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M 267. Dienstag, den 22. November. 1^7

filher K icitnng.

Die Fuldaer, Zeitung erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Alldeutschland betet.

Alldeutschlandl — Deine Stirn nmkränzt Lorbeergezweige — Sieg-Symbole;

Um Hermelin und purpur glänzt

Des Kaiserdiadems Gloriole!

wo Deines Banners Adler blitzt, Erbeben Deiner Feinde Vesten: Stolz stehst Du auf Dein Schwert gestützt, Zu Schutz und Trutz gen (Vst und Westen!

Germania, — Du stolzes Weib I

Nun mußt Du and're Kämpfe wagen: Jetzt ringe nm des Sohnes Leib, Des besten Sohn's, den Du getragen!

Fort mit dem ehernen Gewand, Zur Erde Schild und Schwert gesenket: Nun bete, armes Vaterland!

Zu Dem, der Menschenschicksal lenket.

Nun, Deutschland! finke auf die Kniet, —

Du blutest ja aus tausend Wunden l

So tiefes Weh hast Du noch nie,

Noch nie mit Dir die Welt empfunden l

Hier lernt das arme Menschenherz

Das eig’ne Leid am fremden messen, — Hier wird der eig’ne große Schmerz Im ungeheu'ren Weh vergessen! —

Alldeutschland, — auch im Schmerz geeint, Erflehst Du Heil dem Kaisersohne: Die Thränen, die das Volk nun weint, Kleinodien sind es Deiner Krone!

Das Volk, das jetzt zum Höchsten fleht. Sein Alles gäb's in freud'gem wähnen; wir haben Nichts, als ein Gebet, Als unsre Liebe, — unsre Thränen!

Deutsches Reich.

Berlin, 21. November.

* Ihre K. H. die Kronprinzessin Vik­toria begeht heute ihren 47 Geburtstag. Daß ihr an der Seite ihres Gemahls di« Feier dieses Tages noch oft wiederkehren möge, Millionen Herzen entströmte dieser Wunsch wohl nie lauter und inniger, als gerade dieses mal, wo ganz Deutschland die Betrübniß und die bange Sorge um die Krankheit des Kronprinzen schmerzlich mit empfindet.

* lieber das Befinden Sr. k. k. H. des Kron­prinzen bringt der heutige .Reichsanzeiger' an der Spitze seines amtlichen Theils folgendes ärztliches Bulletin:

„Nachdem die ödemateuse Anschwellung im Kehlkopfe Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen bereits in voriger Woche erheblich gewichen war, hat sich

Dir Ictjtni ßraüf«Heiner.

25. Fortsetzung

Herbert fuhr zusammen, als sähe er plötzlich die Mündung einer Pistole auf ferne Brust gerichtet und er streifte die Gestalt seines Bruders mit einem giftigen Blick.

„Dein Feuereifer für den Mann ist ja sehr überraschend," sagte er nach einer kleinen Weile mit einem Hohn, der doch die auf dem Grunde liegende Angst nicht ganz verdecken konnte. „Ich für meine Person habe jedenfalls keinen Grund, mich für klüger zu halten, als die Untersuchungs- Kommisfion, und so lange diese den Mann für schuldig hält, wird es mir wohl freistehen, ein Gleiches zu thun. Es ist ein Glück, daß nicht alle Leute sich durch ein Paar hübsche Augen so leicht den Kopf verdrehen lasien, wie mein empfindsamer Herr Bruder!"

