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Deutsches Reich.
Berlin, 13. Dezember.
• Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht folgende» Dankschreiben de» Kronprinzen:
„Die täglich sich mehrenden Zeichen der Theilnahme haben Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kronprinzen veranlaßt, nochmals Höchstseinem wärmsten Dank hierdurch Ausdruck zu geben. Gleichzeitig ist Höchstdem. selben zu Ohren gekommen, daß in der Heimath vielfach von öffentlichen und privaten Festlichkeiten im Hinblick auf Sein Leiden Abstand genommen wird. Se. Kaiser!, und König!. Hoheit ist durch diese Rücksicht innig gerührt. Der Gedanke ist Höchstdemselben indeß peinlich, daß Seine Krankheit, die einen langwierigen Charakter anzunehmen scheint, eine in das öffentliche Leben so tief eingreifende Störung Hervorrufen sollte. Der Kronprinz wünscht daher, daß die Festlichkeiten und Vergnügungen des Winters, zumal da gegenwärtig eine enffchiedene Befferung im Befinden Er. Kaiser!, und König!. Hoheit eingetreten ist, in hergebrachter Weise stattsänden. San Remo, 11. Dezember 1887. Der Hofmarschall: Graf Radolinski.""
♦ Au» einem hierher gelangten Schreiben der Frau Kronprinzessin theilt die .Ratio- nalzeitung' folgende Sätze mit: „Villa Znno, San Remo, 7. Dezember 1887. . . . Wir machen eine schwere Prüfungszeit nach allen Richtungen durch; aber das Gefühl, daß die Nation uns nicht vergißt — mit uns hofft, mit uns fühlt ist ein unendlich trostreiches, erhebendes und beglückendes! Wenn Gott es so will — — so wird dieses Vertrauen auch ferner dem Kronprinzen als kostbares Gut erhalten bleiben und chm zur Erreichung seiner Ziele die beste Hülfe sein. Wie viel Zeit ihm noch beschieden werden soll, wer kann es wiffen! Aber wenn man ihn so frisch und blühend steht, kann man nur seinen Kräften und seiner guten Natur vertrauen und daran glauben, daß ihm die Gesundheit zur Er« füllung seiner Pflichten nicht fehlen wird, wenn er auch im günstigsten Falle lange noch flch wird schonen muffen und seine Stimme wenig wird gebrauchen können. Meine Gedanken stnd fortwährend mit unseren Vereinen beschäftigt; und ich empfinde es schmerzlich, aus der Ferne so wenig nützen zu können.
* Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat stch vor einigen Tagen infolge einer Erkältung ein leichtes Unwohlsein (Darmkolik) zugezogen. Er bedarf der Ruhe und strenger Diät und muß stch auf ärztliche Anordnung hin der Geschäfte möglichst enthalten. Der Reichskanzler wird sonach
Vor dreihundert Jahren.
(Nachdruck verboten.)
Er ist eine wahre Geschichte, die ich dem freund- lichen Leser erzählen will; ste hat sich wirklich zugetragen: von denen aber, die sie erlebt, ist längst kein Stäublein mehr übrig, denn viel, viel Waffer ist seitdem den Berg hinabgelaufen.
Im Vogelsberg, der bekanntlich ein rauhes Waldgebirge ist, liegt ein kleines Städtchen, Namens Herbstein. Jetzt gehö-t es zum Groß- herzogthum H.ffen; aber in früheren Zeit n war es Eigengut der altehrwürdigen, reichsunmittelbaren Abtei Fulra, deren Lebte Fürsten de» Reich. S waren und ein weit ausgedehntes, bedeutendes Gebiet b fußen.
In diesem Herbstein nun lebte vor ungefähr drerhundert Jahren ein sehr würdiger und frommer Pfarrer Herr Ludwig Reitz war da» Muster eine» eifrigen Seelsorgers, ein treuer Vater ferner Gemeinde, ein wacdsamer Hirte der rhm von Gort anvertrauten Herde, deren Seelen er nicht allein hütete und leitete, sondern für deren leibliches Wohl er auch Sorge trug, wo immer er tonnte. Mit Rath und That stand er in allen Angelegenheiten seinen Pfarrkindern helfend zur
seine Thätigkeit auf die wichtigsten Fragen beschränken. Die Nachricht des Berliner .Kleinen Journals', wonach der Reichskanzler einen leichten Schlaganfall erlitten habe bestätigt sich nicht.
