M 247. grtttag, dm 28. Oktober. 1887
Jnliraer K 3citnng.
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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Oktober.
• Johannes Range, der Begründer de« Deutschkatholizismus oder Rongeanismus, ist, wie bereits aus Wien gemeldet, gestern zu Döbling im Alter von 74 Jahren gestorben al« ein gänzlich verschollener Mann, er, der erhedem geglaubt hatte, den Katholizismus über den Haufen zu werfen. Ronge war geboren 1813 zu Bischofswalde in Schlefien, wurde 1840 Kaplan zu Grott- kau, mußte aber 1842 wegen seiner unkirchlichen Haltung und wegen Angriffe auf den h. Stuhl suspendirt werden. Al» der Bischof Arnoldi von Trier die Ausstellung de» heiligen Rocke» vom 18. August bi» 6. Oktober 1844 veranlaßte und über eine Million Katholiken nach Trier wallfahrteten, da war es Ronge, der unter die Kirchenfeinde trat und ihrem Ingrimms über da» herrliche Schauspiel Ausdruck verlieh, indem er einen Brief an Bischof Arnoldi richtete, wegen deffen die Exkommunckation über ihn verhängt wurde. Ronge und Czerskt begannen dann den Abfall von der katholischen Kirche zu organisiren und Anhänger in Gemeinden zu sammeln, sie wurden auch, wie alle Verräther an der katholischen Kirche, vom Liberalismus mit Jubel empfangen und begeistert gefördert, es half aber nichts, da» katholische Volk blieb treu, allmählig kam die Agitation in« Stocken und verlief schließlich im Sande. Ale da« Revolutionsjahr 1848 kam, war Ronge dann Revolutionär und mußte 1849 fliehen. Zuerst ging er nach London, dann nach Amerika. 1861 kehrte er nach seiner Amnestirung nach Deutschland zurück und ließ sich in Frankfurt a. M. nieder, wo er einen „religiösen Reform- verein" gründete. Der Rongeanismus, welcher an vielen Orten al» rechtlich anerkannte Religion»» gemeinfchaft bestand, war aber nicht mehr auf die Beine zu bringen, die meisten Gemeinden hatten
Air lchmMm-emer.
7. Fortsetzung.
»Ich sehe, daß Du mich richtig verstanden hast! Du wirst also wiffen, wie Du Deine Zukunft einrichten muß, um nicht zu Grunde zu gehen! Da» Erbtheil, da» Dir von Seiten Deiner seligen Mutter zustand, ist Dir längst ausgezah't worden. Von mir hast Du nicht» mehr zu erwarten I"
Herbert'» zusammengesunkene Gestalt richtete sich plötzlich hoch auf und au» seinen sonst so matten Augen sprühten Haß und Wuth.
„Eine hochherzige Entschließung in der That, nachdem Du mich nicht einmal zu meiner Entschuldigung zum Wort kommen ließest. Ich bitte Dich, Deine letzte Versicherung zurückzunehmen, wenn e» Dich nicht selbst bitterlich gereuen soll, mich so von Mr gewiesen zu haben!"
„Du willst mir drohen, Bursche? — Und womit? — Solltest Du Dich etwa noch in letzter Stunde auf Deine Ehre besinnen und, statt ein rechtschaffene» Leben zu beginnen, zum letzten Ans- kunstsmittel aller Feiglinge, zur Pistole greifen wollen?"
„Es könnte fein, daß mir noch etwa» Bessere« einfiele, Vater! Ein Verzweifelter schreckt selbst vor dem Aeußersten nicht zurück, und wenn Du
sich 1850 aufgelöst und Ronge suchte deßhalb 1871 mit den Altkatholiken anzubinden. ®e half aber nicht«, ja 1B76 sagte sich sogar seine eigene Gemeinde von ihm Io«. Seitdem lebte er wie verschollen in Oesterreich, und so ist er ge» storben. Mm Altkatholizismus aber wird e» mit der Zett nicht beffer ergehen al» dem Rongeanismus.
* Von klösterlichen Genossenschaften' find ferner in ihre Anstalten zuräckgekehrt: die Ursulinerinnen in Breslau, in der Stärke von 36 Or- densftauen, dis von Marsaille kamen. In ihrem alten Heim, welche« sie vor 11, bezw. 9 Jahren verlassen mußten, wurde ihnen ein glänzender Empfang bereitet. Ferner die Trappisten nach Marienwaldt in der Diözese Köln, woselbst sie von ihrem dortigen Kloster wieder Besitz nahmen. Mn Alexianerbrüdern zu Aachen ist gestattet worden, im Regierungsbezirk Münster eine Jrrenpflsge - Anstalt zu gründen; die Schulschwestern von Rotre Dame dürfen ihrs frühere Niederlassung in Leobschütz wieder beziehen, desgleichen die Benediktinerinnen ihre Niederlassung in Trier und die Schwestern von der göttlichen Vorsehung ihre Niederlassung in Coesfeld.
* Die .Frankfurter Ztg." geht eben mit dem fortschrittlichen Abgeordneten Bamberger scharf, aber verdient in» Gericht, well er zu Anfang der siebziger Jahre trotz aller Warnungen in der bedingungslosen Unterstützung der BiSmarck'schen Politck eine freiheitliche Forderung sah. Herrn Bamberger find nun allerdings jetzt, aber viel zu spät, die Augen aufgegangen. Immer aber wird auf ihm und seinen liberalen Gesinnungsgenossen der Vorwurf hasten bleiben, daß sie kurz nach Gründung de» deutschen Reiche» statt mit dem Eentrum gemeinsam die Grundrechte der Deutschen fortzusetzen, dieselben durch den „Kulturkampf" erst recht haben brechen helfen, baß sie ihrem Haffe gegen Kirche, Katholizismus und Christenthum die Freihett geopfert haben. Wenn Herrn Bamberger nachträglich die Augen aufgegangen sind, so ist da» nur anzuerkennen, die Wirkungen seiner damaligen verblendeten Politik aber vermag er nicht mehr zu beseitigen.
