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18b7

Mittwoch, den 9. November.

M 256.

Intimer Ä 3citnng.

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* Ein neues Gewehr?

Deutschland soll abermals ein neues Jnfan- teriegewehr einführen, und die .Post' bereitet darauf vor, daß der Reichstag bald um Be­willigung der finanziellen Mitteln angegangen wird. Bekanntlich ist Deutschland der erste Staat gewesen, welcher mit der Einführung des Repe tir- gewehres vorging; im vorigen Sommer wurde uns plötzlich die überraschende Kunde, daß bereits seit zwei Jahren in verschiedenen Fabriken an der Herstellung der neuen Schußwaffe gearbeitet werde, daß bereits 100.000 Stück davon fertig gestellt seien, und daß diese Waffe uns für eine Reihe von Jahren vor allen übrigen Völkern eine un­geheuere Ueberlegenheit stchern müsse. Dkm war in der That so. Aber als die deutsche Armee fast vollzählig mit dem R-petirgewehr ausgerüstet war, da hatten inzwischen auch die Nachbarstaaten An­stalten getroffen, das Versäumte nachzuholen. Zum zweiten Male in zwanzig Jahren sah stch Frank­reich in der Jnfanteriebewaffnung von Deutschland geschlagen. Zum zweiten Male hat aber auch Frankreich in der Kaliberfrage einen wichtigen Schritt gethan, um die Sache ins Gegentheil zu verkehren. Wie 1866 mit dem llmm-Gewehr, so hat es 1886 mit dem 8 mm-Kaliber einen Vor­sprung vor allen anderen Großmächten gesichert. Unser Verbündeter, Oesterreich-Ungarn, welches bald nach dem Bekanntwerden des deutschen Vor­gehens'kie Neubeschaffung eine« 11 mm-Mehr- laders in Angriff genommen, ging plötzlich von diesem Gewehr ab und wendete sich dem 8 mm- Kaliber zu. Die bereits abgenommenen Mannlicher- Gewehre, angeblich 83,000, nach der neuesten Ver­öffentlichung 220,000, sollen, auch von zu großem Kaliber abgesehen, viele Mängel besitzen und wer­den vielleicht ganz über Bord geworfen. Je kleiner das Kaliber, desto größer die Tragweite und desto höher die Geschwindigkeit, weil weniger Gewicht zu tragen und der Luftwiderstand ein geringerer ist. Dadurch wird auch die Treffsicherheit eine stärkere, die Durchschlagsfähigkeit eine höhere. Das bisherige 11 mm Gewehr hat in der Sekunde eine Anfangsgeschwindigkeit von 450 Metern, das 8 mm Gewehr eine solche von 600 Metern; bei ersterem ist der Kernschuß bei 300 Schritt, bei letzterem aber bei 500 Schritt. Unter diesen Um­ständen resumirt die .Post': „Das (französische)

Die letztm^8m«eilßkmtt.

14. Fortsetzung.

„In wiefern konnte die Erwähnung dieser beiden Personen die Veranlassung zu einem Wortwechsel abgeben ?"

„Ach je, Herr Gerichtsrath, das ist so eine dis- steile Sache, und ich weiß wirklich nicht" —

„Machen Sie keine Umstände, Mann! wir fragen Sie nicht aus Neugierde, sondern weil es unseres Amts ist, und wir können uns darum auch nicht mit halben Antworten und dunklen An­deutungen genügen lassen! Also reden Sie frisch heraus. Was war es mit dem jungen Baron und mit der Tochter des Försters?"

„Nun, wa» soll es gewesen sein, Herr Gerichts­rath? — Sie haben eben ein näheres Verhältniß mit einander gehabt. Und als nun der Oberst dem Förster Vorwürfe machte wegen feiner Nach­lässigkeit, da mag dem wohl die Galle überge­laufen sein, und er sagte, es wäre eine Schmach und eine Schande, wie der junge Baron seinem Mädel nachstellte und der Herr Oberst sollte lieber auf die Streiche seines Sohnes achten, als auf jede» kleine Versehen seiner Unter­gebenen!"

