Einzelbild herunterladen
 

M 263.

Donnerstag, den 17. November.

JKS7

filiier

®ie Fuldaer, Z »düng' erscheü« tSgli4. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnernentspreis ohne Bringerlohn und Bestellqeld: 1 M 50 'm mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts IM 75 Pf 9 ' **'

Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt

Wkihiachts-Aifeizek.

Wie in den Vorjahren, so werden wir auch in diesem Jahre wieder als Gratisbeilage zu unserer Zeitung einen

K Weihnachts-Anzeiger *wg herausgeben, der am 26. November, 3., 10. und 17. Dezember erscheint.

Wir berechnen die Inserate pro Zeile mit nur 10 Pfennig und bitten um möglichst bal- dige Einsendung derselben, damit für gefälliges Arrangement Sorge getragen werden kann. Bei wiederholter Insertion wird entsprechender Rabatt bewilligt.

Fulda, im November 1887.

Nie Redaktion und Erpedilion der ,Fuldaer Zeitung*.

Deutsches Reich.

Berlin. 16. November.

* Der Kaiser von Rußland wird während seines bevorstehenden Aufenthaltes in Berlin in der hiesigen russischen Botschaft Quartier nehmen. Der Kaiser wird den Zaren, obgleich ihm dieser die dringende Bitte aussprechen ließ, mit Rücksicht auf das soeben erst kaum überstandene Unwohlsein und da» hohe Alter unseres Monarchen von einem per­sönlichen Empfange am Daynhvf^

Eintreffen auf dem Bahn Hofe persönlich begrüßen. Heute wollte man wiffen, daß die für den Tag der Anwesenheit des Zaren in Berlin in Ausficht genommene Galavorstellung im Opernhause abbe- stellt bczw. verschoben worden sei.

• Aus San Remo wird berichtet, daß die Oedemschwellung im Halse des Kronprinzen aufgegangen und ausgeflvssen ist. Eine Probe des Präparats wurde an Profeffor Dr. Virchow in Berlin eingesandt. Die Anschwellung ist damit verschwunden, wodurch dem hohen Patienten das Athmen und Schlucken leichter fällt. Die krebs­artige Bildung am Stimmbande und Kehlkopf ist unverändert.

Wt ktttn 6rantnfttintt.

21. Fortsetzung

Sieh mich fest an, Georg, und antworte mir auf meine Frage! — Aber zuvor mußt Du mir feierlich, bei Allem, was Dir auf Erden heilig und theuer ist, geloben, daß Du mir Deine wahr­haftige Herzensmeinung sagen w'rfi! — Bist Du von meines Vaters Unschuld überzeugt?"

„Lisbeth, Du weißt, wie ich Dich liebe —"

Aber sie fiel ihm mit flammenden Augen ins Wort.

„Antworte mir aufrichtig und ohne Beschöni­gungen! Eine Unwahrhaftigkeit in dieser Stunde würde ich Dir niemals, niemals verzeihen! — Könntest Du für die Schuldlosigkeit meines Vaters mit derselben Bestimmtheit eintreten, wie für Deine eigene?

„Lisbeth, Du verlangst Unmögliches I" sagte er düster. „Wohl bin ich davon überzeugt und würde, wenn es fein müßte, mit meinem Leben dafür ein­treten, daß Dein Vater nicht mit Vorbedacht und au» niedrigen, gemeinen Motiven gehandelt haben kann, — aber daß er unschuldig sei, daß es nicht seine Hand gewesen sei, die in einem Augenblick der Selbstoergeffenheit den unglückseligen Schuß abgkfeuert, — das kann ich wohl mit der ganzen

* Aus London wird der ,Voff. Ztg.' telegra- phirt: Dr. Mackenzie, der gestern Dienstag Abend nach London zurückkehrte, benachrichtigt mich, er reife schon Ende dieser Woche wieder nach San Remo, um den Hals des Kronprinzen nochmals zu unter'udien und zu ermitteln, ob die an der oberen Kehlkop-partie entstandene Geschwulst genügend zurückgetreten sei, um die Abquetsämng eines Partikelchens der Neubildung zu ermöglichen.

