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M 287.

1887

Donnerstag, den 15. Dezember.

hlher W 3tiliig.

Die Fuldaer, Bettung' erscheint tSglich, Sonn* und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher SbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 R. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Die drei übrig gebliebenen Staatspfarrer.

Wenn irgend etwa», so beweist die unerträgliche Lage der von Staatspfarrern okkupirten Pfarreien, daß der Kulturkampf noch in die Gegenwart her­einragt. Von dem vollen Dutzend Staatspfarrer ist freilich nur noch ein dreiblätteriges Kleeblatt: Brenk in Kosten, Lycak in Schrotz uno Ry- marowicz in Chrzypsko übrig geblieben. Die übrigen find gestorben oder st; haben fich mit der Kirchs aurgefühnt. Vergebens aber fragt man stch, weshalb läßt man diese 3 Staatspfarrer auch jetzt noch, trotz der Verurtheilung des Instituts selbst, trotz des ersten Friedensgesetzes, zur großen Schädigung volksreicher Piarrgemeinden, und wahr­lich auch nicht zum Voctheil von Religion und Sittlichkeit, auf ihren Stellen?

Diese Frage drängte stch dem Verfasser beson­der lebhaft auf, al» er am letzten Marienfeiertage in Kosten weilte, die von Brenk occupirte ge­waltige gothische Pfarrkirche vollständig leer, da» Volk aber in und vor der kleinen Kapelle der barmherzigen Schwestern stch drängen sah und von vielen Setten die Bemerkung hörte: Der Erzbischof hat Gebete für den Kronprinzen angeordnet, aber wo sollen wir beten, da uns die Regierung durch Brenk unsere Kirche vorenthält. Die Pfarrei Kosten zählt 7000 Seelen, 3000 die von Schrotz, eine ähnliche Zahl die von Chrzypsko.

Vergeben» hofften die seit 13 Jahren ihrer Kirchen und rechtmäßigen Seelsorgers beraubten Gemeinden, daß der Einzug des Erzbischofs Din der in Posen ihnen die Erlösung bringen würde aus ihrer Seelennoth, aber die Bemüh­ungen des Oberhirten stnd erfolglos gewesen. Freiwillig, das ist die Ueverzeugung Aller, werden Männer von der Vergangenheit dieser drei Staats­pfarrer nicht gehen. Außer der gleich im Anfänge erlassenen Excommunication stehen der Kirche keine Zwangsmittel zur Verfügung. Alle drei Staats- pfacrer stehen noch in rüstigen, zum Theil in jüngeren Jahren. Will man denn wirklich die drei Gemeinden noch Dezennien lang in dieser un­erträglichen Lage schmachten laffen? Will die Re­gierung wirklich der Mahnung des Kaisers, dem Volke die Religion zu erhalten, nachkommen, so müßte Re hier eingreifen. Ihr liegt ja die mora­lische Pflicht dazu ob. Ste hat ja das Institut

V»r dreihllildert Mm.

1. Fortsetzung.

S att des Spazierstackes mit dem großen, elfen­beinernen Knopfe, dtff n er stch sonst bei seinen Ausgängen zu bedienen pflegte, nahm er heute einen Rechen in die Hand und gebrauchte diesen als Stütze. Draußen auf der Wiese aber wollte er, um sich ein wenig Bewegung im Freien zu maüen, selbst damit das Heu wenden.

Verdrießlich und verstimmt blickte die ehrsame Jungfer Margareth ihm nach; denn es ärgerte sie, daß es ihr durchaus nicht gelingen wollte, seiner allzugroßen Freigebigkeit und Mildthätigkeit Ganzen zu setzen.

Voll Ehrfurcht grüßten die Bewohner des Städl- lins ihren geliebten Seelenhirten, als er durch die Gaffen schritt, und die Kinder eilten aus den Häuieru und reichten ihm die Händchen dar, in­dem ste ihm das Geleite gaben bis ans Thor der Stabt.

