M 243.
Montag, den 24. Oktober.
1887
filhtr W Beil nun.
Die letzte» Graoentzeiner
schlecht, so kostet e» Sie nicht mehr als ein Wort,
zu klagen —
wie?"
„Nicht über meinen Gehalt und nicht über meine
Nahezu sechs Jahre sind verflossen, seitdem mich der Statthalter Christi als Oberhirten in eine lange verwaist gewesene Diözese sandte und mir den Hirtevstab in die Hand gab, um denselben an einem Orte zu führen, der für die Katholiken Deutschlands seit Jahrhunderten eine der ehrwürdigsten und gefeiertsten Stätten ist, da er das Grab ihres größten Apostels enthält. Der Kirche von Fulda wurde ich damals angetraut, mit ihr durch geheiligte Bande in einer übernatürlichen Gnadenordnung verbunden, die keine Macht der Wtlt zu lösen im Stande wäre. Golt Selbst hat ,
durch Seinen Stellvertreter auf Erden dieses Band I in den unermeßlichen Raum, kreisen "um "einen geknüpft, und dieser allein konnte es wieder lösen. Mittelpunkt in schön geordneten Gruppen: er ist Und seine Hand "hat es gelöst; er hat cs nach ' " --- “
dem uner forschlichcn Rathschlusse Gottes für gut befunden, baß ich den Hirtenstab und den Braut-
und redlrchsten Beamten geschätzt habe? Ist Ihnen „Versprechen Sie mir nichts, Herr Oberst! Es Jhr^Gehalt^ zu^ gering oder Ihre Wohnung zu könnte Sie gereuen. Auch werden Sie mich wohl schlecht, s: kostet et Sie nicht ,..ch^ »ie auslachen mit meinem dummen Ehrgefühl; aber
und e» soll gebessert werden! Worüber haben Sie | mag es darum sein! Sie haben es nicht um mich
*' ' verdient, daß ich Ihnen etwas verschweige. Wenn
ich gehe, Herr Baron, — mit blutendem Herzen
Teufel, Hagemeister, daß Sie mir mit solchen Sachen kommen Sie wollen Ihre Entlassung haben, — Sie, der Sie auf diesem Gute aufgewachsen sind, — Sie, der mir von meinem seligen Bruder als sein bester Freund ans Herz gelegt wurde und den ich selbst immer als meinen treuesten und redlichsten Beamten geschätzt habe? Ist Ihnen
zu dem Reiter hinauf, sondern sah starr geradeaus in den Wald hinein, al» er langsam und mit harter Betonung sagte:
„Ich wollte e« mir auf eine bessere Gelegenheit aufsparen, Herr Oberst; aber da es mir nun doch einmal so über die Zunge gelaufen ist, mag es auch gleich jetzt gesagt sein. Ich wollte nämlich gehorsamst um meinen Abschied gebeten haben, und zwar, wenn es sein kann, so bald als möglich."
Der Gutsherr stützte die Hand auf den Schenkel und sah den Förster einige Sekunden lang sprach, los an; dann aber polterte er in seiner Ueber- raschung beinahe heftig heraus:
„Ja, was ist denn das? — Rettet Sie der
r * ••• Ij vv die vollkommenste Ordnung. Nun sehet die Kirche: ein Hirt und eine Heerde. Die Millionen Seelen bewegen sich in ihren ewigen Angelegenheiten um einen obersten Hirten und Leiter; aber diese Mil» lionen umkreisen diesen von Gott gesetzten Mittel- punkt in nicht weniger schön geordneten Gruppen. Das ist die Einrichtung des göttlichen Stifters der Kirche. Er schafft neben dem gemeinsamen Mittelpunkte, nchen dem Papstthume, eine zweite Würde, die bischöfliche, und macht sie wie jenes ewig, unzerstörbar, zu einer göttlichen Einrichtung wie das Papstthum, nur in Abhängigkeit von ihm. Er wählt die Träger dieser Würde: die Apostel. Es fetzt sie fast mit denselben Aussprüchen ein, mit denen er das Haupt der Kirche eingesetzt hat: „Empfanget den hl. Geist. Denen ihr die Sünden vergebet, denen sollen sie vergeben sein; und denen ihr sie vorbehaltet, denen sollen sie vorbe-
Wohnung, Herr Oberst! Das wäre schon alles recht, aber —"
„Nun aber? — Heraus mit der Sprache! — Sie sind doch sonst, so weit ich Sie kenne, nicht der Mann, der mit der Wahrheit lange hinter dem Berge hält! Was für ein „aber" giebt es also?"
