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1887

M 285

Dienstag, den 13. Dezember.

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* In der schismatischen Kirche

der Balkanstaaten und Griechenlands macht sich in letzter Zeit wieder eine Bewegung zu Gunsten der Wiedervereinigung mit Rom geltend. Bekannt ist, wie sehr Papst Leo XIII. sich nach einer Versöhnung der orientalischen Kirche mit dem h. Stuhle sehnt. Keine Mühe hat er in dieser Richtung gescheut. Seine vortreffliche Ency- klika über die beiden großen Slavenapostel, deren Zentenarium jüngst gefeiert wurde, seine Nach­giebigkeit in Bezug auf den griechischen Ritus in Montenegro wie auch die Unterstützungen, welche er den Missionären im Orient zu Theil werden läßt, sind sprechende Zeugen für die päpstliche Fürsorge. Anderseits aber bieten die russische Regierung und die panslavistischen Comitör alles auf, um die katholische Bewegung in den Balkan­staaten auszuhalten. Rußland denkt dabei an das Jahr 1860, wo fast ganz Bulgarien zur Wieder­vereinigung mit dem Mittelpunkt der katholischen Einheit bereit war, um das unerträgliche Joch des hohen schismatischen Klerus abzuschütteln. Leider gelang es damals Rußland, Dank der Gleichgiltigkeit Napoleon'» III. und seines katho- likenfeindlichen Gesandten in Konstantinopel, sowie Dank der unverständigen Politik der Pforte, diese Bewegung zu hemmen. Die Türkei hat im letzten russischen Kriege durch ihre Zerstückelung schwer büßen müffen. Jetzt aber macht sich in Bulgarien eine ähnliche Bewegung geltend und zwar unter weit günstigeren Vorbedingungen als damals. Dem berechtigten Streben der Bulgaren nach Vereini­gung mit den stammverwandten Bewohnern Ost- rumeliens, ihren Selbstständigkeitsbemühungen, allen ihren patriotischen Gefühlen widersetzt sich allein Rußland, das durch schamlose Verschwörun­gen den allgemein geliebten Alexander stürzte, die bulgarische Regierung nicht anerkennt, die dor­tigen Volkswahlen nicht achtet und auf diplo­matischem Wege und durch Verschwörungen den neugewählten Fürsten, dessen katholisches Bekenntniß den rufstschen Schismatikern noch besonders ein Dorn im Auge ist, wieder zu stürzen sucht. Diese Haltung Rußlands, da» sich so oft al» Schirm­vogt seiner südslavischen Glaubensbrüder aufge­spielt hat, muß alle bulgarischen Patrioten um so mehr auch gegen das Schisma, deffsn Haupt der Zar ist, empören, al» der höhere bulgarische

s JMouittw älteste Zeit.

(Schluß.)

An der mittelländischen Meeresküste hatten in der Nähe der Rhonemündung griechische Ansiedler auf gallischem Boden die Handelsstadt Maffalia, das heutige Marseille gegründet. Von da aus unternahmen die Mafsalier weite Handelszüge in das keltische Gebiet hinein, ja über daffelde hin­weg bis zu den Küsten der Ostsee. Ein besonders thätiger Handelsmann in Massalm war Pytheas, deffen Entdeckungen in fremden Ländern vom römischen Schriftsieller Plmius im 16. Bande seiner Naturgeschichte uns überliefert worden sind, demselben Plinius, der im ersten Jahrhundert unserer chnstllchen Zeitrechnung lebte uno zuerst die Slaven unter dem auch lange bei uns D utschen üblich gewesenen Namen der Wenden (Veneti) erwähnt. Der genannte Pylheas lebte im vierten Jahrhundert vor Christi Geburt und unternahm von Maffalia au» weite Handelsreisen bis an die Ostsee. Er erwähnt zuerst einen germanischen Stamm, die Teutonen östlich von der*Elbe, und dem w.lterfahrenen Manne war es sofort klar, daß er cs hier mit einem ganz anderen Volke W thun. hatte, als mit den ihm schon mehr bc-

