1887
Sonnabend, den 10. Dezember.
JK 283
Mtiliig
fnlintr
Di- Fuldaer, Zeitung- «scheint täglich, Sonn, und F-i«tag. ausgenommen. Bi«teljährlich« «bonnementSpreiS ohne Bnng«l°hn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda I M. 70 Pf., auswätts 1J0L75 Pf.
Inserate: Die einspaltig« Zeile ob« deren Raum 15 Pf., bet Wtederholungen entsprechender Rabatt.
* Der Zrrkrrnftskrieg mit Rußland.
Auch ein Zeichen der Zeit ist dä» Erscheinen von militärischen Broschüren über den russtschen Zu- kunftSkrieg. Zweifacher Broschüren haben wir dabei besonders im Auge. Einmal die 1886 erschienene: „Von der Weichsel bis zum Dneper von Sarmalicus" (Hannover) und sodann die kürzlich erschienene Schrift „Im Lande des Zukunftskrieges" (Leipzig). Beide Verfaffer, anscheinend kompetente Militärs, halten den Krieg fast für unvermeidlich, beide aber halten den Offensivkrieg Deutschlands für aursichtsvoll. Während aber die ützt- erfchienene Broschüre auch politische Rücksichten erörtert, geht die erstere lediglich vom militärischen Standpunkte aus. Wir brauchen, führt die jüngste Schrift aus, einen uns frivol aufgedrungenen Krieg mit Rußland nicht zu fürchten, denn 1) sind heutzutage die Verkehrsmittel (Eisenbahnen) ganz andere, als zu Napoleon I. Zeiten; 2) können wir auf die Erhebung Polens zur Wiederherstellung eines polnischen neutralen Königreiches ä la Belgien rechnen; 3) kann Deutschland bei Reorganisation seiner Landwehr und des Landsturmes auch 5 Millionen Krieger auf die Beine bringen und dazu kommt 4) daß wir zuverlässige und militärisch tüchtige Bundesgenoffen besitzen. Die Richtigkeit des ersten Punktes fällt in die Augen. Napoleon's Verderben war der Mangel an genügender Kommunikation und Zufuhr. Deutschland aber fehlt es nicht an Bahnen bis zur russischen Grenze und uufeic Eiserrbahutruppen können, von der polnischen Bevölkerung unterstützt, Eisenbahnen jetzt in kürzerer Zeit Herstellen als früher Kunststraßen. Die verschiedene Spurweite der russischen Bahnen ist aber auch kein großes Hinderniß, zumal die deutsche Mobilisation viel schneller erfolgen kann als die russische, welche laut der ersten Broschüre frühestens in 15 Tagen fertig sein kann. Leistet die deutsche Armee auch nur annähernd das 1870 Geleistete, so können die russischen Truppen in Polen westlich von der Weichsel abgeschnitten werden. Dann kommt Rußland, wie die erste Broschüre ausführte, „überhaupt nicht zu einer Versammlung seiner Armee an der Weichsel, dann werden die getrennten Armeen getrennt gehaltenund getrennt geschlagen."
Was den zweiten Punkt, die Erhebung Polens anbetrifft, so hat leider Preußen es nicht verstau-
b Zeit.
5. Fortsetzung
Wir erwähnen als solche Wortwurzeln und Wörter, die nach Ueberlieferungen aus anderen, früh bewohnten Gegenden Deutschlands nicht nach dem fünften Jahrhundert unserer christlichen Zeitrechnung mehr in der allgemeinen Umgangssprache üblich waren, und die daher beweisen, daß die mit ihrer Hilfe gebildeten geographischen Namen vor dem genannten Jahrhundert geschaffen wurden, zunächst die Wörter affa, aha, loh, mar, lar, tar.
Das uralte germanische Wort affa, angelsächsisch apa, gothisch ahva, lateinisch aqua bedeutet ein fließendes Waffir, einen Fluß oder Bach. Im Laufe der Zeil hat sich da» am Ende der Fluh- und Bachname als Grundwort stehende affa verschiedentlich abgeschliffen und so findet es sich in a) e, f, ff u. s. w. zusammengezogen in den Bachnamen der verschiedensten Gegenden Deutschlands. Im Plattdeutschen ist ape daraus geworden, z. B. die „Holzapr", d. h. der Holz- oder Waldbach im Reinhardtwalde. Wir haben im Fuldischen nur einen einzigen mit affa gebildeten Bachnamen, die Schlirf, an der Altenschlirf und Salzschlirf «egen und der „Lehmbach" bedeutet (slir L.chm, affa Bach) Die älteste Form lautete also Sliraffa.