„Es thäte nicht gut, wenn ich länger hier bliebe Herr Oberst! — Es wird mir nicht leicht, zu gehen, nein, wahrhaftig nicht, dar mögen Sie mir immer glauben! Aber ich bin es meiner Reputation schuldig, meiner Achtung für Sie und der Seelenruhe meines einzigen Kindes!"
„Der Kukuk mag Ihre räthselhaften Andeutungen verstehen, Hagemeister — ich kann es nicht! Redet frisch von der Leber weg, wie sich das unter zwei alten Soldaten geziemt, und mein Wort darauf, wenn Jemand Ihrer Reputation zu nahe getreten ist, so soll er es mit mir zu thun haben!"
Georg, durch Gottes Erbarmung und de» heil. Apostolischen Stuhles Gnade Fürstbischof von Breslau, Hausprälat Seiner Heiligkeit, der heil. Theologie Doctor, entbietet allen Gläubigen seines visthums Gruß und Segen vom Herrn!
I Darum — dessen bin ich überzeugt — nehmet Ihr mich auf in Eure Mitte mit denselben Gefühlen der Ehrfurcht und Ergebenheit, mit denen Ihr die Stimme und da» Wort de» heil. Vater» vernehmet. Dieser aber sendet mich zu Euch mit derselber Mahnung, welche der Weltapostel den Bischöfen Asiens zurief: „„Habet Acht auf Euch
I und auf die ganze Heerde, über welche Euch der ; heil. Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die Er mit Seinem Blute
1 erkauft hat."" In diesen Worten, geliebte Diözesanen, ist die ganze Größe und Bedeutung meines heil. Amtes wie meiner Pflichten ausgesprochen. Darum laßt mich beim Beginne desselben unter Euch die Würde dieses Amtes kurz beschreiben, und ehe ich Euch Eure Pflichten in die Seele rufe, Euch zunächst sagen, welche die meinigen sind.
Kein Werk der Menschen vermag an Schönheit, Harmonie, Dauer und Stetigkeit den Werken Gotte» an die Seite zu treten. Darum zeigt auch da» k öchste Kunstwerk Gotte» auf Erden, seine hl. Kirche, eine Ordnung und Einrichtung, welche sie schon äußerlich betrachtet über alle menschlichen I Schöpfungen erhebt, von ihrer wunderbaren inneren Herrlichkeit ganz abgesehen. Ein Reich in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt, vereinigt sie in sich alle Vorzüge der irdischen Staatenbildungen. Der göttliche Stifter formte die Kirche nach dem Bilde des Sternenhimmels; tausend Welten, ausgestreut
ring der Kirche von Fulda am Grabe d s heil. Bonifatius niederlege, um einer andern Kirche, der Eurigen, angetraut zu werden.
Wenn nach den Worten de» heil. Geistes „„Gehorsam besser ist als Opfer"", so vereinigt sich in meiner Berufung auf diesen Bischöflichen Stuhl Beides, das Opfer mit dem Gehorsam. Welche Opfer in diesem Gehorsam für mich eingeschlossen liegen, — ich will nicht davon reden: Möge der Herr gnädig auf den herabsehen, der ihm diese Opfer mit demüthiger Hingabe bringt, und ihm dort zur Seite stehen, wohin Er ihn ruft!
Für die Gewährung dieser Bitte ist mir ein Unterpfand der Segen Seines Stellvertreters auf Erden, der mich in Seinem Namen zu Euch sendet.
