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M 259.

Sonnabmd, den 12. November.

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® 3 Ib ' 3etiunB "schämt täql'ch. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierieljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellaeld- 1 » «s mü der b-lletnstrschen WochenLeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswL^ts l M 75 M ’ 3 ' 1 50

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* Die Erhöhung der Getreidezölle wird mit Sicherheit in der bevorstehenden Reichs- tagssesston zur Verhandlung kommen, sei es, daß die Regierung eine bezügliche Vorlage einbringt, sei es, daß sie Anträge aus dem Hause abwartet. Das Erstere ist das Wahrscheinlichere. Seit dem Sommer schon haben sich eine Reihe von Blättern mit der Frage beschäftigt, nicht gerade zum Besten der Sache, denn der Uebereifer und die Heftigkeit, mit welcher z. B. die Berliner,Kreuzztg.' sich der Zollerhöhung annahm, hat auch manche der über­zeugtesten Freunde der Landwirthschaft vor den Kopf gestoßen und z. B. die,Schles. Ztg.' und die ,Post' zu Warnungen vor Ueberspannung des Bogens veranlaßt. Der Parteifanatismus hat sich der Gemüther zum Theil in einer Weiss bemäch­tigt, daß auf dem in voriger Woche tagenden „Deutschen Landwirlhschaftsrathe" der Prof-ffor für Landwirthschaft in Breslau, v. Miaskowski, ein konservativ gesinnter Mann, dec von der Re- gierung in den Rath berufen wurde, es sich ge­fallen lassen mußte, vom Abg. Fregs al» „deutsch­freisinnig" verschrieen zu werden, eine Art der Behandlung, die ihn zum Austritt veranlaßte. Der Landwirthschaftsrath hat nun durchweg eine Ver­doppelung der Zollsätze von 1885 in Vor­schlag gebracht, also eine Versechsfachung der An­sätze von 1879. E» fehlte aber auch nicht an Stimmen, welche eine noch weitere Erhöhung woll­ten. Rach dem Landwirthschaftsrath? soll also Weizen und Roggen 6 Mk. (bisher 3 Mk.), Hafer und Gerste 3 Mk. (1,50) tragen. Außerdem ist eine Erhöhung auf Vieh und Viehprodukte in Vor­schlag gebracht. Die Anträge auf Aufhebung de» Identitätsnachweises (so daß bei Ausfuhr jeder Art von Getreide, auch inländischem, gegen Vorzeigung einer Zollquittung der Zoll vergütet werde) und auf Gewähr von Ausfuhrprämien bei Getreide fanden auch im Landwirtbfchaftsrathe keine Mehrheit. Die ,Nordd.', das Kanzlerblatt, stellt sich freundlich zu den Beschlüssen desselben, wenn sie auch vermißt, daß er z.B. praktische Vorschläge zu machen versucht habe, wie dem die jLandwirth- schaft schädigenden Spekulationsspiel an der Ge­treidebörse ein Ende gemacht werden könne. Die nationalliberalen Organe vermeiden e», Stellung zu nehmen. Im Grunde find ste natürlich man-

Die letzte« Ermußmen

17. Fortsetzung

„Ihre Behauptung ist allerdings sehr über­raschend," nahm jetzt auch der Richter das Wort. „Noch vor weniger als einer halben Stunde ver­mochten Sie nicht den geringsten Argwohn zu äußern und jetzt, wo gewisse Tyatsachen gegen Sie selbst- zu sprechen scheinen, treten Sie plötzlich mit einer so bestimmten Anklage hervor. Worauf stützt sich denn dieselbe?"

„Vor Allem auf jenes Lügengewebe, da» der Bursche ersonnen hat, um mich zu verderben! Wel- che» Interesse könnte er daran haben, einen Andern in Verdacht zu bringen, wenn er diesen Verdacht nicht von sich selbst ablenken wollte?"