„Schäme Dich, Herbert!" fuhr jetzt Georg auf, unfähig, seinen Groll noch länger zurückzuhalten. Gerade wegen Deines Benehmens gegen Fräulein Hagemelster gedachte ich noch ein sehr ernstes Wort mst Dir zu sprechen, und nur meinem Wunsche, unen Streit zwischen uns zu vermeiden, so lange

ser armer Vater noch nicht einmal unter der aj>e ist, hast Du es zuzuschreiben, daß ich es «r

dieselbe im Laufe dieser Woche völlig zurückgebildet. Die Rückbildung wurde besonders bemerkbar, nachdem am 15. d. Mts. brauuröthliche Flocken ausgeworfen worden waren, darauf konnte eine Abflachung der in der linken Kehl- kopfshälfte befindlichen Neubildung, sowie theilweiser ge- schwüriger Zerfall derselben und gleichzeitig hiermit Er­weiterung der Stimmritze wahrgenommen werden. Nach diesem Vorgänge ist augenblicklich die Athmung völlig frei und das Schlucken durchaus schmerzlos. Aussehen, Appetit und Schlaf sind sehr gut. Bewegung im Freien ist bei Eintritt sonnigen und trockenen Wetters in Aus­sicht genommen. San Remo, den 19. November 1887. Schrader, Krause, Mark Hovell."

* Der Rückkehr der Kaiserin nach Berlin wird in den letzten Tagen dieses Monats ent­gegengesehen.

• Fürst Bismarck ist mit seiner Gemahlin nach Friedrichsruh zurückgekehrt. Gestern wurde der Reichskanzler in längerer Audienz vom Kaiser empfangen.

* Die beiden Bittsteller, welche bei der Anwesenheit des Czaren Petitionen in den Wagen warfen, sind aus Warschau gebürtige Cigarrettenarbeiter, die sich der Militärpflicht entzogen halten und nun um straffreie Rückkehr bitten. Dieselben wurden nach Feststellung ihrer Personalien aus der Haft entlasten.

* Die Eröffnung des Reichstags findet am Donnerstag Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses statt. Der Eröffnungs­feier gehen, wie üblich, Gottesdienste voraus. Der Vortrag der Thronrede erfolgt durch Staats- sekrriär von Bötticher. -- —

* Am 20. ds. waren es 50 Jahre, daß der glorreiche Erzbischof von Köln Klemens August Frhr. v. Droste-Vischering mit bewaffneter Hand von der preußischen Regierung aus seiner Residenz abgeführt wurde nach der Festung Minden. Diese That des 20. November 1837 war der Wendepunkt des ersten großen preu­ßischen Kulturkampfes dieses Jahrhunderts. Der große Erzbischof hatte das im Augenblick seiner Verhaftung mit in die Worte gekleidet: „Golt sei Dank, jetzt braucht man Gewalt!" Was in diesen Worten sich ausdrückte, war das Gefühl der Er­leichterung gegenüber dem bis da von der Re­gierung geführten schleichenden Kulturkampf der Jntriguen, des Diplomatisirens, der mora­lischer Folter. Und es war zugleich die Vor­ahnung des Triumphes, welcher einem klaren,

nicht bereits gethan. Aber ich raths Dir ernstlich, mich nicht herauszufordern, wenn Du willst, daß ich vieses Vorsatzes eingedenk bleiben soll."

Herbert mochie wohl erkennen, daß es seinem Bruder sehr ernst sei mit dieser Warnung, und er selbst hatte offenbar alle Lust verloren, das unerfreuliche Gespräch fortzusetzen. Er beschränkte sich darauf, mit einem ironischen Lächeln die Ach­seln zu zucken und kehrte in sein Zimmer zurück.

Während der nächsten Tage ging er jeder Be­gegnung mit Georg mit unverkennbarer Absichtlich­keit aus dem Wege und beschränkte auch den Ver­kehr mit seinen Beamten und der Dienerschaft auf das Allernothwendigste. Ja, er war sogar der feierlichen Beisetzung der Leiche des Oberst fern- geblieben, weil ihn am Morgen dieses Tages eine lang andauernde Ohnmacht befallen hatte, von der ihm eine große Angegriffenheit und Mattigkeit zu­rückgeblieben war. Alle Welt wendete ihm wegen dieser tiefen Trauer die lebhafteste Theilnahme zu und sein eigener Bruder war vielleicht der Einzige, welcher von der Aufrichtigkeit dieser Trauer nicht ganz überzeugt war.