3. Fortsetzung.
„Das hätte jeder Andere auch gethan, der an seiner Stelle gewesen wäre, und Sie haben es hunterfach vergolten, Herr Oberst. Fragen Sie nur den Burschen, wo er mit all dem Gelbe geblieben ist! Und geben Sie nur einmal Acht, wie er Ihre Güte und Nachsicht mißbraucht I Nach meinem dummen Versiand sollte auch die größte Dankbarkeit einmal ein Ende haben!"
„Lassen mir das gut sein, Hagemeister," fiel ihm der Oberst nicht ohne einigen Unwillen in» Wort. „Ich weiß wohl selbst, war ich zu thun habe. Wenn Sie den Martin erst einmal wirklich bei einer Schlechtigkeit ertappt haben, können wir ja weiter darüber reden!"
„Ich denke, e» wird nicht mehr gar zu lange währen bis dahin. Ich habe es mir fest vorgenommen, dem Burschen noch auf die Schliche zu kommen, ehe ich fortgehe!"
„Ehe Sie fortgehen? Was soll das heißen, Hagemeister?"
Der Oberst hatte fein Pferd angehalten, und auch der Förster blieb stehen; aber er blickie nicht
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halten sein." „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein; Alles, was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöset sein." Nur ein Unterschied besteht: Was der Herr den Aposteln sagt, sagt Ec ihnen vereint mit Petrus; wa» er aber dem Petrus sagt, sagt Er ihm getrennt van den Aposteln. Umsonst würde darum der Versuch sein, die Bischöfe vom Papste zu trennen; sie sind geeinigt kraft göttlicher Anordnung. — Jndeß auch dabei ist der Erlöser nicht stehen geblieben. Ihr wißt, einst richtete er seine Augen auf das heilsbegtelige Volk und rief dann bekümmert aus: „Die Ernte ist groß, aber der Schnitter sind wenige." Und darauf wählte er 72 Jünger au», um sie in die Welt zu senden als Gehilfen der Apostel, als Vorbild de» Prie- sterthums. Auch das Priesterthum ist also eine göttliche Einrichtung wie Papstthum und Episkopat, aber in Abhängigkeit vom Bischof und in seinen Vollmachten beschränkt. Die Fülle desPrie- sterthums besitzt der Bischof, übt der Bischof. Ja, geliebte Diözesanen, wenn die Auflegung der bischöflichen Hände auf den zu weihenden Bischof das ganze Gefäß der priesterlichen Gnaden aus-
[ gegossen hat, dann vereinigt dieser neue Aaron in sich die Gesammtheit der priesterlichen Gewalten in ihrer Vollendung al» Priester, Lehrer und König im übernatürlichen Reiche der Kirche. Das Symbol dieser Gewalten ist der Hirtenstab, und da» Symbol der Liebe, durch die der Bischof seiner Kirch« angetraut ist, wie der Bräutigam der Braut, ist der Ring. O, erhabene», dreifaches Amt des Bischofs! Wer könnte e» würdig feiern? Wer feine Höhe und Tiefe ermessen?
Gewiß, auch der Priester vollbringt das heilige Opfer des Altares in geheimnißvoller Erneuerung des Opfers, welches die Welt erlöst hat. Aber wer hat ihm diese Macht gegeben? Der Bischof schafft die Priester und der Bischof allein schafft sie und erhält so die Fruchtbarkeit der Kirche. Und wenn alle Priester der ganzen Welt ihre Hände auf da» Haupt des jungen Leviten legten, sie würden ihn nicht zum Priester machen. Die Hand der Apostel-Bischöfe hat die Urkirche mit dem Priesterthum befruchtet und seitdem strömen aus derselben Quelle die priesterlichen Gewalten. Und hierdurch ist so recht der Bischof der geistige Vater des Theiles der Kirche welcher ihm anvertraut ist. Um ihn, von ihm und in ihm lebt
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