* Der Reichstag trat heute in die zweite Berathung der Getreidezollvorlage ein. Frhr. v. Ow (Rchspt.) konstatirte als Referent der Kommission, daß diese zu einem positiven Ergedniß nicht gelangt sei und beantragte seinerseits, die Zölle für Weizen, Roggen und Hafer auf 5, Buchweizen und Hülsenfrüchte auf 4 und Gerste aus 3 Mark festzusetzen. Abg. Broemel (fif.) sprach sich Namens der Freisinnigen gegen jede Erhöhung der Kornzölle aus, die nothwendig da» Brod ver- theuern müfle. Abg. Frhr. v. Mirbach sprach Namen» der Deutschkonservativen für die Annahme der Regierungsvorlage (Roggen und Weizen 6 Mk.). Abg. Dr. Hammacher (natlib.) wandte sich gegen die Erhöhung der Kornzölle, welche der Landwirth- schast nicht nützen, der Industrie aber schaden würde. Einen größeren Nutzen al» von der Kornzollerhöhung würbe die Lanrwirthschaft von der Aufhebung de» Identitätsnachweises haben. Abg. Dr. Windlhorst befürwortet 5 Mark für Roggen und Weizen, welcher Vorschlag auf einem Kompromiß beruhe und die rechte Mitte treffe. Adg. Pfafferot (Centr.) bekämpft die Kornzollerhöhung, von welcher der kleine Bauer gar mchtS habe. Abg. Rickert (freif.) wandte sich gegen jeden Vermittelungsvorschlag. Die Agrta.ion zu Gunsten her Getreidezölle sei eine künstlich gemachte. Die 17,000 Unterschriften unter den Petitionen bildeten ein klägliches Resultat. Minister Dr. Luciu» erklärte, daß die Frage der Aufhebung des Identitätsnachweises für die verbündeten Regierungen noch ein non liquet fei. Die Zölle feien nach d-in Bedürfnisse de» Tage» zu bemessen; das sei in der Regierungsvorlage geschehen, deren Annahme er deßhalb empfehle. Finanzminister v. Scholz wie» aus der Steuerstatistik nach, daß die Einkommens- Verhältnisse der ländlichen Bevölkerung im Ver- hälttnß zu denen der stävtischen erheblich zurückgeblieben seien. Die hierauf erfolgende Abstimmung ergab Ablehnung eine» Zollsatzes von 6 Mk. für Weizen unv Roggen mit 238 gegen 108 Stimmen. Dagegen wurde der Zollmtz von 5 Mark für Weizen mit 227 gegen 125 Stimmen angenommen, ebenso der Zollsatz von 5 Mk. für Roggen.
• Bezüglich der Kleinkaliber-Frage schreibt
Seite, und daß er letztere» recht nachdrucksooll und wirksam spenden konnte, dafür hatte ihn, wie er glaubte, der liebe Gott vor Kurzem eine Erbschaft thun lassen, die nach damaligem Geldek- werthe allerdings ziemlich betiächtlich war. Der edle Pfarrherr veiwandte ste b-.nn auch gewissenhaft nur zu mildthätiaen We ken der Barmherzigkeit und christlichen Nächstenliebe, ohne für seine eigene P-rson je den geringsten Gebrauch von seinem R ichthum zu machen.
