HL 281. Donnerstag, den 8. Dezember. 1887
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♦ Eine Rede des Prinzen Wilhelm.
Vor einigen Tagen hat der einstige Erbe der deutschen Kaiserkrone, Prinz Wilhelm, in einer Versammlung zur Beförderung der Berliner Stadtmission, eine Rede gehalten, die schon des erlauchten Redners wegen hohe Aufmerksamkeit verdient. Fast noch wichtiger aber ist der Inhalt der prinz- lichen Worte, lieber diese Versammlung, welcher Prinz Wilhelm und Gemahlin beiwohnten, bringt jetzt auch die .Kreuzzeitung' einen Bericht, den man als authentisch ansehen darf, da sich auch ihr Redakteur v. Hammerstein unter den Theil- nehmern befunden hat. Die Rede des Prinzen Wilhelm wird darin wie folgt behandelt: „Nach einigen einleitenden Worten des Grafen Waldersee nahm der Prinz Wilhelm selbst das Wort, um in ebenso entschiedener wie warm empfundener Rede der Versammlung seine Ueberzmgung auszusprechen: daß gegenüber den grundstürzenden Tendenzen einer anarchistischen und glaubenslosen Partei der wirksamste Schutz von Thron und Altar in der Zurückführung der glaubenslosen Massen zum Christenthum und zur Kirche und damit zu der Anerkennung der gesetzlichen Autorität und der Liebe zur Monarchie zu suchen sei. Der christlich.soziale Gedanke sei deß- halb mit mehr Nachdruck noch als bisher zur Geltung zu bringen, und die Stadtmission, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen großen Städten, welche dieses segensreiche Werk bisher in erster Reihe gefördert haben, bedürfe daher einer kräftigeren Unterstützung, als bisher, seitens aller christlich und monarchisch gesinnten Elemente ohne Unterschied der Parteien. Vor allem sei es nöthig, derselben eine gesicherte und breitere finanzielle Grundlage zu verschaffen, und, da der Ernst der Zeit festliche Veranstaltungen zu diesem Zwecke, wie er sie ursprünglich vor Jahresfrist schon be- absichligt habe, ausschließe, so hat er mit Genehmigung des Kaisers diese Versammlung berufen, um über die Mittel und Wege zu berathen, auf welchen das von ihm bezeichnete Ziel in anderer Weise erreicht werden könnte."
Was Prinz Wilhelm hier gesagt hat, ist nichts Anderes al» eine Umschreibung, Wiederholung und
ö Scholiens älteste Zeit.
3. Fortsetzung.
Solche alte Handelsstraßen, die im Mittelalter verschiedentlich den Namen Weinstraßen führten, wenn sie von Süden nach Norden liefen und den Bewohnern der nördlichen Striche den Wein des sonnigeren Südens zu bringen ermöglichten, finden sich noch heutzutage und werden meistens nur noch als Waldwege und Feldwege benutzt, nachdem nach Erfindung der Chaussirungskunst die Handelsstraßen in die Thäler verlegt worden sind. Sie find stets an den oben erwähnten Eigenschaften leicht zu erkennen und wenn sie gar aus sehr alter heidnischer Zeit stammen, so besitzen sie noch andere, später erwähnte Kennzeichen. Die bekannteste dieser Höhenstraßen ist wohl die, welche den ganzen Rücken des Thüringerwalde« entlang läuft, bis auf wenige Stellen fahrbar ist, schon in Urkunden des 9. Jahrhundert« vorkommt und Rennstieg (Renniweg, Rynnestigk, Rynnesteig u. f. w.) genannt wird. Der Theil „Renn" diese« Namen» ist unser „Rain", der Name Rennstieg bedeutet also soviel wie „Hohe Straße". In Ntederheffen giebt e» noch mehrere solcher hohen Straßen, die Rennwege genannt werden.
