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Montag, den 6. November.

1887

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Wir haben einen Bischof!

Tune repletum est gaudio os nostrum et lingua noetra exultatione.

Nun ist mit Jubel erfüllt unser Mund und unsere Zunge mit Frohlocken.

Tage der Trauer waren gekommen für das Fuldaer Land, als unser g-'i-bt-r, unvergeßlicher Bischof Georg höherem Willen folgend seinen Fuldaer Diözesanen, mit denen sein ganzes Fühlen und Denken auf's Innigste verbunden war, ein schmerzliches Lebewohl sagen und sie als -ine hirtenlose Schaar zurücklaffen mußte, um ferne erprobten H»-ntugenden dem weiten apostolischen Arbeitsfelde der Diözese Breslau als Fürstbischof zu widmen. Während wir unter Glück- und Segens­wünschen den geschiedenen Hirten dorthin begleiteten, wo er durch seine selbstlosen, vorurtherlsfreien und Herz,gen Ansprachen im Fluge die Herzen gewann und ein unauslöschliches Feuer der Begeisterung entzündete, wahrend die überaus liebevolle und tröstliche Aufnahme, welche ihm allerwärts und besonders in der Stadt Breslau von seinen neuen Untertanen beredet wurde, auch uns mit Trost und G-nugthuung erfüllte, lenkten wir gleichzeitig den Blick in heißen Gebeten zu Gott dem Vater der Barmherzigkeit, auf daß unter dem Beistände des hl. Geistes recht bald ein würdiger Nachfolger des geschiedenen Oberh.rten gefunden werde. Durch Gottes Crbarmung sollte denn auch die diesmalige Verwaisung des altehrwürdigen Brschofstuhles der Bonifatiusstadt nicht lange dauern. Nur wenige Wochen nach der am 10. Oktober d. Js. erfolgten Trennung von unserem früheren Oberhirten, bereits am 4. November, Vormittags 10'/. Uhr, wurde von der Kanzel unserer Domkirche d.e freudige Mittheilung verkündet, daß das Domkapitel einen der angesehensten Geistlichen der Diözese Limburg, den hochwurd.gsten Herrn

Päpstlicher Prälat, Geistlicher Rath, Dekan und Stadtpfarrer von Wiesbaden

lutn Bischof von Fulda erwählt habe.

Zu dieser Freudenkunde, die innerhalb und außerhalb unserer Diözese mit Blitzesschnelle vernehmbar wurde und alle Herz-N der Fuldaer Diözesanen mit Dank gegen Gott erfüllte, den Erwählten selbst aber in einem ahnungslosen Augenblicke vriesterlicher Berufsthütigkeit überraschte und ihm Thränen der Rührung in's Auge druckte, — gesellte sich am heutigen ^age die ebenso freudige Nachricht, daß der Erwählte entschloffen sei, sich dem hohen Amte, zu dem man ihn unerwartet ausersehen, mit Genehmigung des hl. Vaters bereitwillig und ergeben in Gottes unerforschlichen Rathschluß zu unterziehen.

Da nun die päpstliche Genehmigung der Wahl einem Zweifel wohl nicht unterliegt, so dürfen wir dem neuen Ober - Hirten schon heute unsere Huldigung und das Gelöbniß unverbrüchlicher Treue, ausrichtiger Hingebung und unentwegten Gehor­sams entgegenbringen. Leichten Herzens und frohen Muthes legen wir dieses G-lobmß ihm zu Füßen denn der hohe Erwählte, der seiner Pfarrgemeinde eine stattliche Reihe von Jahren hindurch ein liebevoller Priester war, wird auch der Diözese Fulda ein guter Hirte sein. Unsere Erwartung, unsere Sehnsucht, sie verkörpert sich so gerne in dem kommenden Bischof das I eines guten Hirten, und der überaus ehrenvolle Ruf, der ihm schon jetzt vorangeeilt ist, erfüllt uns alle milder frohen Zuversicht, daß diese unsere Sehnsucht und Erwartung uns nicht täuschen wird. Gewiß ist die Zeit nicht mehr allzufern wo der neue Oberhirte Einkehr hält in die ehrwürdige Bonifatiusstadt, um als würdiger Nachfolger des großen Glaubensapostels m die Reihe derer zu treten, die seit Jahrhunderten berufen waren, das hl. Apostelgrab treu zu hüten und Stadt und Land der Segnungen desselben theilhastig zu machen. Er wird zu uns kommen mit denselben hohen und heiligen Gesinnungen, die einen: hl. Boni- fatius und so viele seiner Nachfolger zu gottgefälligen, bewundernswerthen Werken christlichen Opsermuthes und christlicher Liebe befähigten Mit der hohen Würde, die das Priester- und Hirtenamt dem Staubgeborenen aufpragt, wird er vereinigen die Würde einer hohen Reihe von Jahren, in denen fein Geist reiche Schätze der Erfahrung sammelte die ihm bet der Leitung der ihm annertrauten Diözese als treue und zuverlässige Leitsterne voranleuchten werden. Seine bisherige segensreiche Wirksamkeit ist uns Bürgschaft genug, daß et seine Heerde führen wird auf gute Weide, daß er alle ferne Diözesanen, alle Priester und Laien mit gleicher Liebe umfassen, daß er alle Verhältnisse mit unbefangener Seele und vorurtheilsfrerem Blicke messen, daß er in Allem, was Kirch- und Staat, Papst und Kaiser nach Gottes heiliger Ordnung von uns erwarten dürfen, uns mit seinem Beispiel belehren, uns ein erhabenes Vorbild sein wird.

Unsere Freude über das Glück, solch einen guten Hirten in unserer Mitte begrüßen zu können, ist um so großer, weil es gerade in jetziger Zeit doppelt schwierig ist, den Hirtenstab mit sicherer Hand zu führen. Noch lasten drückend- Fesseln auf der Freiheit unserer hl. Kirche, noch ist die Gefahr nicht vollständig beseitigt, daß diejenigen, die unsere hl. Kirche und ihre Priester in langjährigem vergeblichem Ringen zu unfreier Dienstbarkeit erniedrigen wollten, nut List zu erstreben suchen, was sie mit offenem Visir nicht erreichen konnten. Aber der siegreiche, unüberwindliche Geist des wahren Chrfttenthums, der uns gebietet unsere Feinde zu lieben und Gutes zu erweisen denen, die uns hasten, er wird unsere hl. Kirche auch ubtt diese Klippen und Gefahren hinwegführen. In diesem Geiste hat Bischof Georg den Hirtenfiab Fuldas geführt tn dwsem Geiste suchte er das ihm vom hl. Vater Übertragene Werk friedlicher Versöhnung zwischen Staat und K.rche zu fordern. Denselb-n Hirtenstab .u führen in demselben Geiste der Milde und Versöhnlichkeit, wird unser neuer Oberhirt- zu uns kommen. Möge deshalb auch seinem künftigen Wirken der Erfolg nicht fehlen und möge ihn, wenn er[aIS der Gesalbte des Herrn unter uns tritt, Gott, der > Herr lange lange Jahre auf dem bischöflichen Stuhle Fulda's erhalten, ihm und uns allen zum Segen.

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