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Dienstag, den 8. November.

255.

Murr

Deutsches Reich.

Berlin, 7. November.

* Der russische Botschafter Graf Schuwalow bat nunmehr amtlich die bevorstehende Ankunft des Kaisers Alexander für Mitte dieses Monats angekündigt. Der Zar weiß noch nicht, an wel­chem Tage er in Berlin eintr.ffen wird; doch ist in Aussicht genommen, daß er Vormittags gegen 10 Uhr hier ankommen und vor Mitternacht nach Petersburg weiter reisen wird. Diese Nachricht wird von der ,Nordd. Allg. Ztg.' bestätigt.

* Der .Rächsanzeiger' bringt heute an der Spitze seines amtlichen Theiles folgende Danksagung:

Für die aus allen Theilen Meines deutschen Vater­landes, sowie von Nah und Fern, wo Deutsche zur Zett im Auslande weilen, von einzelnen Personen, Vereinen, Versammlungen und Gesellschaften Mir zu Meinem Ge­burtstage zugegangenen guten Wünsche, nicht minder für die in denselben angesichts Meiner fortschreitenden Gene­sung Mir bezeigten. Meinem Herzen wohlthuenden und theilnehmenden Gesinnungen spreche Ich hiermit, bei der Unmöglichkeit, die erhaltenen Briefe und Telegramme e,n- zeln zu beantworten, Meinen aufrichtigen Dank aus. Baveno am Lago Maggiore, den 27. Oktober 1887. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

Ueber das Befinden des Kronprinzen wird nachstehendes amtliche Bulletin veröffentlicht:

Das Allgemeinbefinden Sr. Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen ist andauernd ein vortreffliches. Höchstderselbe macht sich viel Bewegung in freier Luft, Schlaf und Appe­tit sind gut. Dagegen hat das örtliche Leiden in den letz­ten Tagen einen ungünstigen Charakter angenommen. Ob­gleich keine Symptome von augenblicklicher Gefahr vor­handen sind, so habe ich doch darum gebeten, daß andere Spezialisten hinzugezozen werden; in Folge dessen sind Profeffor Schroeter-Wien und Privatdozent Dr. H. Krause- Berlin aufgefordert worden, nach San Nemo zu kommen Morell Mackenzie." ™.,

Der Hofbericht meldet: S. K. H. Prmz Wrl- Helm reist heute Abend auf einige Tage nach San Nemo zum Besuch seiner hohen Eltern. Es findet dort in diesen Tagen eine Berathung mehrerer Spezialärzte über die fernere B.handlung Sr. Kaiserl. und Königs. Hoheit des Kronprinzen statt. Ss. Majestät der Kaiser haben den Prinzen Wil­helm zugleich beauftragt, ihm über die Ergebnisse der Berathungen auch mündlich eingehenden Bericht zu erstatten. ,

» Nach cer .Magdeb. Ztg.' bestätigt es sich, daß man daran gedacht Hal, den Reichstag erst im Januar künftigen Jahres zu berufen, daß aber

Die lktztkn^nmußcmkr.

13. Fortsetzung

Da die eigentliche Sektion der Leiche erst später vorgenommen werden sollte, so beschränkte man sich vorläufig auf ein einfaches Protokoll über die Aufnahme des Thatbestandes. Der KreisphpsikuS konnte ja nach einer ganz oberflächlichen Unter- suchuna bereits feststellen, daß der Tod unfehlbar durch den Schuß in den Kopf herbeigeführt wor­den und sicherlich fast in dem Augenblick der Ver­wundung eingetreten war. Irgend welche sonstige Spuren äußerer Gewalt waren an dem Körper des Entseelten nicht wahrnehmbar, und ebenso wenig konnte eine Beraubung oder auch nur em Versuch dazu stattgefunden haben, denn es sanden sich sämmtliche Werthsachen, Ringe, Uhr und Kette und eine wohlgefüllte Börse bei dem Getödteten vor. Da nach der bestimmt ausgesprochenen Mei­nung des Arztes ein Selbstmord schon deßhalb ganz ausgeschloffen schien, weil die Verletzung nur von einer Büchienkugel herrühren könne, der Oberst eine solche Waffe erwiesenermaßen aber nicht bei sich geführt hatte, fo blieb nur die Möglichkeit eines aus Rachsucht verübten Meuchelmordes be­stehen und auf dieser Basis bauten denn auch ine Beamten sofort ihre Untersuchung auf.

