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M 242.

Sonnabend, den 22. Oktober.

1887

filitrr M Jtilni.

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Zweites Blatt.

* Einzug und Inthronisation des Fürstbischofs Georg von Breslau.

1. AufderReisevonBerlin nachBreslau.

Die ,Schles. Vztg.' berichtet unter'm 19. ds. - Fürstbischof Georg traf gestern, Mittwoch, Mor' gens um 10 Uhr 17 Minuten in Frankfurt an der Oder ein. Hier waren die Vertreter der Civil- und Militär-Gemeinde und viele Gemeinde­mitglieder auf dem Perron anwesend. Herr Erz­priester Winkler begrüßte den hochwürdigsten Herrn, welcher am geöffneten Fenster des Salon­wagens stand, mit folgenden Worten:

„Ew. Fürstbischöfliche Gnaden sind hier an der Mark­scheide des Delegaturbezirkes und der engeren Diözese glücklich angelangt. Die hiesige katholische Civil- und Mili­tärgemeinde ist in ihren Vertretungen erschienen, um Ew. Fürstliche Gnaden ehrerbietigst zu begrüßen und herzlichst zu bewillkommen und Höchstihnen die innigsten Glückwünsche darzubringen. Möge Höchstihre heutige via triumphalis nie zu einer via dolorosa werden I Mögen Hochdieselben unter der Fürbitte der heiligen Landespatronin Schlesiens und des Apostel Deutschlands, des hl. Bonifatius, von dessen Grab Hochdieselben kommen, in die glorreichen Fuß- stapfen der hochseligen Fürstbischöfe Melchior, H inrich und Robert treten! Mögen Hochdieselben unter dem Panier der hl. Rosenkranz-Königin und des hl. Erzengels Michael, angethan mit der Rüstung des heil. Georg, Höchstihres Schutzpatrons, zur Ehre Gottes und zum Heile der Diö­zese Breslau recht lange, fcnge regieren! Wir aber wollen beten, wollen Höchihre gehorsamen geistlichen Söhne und Töchter sein und bitten um Höchstihr hohenpriesterliches Gebet und um den oberhirtlichen Segen."

Darauf überreichte ein kleines Mädchen einen schönen Blumenstrauß. Der hochwürdigste Herr Fürstbischof Georg hielt eine kurze Ansprache, in welcher er besonders das Gebet und den Gehorsam des Katholiken betonte. Hierauf ertheilte er den bischöflichen Segen und ließ sich einzelne Glieder der Gemeinde vorstellen. Unter einem dreimaligen brausenden Hoch der zahlreichen Menge fuhr der Zug weiter.

In Guben, woselbst der Zug pünktlich um 11 Uhr 10 Minuten anlangte, wurde der hoch- würdigste Herr von der Geistlichkeit des Archipres- byteriates Neuzelle, vertreten durch vier geistliche Herren, einen Theil der Gubener Pfarrgemeinde und Vertreter aus Neuzelle und Seitwann an der geöffneten Thür des Salonwagens empfangen. NachdemHochderfelbe vom Herrn Erzpriester Fren­ze! aus Seitwann Namens des ArchipresbyteriatS begrüßt und mit herzlichen Worten bewillkomnet worden, hielten die Pfarrer Jen de aus Neuzelle und Stephan aus Guben noch Ansprachen, welche gipfelten in dem Gelöbniß der Verehrung und des Gehorsams und dem Wunsche einer recht langen und gesegneten Wirksamkeit in der Breslauer Diö­zese. In herzgewinnender Weise nahm der hoch- würdigste Herr Fürstbischof diese Huldigungen ent­gegen, dankte, hatte für jeden Geistlichen ein freund­liches Wort, ließ sich die Lehrer und Vertreter der Gemeinde vorstellen und ertheilte voll Rührung zum Schluß Allen den bischöflichen Segen. Unter den Segens wünschen der zu seinem Empfange Ver­sammelten schied der hochwürdigste Herr nach einem Aufenthalte von nur wenigen Minuten.

Auch in Sommerfeld wurde der Herr Fürst­bischof von den dortigen und Gaffener Gemeinde- Mitgliedern begrüßt. Nach einer kurzen Ansprache an den hohen Herrn wurde ihm von drei Jung­frauen ein prächtiges Blumenbouquet überreicht, worüber der Kirchenfürst sich sichtlich erfreut zeigte. Derselbe erkundigte sich huldvollst nach den dor­tigen Kirchen- und Schulverhältniffen und dankte zum Schluß herzlich für die ihm gewordene Be­grüßung.

