Einzelbild herunterladen
 

M 278.

Montag, den 5. Dezember.

1887

hlher K 3titxig.

-

Di. Fulda«, Zeitung- «scheint täglich, «°nn- und F«ertag. °u»gen°mm«. PttrttljLhrlich« »b°m.emeMSp«i» °h"'dnng-rl°hn u^ Bestellgeld: 1 R. 50 Pf. 8rul°” ' ö " irit d« belletristischen WochenbeUage .Sterne und Blumen- in Fulda 1 R. 70 Pf., auSwätt» I W. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile ob« deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechend« Rabatt.

Erstes Blatt.

* Der neue Präsident der fran­zösischen Republik.

Die fiebenzehnjährige dritte Republik hat seit vorgestern ihr vierte» Oberhaupt. Was bei der unter den verschiedenen Parteien herrschenden Zer­fahrenheit zu vermuthen stand, ist eingetroffen. Da eine Einigung über einen der beiden in erster Linie in Betracht kommenden Kandidaten, Feny bezw. Freycinet, nicht zu erzielen war, so ging es, rote so oft im Leben: man einigte sich auf einen minder hervorragenden, aber auch minder heftig befehdeten Namen. Sadi-Carnot, deffenKan­didatur noch vor wenigen Wochen kaum Aussicht zu haben schien, wurde im zweiten Wahlgang mit 616 Stimmen gewählt. Schon im ersten war er der Höchstbestimmte; doch würde seine Wahl min­destens noch viele Weitläufigkeiten gemacht haben, wenn nicht seine beiden Nebenbuhler Ferry und Freycinet zurückgetreten wären.

Marie Franyoi» Sadi-Carnot, ein Sohn des bekannten (noch lebenden) Publizisten und Staats­mannes Lazare Hippolyte Carnot, wurde geboren am 11. August 1837 zu Limoges. Nach Beendi­gung seiner Studien an der Polytechnischen und Wegebau-Schule ließ er sich als Ingenieur in Annecy nieder. Seine politische Laufbahn begann im Jahre 1871, wo er zum Präfekten des Depar- - tement de la Seine JnsLrieure ernannt wurde, und bald darauf den Auftrag erhielt, als außer­ordentlicher Kommiffar die nationale Bertheidigung in der Normandie zu organisiren. Im selben Jahre wurde er in die National-Bersammlung gewählt, wo er der republikanischen Union bei­trat. Im Jahre 1876 zum Deputirten gewählt, hielt er diesen Posten auch bei späteren Wahlen inne, bis er am 23. September 1880 zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt wurde. Der Sturz des Ministeriums Fetry (14. Nov. 1881) hatte auch seinen Rücktritt zur Folge. Carnot nahm nunmehr wieder seinen Sitz in der Depu- tirtenkammer ein. Bei der Bildung des Mini­steriums Briffon (6. April 1886) erhielt er das Portefeuille der Finanzen, welches er auch unter dem folgenden Ministerium Freycinet bis zum

ö Kilhmüns Meße Zeit.

(Nachdruck verboten.)

In die graue Vorzeit unserer fuldaischen Hei- math wollen wir in dem Nachfolgenden unsere ge­neigten Leser und verehrten Leserinnen im Geiste l zurückführen, in der Hoffnung, daß dieselben für <' das liebe Buchonien dasselbe Jntereffe oder doch l einen Theil davon besitzen, welches wir für die s genannte schöne deutsche Landschaft im Herzen i hegen. Ist diese Landschaft doch gewrsiermaßen die Einfaffung einer herrlichen, von jeher hochge­achteten Perle, nämlich der alten Bonifatiusstadt Fulda mit ihrer ehemaligen berühmten Kiosterschule i und ihrem hohen Dome, der das Grab des Apo- | stels der Deutschen schützend in sich birgt.