keil, welche im Tbronsaale stattfand, wohnten viele Kardinäle und Bischöfe bei. Nach Verlesung der Dekrete hielt der hl. Vater eine kurze An­sprache, in welcher er seine Freude über die glückliche Beendigung des Prozeffes aussprach und darauf hinwies, wie es gewiß nicht ohne den be­fand ern Rathschluß der göttlichen Vorsehung ge­schehen sei, daß gerade in unserer Zeit die Mit­glieder religiöser Genoffenschasten mit so beson- derm Ruhme geschmückt würden.

* In Porto Alegre versammelte vor emigen Tagen der dortige Bischof eine Anzahl ange- sehensr Männer aller Parteien und Vertreter der Presse (auch der deutschen) um sich und erbat ihre Unterstützung, um bei der Ausführung seines, bereits in einem Hirtenbriefe ausgesprochenen Wunsches, daß bis zum 31. Dezember d. I. zur Verherrlichung des Priesterjubiläums des Papstes die Befreiung der letztenSela- ven in der Provinz erklärt werden könne, mitzu- Helsen. ES liegt in der Zeitrichtung, daß die Sache Anklang fand und es wurde ein Korntto ernannt, das die vollständige Emanzipation vor- zubereiten hat. Auch andere Bischöfe haben Hirten- Briefe in diesem Sinne erlaffen, und es kommt durch die katholische Kirche, welche ihre Macht für die Sclapenbefreiung einsetzt, ein ganz neues Ele­ment in diese Bewegung. Nicht in allen Pro­vinzen wird sich indeffen diese Art der Jubiläums- feier so leicht durchführen taffen, wie in der unsrigen, wo nur etwas über 6000 Sclaven no ch vorhanden sind. Aber selbst Männer, die an dem vor zwei Jahren gegebenen Emanzipationsgesetze in hervorragender Weise mitgewirkt haben, er­kennen an, daß es dem Drange der emanzipato­rischen Bewegung heute nicht mehr genügt und einer Reform bedarf, die der Sclaverei ein näheres Endziel als am Schluffs des Jahrhunderts fetzt. Die Bewegung gleicht einem reißenden Strome, den man vergeblich durch einen Damm zurückzu­stauen versucht. Die Politiker schwanken nur noch zwischen drei oder fünf Jahren, die dem Bestände der Sclaverei als äußerste Frist gesteckt werden soll. In den Kreisen der ländlichen Interessenten, die noch nicht auf die Umwandlung der Arbeit sich vorbereiten konnten, denken Viele freilich anders über das erneute Aufrütteln der Sclavenfrage und die Ueberstürzung der Emanzipation. Aber eb en-

„Sie haben dem Polizeikommissar gegenüber geäußert, daß Sie Zeuge eines Streites gewesen seien, welchen der Oberst v. Gravenstem gestern mit einem seiner Beamten gehabt. Was wissen Sie also davon zu sagen?"

Martin hatte die Augen niedergeschlagen und drehte mit gut gespielter Verlegenheit seine Mütze zwischen den Fingern. Erst als der Richter ferne Frage noch einmal mit größerem Nachdruck wie­derholt hatte, meinte er zögernd und schüchtern:

Ach, Herr Gerichtsrath, wenn ich gewußt hätte, daß der Herr, der mich vorhin ausfragte von der Obrigkeit fei, fo hätte ich ganz gewiß nichts getagt. - Ich bitte Sie, nicht weiter m mich zu bringen! Ich weiß gar nichts — wirklich rein gar nichts!"

„Ich maiie Sie darauf aufmerksam, daß Sie verpflichtet sind, uns Alles zu sagen, was Ihnen bekannt ist, und daß Sie sich einer harten Be­strafung aussetzen, wenn Sie uns irgend etwas verschweigen!"

„Ach, du mein lieber Himmel! — Was habe ich mir da angerichtetjammerte Martin. „Wenn dar der Herr Förster erfährt, wie wird es mir ergehen!"