* Wie das Leiden des Kronprinzen entdeckt worden, erzählt der Bö:sen-Kourier wie folgt:

Es war im Winter vergangenen Jahres, daß der Kron­prinz von einem Halsleiden heimgesucht wurde, welches sich in hartnäckiger Heiserkeit äußerte. Die Leibärzte des Kronprinzen, die Herren Wegener und Schrader, Männer von Tüchtigkeit und namentlich von unbedingter Ergeben­heit und Fürsorge für den Kronprinzen, thaten, was nach Maßgabe der vorliegenden Symptome ihnen nöthig schien, aber ihre Schritte waren ohne Erfolg. Die Heiserkeit blieb, sehr zur Unbequemlichkeit für den Kronprinzen, der, wie man weiß, ein Freund der Unterhaltung ist. An irgend eine Gefahr wurde von keiner Seite gedacht, um so weniger, als die üblichen Kehlkopf-Untersuchungen nichts Bedenkliches ergeben hatten. Auf einem Hofball des Kron­prinzen selbst war es, daß der Kronprinz auf den Geheim­rath v. Bergmann zutrat und demselben sein Leid klagte: ihn peinige die Heiserkeit, Professor v. Bergmann möge ihm doch ein Mittel dagegen sagen. Geheimrath v. Berg­mann schlug den Gebrauch von Emser Kurmitteln vor. „Die habe ich schon versucht, ohne daß sie helfen," ent­gegnete der Kronprinz. „Wissen Sie nichts Besseres?" Hr. o. Bergmann machte hiernach den Kronprinzen auf­merksam darauf, daß in ihrer unmittelbarsten Nähe Pro­fessor Gerhard stehe, der auf dem Gebiete der Halsleiden eine ganz außerordentliche Erfahrung besäße und der dem Kronprinzen gewiß die besten Dienste leisten würde. Hiermit war die vor mehreren Zeugen geführte Unter­haltung zu Ende. Einige Tage später ließ sich der Kron- WgÄ.^4u b« Hrn. v. Bergmann er-

die Konsultirung des Professors Gerhard gegeben, mehr als eine bloße fa;on de parier gewesen sei. In Folge des Bescheides, den Geheimrath v. Bergmann ertheilte, wurde Profeffor Gerhard zu dem Kronprinzen berufen. Bei der Untersuchung fand Profeffor Gerhard im Kehl­kopf des Kronprinzen einen Polypen, bett' er durch Glüh­draht entfernte.

Die wer ern Stadien des Leidens sind bekannt.

* Die Berliner klinische Wochenschrift wird dem­nächst einen eingehenden Bericht Dr. Mackenzie'« über seine Beobachtungen und Ansichten über das Leiden des Kronprinzm seit deffen Ankunft in Eng­land bis jetzt veröffentlichen. Wie Dr. Mackenzie vor seiner Abreise au» San Remo dem Bericht­erstatter des ,Berl. Tagebl? mittheilte, ließ ihn

Kraft meiner Seele hoffen und wünschen; aber ich kann mich nicht unbedingt davon überzeugt halten, so lange die unseligen Widersprüche nicht aufgeklärt sind, welche hier vorliegen!"

Lisbeth war todtenblvß geworden und sie wich einen Schritt zurück. Sekundenlang aar es ganz still zwischen ihnen; dann legte sie das Tuch das ihr vorhin entglitten war, wieder um ihre Schultern und ging, ohne ein Wo.t zur Thür. Georg, deffen Selbstbeherrschung nahezu am Ende war, machte eine Bewegung, als wenn er auf sie zustürzen und sie gewaltsam zurückhalten wollte, aber stolz auf- gerichtet und mit abwehrend ausgestreckten Armen wies sie ihn zurück.

„Lasten Sie mich, Herr Baron," sagte sie mit erstickter Stimme. „Sie können nicht« mehr gemein haben mit der Tochter eine« Mannes, den Sie für den Mörder Ihre« Vater« halten muffen! Fürchten Sie nicht, daß ich Ihre Wege jemals wieder kreuzen werde!" '

„Lisbeth, mein Gott, Lisbeth!" rief er aus. „Nicht so darfst Du von mir gehen, nicht so?" Sage mir, was ich thun kann, um den S leier von dieser unglückseligen That zu heben und Deinem Vater zu helfen, und sicherlich werde ich es thun!"