Als sich Herbert von dem Krankheitsanfall einiger­maßen erholt hatte, machte er viele lange und ein­same Spaziergänge, auf denen ihn indessen nur sehr selten Jemand zu Gesicht bekam. Wenn man

opferfreudigen, festen Idealismus gegenüber der rohen Gewalt sicher ist. Daher ist jenes Wort sprichwörtlich geworden für ähnliche Situationen, und hat auch in den verflossenen fünfzig Jahren gar oft in und außer Deutschland seine Be­stätigung erhalten. Von jener That in Köln ging eine Erneuerung des kirchlichen Lebens aus für Deutschland, und sie wirkte auf die ganze ka­tholische Welt. Was die Katholiken Deutschlands im letzten Kulturkampf zu leisten im Stande waren, verdanken sie nicht am wenigsten dem großen Erzbischöfe, dessen höchster Ehrentag am letzten Sonntag gefeiert wurde, wie die Ehrentage der Märtyrer die Tage sind, wo sie in den Tod gingen und die Welt anscheinend über sie trium- phirte I

* Breslau, 20. Nov. Fürstbischof Dr. Georg Kopp ist seitens des Kaisers Franz Josef von Oesterreich durch Verlethung der Geheim- rathswürde ansgez.ichnet worden.

Ausland.

* Wien, 21. Nov. Wie die Montagsrevue' authentisch vernimmt, hat Professor Störck un­mittelbar nach der bekannten am 9. d. MlS. vor seinem Auditorium gehaltenen Rede vom Unterrichts­minister durch den Dekan eine Rüge erhalten, in welcher ihm die Ungehörigkeit seines Vorgehen- rückhaltlos dargelegt wurde.

* Paris, 21. Nov. Nachdem Grevy heute Vormittag Clemenceau die Kabinetbildung an­getragen, soll dieser erwidert haben, er schrecke vor einer derartigen Verantwortlichkeit keineswegs zurück und sei bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Seines Erachtens sei aber die Verwickelung der gegenwärtigen Situation durch andere Elemente als durch die Frage der Kabinetsbildung veran­laßt. Für heute Abend ist eine neue Konferenz zwischen Grevy, Clemenceau und anderen hervor­ragenden Politikern in Aussicht genommen.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

F u! d a, 22. November.

- * Wie der ,Nass. Bote' aus Wiesbaden ver­nimmt, ist der Jnformativprozeß über den zum Bischof von Fulda gewählten Herrn Prälaten

ihm aber begegnete, so geschah es fast immer in der Umgebung des Föcsterhaujes oder draußen vor dem Dorfs, in jener Gegend, in welcher das Häuschen des Tagelöhners Martin lag.

Die Tochter des Försters wurde von Nieman­den mehr gesehen. Seit man ihr die Kunde von der Usberführung ihres Vaters in die Hauptstadt gebracht, hatte sie das Haus nicht mehr verlassen, und von der Magd, welche zuweilen ausgehsn mußte, um für die Bedürfnisse des kleinen Haus­halts zu sorgen, war nicht einmal herauszu­bringen, ob das Fräulein krank sei, oder ob nur die Scheu vor den Menschen schuld an ihrer auf­fälligen Zurückgezogenheit sei. Am Tage nach der Beerdigung war der alte Diener des Oberst im Försterhause erschienen, um einen Brief des Herrn Regierungsaffeffors zu überreichen. Aber das Schreiben war ihm uneröffnet zurückgegeben worden und seitdem hatte Georg keinen Versuch mehr gemacht, sich Lisbeth zu nähern.

XI.

Die Schwurgerichts-Verhandlung gegen den Förster Hagemeister war auf einen der ersten Septembertage angesetzt, und die von der Staats­anwaltschaft erhobene Anklage lautete auf vorsätz- lich und überlegte Töbtung eines Menschen, also