* Heute Mittag hat die feierliche Eröffnung
mich jetzt wie einen ehrlosen Verbrecher au» dem Hause stößt, — warum sollte nicht früher oder später der Name Mine» Sohne» wirklich der eine» ehrlosen Verbrechers werden?"
Es lag so viel beißender Hohn, so viel trotzige Herausfordernng in seinen Worten, daß die bis dahin mühsam zurückgehaltene Erregung des^Oberst mit furchtbarer Gewalt hervorbrach.
„Noch ein Wort, Elender, und, bei Gott, ich könnte mich vergessen," rief er, indem er die Reitpeitsche, welche er noch immer in der Hand hielt, wie zum Schlage erhob, Herbert'- Gesicht wurde aschfahl; aber da» höhnische Lächeln auf demselben Kat noch schärfer hervor und er rührte sich nicht von der Stelle.
„Ich bin kein Knabe, den Du mit Deinem grimmigen Augenrollen in Furcht jagen kannst," sagte er. „Hast Du Dich so leichten Herzen« Deinen Baterpflichtm gegen mich begeben, so wird e» ja wohl auch mit Minen Vaterrechten zu Ende sein, und ich benfe —"
Er hatte den Satz nicht vollenden können, denn der Oberst, außer sich vor Zorn, hatte die Gerte wirklich niedersausen lassen, und ihre Schnur hatte Herbert'» Wange getroffen, eine brennend rothe Spur auf derselben zurücklassend. Mr Geschlagene stieß einen heiseren Schrei der Wuth au», wie 1
des vom Reiche neuerrichteten Seminar» für orientalische Sprachen durch Kulturminister von Goßler stattgefunden. Minister von Goßler gab in seiner Ansprache zunächst ein Blld der Entwickelung und de» Staiüre» der Wissenschaft des Orient und der orientalischen Sprachen in Mutschland und legte dann die Ziele d« neuen Instituts dar. Nicht die reine, sondern die angewendete Wissenschaft soll in demselben gepflegt werden. Mr Unterricht in all den Idiomen, die gelchrt werden, ist für diejenigen bestimmt, welche den Wunsch haben, nicht sie zu kennen, sondern sie zu können, wenigsten» soweit zu können, um selbstständig den ersten Anforderungen der Praxi« genügen und erfolgreich weiter arbeiten zu können. Von dem strengen Befolgen diese« rein praktischen Lehrberufe» hängt — der Redner legte darauf ein besondere» Gewicht — die Zukunft der neuen Anstatt ab. Mr Feier wohnte al» Vertreter de« Auswärtigen Amte» Staatssekretär Graf von Bismarck bei.
* Au» Berlin wird der .Köln. Ztg.' telegraphisch gemeldet: „Die Nachricht der .Germania', Fürstbischof Dr. Kopp habe zu feinem GenercllvLlr den Weih bischof Gleich ernannt, ist nach von mir an zuverlässiger Stelle eingezogener Erkundigung in dieser Form unrichtig. Die hier vorliegende amtliche Anzeige sagt viä- mehr, daß Herr Gleich vorläufig nur mit der kommissarischen Wahrnehmung der Generalvikariats - Geschäfte vom Fürstbischof beauftragt worden ist.
* Breslau, 27. Ott. Die Frau Großherzogin von Sachsen-Weimar trifft, von Hein- richau kommend, mittels Sonderzuge» heute Nachmittag 3 Uhr 10 Min. auf dem Zentralbahnhofe in Breslau ein.
* Die Wiederröffmmg de« theologischen Con- oicts in Paderborn mit 31 Alumnen ist nach 13jähriger Unterbrechung am 18. d. M. erfolgt
Ausland.
* In Oesterreich hat die Entwendung einer Anzahl für die Bauausführung bestimmter Pläne von drei Fort« des großen verschanzten Lager« zu PrzemySl in Galizien Erregung hervorgerufen. Der Diebstahl wurde von einem Militärbäcker Marck ausgeführt. Derselbe hat sich über die
ein gereizte« Ranbthier, und machte eine Bewegung, als wolle er sich auf den Oberst stürzen und denselben mit feinen krampfhaft geballten Fäusten zu Boden schlagen. Seine äugen waren von Blut unterlaufen und traten fast au» chren Höhlen, seine Brust arbettete und keuchte, al» wenn sie vor Grimm und Auftegung zerspringen wollte, und mühsam, wie an» zusammengepreßter Kehle kamen die Worte über seine Lippen:
„Danke Gott, daß ich Besinnung genug habe, daran zu denken, daß Du trotz alledem mein Vater bist! Aber dieser Stunde und diese» Schlage» sollst Du gedenken!"
Er wartete keine Antwort mehr ab, sondern riß die Thür auf und stürmte hinan». Auf dem Treppenflur wäre er fast mit eiAem Menschen zusammengeprallt, der sich eben sehr angelegentlich damit beschäftigt, durch da» Schlüsselloch zu sehen, und der sich kaum schnell genug aufrichten konnte, um noch rechtzeitig bei Sette zu springen. Aber der junge Baron, der da» Schandmal auf seiner Wange mit dem Taschentuch bedeckte, hatte seine verdächttge Bewegung doch wahrgenommen und packte den Mann, der sich hastig die Treppe hinabstehlen wollte, mit eiserner Faust am Kragen.
„Du hast gehorcht, Nichtswürdiger!" herrschte er ihn an. „Weißt Du auch, daß ich Dich dafür
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