„Dieser Verdacht würde erst dann einiges Ge­wicht haben, wenn es Ihnen gelungen wäre, uns zu beweisen, oaß der Zeuge wirklich die Unwahr­heit gesprochen hat. Aber Sie selbst haben nach­träglich im Gegensatz zu Ihrer anfänglichen Dar- stellung die Richtigkeit einzelner Punkte seiner Er­zählung zugeben müssen. Da« macht ihn nicht gerade unglaubwürdiger. Und dann werden Sie d.ch wohl zugeben, daß der Mann in der Thal m einer ganz unbegreiflichen Verblendung gehandelt haben müßte, wenn er jene Thal begangen haben

chesterlich gesinnt, allein sie wollen doch auch eine von dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ge­machte Vorlage nicht ablehnen. Deshalb schweigen sie sich au«. Die Freisinnigen verhalten sich natür­lich von vorn herein ablehnend, da sie ja gegen Schutzzölle aus Prinzip sind. Die C ent rums - presse nimmt einen Standpunkt ein, der in sol­chen schwierigen Jntereffenfragen der einzig richtige ist und läßt beide Seiten in ruhiger, leidenschaft»- l.ser Erörterung zu Worte kommen. Freiherr v' Schorlemer-Alst spricht sich im westfälischen Bauernverein für die Erhöhung aus, Peter Reichensperger, der Centrums-Veteran, ein alter Schutzzöllner, hat ein Schriflchen veröffent­licht („die Gemeinschädlichkeit der in Aussicht ge­stellten Erhöhung der Kornzölle", Berlin bei Sprin­ger, 80 Pf.), worin er zu dem Resultate kommt, daß die Zollerhöhungen auch der Landwirthschaft nicht« nützen, sie vielmehr nur um so schneller in die Hände des Kapitalismus liefern werden. So stehen sich die Ansichten gegenüber, selbst bei Män­nern, denen man ruhigen Sinn und gerechtes Ge­fühl nicht absprechen kann. Aufgabe des Reichs­tages wird es sein, wie da» ,Schw. Bl.' treffend sagt, hier den richtigen Ausgleich zu finden.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. November.

• Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgende- amtliche Bulletin über das Befinden des Kronprinzen: „San Remo, 10. November, Nachmittags. Die versammelten Aerzte konstatiren eine in den letzten Taaen einaetretenen Schwellung im Kehlkopf Sr. Kaiserlichen Hoheit de» Kron­prinzen, welche hoffentlich unter dem Gebrauch der geeigneten Mittel bei dem ausgezeichneten Ver­halten des hohen Patienten wieder zurückgehen wird. Morell Mackenzie, Schroetter, Schrader, Krause, Moritz, Schmidt, Mark, Howell." — Der .Nationalzeitung' wird au» San Remo telegraphirt: Die heutige neue Consultation war befriedigender. Eine Verschlimmerung ist nicht vorhanden. Schlütter reiste ab. — Ueber die Untersuchung Sr. Kaiser!. Hoheit de» Kronprinzen feiten» der in San Remo weilenden Aerzte ist, wie die .Post' erfährt, gestern Abend um 9*/8 Uhr an Se. Majestät den Kaiser nach Berlin telegraphirt worden, daß eine ein­

sollte. Der Oberst war sein Wohlthäter und würde seinem Lebensretter wohl jederzeit ein sehr geneigter Herr geblieben sein. Welchen Vortheil hätte der Mann also von seinem Verbrechen haben sollen, da nicht einmal eine Beraubung versucht worden ist?"

„Darauf zu antworten, ist nicht meine Sache," gab Hagemeister finster zurück. „Konnte die Kugel nicht auch einem Andern, vielleicht mir selbst, ge­golten haben, und der Oberst nur einem Jrrthum zum Opfer gefallen sein? Nur der Wilddieb hat )08 Verbrechen verübt, und eben Jener dort ist der Wildoieb gewesen!"

„O, mein Himmel, welche unerhörte neue Be- chuldigung!" rief Martin entrüstet; aber der Richter winkte ihm zu schweigen, und fragte den Förster nach seinen Anhaltspunkten für diese Ver- muthung. Al« aber Hagemeister nichts Anderes anzugeben wußte, als daß er Martin stets für einen hinterlistigen Schleicher und unredlichen Menschen angesehen habe, uni oaß auf dem ganzen Gute Keiner so gut wie er mit Weg und Steg im Walde vertraut sei, auch Keiner sonst olhen Frevels fähig sei, da konnte sich der Be­amte nicht enthalten, ihn zu bedeuten, daß diese Gründe bei Weitem nicht ausreichend seien für einen so schweren Verdacht.