8 mm oder sagen wir, das kleinste Kaliber ist dem 11 mm oder kleinen Kaliber in ähnlicher Weise ballistisch überlegen, wie letzteres dem längst aus dem Waffenmaterial verschwundenen großen Kaliber. Nun ist aber das 8 mm Kaliber noch gar nicht das kleinstdenkbare; es soll auch ein 7'/z mm Kaliber für ein Kriegsgewehr noch im Bereiche der Möglichkeit liegen. Es gibt also für uns noch immer ein Mittel, die Franzosen in diesem Punkte zu überflügeln." Das jetzige Jn- fanteriegewehr M/71 soll vorläufig zur Bewaff­nung der Besatzungstruppen verwendet werden.

Müßte man wirklich zu der Aenderung schreiten, zu welcher wir hier nur eine lediglich refc- rirende Stellung einnehmen, so würden natur» lich Millionen vergeblich verausgabt sein. Die .Post' sucht diesem Einwurf jedoch mit dem Be­merken zu begegnen, unser jetziges Magazingewehr sei nicht unnütz gewesen, denn es habe, obwohl noch nicht fertig, uns den Frieden erhalten, denn der Vorsprung, den wir mit ihm gehabt, habe Frankreich von Provokationen abgeschreckt. Ob das in der That der Fall gewesen, mag dahin gestellt bleiben; das aber dürste man wohl behaupten, daß Frankreich kaum Lust haben wird, durch einen Krieg im nächsten Jahre seine Ausstellung und die Feier der Revolution zu stören. Aus diesem Grunde aber drängen anderseits auch die Freunde der Aenderung auf deren beschleunigte Einführung, weil ein Vorsprung Frankreichs dasselbe leicht zum Kriege veranlassen könne. Ebenso wird darauf hingewiesen, daß, wenn das finanziell viel mt= günstiger situirte Oesterreich für das kleine Kaliber solche Opfer bringe, Deutschland viel leichter dessen Einführung durchsetzen könne.

Diese Preßäußerungen haben offenbar den Zweck, im Publikum für die Aenderung Stimmung zu machen und die Zustimmung des Reichstages zu neuen großen Opfern in der Gewehrfrage vor­zubereiten. Der Reichstag hat vor drei Jahren, ohne daß das große Publikum davon erfuhr, die nöthigen Opfer für das Magazingewehr gebracht. Fordert man jetzt neue Opfer, so wird man vor­erst deren absolute Rothwendigkeit nach­weisen müssen. Das absolut Nothwendige wird vom Reichstage nicht verweigert werden. Wir ständen dann vor einer neuen schweren Aufgabe, die nur mit großen Opfern zn lösen wäre. So greift der Militarismus immer schärfer den volks-

„Nun hören Sie, das klingt doch aber etwas unwahrscheinlich! Zu einer solchen Unehrerbietig­keit wird sich ein Förster seinem Gutsherrn gegenüber doch schwerlich ohne Weiteres hinreißen lassen."

„Wenn Sie mir nicht glauben wollen, Herr Gerichtsrath, dann ist es mir desto angenehmer. So wird der Herr Förster keine Gelegenheit haben, seine Wuth an mir auszulassen! Aber dann bitte ich auch, mir die ganze Erzählung zu schenken."

„Nein, sprechen Sie nur weiter! — Welche Antwort gab der Oberst dem Förster?"

„Er wurde fuchsteufelswild und schrie, das Mädel werde wohl danach erzogen fein, daß ihm die jungen Herren nachliefen, und der Förster solle ihn ein für alle Mal mit solchen albernen Geschichten in Ruhe lassen. Im Uebrigen wären sie ja nicht mit einander verwachsen und es stände ihm frei, das Gut zu verlassen, wenn es ihm beliebte."

„Er drohte ihm also mit Entlassung. Und der Förster — nahm er die Entlassung an?"