In Sorau traf der hochwürdigste Herr Fürst­bischof um 12 Uhr 15 Minuten ein. Da bei dem nur zwei Minuten dauernden Aufenthalt Hoch- derselbe das Coups nicht verlassen konnte, so ge­ruhten Se. sürstdischöflichen Gnaden an der ge­öffneten Waggonthür stehend die kurze aber herzliche Begrüßung seitens des dortigen Seelsorgers, Herrn Curatus Ger lach, desgleichen auch ein reizendes Bouquet, das ein kleines Mädchen im Namen der dortigen katholischen Schule überreichte gnädigst entgegenzunehmen. Nachdem der hochwürdigste Herr Fürstbischof allen Erschienenen, den Kirchenvorstehern, Lehrern sammt Schülern, sowie den übrigen Ge­meindemitgliedern huldvollst gedankt und noch über die dortigen Kirchen- und Schulverhältniffe einige Fragen gestellt hatte, entführte ihn der Zug, auch dort von den herzlichsten Segenswünschen begleitet.

Gleich nach 1 Uhr lief der Zug in Kohlfurt zu halbstündigem Aufenthalt ein. Hier erwarteten unseren neuen Oberhirten die Geistlichkeit des ArchipresbyteriatS Lauban und zahlreiche Geistlich­keit anderer niederschleflscher ArchipresbyteriatS (darunter Fürstbischöflicher Kommissarius Probst Anter-Lauban, Erzpriester und Geistlicher Rath Schubert aus Langwasser und Pfarrer Urbanek aus Görlitz), eine größere Deputation der katholischen Bürgerschaft von Görlitz — an ihrer Spitze Landgerichtspräsident Lampugnani — und der katholische Gesellenverein von Görlitz in corpore, sowie eine Deputation der katholischen Bürgerschaft Breslau's zur ersten Begrüßung auf schlesischem Bosen. Die letztere bestand aus den Herren: Viktor Graf Matuschka, Fabrikbesitzer Theodor Wiskoit, Rechtsanwalt Werner, Apotheker Werner, v. Fürstenmühl, Kaufmann Teichgreeber und Partikulier Hartrampf. Die Breslauer Depu­tation empfing ihn am Salonwagen und geleitete ihn nach dem reservirten Wartesalon I. Classe. Daselbst begrüßte ihn zuerst Herr Propst Anter mit folgenden Worten:

„Euer fürstlichen Gnaden wollen huldreichst gestatten Hochdieselben an der Grenze der Provinz Schlesien, deren katholische Bewohner Ihrer weisen Hirtensorge unterstellt sind, ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Wir sind aus den nächsten Archipresbyteriaten hier erschienen, um Euer fürst­lichen Gnaden unsere aufrichtige Freude auszudrücken über das ersehnte Kommen in unsere verwaiste Diözese, unserem hochwürdigsten Ordinarisi unsere tiefste Ehrfurcht zu bekunden, um ihn des willigsten und treuesten Ge­horsams von ganzem Herzen zu versichern mit dem innigsten Wunsche, daß es Gott gefallen möge, Euer fürst, lichen Gnaden recht lange in dem apostolischen Amte unserer Diözese im besten Wohlsein zu erhalten. Das walte Gott!"

Hierauf entgegnete Se. fürstliche Gnaden ungefähr Folgender:

„Die herzliche Begrüßung einer solch' zahlreichen Ver­sammlung meiner neuen Diözesanen ist mir eine große Freude und ein großer Trost. Wenn man aus weiter Ferne kommt, hat man leicht ein beklemmendes Gefühl. Ihr herzlicher Empfang zeigt mir, daß ich ein solches nicht zu haben brauche. Ich komme zu Freunden, und dieses Bewußtsein soll ein Grund mehr für mich sein, in dem neuen Amte ganz besonders meinen Pflichten zu entsprechen."

Hierauf ersuchte der hochwürdigste Herr Fürst­bischof, ihm die erschienenen Herren Pfarrer vor­zustellen, was durch Herrn Propst Anter geschah. Alsdann begrüßte ihn Namens der Breslauer Deputation Herr Graf Matuschka mit folgender Ansprache:

„Hochwürdigster Herr Fürstbischof! Die katholischen Bürger Ihrer Bischofsstadt Breslau haben uns hierher entsendet, um Ew. fürstl. Gnaden ihren Willkommengruß an die Grenze Schlesiens, die Sie soeben überschritten, entgegen zu bringen. Und so begrüßen wir Sie denn in größter Ehrerbietung, im Namen unserer katholischen Mitbürger, wie im eigenen Namen, als den uns von unserem hl. Vater gesetzten, von Gott gegebenen Ober­hirten ; als den Friedensfürsten, der da kommt int Namen des Herrn; als unseren Bischof, dem von unserer heiligen katholischen Kirche der Hirtenstab dieser größten Diözese I

