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M 3. (Zweites Blatt.) Sonnabend, den 10. Dezember. 1887.

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* Die Geburtsstätte Christi.^ J

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| Auf die Frage, wo ist Christus geboren? ant­wortet uns zuerst das Evangelium Matthäus und Lucas: Zu Bethlehem in der Sladt Davids; und in Beziehung auf die nähere topographische Be­stimmung heißt es im 6. Vers Lucas 2. Cap.: „und sie (die Jungfrau) legte den erstgeborenen nieder in einer Krippe, weil kein Platz für ste in der Herberge war." Der Umstand nun, daß Maria ihren Sohn in eine Krippe legte, führt darauf, daß sie ihn in einem Stalle gebar. Wo haben wir nun diesen Stall in Bethlehem zu suchen? Ist der uns heute gezeigte Ort der echte, oder ist er es nicht? Wir treten in die fünf-- schiffige Säulenbasilica ein. Im Querschiffe be­merken wir zwei Marmortreppen, die in einen unterirdischen, cryptaartigen Raum hinabführen; diese Crypta nimmt die christliche Ueberlieferunq nun als die heilige Geburtsstälte Christi an. Ist dieser Raum der ehemalige Stall gewesen? Kann er es gewesen sein? Ist es derselbe wirklich ge­wesen? Um uns hier zu orientiren, müffen wir uns die ganze natürliche Bodengestaltung vergegen­wärtigen und die künstlichen Bauten wegdenken. Die Geburtsbasilica und die sie umgebenden Klostergebäude stehen am Athai ge einer Hügels. An diesem Abhange waren Höhlen, natürliche oder künstliche, in den weichen Kalkstein eingeteuft und dienten als Stall. So war es einst und ist es heute, daß Höhlen als Slälle verwendet werden. Unsere Crypta-Capelle entspricht einer ehemaligen Felsenhöhle. Daß aber nun diese Felsenhöhle identisch ist mit der Geburtsslätte Christi, darüber belehrt uns eine ununterbrochene lieber» lteferung. Die moderne Zweifelsucht, die die Echtheit der heil. Stätten mehr oder minder in Frage stellen will, und besonders bei Bekämpfung der Echtheit Golgathas und des Christusgrabes scheinbare Anhaltspunkte ausbeuten will, findet bei der Geburtsgrotte zu Bethlehem noch viel weniger oder fast gar keine Nahrung, von der sie leben könnten.

Sollten wirklich die Hirten, die Apostel und Jünger, die Zeitgenoffen der Geburt des Heilandes, die also den richtigen Ort gewiß wssin mußten, denselben nicht mindestens ebenso sehr wie wir verehrt haben? Würde es nicht eine ganz absurde Annahme sein, zu behaupten, daß die Christen gerade des ersten Jahrhunderts, wo der Glaube und der Eifer für Christus sie zu Heroen machte, den Geburtsort desjenigen verg.ff n und aus Nach­lässigkeit verloren hätten, für deff n Lehre sie ihr Blut und Leben mit gleicher Freudigkeit den wilden Thieren, wie den Flammen preisgegeben?! Eine lebendige Volkstradition muß vorhanden ge­wesen sein, und das geht zunä vst daraus hervor, daß Judenchristen in Bethlehem immer lebten; Evanstus, der unter der Re.ierung Domitian's und N rva's als Nachfolger Petri in Rom als Mariyrer glänzte, und zuerst die Benennung „katholisch" für die Kirche Christi sanktionirte, . war aus Bethlehem geboren. Als unser urkund- \

licher Zeuge tritt Justinus der Philosoph und Märtyrer auf, der selbst in Palästina in der samaritanischen Stadt Sichem im Jahre 100 ge­boren ward. Er mußte gut unterrichtet sein, da er noch mit Apostelschülern verkehrte, weßhalb seine Bemerkung in der Streitschrift gegen den Juden Trypho, wenn er von einer Höhle nahe bei Beth­lehem als dem Geburtsort Christi sprach, großes Gewicht hat. Weiter spricht das Proevangelium Jacobi, das in der Mitte des zweiten Jahrhun­derts verfaßt ist, bereits von der Geburtshöhle, für die auch der Heide Celsus, mit dem der ge­lehrte £) eigenes stritt, einsteht, denn er berichtet: „In Bethlehem zeigt man die Grotte, die Ihn (Christus) zur Welt kommen sah, und die Krippe, dis ihn ausgenommen. Dies Ereigniß ist so über­aus berühmt, daß der Ruf und Name selbst unter die Ungläubigen gedrungen, in jener Höhle sei ein gewiffer Jesus geboren, den die Christen an­beten und bewundern." Und wieder tritt, wie für Golgatha und Chnstusgrab der heidnische Kaiser Hadrian als indirekter Zeuge für die Echtheit der Geburtsgrotte ein, indem er selbe in eine Adonis- höhle veränderte, zum Leidwesen der Christen den Heidencultus inaugurirte, der durch fast zwei Jahr­hunderte bis in die RegierungSzeit Constantins währte. Wir haben also eine historische Kontinuität vor uns, wie sie präciser und schlagender kaum möglich ist. Die Evidenz, die sich sowohl durch die topische Richtigkeit, als durch die historische Gon» tinuität für die Echtheit der Geburtsgrotte ergibt, ist eine allgemein anerkannte. Sogar fcharfe Kritiker, wie z. B. der unermüdliche Palästina- forscher „konnten nicht umhin, sich vor den Argu­menten zu beugen."