den, sich die Sympathie der Polen zu erwerben. Dagegen kann Oesterreich voll und ganz auf dieselben rechnen. Wir sprechen das aus, gestützt auf genaue Kenntniß der Stimmung in Galizien. Jn- deffen die Sehnsucht nach der Befreiung der ruf- fischen Knute würde, wenn auch nicht sofort, die Polen ernstlichen Garantien gegenüber doch für die deutsche Armee günstig stimmen, diese würde wenigsten» keine feindliche Stimmung in Polen vorfinden. Schon das würde in einem an Hilfsquellen so reichen, an guten Kommunikationsmitteln dagegen armen Lande bedeutend in die Wagschale fallen. Den dritten Punkt anlangend muß zugegeben werden, daß ein 100-Millionenland wie Rußland mehr Streiter aufbringen kann als Deutschland, aber zweifellos ist die deutsche Armee bester organistrt, bester einexerzirt und intelligenter als die russische. Das wichtigste Moment aber ist, daß die russischen Koipr in Polen wahrscheinlich überhaupt nicht auf den Kriegsfuß kommen werden. In Polen steht fast die Hälfte der russischen Armee, aber weit getrennt von ihren Ersatz bezirken an Ostasien, der Wolga, dem Schwarzen Meere u. s. w., und zur Versetzung auf den Kriegsfuß hat Rußland aus den Ersatzbezirken nur drei Haupt-Transportlinien. Daher kommt die erste Broschüre zum Schluß: „Raßland kann noch in langen Jahren nicht an einen erfolgreichen Krieg gegen Deutschland denken, dagegen bietet eine Offensive bis nach Moskau für eine vorbereitete deutsche Kriegsührung keine solche Schwierigkeiten, daß der Plan nicht von Erfolg gekrönt sein müßte." Das erscheint auf den ersten Blick eine rühne Be hauptung, aber sie ist es weniger, wenn die Feh- ler jetzt vermieden werden, welche Napoleon I. beging. Dieser überstürzte sich in der Off.nsive und versäumte die Sicherung seiner Etappen und die Deckung seiner Flanken. Daher dringt die erste Broschüre auf Anlegung von Bahnen, Errich- tung großer Magazine und vorbedachte Vorschiebung der gedeckten Etappen. So könnte die erste Offensive bis Wilna und Smolensk, die zweite, nachdem die Erhaltung der Armee verbürgt, bis Moskau gehen, mit duffen Eroberung der Krieg im zweiten Jahre beendet sein würde.
Dazu kommt nun, daß es Deutschland nicht an leistungsfähigen Alliirten fehlt. Der Tüchtigkeit der österreichischen Armee wird in der zweiten Bro-
Schon lanae vor Bonifatius' Zit war die Form afia durch die jüngere Form aha, im Alemannischen acha, ach verdrängt worden und diese schliff sich nach und nach verschiedentlich in a, e, aa, aa, a, ahe, aho, ehe u. s. w. ab oder fi l ganz weg. Namen, die mit aha gebildet sind, finden sich im Fuldischen in großer Zahl, nennen hier die Namen Fulda (Fuldaha, wohl von Fulljan fällen, also Füllbach, gefüllter Bach oder Fluß, wasterreicher Fluß), Biber(Bibaraha-Biberbach), Eitra (Eitraha), Geisa (Geisaha von grsau, sprudeln, Blasen werfen, schäumen, also Schaumbach), Gisel (Gisilaha), Hasel (Haselaha), HoraS (Horaha-Schmutzbach), Jossa (Jazaha von jaß, steil, also Steildach, Bach mit starkem Gefälle), L ü d e r (Lutaraha-Lauter ach), Lütter (dieselbe Form), Schwarz (Suarzanaha-Schwarz- dach), Rhina (Rmaha), Sauer (Soraha- Trockenbach, Bach mit oft geringem Wassergehalt), Tast (Tastaha), Aura (Ucaha - Au-rocksenbach), Barsch (Borfaha), Müs (Musaha) Schleid (Sl^itaha - Hangbach), Schmalnau (Smalanaha- Schmalbach), Wehrda(W-rtaha), Rüde, Sauro d e (Rotaha), Haun (Hunaha - Hünen- oder Riesendach).