Die Wiese aber, die des Pfarrherrn Eigenthum war, lag in ziemlicher Entfernung von dem Städtchen, nahe an den Saum eines großen Waldes gerückt.

der Staatspfarrer gesetzlich geschaffen, ste hat alle drei übrig gebliebene auf Stellen fiskalischen Patronates berufen, ihr liegt deßhalb auch die Pflicht ihrer Beseitigung ob. Die Regierung hat längst die gesetzliche Bestimmung beseitigt, welche das Institut de» Staatspfarrerthum» ermöglichte, was steht denn jetzt der Beseitigung der Personen entgegen ?

Over fühlt stch etwa die Regierung den Sraats- pfarrern gegenüber zum Danke verpflichtet? Wir glauben es kaum, denn der Regierung selbst dürfte es nicht unbekannt sein, daß kein Ding so sehr die Gemülher der Katholiken empört als dieses Staatspfarrerthum. Brenk speziell war die Ver­anlassung, daß die Kostener viele Jahre lang ihre Tobten in fremder Erde beerdigen mußten, und Dutzende von Kofleiern haben viele Monate lang im Gefängniß schmachten muffen, weil ste stch den Kirchhof zur Beerdigung ihrer Tosten öffneten, und Tausende von Mark für heimliche Begräb- mffe oder für Leichenpäffe bezahlt. Und heute können Hunderte von Softenern nicht einmal da» Grab ihrer theuren Todten besuchen, weil es meilenweit in fremder Pfarre liegt.

Roch trauriger sieht es mit der Lage der Ka­tholiken in Schrotz und Chrzypsko aus. Kosten hatte wenigstens noch vor dem Kulturkampfs angestellte Geistliche und 2 freie Kapellen, obwohl man die Priester bis zur Freisprechung in dritter Instanz auf ein ganzes Jahr in unmotioirter Ver­bannung Helt. Aber Schrotz und Chrzypsko be­sitzen keine Kapellen, die Anstellung rechtmäßiger Gsrstlichen ist auch heute dort noch nicht möglich, die Gemeinden müflen dort weite Wege bis zur nächsten Kirche wandern und Sterbende müssen auch heute noch schmerzlich warten, bis ihnen ein Nachbarpfarrer die letzten Tröstungen der Religion bringt. Ist das wirklich ein Bild ;be8 kirchlichen Friedens? Fühlt sich die Regierung nicht ver­pflichtet, hier Rath zu schaffen und den schwer helmgesuchten Gemeinden zur Ausübung ihrer Re­ligion zu verhelfen?

Und muß nicht, abgesehen von den Gefühlen gegen die Regierung, auch die kirchliche Auto­rität schwer darunter leiden, wenn die Gemeinden sehen, daß ihr Oberhirt solchen Zuständen gegen­über machtlos ist? Und handelt die Regierung auch nur logisch, wenn sie die Staatspfarrer beläßt? Sie hat Brenk früher die Seelsorge im

Würzig wehte hier der Hauch einer köstlichen Frische, die der grünen Waldwelt entströmte und stch vermählte mit dem lieblichen Dufte des Heues.

Es war wunderbar still in dem einsamen W c- senthale. Nirgends ein Mensch zu sehen und zu hören; nur der süße Schlag der Vögel und das leise Summen der wilden Bienen tönte durch die traumhaft sonnenstille Luft.

Herr Ludwig Reitz erfaßte die Ruhe und Schön­heit mit jener stillen Freude, die der Naturgenuß in einem reinen Gemüthe weckt, dabei aber hand­habte er mit so kräftiger Hand den R chen,, daß balv der Schweiß in hellen Perlen ihm auf der Stirne stand.

Eine Stunde wohl hatte er auf diese Weise ge­schafft, al« die Abendglocken mit stillem Klange in dem Stästlein ertönten. Feierlich wogte das schöne Geläute in das Thal herab und erhöhte den heh­ren Gottesfrieden, der auf demselben ruhte.

Der Pfarrer zog seinen breilkrämpigen Hut vom Haupte und betete andächtig den Angelus.

