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jt2 244. Dienstag, den 25. Oktober.

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1887

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Erster Hirtenbrief des Fürstbischofs Georg von Breslan.

(Fortsetzung.)

Endlich hat der hell. Paulus ausdrücklich das Amt des Bischofs, das ihm vom hl. Geiste selbst übertragen worden ist, dahin bezeichnet, „die Kirche Gottes zu regieren". Es ist also auch die Fort­setzung jenes königlichen »Amtes, das schon die Propheten im Messias gefeiert haben.

Freilich ist es kein Königthum im irdischen Sinne; es ist keine Regierung im Sinne der Welt. Ebenso wenig wie da» bischöfliche Amt ein Aus­fluß der weltlichen Gewalt ist, ist e» auch zu welt­lichen Zwecken verliehen: „denn ein jeder Hoher- priester ist gesetzt, um die Angelegenheiten der Menschen zu Gott zu ordnen und Gaben und Opfer darzubringen für die Sünder". Die Seelen sind es also und ihre Bedürfnisse, welche die Aufgabe dieser Regierung bilden und deren Grenzen bestim­men. Aber diese Aufgabe, die Seelen zu ihrer ewigen Bestimmung zu führen, bedarf für ihren Bereich aller der Gewalten, wie sie auch die Ord­nungen der Erde bedürfen. „Gehet hin, lehret alle Völker, taufet sie, lehret sie Alle» halten, was ich euch gelehrt habe" — das ist das große Gesetz, nach dem alle Gewalt und alle Rechte des Bischofs sich regeln: Verkündigung und Reinerhaltung der göttlichen Wahrheit, Verkündigung und Schutz der kirchlichen Vorschriften und Gebote, Verwaltung und Spendung der geistigen Güter der Kirche; das Recht, die Ausspender der hl. Geheimnisse zu wäh­len, zu weihen und zu senden, denjenigen die gei- stigen Güter zu entziehen und zu versagen, die derselben unwürdig sind, und die hartnäckigen Sünder selbst vom Leibe der Kirche zu trennen — mit einem Worte, das unveräußerliche Recht, Alles, was für das Heil der Seelen, für die Einheit und die Ordnung des übernatürlichen Reiches der See­len erforderlich ist, anzuoidnen und durchzuführen,

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4. Fortsetzung.

„Run, dergleichen hat eben so seine Ursache! Als der junge Herr noch ein Knabe war — oder drinnen in der Stadt mögen sie es wohl schon etwas mehr heißen —, da kam er in den Ferien häufig hierher nach Gravenstein zu seinem Oheim und da es sonst nicht viel Zerstreuung für ihn gab, streifte er den ganzen ausgeschlagenen Tag mit der Büchse auf der Schulter in Wald und Feld, und was ihm just vor den Lauf kam, das wurde niedergemacht oder vielmehr in den meisten Fällen, da er ein verdammt schlechter Schütze war, angeschoflen, und der junge Herr machte sich nicht viel Sorge darum, in welchem Busch und nach wie vielen qualvollen Stunden so eine arme Kre­atur verendete. Sie sind ein Jäger, Herr Oberst, und Sie wissen, daß ein Waidmann dergleichen nicht ansehen kann, ohne daß ihm da» Blut in Wallung kommt. Ich machte dem jungen Herrn mit allem Respekt meine Vorstellungen, Und al» er mir darüber in» Gesicht lachte und mir ein Schnippchen schlug, ging ich mit meiner Klage zu dem gnädigen Herrn, Ihrem jetzt in Frieden ruhenden Bruder! Der mag ihm wohl ein wenig in» Ge­wissen geredet haben; aber er war ein kränklicher,

wie e» in ihrer Art die irdischen Gewalten in den natürlichen Reichen dieser Welt vollziehen.

