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Freitag, den 18. November.
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und Frankreich und Rußland stehen heute, abgesehen von den ruffenfreundlichen nordischen Staaten, ziemlich isolirt da in Europa. Italien hat sich der deutsch-österreichischen Friedensgemein« schäft nun auch offiziell angeschloffen, der B-fach Crispi's in Friedrichsruhe und seine bekannte Turiner Rede haben darüber keinen Zweifel mehr gelassen. Und nach den Erklärungen Kalnoky's in der ungarischen sowohl wie in der österreichischen Delegation bietet auch England den Friedensbestrebungen der Mittelmächte eine Stütz'. Nachdem Italien so offen dem Friedensbunde beigetreten ist, ist die Kalnoky'sche Erklärung bezüglich Englands geeignet, eine hohe Befriedigung und
Seit den letzten Monaten, ja in den jüngsten Wochen hat sich nun die Situation für den mittel«
I druck fand und während der bulgarischen Konflikte nur mit Mühe von einer akuten Manifestation bewahrt werden konnte. Was den politischen Horrzont lange Zeit umdüstert hat und heule noch mit gefährlichen Wolken überzieht, ist nicht so sehr die Revanchelust Frankreichs, welche, wenn sie keinen Rückhalt in Europa hätte, leicht im Zaume I schalten werden könnte, als vielmehr die augenfällige Annäherung zwischen Rußland und Frankreich und ihr einiges Zusammenstehen gegenüber dem mitteleuropäischen Friedensbunde. Eine Z it lang schienen die Chai cen für Rußland und Frank- reich im Bunde gegen Deutschland und Oesterreich nicht schlecht zu stehen, und die bulgarischen Wirren hätten leicht einen erwünschten Vorwand bieten können, um die Kriegsfurie zu entfeffeln, die dann natürlich weit über ihr erstes Ziel hätte hinaus- spielen und halb Europa in Mitleidenschaft ziehen können. Diese Gefahr mag auch der Grund gewesen sein, warum Fürst Bismarck die bulgarischen Wirren unter dem Fürsten Alexander sowohl, als auch unter dem Fürsten Ferdinand mit ungnädigen Augen ansah, obgleich an und für sich auch für Deutschland, noch mehr aber für Oester-
kaltung der deutsch-russischen Beziehungen eintrat, welche in den wüsten Herausforderungen einer mit den französischen Radikalen fraternisirenden rufst»
Wir gehören nicht zu denen, welche dem Besuche jedwede politische Bedeutung absprechen und ihn nur als einen unabweisbaren Akt der Höflichkeit ansehen. Kaiser Alexander II. ist mit unserem Kaiser zum letzten Male in Skiecniewice (Dreikaiserbegegnung) am 15. bis 17. Sept. 1884 zusammengetcoffen. Die Kaiserbegegnung in Kremsier fand nur zwischen dem russischen und österreichischen Kaiser statt (25. Aug. 1885). Damals wurde dem Fernbleiben Kaiser Wilhelm's offiziös jede politische Tragweite abgesprochen, doch hat die Zukunft gezeigt, daß eine nicht unwesentliche Er
in dem gefährlichen bulgarischen Wetterwinkel nur willkommen ftui muß.
△ Der Besuch des Czaren in Berlin.
nach wird es dessen auch nicht erst bedürfen, um den Thäter zu überführen."
Sie hatten die Thür des Schloffes erreicht und Lisbeth zeigte keine Neigung, das peinigende Gespräch fortzusetzen.
Auf der Terrasse stand ein zur Abfahrt bereits geschloffenes Koups, und zur Ueberraschung des jungen Mädchens öffnete der alte Diener, welcher augenscheinlich auf sie gewartet hatte, den Schlag und ersuchte sie, einzusteigen.
„Es ist besser, wenn Sie in diesem geschloffenen Wagen nach Hause fahren, Fräulein Lisbeth," fügte er hinzu. „Sie wissen ja, wie unsere Bauern find. Seitdem das Schicksal Ihres Vaters bekannt geworden ist, beschäftigen Sie sich mit gar nichts Anderem mehr, und es könnte leicht geschehen, daß sie Ihnen durch ihr Anstarren oder gar durch ungeschickte Bemerkungen lästig fallen."