Aber sie schüttelte nur mit entschiedener Ver-

der Kronprinz nach der letzten Untersuchung durch alle vier Aerzte allein zu sich berufen uno drückte ihm sein unerschütterliche« Vertrauen nach wie vor aus. Dieselben Aeußerungen habe die Kronprin­zessin gemacht. In diesem Sinne nabe sie auch an hervorragende Personen in Deutschland geschrieben.

* Prinz Wilhelm ist, wie e« heißt, zum Generalmajor befördert und zum Präsidenten de« Staatsraths ernannt worden. Bestätigung bleibt abzuwarten.

* Der Reichskanzler ist gestern mit seiner Gemahlin in Berlin eingetroffen. Prinz Wilhelm erwartete ihn im Reichskanzler-Palms und hatte eine längere Besprechung mit ihm.

* In der Zeit vom 1. August 1886 bis zum 31 Juli 1887 sind im preußischen Staate 144,382 Jagdscheine (462 mehr als 1886) ausgegeben worden, davon 168,854 gegen Entgelt. Die mei­sten Jagdscheine wurden in der Rheinprovin; aus­gegeben, und zwar 23089. Dann folgen die Pro- vinz Sachsen mit 21530, Schlesien mit 19512, Westfalen mit 17190, Brandenburg mit 16947, Hannover mit 13558, Ostpreußen mit 12212, Schleiwig-Holstein mit 12134, Posen mit 9862, Pommern mit 9789, Hesten - Nastau mit 8159, Westpreußen mit 7592, der Polizeipräsidial-Bezirk Berlin mit 2414 und Hoherzollern mit 395.

* Trier, 15. No^. Wie die .Landesztg/ vernimmt, hat der hochw. Herr Bischof angeordnet, daß täglich nach der hl. M.ffe im Anschluß an die von dem Hb Vater vorgeschriebenen Gebete ein Vater unser und Ave Maria gebetet werden, um von Gott die Wiederherstellung der Gesund- §eyrinrM. zu. n flehen.

würdigster Herr Bischof hat heute die Abhaltung öffentlicher Gebete für den Kronprinzen ange- orvnet.

Ausland.

* Wien, 16. Nov. Der heute hier einge­troffene Fürstbischof Dr. Kopp von Breslau, deffen Diözese sich bekanntlich auch über Oesterreich- Schlesien erstreckt, wird morgen vom Kaiser von Oesterreich zur Ableistung des Eide« in Audienz empfangen. Nach der Eidesleistung ist der Fürst­bischof auch Mitglied des österreichischen Herren­hauses.

neinung den Kopf und legte ihre Hand auf den Griff der Thür.

„Sie sollen au« Liebe zu mir wahrlich nicht» thun, was Ihnen nicht zugleich Ihr Gewissen ge­böte! So wie mir die Liebe zu meinem Vater höher und heiliger ist, als jede andere, so darf auch in Ihrem Herzen j tzt nur noch der Wunsch leben, den Tod de« Oberst zu rächen — um jeden Preis! — Damit scheiden sich unsere Lebens­wege für immer, Herr Baron! Ich würde niemals einem Manne angehören können, ver meinen Vater für einen ehrlosen Verbrecher hielt!"

Georg stand wie angewurzelt auf seinem Platz. Er fand im Augenblick keine Erwiderung, und a!» er sich aus seiner Betäubung aufgerafft hatte, war da« junge Mädchen verschwunden. Er wollte ihr nacheilen, aber schon nach wenigen Schritten blieb er wieder stehen und schlug x sich vor die Stirn.

Mit welchem Recht durfte er sie zurückhalten? — Was konnte er ihr noch sagen? Hatte sie nicht vollkommen Recht gehabt, und blieb ihm denn in der That noch etwas anderes übrig, al» eine Neigung zu begraben, die unter den gegen­wärtigen Verhältnissen eine Versündigung war gegen die heiligsten (3. fühle und Pflichten?

Aber zugleich mit dieser schmerzlichen lieber« zeugung kam ihm auch die Gewißheit, daß sich