Anerkennung dessen, wa» auf unserer Seite stets und schon bei Beginn des „Kulturkampfes" hundertmal gesagt worden ist: daß nämlich das Heil der Völker und der Fürstenkrone einzig in dem engen Zusammenschluß von Staat und Kirche liegt, daß dieses Zusammengehen in der gottgewollten christlichen Ordnung enthalten ist und von uns stets als das Ideal hingestellt wird, dem der „Kulturkampf" gerade mit aller Macht entgegengearbeitet hat. Die Noth der Zeit, die Attentate auf Kaiser Wilhelm, das erschreckende Anwachsen der Sozialdemokratie und ihrer letzten Konsequenz, der Anarchisten, hat auch an sehr hohen Stellen wieder dieser sozialpolitischen Grundwahrheit Anerkennung verschafft. Möge man nicht zögern auf diesem Wege vorwärts zu gehen, dabei aber auch die wohlerworbene, wohlbegründete und zu ihrer Wirksamkeit unentbehrliche Freiheit der Kirche achten, sowohl was die katholische, als was die evangelische Kirche betrifft. Ganz derselbe Gedanke, den Prinz Wilhelm ausgesprochen hat und der uns voll aus der Seele gesprochen ist, liegt auch der Politik des päpstlichen Stuhles zu Grunde. Man will die erhaltenden Kräfte, die gerade im Katholicismus so mächtig vorhanden sind, den Staaten wieder nahe bringemzum Heil für Fürsten und Völkter. Die Worte des Prinzen Wilhelm dürften vielleicht Manche, die, obwohl sie sich konservativ nennen, doch die katholischen Blätter mit ihrem Haffe verfolgen, etwas zur Besinnung bringen. Die Grundlage wahrhaft konservativer Politik und Weltanschauung ist jene concordia inter sacerdotium et imperium, die der Prinz lehrt und die wir selbst und das Centrum immer verlangt haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Dezember.
• Der Hochwürdigste Herr Fürstbischof Dr. Georg Kopp ist heute Morgen schon hier angelangt und im Hotel Royal abgestiegen Morgen (Donnerstag) Nachmittags 5 Uhr wird zu Ehren Hochdesfelben im königlichen Palais ein Diner stattfinden, zu dem auch der fürstbischöfliche Delegat, Herr Propst Aßmann, Einladung erhalten hat. — Morgen Nachmittag wird Fürstbischof Dr. Kopp von den Kaiserlichen Majestäten in beson-
Unsere buchonischen Rennwege halten folgenden Verlauf. Der eine, welcher die Antsanvia genannt wurde und von Süden nach Norden lief, verband Mainz mit Erfurt. Er überschritt bei Mainz den Rhein und ging von Kaffel aus über Hochheim, Kalbach in der Wetterau (wo der Leichnam des hl. Bonifatius auf seinem Transport von Mainz nach Fulda während einer Nacht auf dem Acker der frommen Frau Walpraht von Nitache verblieb), zog sich jedenfalls den langen Bergrücken hin, welcher das Kinziggebiet von dem Flußgebiet der Nidder trennt, wo er noch heute die hohe Straße heißt, und gelangte so in unsere buchonische Landschaft. Hier verfolgt er im Gieseler Walde noch heute den Rücken, welcher die nach der Lüder fließenden Gewäffer von den Gewässern scheidet, welche der Fulda direkt ihren Tribut zollen. Am Himmelsderg geht er östlich vorbei. In dem genannten Gieseler Forste führt er noch heute den Namen „Landweg". Die Straße von Oberrode nach Kleinlüder wird bei dem sogenannten Eustachius, einem verfallenen Steinbildniß, überschritten und nun führt die Antsanvia an 1>er Schnepfenkapelle dicht vorbei nach der Wiesenmühle bei Oberbimbach, wo die Lüder in der noch heute daselbst befindlichen Furth überschritten wird. Eine sorgfältige Prüfung des
derer Audienz empfangen. — Dem Fürstbischof Dr. Kopp wurde die Erlaubniß zur Anlegung des ihm von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog von Sachsen verliehenen Komthurkreuzes mit dem Stern des Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken durch S. M. den König ertheilt.