Die Fülle de» Priesterthum» also in der Aus­übung de» dreifachen Amte» vereinigt sich in dem Bischöfe; die Grenzen diese» Amte» aber bezeichnet der hl. Paulus ganz genau: „Habet Acht auf die ganze Heerde, über welche euch der hell. Geist zu Bischöfen gesetzt hat." Da ist also kein Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen Hoch und Nie­drig, zwischen Gelehrten und Ungelehrten. Nie­mand ist von der bisä öflichen Sorge ausgeschlossen und Niemand kann sich ausschließen, welchen Al­ters, Standes und Geschlechtes er auch sei, wel­chen Rang er in der menschlichen Gesellschaft auch einnehme. Alle, die ein Glaube, eine Hoffnung, eine Liebe um den Altar de» neuen Bunde» schaart, sollen nach Anordnung de» heil. Geiste» in dem Bischof ihren Lehrer und Vater sehen und ihm Liebe, Treue und Folgsamkeit entgegenbringen, welche Gesinnungen um so inniger und herzlicher werden, je freiwilliger und übernatürlicher die Bande find, welche die Gläubigen mit dem Bischof verbinden. Doch ich darf mich nicht darauf be­schränken, Euch zu sagen, welche Rechte ich über Euch habe; lasset mich Euch auch noch sagen, welche Rechte Ihr über mich habt.

Der Apostel bezeichnet die Beziehungen Jesu Christi zu Seiner Kirche mit den wenigen, aber rührenden Worten: „Jesu» Christus hat Seine Kirche geliebt und Sich für sie dahingegeben." Sehet darin auch den kurzen Abriß der Pflichten des Bischof» gegen die ihm anvsrtraute Kirche: Liebe und Opfer im Dienste der Seelen! Im Herzen de» Bischofs genügt also nicht die allge­meine Liebe, die wir zu allen Gliedern der großen Menschenfamilie hegen sollen; von dem Bischof verlangt Jesu» Christus, daß er seine Heerde liebe, wie Christus sie geliebt hat, bis zur Hingabe von Leib und Leben. Eine solche Liebe soll den Bischof mit seiner Diözese verbinden. Gewiß, geliebte Diö­zesanen, gestern war ich für Euch noch ein Unbe­kannter, ein Fremder; mein Geburtsland ist nicht das Eurige; der seitherige Theil meines Lebens ist fern von Euch verflossen. Euere Städte kenne ich noch nicht, Euere Dörfer habe ich noch nie be­treten. Und doch in der Stunde, wo ich in Euere Mitte trete, höre ich sofort auf, für Euch ein Frem­der zu sein, ich bin vielmehr mit Euch verbunden schwacher Mann und viel zu sanft, um solchem Unfug mit dem gehörigen Nachdruck entgegenzu- treten. Ihm und mir zum Trotz that der junge Herr Baron nun erst recht, was ihm beliebte, und als ich es noch ein paar Tage mit angc- sehen hatte, da riß mir die Geduld. Als er aber­mals — es war mitten in der Schonzeit — eine arme Ricke jämmerlich zerschossen hatte, nahm ich ihm ohne viel Besinnen das Jagdgewehr weg und wußte cs durchzusctzen, daß er während der gan­zen Dauer seines Aufenthalts und bei all seinen späteren Besuchen kein» mehr in die Hand bekam. Von daher schreibt sich sein Haß gegen mich, von dem ich so manchen recht deutlichen Beweis seit­dem empfangen habe. Sie werden es nun wohl begreifen, Herr Oberst, daß ich nicht ganz ohne Mißtrauen gegen seine plötzliche Freundschaft war!"

„Nun, er könnte ja eingeseh.m haben, daß er damals gegen Sie im Unrecht geu.esen, daß Sie nicht» weiter gethan, al» Ihre Pflicht! Doch das ist eine Sache für sich. Wa» also war es mit ihrer Lisbeth?"

„Er hatte schon früher mit ihr anzubinden ver­sucht, aber sie war ihm klug aus dem Wege ge­gangen, und ich habe meine Augen auch in ge­ziemender Weise offen gehalten. Jetzt aber, da er al» der Sohn eine» Gutsherrn wiederkam,

durch Dande, die viel fester und heiliger sind, al» alle natürlichen Bande, welche Euch mit einander verknüpfen; von dieser Stunde an geht mir Alle» nahe, wa» Euch betrifft; find Euere Interessen auch die meinigen, fühle ich Euere Freuden und Leiden mit, so daß ich mtt dem hl.Paulu» sagen muß: „Wer unter Euch wird schwach, ohne daß ich schwach werde? Wer wird geärgert, ohne daß e» mich schmerzt?"