gehende Untersuchung bi» jetzt wegen der einge- tretenen starken Geschwulst nicht hat stattfinden können. Diese eingehende Untersuchung, von der die weiteren Maßnahmen adhängen, kann voraus- sichtlich günstigenfalls erst heute vorgenommen werden. Die Geschwulst kann aber auch ebenso gut erst in Tagen so weit abschwellen, daß ein desinitives Urtheil von dem Aerztc-Concilium ge­fällt werden kann. Wird ein operativer Eingriff für nothwendig befunden, so wird dieser, abgesehen von Allem, was sonst für eine am hiesigen Platz auszuführende Operation spricht, auf speziellen Wunsch Seiner Majestät oes Kaisers in Berlin im Kronprinzlichen Palais vorgenommen werden. Hiernach ist es also bis zur Stunde noch unbe- stimmt, wann Se. Königl. Hoheit der Kronprinz nach Berlin zurückkehrt. — Das ,Berl. Tagedl.' bringt folgende Mittheilungen: „Heute, wo die ent­scheidende Berathung der Aerzte nur noch wenige Tage auf sich warten lassen wird, kann ich Ihnen mittheilen, daß auch Dr. Mackenzie jetzt das ört­liche Leiden ander« als bisher deurtheilt. Dr. Mackenzie zweifelt nicht mehr, daß die neuen Wucherungen ganz den Charakter krebsartiger Gebilde tragen. Die neue Sprießung ist in ihrer Natur total von der früheren verschieden, soweit der Augenschein allein darüber belehren kann. Ueber die Eventualität einer Operation machen sich in der Umgebung de» Kronprinzen selbst zweierlei Ansichten geltend. Die Einen verlangen die sofortige Vornahme der Operation; die An­deren wollen lieber abwarten und sonstige Mittel versuchen. Dr. Mackenzie hält dafür, daß nicht operirt werden soll, da schon die Operation allein, abgesehen von der Lebensgefahr, jede krebsartige Wucherung stärker sprießen macht, wie denn Mackenzie bisher eben von der Annahme ausging, daß kein Krebs vorhanden. Als Dr. Mackenzie dem Kronprinzen gestern (Dienstag) unverhohlen den jetzigen Stand der Sache mittheilte, benahm sich dieser wie ein großer Held. Einen Augen­blick schien es wie ein Schatten, ein Schleier, über seine Augen zu gehen. „Ich dachte schon lange, so was würde kommen —" waren die Worte des Kronprinzen, dann nahm er wieder seine heitere Miene an. Die neueste Nachricht bringt die ,Boff. Ztg.' — Ueber die bereit« oben erwähnte heute Vormittag erfolgte Untersuchung

„Nun wohl, dann bitte ich die Herren, nach Pflicht und Gewissen zu verfahren," sagte der Förster unmuthig. „Ich aber bin wohl für heute entlassen."

Er wollte sich zur Thür wenden, aber der Zu­ruf des Untersuchungsrichters hielt ihn zurück.

„Ich muß sehr bitten, Herr Förster. Er thut mir leid; aber ich kann Sie nicht so ohne Weitere» entlassen! Wollen Sie nicht wenigsten» Ihre Aussage über die gestrige Unterredung mit dem Oberst noch in einigen Punkten richtig

„Ich habe nicht« abzuändern oder zu wider­rufen! — Aber wenn der Bqron Herbert hier wäre, würde ich Ihnen einen Zeugen bringen können, dessen Aussage hoffentlich mehr Gewicht für Sie haben würde, al« diejenige diese» erbärm­lichen Lügner» und Berleumvers."

„Seiner eigenen Mittheilung nach hat der Oberst noch gestern mit seinem Sohne gesprochen, und au« dem Inhalt dieser Unterredung wird jeden­falls zur Genüge hervorgehen, ob er mir freund­lich oder feindlich gesonnen war."

„Sie sollen nicht sagen, Herr Förster, daß wir Ihnen eine Möglichkeit rechtzeitiger Vertheidigung abgeschnitten Härten. Ihrem Wunsche kann vor­aussichtlich auf der Stelle Genüge geschehen, denn