M 271.
eonnabenb, den 2l>. JHobäUUÜ.
Albaer M 3eitim$.
zu Angeklagten geworden waren.
Ihr Verhalten war ein sehr verschiedene« gewesen, denn während Herbert kraftlo« zusammen- gesunken war, mit gläieinen Augen auf seinen Bruder starrend und sichtlich weder eine« Worte«, noch einer Bewegung fähig, war Martin mit geballten Fäusten aufgesprungen; seine Lugen schienen au« ihren Höhlen treten zu wollen und Schaumflocken zeigten sich auf seinen Sippen.
Ec wollte einige Worte hervorstoßen, drt entweder eine Rechtfertigung oder eine Verwünschung waren, aber nur unartikulirte und unv.rstänbliche Laute kamen au» seiner, wie von Menschenhänden zusammengeschnürten Kehle, — und al« nun die Gericht«diener an ihn herantraten, um ihn ebenso, wie den jungen Baron, hinauszuführen, da leistete er ihnen wortlos und ohne Widerstreben Folge, auch Herbert zeigte den Willen dazu, aber er war kaum im Stande, sich von feinem Platze zu er-
fonbern um eine Neuregelung des Rechtsverhältnisse» zwischen Staat und Kirche handelt, unbeschadet der Selbstständigkeit der Volksvertreter, von dem „placet“ oder „tolerari potest“, von der Zustimmung oder Duldung der höchsten kirchlichen Autorität abhängig, denn nur diese ist legitimirt, aus ihrem Gebiete dem Staate gewisie Rechte ein- zuräumen oder die Au»übung gewisser Rechte durch den Staat zu dulden. Drs ist der Standpunkt, den Pin» IX. gegenüber der Staatsomnipotenz, dem Staatskirchenthum und seiner einseitigen Gesetzgebung stet» geltend gemacht hat und den auch Leo XIII. niemals preisgegeben hat oder preir- geben wird, wie \a au» der Geschichte der Krrchen- gesetzrevisionen in Preußen und Hessen unzweideutig zu ersehen ist.
nur den einen, sondern beide Zeugen au» dem Gerichtssaale zu entfernen!
Selbstverständlich hatte sich während ferner letzten Worte alle Aufmerksamkeit aus die beiden Männer gerichtet, welche so plötzlich au» Anklägern
; Zur Laudtagseröffnung in Bade«.
Die badische Ständeversammlung ist am 22. d«. durch den Großherzog persönlich eröffnet worden. Die Thronrede, welche die feierliche Eröffnung ein- leitete, ist nur wegen ihre« kirchenpoliiischen Paffu« für weitere Kreise bemeikenswerth. Der düstere Schatten, welcher durch die gefahrdrohende Krankheit de« deutschen Thronerben Über Kaiser und Reich gefallen ist und bei den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen de« Hause« der Zähringer zum deutschen Kaiserhause die badische Fürstenfamilie noch ganz besonder« in Mitleidenschaft gezogen hat, mußte nach Lage der Sache in dem gegenwärtigen ernsten Augenblicke auch in dem wichtigen konstitutionellen Staatsakte seinen Ausdruck finden, und zwar an erster Stelle. In dieser „sorgenvollen Zeit", in dieser „Heimsuchung" und „tiefen Betrübniß", in den „bangen Sorgen lenkt der Landesherr mit gläubigem Sinne den Blick zu Gott empor und weist unter Anwendung des schönen katholischen Sinnspruches „per crucem ad lucem“ auf Gottes Gnade hin, „die uns schon so ofr durch'«' Kreuz zum Licht geführt hat."
