1887.
GS
N
* Das Fe- des HI. Nicolaas.
(6. Dezember.)
Zu den gefeiertsten Heiligen der alten Kirche zählt der hl. Nicolaus. Viele Kirchen sind zu seiner Ehre erbaut, in allen Sprachen ertönt das Leb seiner Tugenden, alle christlichen Völker verehren ihn, ein jedes Kind kennt seinen Namen. Aus dem Morgenlands, dem Schauplätze seines heiligen und gesegneten Wirkens ist sein Kultus nach dem Abendlande gedrungen, und von den Griechen auf die Russen übergegangen, die St. Nicolaus als Schutzheiligen hoch in Ehren halten wie der Spanier den hl. Jacobus, die Franzosen St. Martin von Tours und die Irländer den heil. Patritius. Nach der Legende war der hl. Nicolaus schon in seiner Jugend' hervorragend durch seine Mildthätigkeit; er gab sein ganzes Vermögen an die Hilfsbedürftigen. Und dabei suchte er nicht äußere Ehre, sondern er spendete seine Wohllhaten im Verborgenen. Ein armer Bäcker hatte drei Töchter, die er zu ihrer Verheirathung nicht aussteuern konnte. Als der hl. Nicolaus das erfuhr, warf er in der Nacht, damit Niemand ken Wohl- thäter erkenne, so viel Geld den armen Leuten durch das Fenster, daß davon die Mitgift der Töchter genommen werden konnte. Dann reiste der Heilige nach dem gelobten Lande, um die hl. Orte zu verehren, wo der Heiland gelebt, der sein und aller Menschen Erlöser geworden war. Es war heiterer Himmel, als er zu Schiffe stieg; aber er sagte den Shiffern ein schlimmes Unwetter voraus. Diese wollten es zwar nicht glauben, doch der Heilige bekam Recht. Als sie mitten auf dem Meere waren, erhob sich ein gewaltiger Sturm, der alle mit Todesangst erfüllte. Nur der hl. Nicolaus blieb ruhig; er betete zu Gott, daß er die Gefahr abwenden möchte, und auf sein Gebet legte sich der Sturm; da erstaunten die Schiffer über die Heiligkeit des Mannes und fingen än, ihn zu verehren. Das haben auch ihre Nachfolger gethan, und so ist der hl. Nicolaus der Patron der Schiffer geworden; auch die Bäckerzunft verehrt ihn als Schutzheiligen, weil er einem Zunftgenosien so großmüthige Hilfe ge- bracht hat. Auf der Rückreise kam der hl. Nicolaus zu der Stadt Myra in Kleinasien. Hier konnte man bei der Bischosswahl nicht einig werden, bis der Vorschlag gefiel, daß derjenige, welcher am folgenden Morgen zuerst die Kirche betrete und Nicolaus heiße, Bischof werden sollte, wenn er dazu würdig befunden würde. Der fromme Pilger besuchte, wie es seine Gewohnheit war, schon am frühen Morgen die Kirche, und so fiel auf ihn die Wahl. Dann war er viele Jahre Bischof dieser Stadt, ausgezeichnet durch alle Tugenden. Unter dem Kaiser Diocletian wurde er des Glaubens wegen in's Gefängniß geworfen und ist so durch seine langen Leiden ein treuer Bekenner der Kirche geworden. Besonders glänzte er als Bischof durch die Tugend der Barmherzigkeit gegen die Armen, die ihn schon als Jüngling so verehrungswürdig gemacht hatte. Die meisten Kinder hatten an ihm einen guten Vater, die
Armen einen freigebigen Wohlthätec und Helfer in der Noth. KeinWunder, daß auf diese» fromme Leben ein seliger Tod folgte. Als der heilige Greis die Stunde seines Scheidens voraussah, betete er voll Andacht den Psalm: „Auf dich, o Herr, habe ich gehofft," und als er dann zu der Stelle kam: „In deine Hände empfehle ich meinen Geist," da hatte Gott seine Seele in den Himmel genommen. Im Oriente war die Andacht zum hl. Nicolaus schon im 5. Jahrhunderte allgemein verbreitet; zahlreiche Pilger kamen zu seinem Grabe nach Myra, um zu beten. Im Jahre 1087 wurde der Leib des Heiligen durch Kaufleute aus Apulien während eines Kreuzzuges gegen die Saracsnen, die damals Kleinasien beherrschten, von Myra nach der Stadt Bari in Italien übertragen, die dann bald zu den berühmtesten Wallfahrtsorten zählte.