Kleru», voran der Bischof Clement, zur Ruffen­partei gehört und zum Theil auch an dem Sturze des Fürsten Alexander thätigen Anthetl genommen hat. Daher wenden sich patriotische Bulgaren ent­rüstet von einer Kirche ab, deren Diener sich zu Werkzeugen des die Unabhängigkeit Bulgarien» bekämpfenden Zaren hergeben. Daher besprechen bulgarische Staatsmänner und Publizisten in der letzten Zeit ernstlich die Wiedervereinigung mit Rom. Ergreift die Bewegung weitere Kreise so wird sich schließlich auch wohl die schismatische Hierarchie trotz ihre» bornüten Haßes gegen Rom zum Theil fügen, zum Theil aber bald von ihrer Herde sich verlosten sehen. Aber die Bewegung beschränkt sich, wie jüngst ein französisches Blatt, der .Observ. Fran?.' hervorhob, keineswegs auf Bulgarien. Auch in Mazedonien und Griechenland macht sich dieselbe Richtung immer mehr geltend, je mehr man dort die Thätigkeit inr katholischen Missionäre mit eigenen Augen kennen lernt. Diese Bewegung in Griechenland, über welche der ,Montt. de Rome' von Zeit zu Zeit Bericht erstattet, ist um so be- merkenswerther, je größer dort der Haß gegen Rom war. Zogen es früher doch die Griechen vor, lieber das türkische Joch zu ertragen, als den Anschluß an Rom zu suchen. Unter dem türkischen Joche aber büßte Griechenland alle seine guten Eigen­schaften um so mehr ein, al» seine verknöcherte Kirche zur Wiedergeburt des Volke« sich unfähig zeigte und noch zeigt. Zudem weiß man es in Athen ebenso gut, wie in Sofia, daß da» schis­matische Rußland, einmal in Konstantinopel, auch auf Griechenland seine Hand legen würde. Dazu böte sich aber dem Zaren um so mehr Aus­sicht, wenn Griechenland in ihm zugleich den Schirm- herrn der schismatischen Christenheit und gleichsam das gemeinsame religiöse Oberhaupt erblickte. Hier wie in Bulgarien find es also in erster Linie po­litische Rückfichten, welche die Wiederverbindung mit Rom nahe legen. Dazu kommt aber auch die Erkenntniß, daß die katholische Kirche mit ihrer occidentalen Kultur, ihrer reicheren Entfaltung, ihrem gebildeterem Klerus, ihren Lehranstalten und Orden ein weit wichtigeres Civilifationrele- ment ist als das Schisma, besten unwistender Klerus bei seiner Sorge für Frau und Kind viel­fach das Landvolk durch Erprestungen aussaugt und empört. Woher kommt es, daß selbst das

kannten Kelten, trotzdem beide, die Germanen und Kelten, äußerlich in Farbe de» Haares und der Augen übereinstimmten. Pylheas erwähnt auch einen alten Handelsweg von Maffalia bis zur Osisee und wer immer die Landkarte genauer studirt, der wird st d sagen müssen, daß die kür- zeste und bequemste L.nie von der Ryonc- bis etwa zur Odermündung die Rhone, Saone und den Doubs aufwärts durch die sogenannte bur­gundische Pforte bei Belfort zwischen den Pogesen und dem schweizer Jura hindurch und weiter den Rhein abwärts bis Mainz fühlt. Von da ab ist die Richtung unseres alten Ansenweges durch Buchonien die geradeste und für damalige Vei- hältniste bequemste Route zur Ostsee und so mag denn der Weg des Pylheas durch unsere engere suldische Heimath geführt haben.