Rach dem Hinwei« der Thronrede auf die Gnade Gotte» ergab sich der Uebergang zum Verhältniß zwischen Staat und Kirche sozusagen von selbst. Die Anknüpfung ist noch besonder» hergestellt durch den wiederholten Hinweis auf die „heutigen ernsten Tage", in welchen ein friedliches Verhältniß zwischen Staat und Kirche besonders bedeutsam sei und dauerhaft gestaltet w t'oen müsse. Es liegt auf der Hand, daß die Thronrede den „Ernst" unserer Zeit nicht bloß in dem vorher betonten schlimmen Krankheitssalle erblicken will, sondern auch die großen sozialen und politischen Probleme, welche unsere: Zeit so verhängnißvoll zu werden drohen, wesentlich in Betrat t zieht. Die in der Presse, namentlich in der unversöhnlichen national- liberalen Preffe, so lange lebhaft oentllirte Frage
»m« 15 Hl., <*»<*■*« ------
einet kirchenpolitischen Vorlage findet in I folgenden Sätzen ihre vorläufige Beantwortung:
„Seit Ihrer letzten Tagung ist der erzbischöfliche Stuhl ,u Freiburg auf regelmäßigem Wege wieder besetzt worden. Meine Regierung hegt den Wunsch, dem m den heutigen ernsten Tagen besonders bedeutsamen friedlichen Verhältniß zwischen Staat und Kirche d.e Gewahr der Dauer zu geben. Dieses Ziel verfolgt em Gesetzesvorschlag, welcher wiederholten Anträgen der Leitung der röm,sch- katholischen Kirche des Landes durch den Verzecht auf einige vom staatlichen Jnterrffe nicht mehr gebotene Einschränkungen unter voller Wahrung der erprobten Grundlagen unserer freisinnigen kirchenpolitischen Gesetzgebung entgegenkvmmt."
Dieser Paffu« ist die beste Antwort auf die frivolen Hetzereien jener Pcisie, welche kein Mittel unversucht ließ, um die Regierung von der An- kündiguna und Einbringung einer Kirchenvorlage abzuschrecken, und welche selbst noch am letzten Tage vor der Kammereröffnung die kulturkämpferische Parole ausgab: „Keine kirchrn- politische Vorlage, sie mag heißen , wie sie will." Die Schürer und Hetzer sind i tzt von der Regierung gründlich deiavouirt durch die Motivirung, daß die römisch-katholische Kirche tn Baden tatsächlich heute „einigen Einschränkungen" unterliegt, welche „vom staatlichen Jntereffe nicht mehr geboten" find, eine B.haup- tung, deren Geg ent heil bekanntlich seit Wochen und Monaten säst nunterbrochen von der natio- nalliberalen Parteipreffe agitatorisch verarbeitet worden ist. . .
Im Jntereffe der katholischen Krrche und des katholischen Volke» kommt nun Alles darauf an, ob der Inhalt und der Umfang der Vorlage auch nur in etwa den „wiederholten Anträgen de« Freiburger Kirchenregimentes und den natürltchen Rechtsforderungen bet katholischen Volke« ent« fpre en wird. Od alle Anträge der Kurie, und ob ihre Anträge in voller Ausdehnung berücksichtigt sind, geht au» dem Wortlaute der Thronrede nicht hervor.
Mm wird nun in Ruhe und Geduld abzu- warteu haben, wie die Kirchenvorlage sich gestalten und welche» Schicksal ihr bereitet werden wird. Die Stellung eine» jeden kirchlich korrekten Katho- liken und deshalb vor Allem der katholischen Fraktion zu einer etwaigen Revision der bestehenden Kirchengesetzgebung ist, soweit es sich nicht etwa bloß um eine pure Aufhebung der von der Kirche niemals anerkannten gesetzlichen Beschränkungen,
Deutsches Reich.
Berlin, 25. November.
• Die Kaiserin trifft am 29. d. M. au» Coblenz in Berlin ein. Gleichzeitig wird dem Eintreffen de» Großherzog» und der Großherzogin von Baden entgegengesehen.