Dafür warb ihm die herzlichste Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, in der nur eine Person nicht mit deS Pfarrherrn seltener Freigebigkeit ganz einverstanden war, und düse eine Person war ferne Schwester. Jungfrau Margarelh war zwar eine brave, achtbare Se le, die musterhaft das HatlSwesen ihres geistlichen Herrn Bruders fUurte, und die auch durchaus mcht ohne Herz für die Roth ihrer Nebenmenschen war, sondern freundlich und hilf bereit d nielben beiiprang, allein ein so großartiger Wohlthätigkeitssinn, der alles dahin gab, eine solche Uneigennützigkeit, die auch nur an andere und niemals an sich selber dachte, schien ihr doch etwas zu weit getrieben. Ost versuchte sie darum in aller Bescheidenheit ihren । Bruder zu ermahnen, mitunter wohl auch ihm
man der Wiener .Neuen Freien Presse': „Man hat in Frankreich, um bei dem 8 Millimeter-Ka- liber-Gewehr eine gestreckte Flugbahn und eine sich der Geschwindigkeit von 600 Meter in der Sekunde möglichst nähernde Anfangsgeschwindigkeit zu erreichen, von Vervollkommnungen des alten Schwarzpulver», wie sie bei un» angestrebt werden, abgesehen und trotz aller entgegenstehendeu Bedenken ein „chemisches" Pulver (Pikrin, Nitrat oder dergleichen) eingeführt. Jene Bedenken beginnen jetzt ihre Berechtigung zu zeigen, indem namentlich schon nach so kurzer Lagerungszeit die Kraft dieses „chemischen" Schiebpräparate» ganz bedenklich abgenommen hat, was sich in einer verminderten Anfangsgeschwindigkeit von 40 bis 50 Meter in der Sekunde äußern soll. Rechnet man hinzu, daß durch die häufig vorkommenden Gas-Ausströmungen die Schützen feuerscheu gemacht und selbst gefährlich verletzt worden stnd, so ist es mehr al» zweifelhaft, ob da» Prahlen mit den Vorzügen des französischen Gewehres und die erhabene Ueber- legenheit, mit der die Franzosen auf die deutschen Bestrebungen herabsahen, für ein Kleinkaliber-Gewehr ein verbesserte» Schwarzpuloer herzustellen, in der Praxis wirklich al» gerechtfertigt erscheinen werde." Diese Auslassungen, wenn sie auch mit Vorsicht aufgenommen werden müssen, beweisen, daß die Lösung der Kaliberfrage nur durch die Herstellung eines zuverlässigen, als dauerhaft erprobten kräftigeren Pulvers zu erreichen ist, dessen vollkommene Zusammensetzung man in Frankreich noch nicht ermittelt zu Haven scheint.
* Ueber die voraussichtliche Beschickung der von der Deutschen Landwirthschastr-Gesellschast zu BreS- lau im Juni k. I. abzuhaltenden nationalen landwirthschastlichen Ausstellung läßt sich jetzt schon soviel fageu, daß alle deutschen Gauen, in betten in irgend hervorragender Weise Vieh gezüchtet wird, in Breslau vertreten sein werden. Wenn die Ausstellungen der Deutschen LandwirthschaftS - Gesellschaft jährlich veranstalt, t werden und jährlich an einem anderen Orte, werden Zuchten, die fortschreiten und sich bekannt erhalten wollen, auch alle Jahre wiederkommen rnüssm, wenn sie den höchsten Nutzen von diesen Ausstellungen haben wollen. Eine am 28. November in Breilau abgehaltene und von Notablen Schlesiens besuchte Versammlung zeigte, daß man in den leitenden Kreisen Schlesiens das Unter-
Vorwürfe über feine Handlungsweise zu machen, ohne einzusehen, wie vergeblich dieselben waren; denn Herr Pfarrer Reitz fuhr ruhig fort, mit vollen Händen zu spenden, so lange er konnte. .
E» war an einem heißen Juni-Nachmittage des Jahres 1550, als Jungfer Margareth mit stark get öthetern Gesichte in die stille Studierstube ihre» Bruders eintrat.
„Ach, Gott, die Stiefel, die ganz neuen Stiefel!" rief sie laut und erregt au», indem sie mit beiden Händen heftig gestikulierte und ihrem Schrecken und Aerger Ausdruck zu geben suchte.
„Was ist Dir denn, Margareth? Was versetzt Dich so in Aufregung?" fragte der Pfarrer, ruhig von seinem Predigthette aufsehend, in das er die Predigt für den morgigen Tag ntederg'- schriebett hatte.
„Ach, Eure besten Stiefel," fuhr sie fort in jammerndem Tone. „Der Bettler, der eben von Euch fortging, trug sie und behauptet mir ins G> sicht, er habe sie nicht gestohlen, sondern Ihr hättet ihm dieselben geschenkt —"
„Da hat der Mann auch die Wahrheit gesprochen", unterbrach sie der Pfarrherr, indem er