„Noch mehr als das! Er benahm stch sehr wenig respektirlich gegen den gnädigen Herrn und sagte, es sei längst seine Absicht gewesen, wegen

wirthschaftlichen Körper an, so läuft ein Volk mit dem anderen im Sturm um die Wette und wo mag das Ziel — das Ende dieses Wettlaufs sein? —

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November.

* Ueber den Gesundheitszustand des Kron­prinzen liegen leider beruhigende Nachrichten noch nicht vor. Die Wucherung im Halse hat sich nach unten verbreitet. In Begleitung des Prinzen Wilhelm, der sich auf dem Wege nach San Remo befindet, ist Dr. Schmidt au» Frankfurt a. M. Derselbe ist ein erfahrener Praktiker auf dem Ge­biete der Kehlkopfkrankheiten.

* Großfürst Alexis von Rußland, Bruder des Czaren, trifft am Freitag aus Paris hier ein, um den Czaren zu erwarten.

* Die ,Kreuzzeitung' erklärt die Meldung der Münchener Illg. Ztg.' für des sachlichen Hinter­grundes entbehrend, wonach die Vereinigung eines Geschwaders von Kriegsschiffen der deut­schen und österreichischen Marine, um kurze Zeit unter einem gemeinsamen Oberbefehls­haber vereint größere Manöver auszuführen, zu erwarten stehen dürfte.

* In der letzten Woche des Monats September soll ein angeblicher Genosse Lieske's, des Mörders des Frankfurter Polizeiraths Rumpf, in Aachen verhaftet worden sein. Die ,Franks. Ztg.' erfährt hierüber aus anscheinend „zuverlässiger Quelle" Folgendes, ohne jedoch für die Nichtigkeit der Ein­zelheiten einstehen zu können: Der Verhaftete war seit kurzer Zeit in einer benachbarten belgischen Stadt als Aushilfskellner in Dienst und beabstchtigte, feine noch in Deutschland weilende Frau nebst Kindern zu sich zu nehmen. Im Rausche soll er sich seinem Herrn offenbart haben, worauf Letzterer die preußische Polizei in Aachen benachrichtigte und mit derselben Verabredungen traf. Der Kellner unternahm mit seinem Herrn eine Reise nach Aachen, „um die dortigen Manöver zu besichtigen." Bereits in Herbesthal, der preußischen Grenzstation, stiegen Polizisten in Civil zu den Beiden in den Zug, und dann erfolgte die Verhaftung des an­geblichen Genossen Lieske's.

des unzureichenden Gehalts und des schlechten Försterhauses den Dienst zu quittiren, heute aber sei sein Entschluß ganz unumstößlich. Er ginge auf jeden Fall, und wenn er auch die Schweine hüten müßte, so wäre ihm das immer noch viel lieber, als einer solchen Herrschaft zu dienen!"

„Und darauf gingen sie auseinander?"

„Ja, der Oberst trieb sein Pferd an und rief dem Förster int Davonreiten noch etwas zu, das ich nicht verstehen konnte. Aber es muß wohl etwas sehr Harte« gewesen fein, denn der Förster riß fein Gewehr von der Schulter, und einen Augenblick dachte ich wirklich^hr würde es gegen unfern gnädigen Herrn BaroipiwAkschM 'bmqefe01 Mir fuhr der Schrecken so gist)ältiff'W.Re-TMW^ l daß ich wohl, ohne es selbst zu WWt, efneti-Keiriett^* Schrei ausstieß, und da zuckte der Herr Försters zusammen, schaute wild umher ünd'fließ"M«e Büchse sinken. Wenn er mich entdecktlHMe.-so^l wäre es mir gewiß hundsübel gegangeist^ Dämm" verkroch ich mich sachte noch tiefer unter «e-HeMM und entging damit wirklich feinen Blicken?-^ mochte wohl meinen, daß er sich getäuscht HäbtzS. und schaute nun wieder nach dem Oberst Der aber war unterdessen schon an der Weg-