* Der Reichstag nahm heute die erste Be- rathung der Anträge Munckel und Rintelen auf Entschädigung unschuldig Verurtheilter vor. Munckel erklärte, daß sich sein Antrag den vorjährigen Beschlüssen der Kommission über diesen Gegenstand anschließe. Er würde sonst noch weiter gegangen sein, wie er überhaupt nicht eher ruhen werde, bis für jede unschuldig erlittene Haft Entschädigung gewährt werde. Abg. Rintelen kon- statirte, daß sein Antrag, insoweit er von dem Munckel'schen abweiche, bezwecke, möglichst zu verhindern, daß die Freisprechung im Wiederaufnahmeverfahren lediglich infolge eines non liquet erfolge. Abg. Klemm (kons.) konstatirte, daß im Prinzip Emverständniß bestehe, hielt aber den Antrag Munckel in seiner Formulirung des Rechtsanspruches für bedenklich. Auch Abg. K u l e m a n n (nat.-lib.) äußerte, obgleich er einen Rechts- und nicht nur einen Billigkeitsanspruch will, Bedenken, insofern als der Antrag Munckel auch Entschädigung da zulaffe, wo die Unschuld nicht positiv nachgewiesen. Bundeskommiflar Lenthe erklärte, daß die Bundesregierungen die Entschädigung für Sache der Einzelstaaten erachteten. Die zweite Verathung findet demnächst ohne vorherige kommissarische Vorberathung direkt im Plenum statt. Die darauffolgende erste Berathung des Antrags Munckel auf Verweisung der politischen und Preßvergehen vor die Geschworenen gelangte nicht zum Abschluß. Abg. Munckel begründete seinen Antrag eingehend. Die Richter ständen als Beamte unter der Autorität der Regierung, woraus sich vielfache überraschende gerichtliche Urtheile der letzten Zeit erklärten. Abg. Dr. Hartmann (kons.) sprach gegen den Antrag, für den kein Bedürfniß bestehe, da die große Mehrheit des deutschen Volkes mit dem jetzigen Zustande einverstanden sei. Die Geschworenen seien auch Menschen und als solche menschlichen Erwägungen und Empfindungen unterworfen. Die von Munckel angeführten Fälle bewiesen nichts für dessen Antrag. Abg. Dr. Windthorst sprach sich prinzipiell für eine
Terrains veranlaßt den Verfasser dieses, nun anzunehmen, daß die Antsanvia von der genannten Furth ab über den Zabershof geführt hat und so nach dem heutigen Dorfe Hartershausen (Hartra- deshusun) ihre Richtung nahm, an dessen Stelle sich früher ein Königshof befand. Der genannte Feld- und Waldweg von der Wiesenmühle bei Bimbach bis »u der Fuldafurth im Dorfe Hartershausen besitzt alle Eigenschaften einer alten Hofstraße, wie sie vorher aufgeführt sind, mehr, al» jede andere Linie von der Lüder zur Fulda. Ein alter Einwohner von Oberbimbach sagte dem Verfasser, daß ziemlich weit auf- und abwärts der Lüder, von der Wiesenmühle an gerechnet, sich keine weitere Furth in der Lüder befinde. Ein Bewohner von Hartershausen nannte einen von der dortigen Furth aus in den Schillwald führenden Weg „die alte Straße". Da wo eben jetzt eine Brücke am Dorfe Hartershausen über die Fulda führt, hat also jedenfalls der heilige Sturmius die badenden flavifchen Handelsleute getroffen, welche die Antsanvia entlang von Norden her aus Thüiingen gekommen waren. Von dieser Stelle aus führte die Antsanvia durch denjenigen Theil des ehemaligen Bramforstes nach Norden weiter, welcher jetzt der Schillwald, im Volksmund« die „Schell" heißt. Aber wohin? Nach Hersfeld