• Ja der heutigen 2. Plenarsitzung de» Retchs- tage» machte Präsident v. Wedell-Pierdorf dem Hause Mittheilung von folgendem Antwort- Telegramm Sr. K. K. Hoheit de» Kronprinzen: „Ich danke dem Reichstage aufrichtig für den Ausdruck feiner Theilnahme an meiner Erkrankung, welche gleich den so zahlreich au» allen Schichten der Bevölkerung und allen Theilen de« Reiche« an mich gelangten Kundgebungen wahrer Anhänglichkeit meinem Herzen ungemein wohl gethan hat. Mit Gotte« Hilfe hoffe ich, daß durch den Aufenthalt in südlicher Lust die bereit« wieder fühlbarer werdende günstige Wendung in meinem Selben mir gestattet, meine Pflicht gegen das Vaterlanb wie. bet in vollem Maße aufzunehmen. Friebrrch Wilhelm, Kronprinz." (Die Anwesenden, welche sich bei Beginn der Mittheilung von ihren Plätz.n erhoben haben, begrüßen dieselbe mit lebhaftem Verfall.) Unter den Eingängen befinden stch Anträge der deutsch-freisinnigen Fraktion aus Ueder weisung aller politischer und Preßvergehen an die Geschworenengerichte, Wiedereinführung der Berufung gegen Straskamrnerurcheile und Entschädigung unschuldig Verurtheilter, ferner ein Antrag Singer und Gen. auf Einstellung de» geiichtlichen Verfahren« gegen
Mc irMMum-emn.
29. Fortsetzung
Der sensationelle Eindruck dieser Worte übertraf den vorigen noch um ein Bedeutendes und der Staatsanwalt fühlte stch sogar gedrängt, dem Präsidenten leise zuzuflüstern, daß man e« möglicherweise mit einem nicht ganz Zurechnungsfähigen zu thun haben könne; aber Georg, welcher die Worte selbst zwar nicht verstanden, doch ihren Sinn errathen hatte, fuhr schnell und mit Nachdruck fort: ., , _
„Sie werden an der Richtigkeit meiner Verstände» zweifeln, meine Herren, da Ihrer Ansicht nach vielleicht nur e n Wahnwitziger eine solche Anklage gegen seinen Bruder erheben kann. Sie würden aber diesen Zweifel nicht länger hegen, wenn Sie ahnen könnten, wie entsetzlich ich unter dieser gräßlichen Nothwendigkeit leide. Handelte » sich hier nicht um Ehre, Freiheit und Seben eine« Unschuldigen und wäre nicht die Entscheidung an die ©djnabe eine« M fser« gestellt, wer weiß, ob ich überhaupt Kraft gefunben hätte,, ba« furchtbare Wort auszusprechen. J-tzt aber gibt e» kein B senken, leine Rücksichtnahme mehr für mich, — und ich bitte also nochmal«, nicht
In ber Thür wendete er sich noch einmal um, sah mit irrem Blick erst ben Förster unb bann feinen Stuber an und bewegte die Sippen zu einer Versicherung, daß er unschuldig fet. Aber Keiner verstand da« tonlose Geflüster und er verzichtete darauf, e« noch einmal zu wiederholen.
Georg aber hatte seine mit fieberhafter Spannung erwartete Erzählung rasch vollendet.
„Von der Unschuld de» Förster» fest überzeugt, aber außer Stande, diese Uederzeugung auch Andern mitzutheilen, war ich seit Hagemeister» Wegführung unablässig bemüht gewesen , dem wirklichen Thäter auf die Spur zu kommen. Aber alle meine Nachforschungen blieben vergeblich unb mit Verzweiflung im Herzen mußte ich e» geschehen lassen, daß die Anklage ggen ben dc- bauernswerthen Mann erhoben wurde, und daß man bieten heutigen Verhandlungstermin ansetzte. Aber ich gewann e» nicht über Mich, dieser Bei- Handlung selbst beizuwohnen. Wenn ich schon nicht« zu thun vermochte, um dem Recht zum Sieg zu verhelfen, so wollte ich doch wenigsten» mcht bei seinem Untergange als müssiger Zuschauer zu- kaum im Stande', sich von seinem Platze zu et- | gegen fein, ^XSnGemüt"hSstm>mun^°in beben^ uttbbieS.amten mußten ihn mehr tragen, ; m U d stetenYnfere« Gute« umher. Da
al» führen. 1
Für ben Monat Dezember werden Abonnements ans die
Iuldaer Zeitung
tum allen Postanstalten, Landbriefträgern, Zeitungsträgern und von der Expedition (Buttermarkt) zum Preise von 60 Pf. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.