Lisbeth erinnerte sich erst jetzt wieder des auf- fälligm Benehmens jener Feldarbeiter, die ihr auf dem Wege nach dem Schlosse begegnet waren, und ein Schauder lief über ihre schlanke Gestalt, «l» fie an die Beweggründe desselben dachte.
Die Gewährung dieses Wagen», der fie vor den zudringlichen Blicken der Leute schützte, war
ein gewisses Gefühl der Ruhe und Sicherheit wenigstens für die allernächste Zukunft hervorru« rufen. Auf dieser Grundlage klangen daher auch die zwar reservirten, aber doch auch wieder be« stimmten Erklärungen Kalnoky's über die derzeitigen Fnedenshoffnungen glaubwürdiger und ver- trauenerweckender als manchs ähnlichen diplomatischen Versicherungen aus früherer Reit und <L.Mbere" Parlamenten. Dieser veränderten Situation w-rden Czar Alexander und die aus-
Diplomatie Rußlands nachgerade einigermaßen Rechnung tragen müssen, und das erste Symptom dieser Erkenntniß scheint uns der Czaren- zu fein. Selbstredend liegt zwischen diesem ziemlich ceremoniellen Besuche bis ^stände „thurmhoher Freundschaft", welche Fürst Bismarck vor nicht gar so langer «tnki bte • hEusrief, noch eine weite Kluft, die vielleicht nie wieder ganz überbrückt werden wird. Aber der Besuch bedeutet unseres Erachtens wenigstens eine Verminderung jener hochgradigen Spannung, welche seit einiger Re;t auch nicht in offizieller Form', zwischen Rußland und Deutschland herrschte. Wenn das Zusammentreffen des Czaren mit seinem kaiserlichen Onkel nicht eine blotze Färse sein soll, so muß es eine gewiffe Besserung der Beziehungen zur Folge haben.
stch ein^solchs zunächst und in erster zeigen, die ja bekanntlich so vollständig von der Censur abhängig ist, daß die Regierung alles unterdrücken kann, was sie ernstlich will. Leider bemerkt man aber in dieser Beziehung noch keine Besserung, im Gegentheil hetzt die russische Pan- slavistenpreffe heute fast schlimmer denn je gegen Deutschland und sucht die Tragweite des Besuches herabzudrücken. Die deutsche Presse dagegen empfängt den Gast des Kaisers mit aller ihm geziemenden Achtung und mit dem Ausdruck jener Sympathie, die unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist.
Schon vor mehr als drei Wochen lief eine scheu Panslawistenpresse einen vielsagenden Aus- Ä^ener durch die Presse, wonach druck fand und während der bulgarischen Konflikte
der Czar fernen Heimweg über Deutschland nehmen ’ ~ ~ und be, dieser Gelegenheit dem deutschen Kaiser einen Besuch machen werde. Nachdem die vorher - gegangenen Gerüchte über eine Kaiserzusammen- kuuft ' N Stettin sich als gegenstandslos heraus- gestellt hatten, nahm der größte Theil der deut- schm Presse die Kopenhagener Nachricht mit Recht fthr mißtrauisch auf, ohne indessen sofort ein bc- jtuninte8 Urtheil über den reellen Hintergrund derselben fällen zu können. Da setzte am Morgen
1 2 bk Piudter'sche Oberoffiziöse, die ^Nordd. Allg. Ztg.', das „Kanzlerorgan", allen Vermuthungm ein Ziel durch die positive Mittheilung an hervorragender Stelle, daß die schon an sich unmögliche und unwahrscheinliche Nachricht „eine müßige, wenn nicht böswillige Ersin- düng" sei, und zwar böswillig wegen der „anti- deutschen" Tendenz, die ihr zu Grunde liege Heute, wo der Besuch des Kaisers Alexander von Rußland »n Berlin eine Thatsache ist, erwähnen wir lenes schroffe offiziöse Dementi der .Nordd.' einerseits, um wieder einmal darzuthun, wie ein ger nger Werth manchen Auslassungen der sogen. I i««. wtmjiyumv, uum meyr aoer rur weiter= oft amua ° da?EaentÄÜ'"^bu £ daß sich reich, eine Stärkung des antirussischen Elementes ost genug das Gegentheil von dem herausstellt “ ...... “
was in diesen Blättern je nach den Bedürfnissen des Augenblicks behauptet und verbreitet wird, c. um anjubeuten, daß . -----öuuuuuu ,ur »tu unnei-
mOt r Vorgeschichte dieses Besuches sich europäischen Friedensbund ganz erheblich verbessert, nicht so ganz glatt angelassen hat, wie es j-tzt 1 " ~ - 1 - * ~ ' 1
dm Anschein haben könnte.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. November.