Machen Sie sich darum keine Sorge! Wesha

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davon Abstand genommen worden ist, weil man vor Weihnachten noch das Gesetz wegen Er­höhung der Getreidezölle und die Ver­handlung über den österreichischen Handels­vertrag erledigen wollte. Ein Entwurf über die Erhöhung der Getreidezölle ist bis jetzt nicht an­gefertigt, doch sind alle Vorbereitungen dazu fo getroffen, daß die schließliche Ausstellung ohne jeden Zeitverlust erfolgen kann. Der Entwurf soll übrigens im Reichsschatzamt ausgearbeitet werden, im Reichstage würde aber seine Ver­tretung , wie man hört, dem Staatssekretär im Reichsamt Dr. Jakobi und dem Minister für Landwirthschaft Dr. Lucius obliegen.

* München, 3. Nov. Das Geschenk, welches der Prinz-Regent dem Papst zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum überreichen ließ, ist ein gänzlich aus haarfeiner Seide gesticktes Bild, Christus am Kreuz umgeben von feinen Engeln darstellend, das im Kunststickerei-Atelier im Marienstift unter der Leitung von Frl. Mathilde Jörres angefertigt wurde. Nicht weniger als 2*/z Jahre arbeiteten sechs Damen an dem Meisterwerk, das in Nuancir- una sowohl als auch in der Ausführung unüber­trefflich ist. Seinerzeit wurde bas Bilb, bie genaue Copie eines alten Kupferstiches, vonjKönig Ludwig II. bestellt und sollte seinen Platz Über dem Kopfende des Bettes Sr. Maj. des Königs einnehmen, wurde nun aber zu obenerwähntem Zweck von Sr. Kgl. Hoh. dem Prinzregenten erworben.

• Straßburg, 5. Nov. Bischof Räß soll nicht unbedenklich erkrankt sein. Man will wissen, daß fein Coadjutor, Msg. Stumpf, deshalb eine beabsichtigte Romreise aufschiebe.

Ausland.

* Rom, 3. Nov. Am Allerheiligentage hat der hl. Vater feierlich die Dekrete verkündet, durch welche mit Rücksicht auf die bevorstehende Canonisation bezw. Beatifikation die auf Anrufung der Seligen: Peter Claver, Johann Berchmans, Alphons Rodriguez, Johann Baptist de la Salta und die Gründer des Ordens der Serviten Ma­riens, gewirkten Wunder anerkannt werden. Außerdem wurde das Dekret verlesen, wonach mit Sicherheit zur Seligsprechung des ehrwür­digen Laienbruders der Kapuciner, Felix von Nicosia, geschritten werden kann. Der Feierlich-

Noch an demselben Abend wurden sämmtliche Diener und Beamte des Verstorbenen vernommen. Nur der Förster, auf beffen Aussage naturgemäß bas meiste Gewicht gelegt wurde, konnte noch nicht herbeigeschafft werben, ba er nach bet Mittheilung feiner Tochter in ziemlich später Stunbe in den Walb gegangen unb bisher nicht nach Hause zurück- gekehrt war. Als ber Untersuchungsrichter eben im Begriff war, bie aussichtslosen Verhöre für diesen Tag einzustellen, erschien zu seiner Ueber- raschung der Polizeikommiffar, ber sich inzwischen auf eigene Hanb im Dorfe unb in ben Taglöhner- häufern umgethan hatte, mit einem Zeugen, besten Aussagen von einer ganz gewaltigen Bedeutung zu werben versprachen.

VII.

Kein Anderer als Martin war es, ber als der Letzte dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Der Polizeikommistar, welcher diesen Zeugen auf­gestöbert hatte, sprach eine Weile leise mit seinem Vorgesetzten, und die verdrießlichen Mienen des Letzteren hellten sich dabei sichtlich auf. Er schärfte feinem Protokollführer mit flüsternder Stimme für die folgende Vernehmung besondere Aufmerk­samkeit ein und begann den ganz bescheiden und unbefangen Dastehenden auszufragen.

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Inserate: Di- einspaltig- Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender^Rabatt^^^^^^^^^^