„Christus hat seine Kirche geliebt und Sich für sie dahingegeben?" Große» Wort, da» mir den Weg zeigt, auf welchem ich Ihm al» Bischof folgen soll! Ja, geliebte Diözesanen, von dem Tage an, da e» Gott gefallen hat, mein Loo» mit dem Eurigen zu verknüpfen, gehöre ich Euch an. Wa» ich an Wohlthaten und Gnaden von Gott erhalten habe, soll und muß ich im Dienste Eurer Seelen verwenden, die Kräfte de» Körper» wie des Geistes; was ich an Erfahrungen auf dem Lebenswege ge­sammelt habe, e» soll mir dienen, die Mittel zu finden, Euer geistiges Wohl zu fördern. Meine Tage sind nur segensvoll und meine Jahre zählen nur, insofem sie Euere Gottesfurcht und Frömmig­keit zum Gegenstand steter Sorge haben.

So faßte die Verpflichtungen seines heiligen Amtes der große Apostel auf, der nicht Rast und Ruhe kannte in feinen apostolischen Arbeiten: „Allen bin ich Schuldner geworden." So soll auch ich mein Amt auffaffen. Euch Allen bin ich jetzt Schuldner geworden: Den Kindern, die ich wie den Augapfel hüten, und für die ich meine Mtbrüder begeistern soll, allen Einfluß, der^ihnen möglich ist, den Kinderseelen zuzuwenden; 'den Jünglingen und Jungfrauen, welche die Hoff­nungen der Zukunft, der Blüthengarten de» Leben» und leider von so vielen Stürmen umtobt sind, die Blüthe und Frucht für alle Zeit zerstören können — wird der Bischof nicht Alle» versuchen, sie durch die verhängnißvollen Jahre de« Leben- glücklich zu führen, und wird er nicht Alle» freudig unterstützen müssen, wa» sie auf dem rechten Wege erhält? Schuldner den Eheleuten, damit sie jene geheimnißvolle Schöpfung de» Gottmenschen, die christliche Ehe, verwirklichen und die unermeßlichen Schätze zeitlichen und ewigen Glücke» sammeln, wie sie im Schoße einer christlichen Ehe niederge- legt sind! Schuldner den Glücklichen und Reichen dieser Erde, daß ich sie an dem furchtbaren Tage lagen die Dinge ganz ander», al» zu de» hoch­seligen Oheims Lebzeiten. Es war ja eine Ehre für mich, daß er mein armseliges Haus besuchte, und ich konnte ihm nicht die Thür weisen, so viel Lust ich auch mitunter dazu verspüren mochte. Worauf es eigentlich abgefehen war, wußte ich ja längst; aber ich durfte kein Wort davon laut werden lassen, denn in meiner Gegenwart hielt er sich tadellos gegen dar Mädchen, und ich sagte mir, daß es durch seine Andeutung von meiner Seite nur schlimmer gemacht werden würde. Da kam mir das Mädel eine« Tages ganz kreidebleich und völlig außer Athem wie ein gehetztes Reh nach Hause und erzählte mir, daß er ihr im Walde aufgelauert und sich um sie beworben habe, aber in einer so dreisten und aufdringlichen Weise, daß sie geflohen sei, so schnell sie nur ihre Füße tragen wollten. — Wohl, dachte ich, steht die Sache so, so muß es mit seinen Besuchen ein Ende haben; aber er wird vernünftig genug sein, das selbst einzusehen, nachdem ihm das Mäd­chen eine so deutliche Antwort gegeben. Erst schien es auch wirklich, als ob ich damit Recht haben sollte, denn er ließ sich um die gewöhnliche Stunde nicht mehr sehen, und ich redete meiner Lisbeth, die ganz verschüchtert war, selbst zu, sie möge dre Sache nicht so ernst nehmen, da es nun wohl ein