Wenn wir heutzutage die saftiggrünen Wiesen i unserer Thalgründe und die von gepflegten Forsten überragten fruchtbaren Aecker unserer Hügelzüge ,/ und Berghänge gehobenen Sinnes betrachten, wenn I wir den fleißigen Landmann unermüdlich damit beschäftigt sehen, den Zustand seines Kulturbodens nicht nur auf der einmal erreichten Stufe zu er- ' halten, sondern noch möglichst zu verbessern, wenn wir freundliche Dörfer beim friedlichen Klange der Abendglocken aufsuchen können, um nach angestreng­

Rücktritt dieses Kabinets (Dezember 1816) inne hatte. Hat der Name des neugewählten Präsidenten in der politischen Welt auch nicht die Bedeutung wie der Ferry'S oder Freycinet's, so kommt ihm anderseits doch gerade in den republikanischen Kreisen Frankreichs der Glanz des demokratischen Namens feiner Familie zu Statten. Schon sein Großvater, Lazare Nicolas Marguerite Carnot, spielte in der ersten französischen Revolution eine bedeutende Rolle. Zum Abgeordneten bei der Gesetzgebenden Versammlung erwählt, betheiligte er sich namentlich an den Berathungen über mili­tärische Angelegenheiten. Im Convent stimmte er für den Tod des unglücklichen Königs Ludwig. Später zur Nordarmee als kommandirender General entsandt, erfocht er Sieg auf Sieg. Als er in der Z it der Schreckensherrschaft in Anklage­zustand versetzt werden sollte, rief eine Stimme: „Ihr könnt den Mann nicht verurtheilen, der den Sieg in unfern Armeen organisirt hat." Das rettete ihn. Auch unter Napoleon und der ersten Restauration blieb er seinen republikanischen Grund­sätzen treu, wenngleich er von Ersterm ein Kom­mando annahm und u. a. Antwerpen heldenmüthig vertheidigte. Sein Sohn, der jetzt int hohen Greifen- Alter stehende Hippolyte Carnot, huldigte ebenfalls stets republikanischen Grundsätzen und stand auch unter dem zweiten Kaiserreich auf Seiten der Opposition. Seit 1875 ist er Senator.

Dieser republikanische Familienzug kommt natür­lich dem nunmehrigen Präsidenten zu gute. Er selbst genießt dazu den Ruf eines erpropten Re­publikaners und eines festen Charakters. In letzter Hinsicht wird namentlich von ihm gerühmt, daß er sich als Finanzminister standhaft geweigert hat, die Rückzahlung der im Wilfon'fchen Skandalpro- zeß vielgenannten Summe von 150.000 Frks. an die Firma DrcyfuS ans dem Staatsschatz anzuord- nen. In öffentlicher Kammerfitzung hat neulich Rouvier dieses Verhalten gerühmt, worauf die ganze Kammer in Beifall ausbrach. Das lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn und gegen­über dem schmählichen Handel, der überall mit Staatsgeldern und Staatseinfiuß getrieben wurde, erschien er, der sparsame und unbeugsame Finanz­minister, wie eine Zuflucht der beleidigten Moral, wie ein Retter aus der Noth des Skandals. Die­ser Umstand, der ihn, und nicht mit Unrecht, zum ter Wanderung unter einem schützenden Dache bei gastfreundlichen Menschen Einkehr zu halten und der Nachtruhe zu pflegen, so mag vielleicht Mancher denken, diese» sei in unserem guten Fulderland von jeher so gewesen. Dem ist aber nicht so. So lange die menschliche Kultur von unserem Lande Besitz genommen hat, haben die Völkerstürme, welche unser deutsches Vaterland von Zeit zu Zeit leider nur allzu oft durchbrausten, grade hier stets besonder» heftig gewüthet, manche gesegnete Flur auf Jahre hinaus verwüstet, manche trauliche Hütte in Asche gelegt, manche» stillbescheidene Glück un­wiederbringlich vernichtet, manche» Menschenleben in seiner Blüthezeit vorzeitig gekmckt. Diese» ver­dankt Buchonien dem Umstande, daß e», soweit seine Geschichte in die Vergangenheit hinausreicht, stets ein wichtige» Durchgangsland war, wie es ja auch noch jetzt ein solches ist.