Das Andenken an die Tugenden des hl Nicolaus ist noch immer lebendig in der Christenheit; sein frommes Leben wurde in der Volkssage durch liebliche Bilder ausgeschmückt. Urberaus reich sind die Traditionen der Kinderwelt, welche aus Erfahrung weiß, daß an seinem Festtage den guten Kindern Bescheerungen zu Theil werden. In den Niederlanden, am Rhein und auch an vielen Orten Niederdeutschlands setzen die Kinder am Vorabende feines Festes ihren Teller auf; das Fenster wird geöffnet, und am andern Morgen finden sich dort Aepfel und Kuchen und reiche Geschenke, wie sie die Kinder lieben. Weil in der Nacht die Kinder schlafen, so können sie nur von den Erwachsenen hören, wie der heilige Mann aussieht. Er soll auf einem schönen weißen Roffe reiten und einen kostbaren, bischöflichen Ornat tragen. In der Heiligenlegende heißt es ja auch, daß er ein Bischof war. In Holland pflegen die Kinder ihre Schuh: unter den Kamin zu stellen und dieselben mit Heu zu füllen, damit auch der Schimmel des hl. Nicolaus etwas zu fressen habe. Daß „der heilige Mann" zur mitternächtlichen Stunde feine Wohlthaten austheilt, ist leicht einzusehen. Er hat ja auch während seines Lebens immer im Stillen Gutes gethan und lehrt so Kinder und Erwachsene, daß da» Wohlthun im Verborgenen, welches keinen Dank will und keine Ehre sucht, Gott am angenehmsten ist. Unartige Kinder können natürlich keine Geschenke empfangen; aber der hl. Mann, so erzählt die Volkssage, ist viel zu gut, al» daß ec sel-st straft; das thut der garstige „Hans Muff", der Polterer, welcher ihnen eine Ruthe bringt, damit die Eltern sie züchtigen. So erzählen übereinstimmend die Volkssagen. Der hl. Nicolaus ist Patron der niederländischen Hauptstadt und wird daselbst besonders verehrt. In den Kinderliedern wird er gebeten nach Holland zu kommen und aus dem fernen Lande Orangen und süße Früchte mitzubringen; aus Holland kamen ehedem diese Maaren nach Westfalen und an den Rhein. In diesen St. Nicolaus-Liedern und in der ganzen Feier diese» ■ schönen Festes der Kinderwelt ist der Reiz der sinnigen Volkspoefie zu erkennen, die so gern ihre i bunten Bilder webt, um die Kinder zu erfreuen. 1
Für die Kinder, Die mit Recht daran glauben, daß die Gaben auf St. Nicolaus aus Liebe ihnen bescheert werden, und für die Erwachsenen, die es etwa interessiren kann, wollen wir zum Schluffe noch erzählen, wie die Bilder des hl N colaus beschaffen sind. Sie stellen den Heiligen dar als Bischof, umgeben von dem Heiligenschein, in der Hand den Bischofsstab und das Evangelien« buch, auf welchem drei goldene Aepfel liegen; das sind die Insignien des bischöflichen Amtes und die Sinnbilder der Heiligkeit und des Wohl- thuns. Nicht selten sieht man an der Seite des hl. Nicolaus einen Anker abgebildet, zum Zeichen, daß er der Schutzpatron der Schiffer ist. Auch trägt er vielfach einen Beutel in der Hand oder einen Korb mit Broden; das soll seine Freigebigkeit anzeigen und seine liebende Sorgfalt für die Armen und Nothleidendcn.
Literarisches.
Bunte Blätter. Sin letzter Strauß von Dr. Franz Alfred Muth. Verlag von A. Foeffer Nachfolger, Frankfurt a. M. und Luzern. Preis in hochelegantem Prachtband mit Goldschnitt 5 Mark.
Schade, daß diese Gabe des bekannten Dichters, den Streiten einen der melodiösesten Deutschlands nennt, die letzte sein soll. Grade deshalb aber ist dieses Geschenk doppelt werthvoll. Es ist eine köstliche Gabe, mahnend an alten Rheinwein, der voll und ganz ausgereift, Würze und Duft in reichstem Maße hegt. Es ist bald ein liebenswürdiges Kindesgemüth, das Einem lächelnd entgegenkommt, und bald wieder spricht der ernste Mann, der sich im Leben viel umgethan. Nirgends aber wird kalt reflektirt und ist auch nur ein Vers von des Gedankens Blässe angekränkelt, nirgends findet sich süßliche Sentimentalität — wie ein frischduftiger Blumengarten kommt uns das Buch vor, drin Jedem seine Blume lacht. Die Ausstattung des Buches macht der Verlagshandlung alle Ehre und wird es den vielen Verehrern des Autors gewiß willkommen fein, daß das wohlgetroffene Portrait desselben dem hübschen Bande beigefügt ist. Als schönes und passendes Geschenk für den diesjährigen Weihnachtstisch sei dasselbe hiermit bestens empfohlen.
Schwarz und weiß seidener Atlas Mk. 1.25 per Meter verschied. Girat) ve rs. in einzelnen Roben und Stücken zollfrei in's Haus d«S Seidensadrtk DbpSt G. Henneberg (K. u. K. Ho flies.) Zürich. Muster umgebend. Briese kosten 20 Psg. Porto. 3
§ Die Leipziger Lehrmittel-Anstalt von Dr. Oskar Schneider in Leipzig versendet nunmehr ihren neuesten Weihnachtskatalog gratis und portofrei an jeden Jntereffenten und wollen Eltern und Erzieher und alle Diejenigen, welche ein unterhaltendes und dabei nützliches Weihnachtsgeschenk für Kinder und Erwachsene be- nöthigen, solchen verlangen. Der Weihnachtskatalog erschien in 4 Abteilungen:
1. Abteilung enthält: Unterhaltende und belehrende Spiele, Beschäftigungs-Utensilien und Apparate für Knaben und Mädchen,
2. Abteilung: Modelle von Dampf- und elektrischen Maschinen, Lokomotive und ganze Eisenbahnzüge, Magica- oder Zauberlaternen, sowie sonstige optische Apparate rc.,
3. Abtheiluug: Beschäftigungen und Materialien, sowie zu Weihnachtsgeschenken geeignete Bücher für Frauen und Mädchen,
4. Abteilung: Schmetterling-, Käfer-, Mmeralren- Sammlungen und Sammel-Geräthe, Spiele und Gegenstände zur Unterhaltung und Bewegung im Freien rc.
Bei gefl. Bestellungen wolle man die gewünschten Ab- theilungen angeben.