Der Czar mit Familie, sowir die Prinzessin von Wales sind heute Nachmittag um 2>/z Uhr allerdings eine Wohlthat, die sie nicht zurückweisen durfte, und mit einigen warmen Dankesworten an den alten Diener schickte sie sich eben an, einzusteigen, als die Erwiderung desselben sie veranlaßte, den schon erhobenen Fuß wieder zurückzuziehen.
„Nicht bei mir müssen Sie sich dafür bedanken Fräulein Lisbeth," hatte er gesagt. „Ich habe kein Recht, so über Wagen und Pferde zu verfügen, und ich wäre auch wohl zu ungeschickt gewesen, um in all dieser Verwirrung daran zu denken. Aber der Herr RegierungSassessor hat es befohlen und hat mich auch beauftragt, den Leuten und der Schloßbimerschaft auf das Strmgste ein- zuschärfen, baß Jeder auf der Stelle entlassen sei, der sich beikommen ließe, dem Fräulein durch ein Wort oder eine Miene zu nahe zu treten. Aber was ist denn, Fräulein Lisbeth, habe ich mit meinen Reden vielleicht am Ende selbst eine Ungeschicklichkeit begangen?"
Ihre Wangen hatten sich mit einer dunklen Röthe bleckt; aber fie zwang sich zu lächeln und sagte beruhigend;
»Nein, nein! Ich bin Ihnen vielmehr sehr dankbar, daß Sie mir diese Mittheilung gemacht haben. Aber ich ziehe ei nun doch vor, meinen kurzen Heimweg zu Fuß zu machen. Ich kann
Dir IrtztmMpkiistkmtt.
22. Fortsetzung
Der Kommissar ließ sie ganz betroffen ausreden. Er mochte doch wohl bereuen, so weit gegangen zu sein, und er fühlte sich gedrängt, etwas zu seiner Rechtfertigung zu sagen.
„Unsere Beweise sind so elend nicht, als Sie anzunehmen scheinen, mein Fräulein, und so sehr ich auch um Ihretwillen wünschen möchte, daß Ihr Vater seine Unschuld beweisen könnte, so wenig Aussicht scheint mir doch dazu vorhanden zu sein. In der Kette der Indizien, welche gegen ihn sprechen, fehlt nur noch ein einziges Glied, — hätte sich auch Liefe» bereits finden lassen, so würde er wahrscheinlich gezwungen sein, das zwecklose Leugnen ohnedies aufzugeben."
„Und dieses eine Glied?" fragte Lisbeth zittemd. „Es bestände worin?"
„Ich habe keinen ®runb, Ihnen ein Geheim - Niß heraus zu machen. Hätten wir an der Stelle, wo bas Verbrechen verübt worben ist, auch bie Kugel aufstnben können, mittelst welcher bet Oberst getöbtet würbe, so würden wir wohl ohne Schwierigkeit festgestellt haben, aus welchem Gewehrlaufe dieselbe gekommen sei. Wir haben leider vergeblich danach gesucht; aber meiner Ueberzeugung
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