Zu Bonifatius' Zeit war das neue i tzt noch übliche Wort „Bach" für aha schon in die Um-
fchüre alles Lob gespendet. Freilich würde Deutschland in einem Doppelkriege seine Armee theilen und einen Theil nach Westen senden müffen. In- besten bei unferm Bunde mit Italien müßte auch Frankreich seine Armee theilen. Erwägt man da» Alles, so braucht Deutschland auch angesichts eines Doppelkrieges nicht zu verzagen. Er wünscht keinen Krieg, aber es hat Bürgschaften genug zu der Zuversicht, daß es aus einem ihm aufgedrungenen Kampfe bei Anspannung aller Kräfte als Sieger hervorgehen wird.
Deutsches Reich.
Berlin. 9. Dezember.
* Die .Bielefelder Zeitung' bringt folgenden Brief des Kronprinzen an den Geh. Rath Hinzpeter Hierselbst, früheren Zivilgouverneur der Prmzen Wilhelm und Heinrich:
„Indem ich für beide Briefe recht von Herzen danke, kann ich mit gutem Gewiffen die Mittheilung machen, daß die von den Aerzten angeordneten Mittel bald nach dm Tagen der Konsultation den entzündlichen Theil völlig beseitigten und daß die fatalen Erscheinungen sich zurückbildeten, wobei ich mich körperlich vollkommen wohl befinde, niemals von Kräften kam, stets den guten Appetit bewahrte, auch zum Erstaunen Aller, die mir begegnen, blühend aussehe. Absichtlich theile ich solche Einzelheiten Ihnen mit, weil es mir vorkommt, als sei die an sich gewiß ernste Erschein»« g einer Neubildung und deren ungünstiges Aussehen mit Ueb«tteibungen nusposaunt worden, so daß man nicht recht an eine günstige Wendung glauben will. Der liebe Gott wird bestimmen, was für einen Verlauf das Leiden nehmen soll, dessen Pflege nächst d« Kronprinzessin dm besten Sachverständigen anvertraut ist, die trotz allen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sind, mein volles Vertrauen besitzen. Ich verzage keineswegs und hoffe, wenn auch nach längerer Schonung, meine Kräfte dem Vaterlande dereinst wieder in alter Weise widmen zu können. Tief gerührt von den zahllosen Beweisen der Theilnahme, die m:r aus dem ganzen Reiche wie vom Auslande zugehen, erkenne ich mit aufrichtiger Dankbarkeit an, daß man mir Vertrauen schenkt, und daß auf meinen Charakter gebaut wird. Solche Erfahrungen unter solchen Verhältnissen sind ein wahrer Schatz für mich, den ich Zeit meines Lebens hoch in Ehren halten werde."
* Dem gestrigen Empfange des Fürstbischofs Dr. Kopp durch S. M. den K aiser wohnte Kultusminister Dr. v. Goßler bei. Dr. Kopp ist heute nach Breslau zurückgekehrt.
* Die Weihnachtspause in den Bsrath« ungen des Reichstags soll nach den nunmehrigen gangssprache eingedrungen und so finden wir es denn auch damals schon vorhanden in den Namen Rombach (Ruhunbach), G r e tzb a ch (Grezzibach), Krummbach(Crumbenbach)' Unzbach (Utina- bach), Bimbach (Binnbach - Feldbach) u. s. w. Ja im Namen des Rimbache» ist da» Wort Bach sogar an den vollen alten Nagten getreten (Rinaha- Bach, d. i. Rimbach = Bach).
Das Wort loh bedeutet einen heiligen Hain, gewöhnlich mit Eichen bestanden, in welchem den Göttern geopfert wurde. Es ist das lateinische lucus. Das Wort hat sich noch in der Benennung der Eichenrinde (Lohe) erhalten. Jnr dritten Fall der Einzahl heißt es loha und man hat hier zu ergänzen „zu dem". Die Stelle Fulda's hieß Erhloha, d. h. zu dem herligen Eichenhain. Das Dorf Spahl bei Geisa enthält in seinem Namen dirfe« Wort loh, (Spaneloha, d. i. zum Zimmerholz).
Dar Wort mar bedeutet stehender Wasser, Sumpf, Quelle. Der Name des Dorfes Geismar bei Geisa bedeutet also Schaum- oder Sprudelqnelle. Nebenbei möge hier bemerkt werden, daß in dem Namen des bei Geismar gelegenen Dorfes Wiefenfelv, (Wisuntfeld geschrieben), sich noch die alte Form für den Namen des Auerochfen (Wisunt) erhalten hat.