Da ertönte plötzlich noch ein anderer Schall, gleichmäßig und dröhnend, wie das Getrappel an- fprengenber Ross shufen.

Der Pfarrer wandte sich um und erblickte ein Häuflein von acht bis zehn bewaffneten Reitern,

Kostener Krei«gefäng..ib und in dem dortigen gro ßen Korrektions- und Landarmenhause übertragen nachdem der Anstaltsgeistliche wegen einer Erge­benheitsadresse an den „abgesetzten" Erzbischof Ledochowski abgesetzt worden war. Seit einiger Zeit hat der Staat in seinen Anstalten Brenk jede Funktion entzogen uni) damit rechtmäßige Priester betraut. Also der Staat, resp. die Behörden hal­ten es für gut, Brenk seiner Funktionen in staat­lichen Anstalten zu entheben, aber sie halten ihn für gut genug, sich noch Pfarrer der großen Stadtgemeinde zu nennen. Die Landstreicher der Korrektionsanstalt und die Verbrecher de« Kreisgefängnisse« find von ihm befreit, der ehrlichen Bürgerschaft aber bleibt er aufgedrängt. Hat der Ehrliche etwa weniger Anrecht auf den staatlichen Schutz seiner religiösen Steckte al« der Vaga­bund e und Verbrecher?

Sicher liegt der Regierung ein solcher Gedanke fern. Wahrscheinlich schreckt ste vor den Schwie­rigkeiten einer Zwangsbeseitigung zurück. Indessen glauben wir, daß eine reichliche Pension, die der Staat allein als Urheber des Instituts tra­gen müßte, ihre Dienste thun würde. Wenn nicht, so dürfte mehr als ein Paragraph des Landrechts die Handhabe zur Beseitigung dieser drei lieber- reste au« dem Kulturkämpfe bieten. Zu dieser Beseitigung aber drängt auch rein materielle Rücksicht. In Kosten hörten wir selbst jüdische und evangelische Geschäftsleute über materielle Schädigung klagen, da das umliegende Landvolk, seildem die Kirche gesperrt ist, am Sonntage seine Einkäufe in den Nachbarstädten besorgt. Was Wunder, wenn die allgemeine Erbitterung mit jedem Tage wächst. Hier sollte die Regierung möglichst bald einschreiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Dezember.

* Dem .Berliner Tageblatt' wird aus San Remo gemeldet: Es stnd Anzeichen vorhanden, welche auf eine neuerliche Zunahme der Wucherung im Halse des Kronprinzen hindeuten. Die günstigeren Symptome während der letzten Wochen scheinen trügerische gewesen zu fein, insofern sie zu der Annahme oder Hoffnung Anlaß gaben, das Leiden de« Kronprinzen könne voch etwa» Anderes fein als der Krebs. — Dem-

die aus dem Walde brachen und im Galopp heran­sprengten .

„Gott steh' mir bei!" kam es wie ein kurzes Stoßgebet von seinen Lippen. „Hans Leining mit seinen Raubgesellen!" »

Hans L ining aber war dazumal ein Name, der Stadt und Dorf in Schrecken fetzte. Han» Leining war der Anführer einer wilden, wüsten Bande, die eine Plage für das Land war und besonders in den finsteren, dichten Wäldern des Vogelsberges ihr Unwesen trieb. Es war ein zusammengelau­fenes Gesindel von abgedankten Landsknechten, Denen das Sengen und Brennen und Bmttmachen die liebste Gewohnhert im Kriege gewogen war, und die vor feiner Sünoe und Gotteslästerung stch scheuten.

Wie eine Horde wilder Wölfe brachen sie ein und plünderten oft ganze Dörfer au«, ober sie orangen in einen einsamen Bauernhof und ver­langten da keck Alles, was ihnen in die Augen stach: Geld und Geldeswerth, HauSgeräth und Lebensrnittel. Und die armen Bauern gaben es gern und gutwillig her und waren nur froh, wenn ihnen nicht noch obendrein der rothe Hahn auf'» Dach gesetzt wurde.

Rasch sprengten die Reiter jetzt heran auf den