Und wie verhielt es sich damit in den Zeiten, in denen uns die Geschichte über Buchonien Nichts berichtet? — Auch damals schon diente es als wichtiges Durchgangsland und mag bereits viele Jahrhunderte als! solche» gedient haben, bevor der hl. Sturmius das Kloster Fulda im Auftrage des hl. Bonifatius im Jahre 744 gründete. Weniger wurde der hl. Bonifatius durch die einsame, für ein beschauliches Leben geeignete Lage de» Platzes,

Gegenbild bes Wilsou-Grevy'schen Paares machte, hat offenbar viel dazu beigetragen, ihn auf den höchsten Posten zu bringen. So hätte denn die französische Republik eine schwere Probe glücklich überstanden.

Deutsches Reich.

Berlin. 2. Dezember.

* Auch für den preußischen Landtag ist seitens der Nationalliberalen, Konservativen und Freikonservativen ein Antrag auf fünfjährige Legislaturperioden eingebracht worden. Die Re­gierung hatte die Absicht, ihrerseits mit einer be­züglichen Gesetzvorlage im Reichstage vorzugehen, wenn aus dem Reichstage selbst die Initiative hierzu nicht ergriffen worden wäre.

• Die Kommission des Reichstage» zur Vorbe- rathung der Getreidezollvorlage besteht au» folgenden Mitgliedern: vom Zentrum: Dr.Windt« horst, Dr. Reichensperger, Beckmann, Dr. Brau­bach, Frhr. v. Landsberg, Mooren, Lucius, Frhr. v. Pfetten; von den Konservativen: v. Helldorff, Frhr. v. Mirbach, v. Wedell-Malchow, v. Frege, v. Puttkamer-Plauth, Delius; von den National- liberalen: v. Fischer, Seemann, Hoffmann (Sachsen), Diffene, Geibel, Dr. Hammacher, Hoffmann (Königs­berg), Pfähler; von den Freisinnigen: Brömel, Rickert, Maager; von der Reichspartei: Frhr. v. Ow, Lohren und von Kardorff. Zu Schrift­führern wurden Lucius, Geibel und Hoffmann (Königsberg) gewählt. Die Zusammensetzung dieser Kommission läßt weniger als sonst einen sicheren Schluß auf das Schicksal dec Vorlage im Plenum zu.

• Zur Frage der Getreidezollerhöhung schreibt der ,Bad. Beob.': Bei der vorgerückten Zeit kann es kaum mehr ein Jntereffe für ein politisches Blatt haben, das „Für und Wider" polemisch zu behandeln; aber einen Punkt möchten wir hervorheben, welcher wenigstens in der Presse noch keine Beachtung fand, aber doch sicher nicht ohne weittragende Bedeutung ist. Unser mächtige» und finanzkräftige» Nachbarland, Frankreich nämlich, hat mit Deutschland ähnliche geographische wie wirthschaftliche Verhältnisse. Es besitzt eben- falls einen sehr zahlreichen Bauernstand, der wie bei uns die Wildniß in ein Kulturland verwan- auf dem jetzt der Dom von Fulda steht, zur Wahl diese» Platzes behufs Gründung eines Klosters be­wogen, als durch den Umstand, doß Buchonien zwischen den vier Hauptvölkerstämmen des ostrhei­nischen Frankenreiches lag. Dieses sagt der Heilige selbst in einem Briefe, den er im Jahre 751 an den Papst Zacharias schrieb. Vom Kloster Fulda aus sollten ja vornehmlich die Glaubensboten nach allen Richtungen hin ausgehen, das vielfach hier offen glühende oder dort noch heimlich glimmende Heidenthum auszurotten und mit christlicher Re­ligion und Sitte gleichzeitig auch eine höhere welt­liche Kultur der benachbarten Menschenwelt zu bringen. Der Heilige erkannte die wichtige cen­trale Lage des Buchenlandes und diese Lage hat sich sicherlich schon lange vor feinem Auftreten im Völker verkehr geltend gemacht und sicherlich auch frühzeitig schon vor Fulda's Entstehung eine wenn auch spärliche und zerstreute Bevölkerung in Bu- choniens Wälder herbeigezogen.

Für die letztere Ansicht sprechen nicht bloße Ver- muthungen, sondern vielfach geschichtliche, archäo­logische und sprachliche Gründe, auf die nur bald zurückkommen werden.

Als Buchonien durch die Entdeckungsreisen des vom heiligen Bonifatius ausgesendeten heiligen Sturmius im Jahre des Heil» 743 und durch