Nicht lange darauf kam die ganze Keltenwelt, besonders aber der gallische Zweig derselben in ge­waltige Aufregung. Gallierschaaren erschien!» in Mcttelitalien und drohten dem kaum zu einiger Bedeutung gelangten Staate der Römer den Un­tergang. Gallische Schauren verwüsteten Griechen­land und Theile von ihnen erschienen sogar in Kleinasien, wo sie als Volk der Galater sich nic- derließen, an welches später der heilige Apostel

Organ des griechischen Ministers Trikupis ernstlich einen Wiederanschluß an Rom erörtert. Dieser liegt aber auch nicht minder im Jnterefle der Türkei, deren mazedonische Bewohner so am besten den Einflüsterungen Rußlands entzogen wür­den. Freilich darf man nicht sofort auf große Erfolge rechnen, denn Bewegungen wie diese be­dürfen zu ihrer Entwickelung der Zeit. Auf die eben besprochene Weise fände auch die Europa schon so lange beunruhigende orientalische Frage die narurgemäßeste Lösung. Bringen die Balkan­staaten aus freier Entschließung eine Wiedervereini­gung mit dem Mittelpunkte der alten Kirche, mit Rom, zu Stande, so fällt für Rußland der Haupt­vorwand für seine ewigen Einmischungen auf der Balkancalbinsel vollständig weg. Weitsichtige Poli­tiker haben diesen Gang der Ereignisse vorherge­sehen und bekannt ist das Wort des Grafen Joseph de Maistre: „In Kurzem werde der Papst in der Hagia Sophia zu Konstantinopel das Te Deum singen." Auch moderne Staatsmänner scheinen einer Lösung der Orientfrage auf dem Umwege über Rom nicht abhold zu fein. Daher da» Be­streben, die bulgarische Frage versumpfen zu lassen. Das Heilmittel soll au» den Balkanvölkern selbst kommet find sie einmal durch Union mit Rom verbunden, so hat der Trieb und Drang nach nationaler Selbstständigkeit eine überaus kräftige Stütze. Es gilt dann nicht mehr allein die poli­tische Freiheit gegen die panslavistischen Gelüste Rußlands zu vertheidigen, sondern auch die reli­giöse, die Gewissensfreiheit. Da» ist freilich augen­blicklich noch Zukunftsmusik, aber kräftige Ansätze sind bereits vorhanden und trotz aller russischen Machenschaften in lebensvoller Entwickelung be­griffen. Der Orient muß der westlichen Kultur gerettet werden, sonst wird Europa kosakisch!

Deutsche- Reich.

Berlin, 12. Dezember.

• Die angeblichen Fälschungen von diplo­matischen Aktenstücken, welche den Zaren hic.ter'S Licht geführt haben sollen, lassen der .Kölnischen Zeitung' noch immer keine Ruhe. Nach­dem sie systematisch den Verdacht auf alle höheren Stände geworfen und besonders auf den Bot­schafter Baron v. Mohrenheim, schreibt sie jetzt: „Der in letzter Zeit vielgenannte russische Bot-

Paulus seinen Galaterbrief richtete und von dem noch später der heilige Hieronymus sagt, daß er eine Sprach rede, welche der Sprache der Bewoh­ner von Trier ähnlich sei. Kein Wunder, waren die Trierer damals doch auch Gallier! — Und was hatte die Gallier in diese Aufregung versetzt? Nichts Anderes, als der Vorstoß unserer germa­nischen Ahnen gegen sie von der Elbe her. Die Germanen besetzten damals das westliche Deutsch­land bis zur Donau und dem Rhein; was von den Kelten nicht entrann oder erschlagen wurde, das fi-l in germanische Knechtschaft und ging all­mählich unter den Germanen auf, nicht aber ohne Spuren seiner ehemaligen selbstständigen Existenz auf dem jetzt deutschen Boden in geographischen Namen zu hinterlassen. Die alten keltischen Be­zeichnungen wurden vielfach von den germanischen Eroberern übernommen und mundgerecht gemacht, freilich daourch auch entstellt, wie ja zum Beispiel die europäischen E nwanderer in Amerika viele indianischen Flüsse und andere Namen beibehalten haben. Manche deutsche Landschaften, besonders in b;it Alpen, sind voll von unvcrkennbar keltischen Berg-, Fluß- und Ortsnamen, ist doch der Name unsere» Lieblingrflusfis, des Rheins, ein keltischer und bedeutet derselbe im Keltischen ja doch nichts