Ueber den Geburtstag Christi,

den 25. Dezember sagt Dr. Paul Münz in einem Auf­sätze über „Weihnacht" (Alte und Neue Welt 1834 Seite 138): „Als Tag der Geburt Jesu Christi wird der 25. Dezember gefeiert, nicht weil „dieser Tag als Zeitpunkt der Winter-Sonnenwende ein allgemeines Freuden est der Natur ist", auch nicht damit die „um die Winter-Sonnen­wende gefeierten ausgelaffenen Saturnalien der Römer verdrängt uud andere Festlichkeiten an deren Stelle ge­setzt würden", sondern weil nach genauen Forschungen in den kaiserlich römischen Archiven der 25. Dezember als Geburtstag Jesu festgestellt wurde. Schon der alte Kirchenschriftsteller Tertullian (f 240 n. Chr.) beruft sich in seiner Schrift gegen den Jrrlehrer Marcion, wo er von der Zeit der Geburt Christi spricht, auf die Census- (Volkszählungs-) Akten in Syrien unter em Statthalter Sentius Saturnius, welche in den römischen Archiven ein­gesehen werden könnten. Papst Julius I., welcher 337 den päpstlichen Stuhl bestieg, ließ in den römischen Reichs­archiven die genauesten Ermittelungen anstelle«, und diese Forschungen ergaben als Geburtstag Christi den 25. De­zember. In Rom und im ganzen Abendlande wurde seitdem dieser Tag als Weihnachtsfest gefeiert. Die Griechen, welche ursprünglich den 6. Januar als Geburtstag des Erlösers feierten, nahmen den 25. Dezember als solchen an. „Noch keine zehn Jahre sind verflossen," schreibt deshalb der hl. Chrysostomus, „seit uns dieser Tag wahr­haft bekannt wurde. Anfangs war er wohl denen im Abendlande bekannt, und sie lehrten ihn vor nicht langer Zeit uns kennen. Bor allem hatten die Bewohner Roms genaue Kenntniß davon; denn sie feierten ihn schon lange und gemäß einer alten Ueberlieferung." Aus dieser erst

im vierten Jahrhundert erfolgten genauen (Ermittelung des Geburtstages des Herrn erklärt sich der auffallende Umstand, daß drei Tage der Geburts-Oktave mit Heiligen­festen belegt sind, während die nicht höher im Rang stehenden Oster- und Pfingstfeste sog. privilegirte Oktaven haben, innerhalb deren kein Fest eines Heiligen gefeiert wird; die Gedächtnißtage des hl. Stephanus, des Liebes­jüngers und der Unschuldigen Kinder waren schon vor Fixirung des Christfestes festgesetzt."

Miililifjt Mcihmihts-SMel.

Nichts mehr erzürnet und betrübt, Als wenn ein Unheil wird verübt An Weihnachtskistchen voller Sachen, Womit wir uns Geschenke machen; Wenn Spielzeug man und Pfefferkuchen Aus Trümmern muß zusammensuchen; Wenn Schoner, Seife, Shlips und Decken Im weichen Marzipane stecken, Das Spitzenhalstuch wohlgemuth Am Busen einer Spickgans ruht;

Wenn Albums oder Bilderrahmen Ein Fläschchen sich zum Lager nahmen. Und nun der Bilder Purpurlippen An Fruchtsaft oder Gilka nippen.

Dergleichen ist gewiß fatal;

Doch noch viel höher steigt die Qual, Wenn solch ein Kistchen ist verschlagen In irgend einen falschen Wagen Und nun vielleich; am Bodensee Umher sich treibt, statt an der Spree. Was nützt es Dir, wenn hinterher Ein Postmann oder Militär So gegen Neujahr bringt alsdann Die Weihnachtskiste keuchend an;

Vielleicht auch einen Weihnachtshasen Als Schreckniß für verwöhnte Nasen? Der Zweck verfehlt! Die Christbaumlichter! Beschienen längliche Gesichter;

Und Dich traf in der Weihenacht Ein furchtbar-schwärzlicher Verdacht: Als hättest Du, statt zu beglücken. Dich diesmal wollen meuchlings drücken.

Und woran liegt es, daß mitunter Die Emballage reißt wie Zunder, Daß Päckereien klein und groß Sind Herren- und adressenlos?

„Wie an so Vielem sind auch hier „Die Frauen Schuld, des Hauses Zier. „Oh, Päckerei'n von zarter Hand, „Wär't ihr so fest, wie elegant I „Gedächten Alle, die Euch senden, „Der Schaffner mit den Schwielenhänden, „Der Nachbarschaft von tausend Stücken, „Die Euch die zarten Glieder drücken. „Die Euch umdrängeln um die Wette „Ohn' Zartgefühl und Etiquette."

Nun ist es ja das Loos des Schönen, Daß schlimme Leute es verhöhnen. Jedoch ganz einzig dessentwegen Die Hände in den Schooß zu legen. Hielt' ich bedenklich und verkehrt, Auch keiner deutschen Frauen werth! Im Gegentheil, setzt jenem Spott Entgegen tapfer ein Komplott: Verschwört Euch, so zurecht zu machen Zum Postversandt die Siebensachen, Daß vor dem Kistchen, fest und schön. Die Postbeamten staunend steh'n.