kleiber zu durchsuchen; doch haben diese Caere Worte nicht Lügen gestraft, wir fanden gar nicht». Ihr werdet uns nun aber nicht zumuthen, die Arbeit mit Euch vergebens uns gemacht zu haben, und deshalb unterschreibt jetzt diesen Brief."
Mit diesen Worten reichte Hans Leining dem Pfarrer ein beschriebene» Blatt Papier, welches der Letztere durchla«. Es war ein Brief, den d e
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Dezember.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgendes Bulletin der Aerzte Schrader, Krause und Howell aus San Remo vom 15. Dezember früh: In den letzten Wochen haben sich die entzündlichen Erscheinungen im Kehlkopfe des Kronprinzen völlig zurückgebildet, die Geschwulst selbst zeigt sich an der Oberfläche theils benarbt, theils mit flachen, ein wenig zur Ausbreitung neigenden Wucherungen bedeckt. Das Allgemeinbefinden ist ungestört. — Au» San Remo, 15. Dez., wird der ,Fr. Zlg.' telegraphisch gemeldet: Die Meldung des Reuter- schen Bureaus von neuen gefährlichen Anschwellungen im Halse des Kronprinzen ist durchaus unbegründet. Der Krankheitsstand ist unverändert und nach Dr. Krause'S Versicherungen liegt gegenwärtig kein Grund zu Befürchtungen vor. Mackenzie ist nicht telegraphisch berufen worden; er kommt nach San Remo, weil dies sein persönlicher Wunsch ist.
* Die neue Wehrvorlage wird von der Kartellpreffe mit einem wahren Jubelgeheul begrüßt und Jeder, der in diese Art von Willkomm für solche tief in das Leben der Staatsbürger einschneidende Gesetze nicht einzustimmea vermag, wird als „Reichsfeind" in Acht und Bann gethan werden. Der Gesetzentwurf legt dem Volke in Waffen in der That schwere Opfer auf, er enthält drei sehr erhebliche Erweiterungen der allgemeinen Dienst- pflicht. 1) wird für den Kriegsfall die Dienst, pflicht über das 42. Lebensjahr hinaus bis zum vollendeten 45. Lebensjahre ausgedehnt. 2) wird über die gedienten Mannschaften vom 32. bis 39. Jahre eine Anmeldepflicht zur Stammrolle eingeführt. 3) erfährt die Dienstpflicht der Ersatzreserve nicht unerhebliche Erweiterungen auch für den Frie- den. Die letzteren Bestimmungen werden ganz besonder» einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen sein. Wa» die Ausdehnung der Dienstpflicht im i Kriege für ältere Jahrgänge betrifft, so würde man freilich vor einer solchen int Bedarfsfälle in Kriegszeiten niemals zurückschrecken. Etwas Anderes ist es, wenn dergleichen schon jetzt von vorn herein bestimmt wird. In weiten Kreisen der Bevölkerung wird man e» als drückend empfinden, daß die Gedienten nunmehr bis in ein späteres
Andenken des Verblichenen durch Erheben den Plätz-m. Morgen dritte Berathung österreichischen Handelsvertrags, 1. Lesung Wertgesetzes.