Deutschlands anvertraut ist, um ihn zu führen mit milder aber auch mit starker Hand, unter dem Schutze der heil. Hedwig, der Landespatronin von Schlesien, in deren Festoktave Sie zu uns gekommen sind. Der hl. Vater hat aus hochbedeutsamer Veranlassung das Mahnwort an uns gerichtet: „Habete flduciam!“ Nun wohl! Habe­mus fiduciam! Wir wissen, daß der Nachfolger des hl. Petrus — in Seinen Entschließungen erleuchtet vom hl. Geiste —, Seine Entscheidungen in hoher Weisheit ge­troffen hat; wir wiffen, daß Er als liebreicher Vater aller Gläubigen nur väterlich für unsere vielgeprüfte, schon nach so kurzer Zeit wieder verwaiset gewesene Diö­zese besorgt ist; wir wissen, daß Er das Vertrauen, welches Er beansprucht, auch für den Hohenpriester for­dert, den Er zum Nachfolger unseres vielgeliebten Fürst­bischofs Robert auserkoren hat. Und wie unser hochw. Klerus — dieser Klerus, dem wahrlich nicht in letzter Stelle das hohe Lob gebührt, welches der hl. Vater den Priestern Deutschlands gespendet hat, die da seien ein leuchtendes Vorbild für die künftige Geistlichkeit, — um- somehr also für uns Laien — wie dieser Klerus hofft und vertraut, daß er in Ew. fürstl. Gnaden eine feste Stütze finden wird in den Bedrängnissen und Gefahren, die ihm vielleicht noch bevorst hen, so blicken auch wir Laien in der ganzen großen Diözese vertrauensvoll zu Ihnen auf; — auch unsere fernen Glaubensgenossen in der Diaspora; — auch unsere viel verkannten und viel verleumdeten polnisch-sprechenden Brüder in Oberschlesien, welche keinem Deutschen nachstehen in ihrer Treue zu Kaiser und Reich, auch sie erkennen in Ihnen ihren Schutz und Schirm. Wir alle aber vertrauen auch, daß es der Macht und Weisheit Ew. fürstlichen Gnaden ge­lingen werde, aus den zahlreichen Ruinen katholischer Anstalten und Stätten der christlichen Charitas, welche Sie in Ihrer Bischofstadt und in der ganzen Diözese leider noch finden werden, neues Leben zu erwecken. Haben 'aber auch Ew. fürstliche Gnaden Vertrauen zu uns! Wir Schlesier sind gewöhnt, fest und treu zu unseren Bischöfen zu halten. Die letzten 15 schweren Jahre haben es bewiesen. In Zeiten der Noth und Drangsal bewährt sich die Treue! Und so werden wir auch fest und treu zu unserem künftigen Oberhirten stehn, in Freude und Leid, in guten wie in schlimmen Tagen. Auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens wird sich dann die Liebe aufbauen — jene Liebe, die Ihnen vom Grabe des hl. Bonifatius hierher gefolgt ist und die in Schlesien nicht minder warm erglühen wird. Der 20. Oktober, der uns vor 6 Jahren ein Tag des tiefsten Schmerzes geworden ist, an dem unser theurer Fürstbischof Heinrich, dieser große Kirchenfürst und Kirchen-Erbauer, dieser schwergeprüfte Dulder, verbannt von seiner Kathedrale, uns entrissen wurde, — der 20. Oktober soll uns in diesem Jahre nach Gottes Fügung ein Tag der hohen, Hellen Freude werden. Heute aber sind daheim Tausende von Händen geschäftigt, Ew. fürstlichen Gnaden einen würdigen Empfang zu bereiten. Tausende harren in freudiger Ungeduld Ihrer Ankunft, Tausende beten für Sie, Tausende senden Ihnen durch uns den Willkomm­gruß zu: „Gott segne Ihren Eingang"!"

Der hochwürdigste Herr Fürstbischof er­widerte hierauf etwa Folgendes:

„Wir wollen uns gemeinsam bemühen, die Trümmer und Ruinen, von denen Sie, Herr Graf, sprachen, weg­zuräumen und ein neues Gebäude der Charitas dafür aufzurichten. Ich freue mich herzlich der gehörten Worte auch in dieser Beziehung und rechne hierbei auf die Unterstützung aller Diözesanen, Geistlichen und Laien. Ein ganz besonderer Trost für mich war die Schilderung des engen Bandes, das in meiner neuen Diözese Klerus und Volk verbindet. Das ist ein fester Grund, auf dem ich bauen kann. Einen weiteren Trost finde ich in der geäußerten gehorsamen Gesinnung gegen unseren heil. Vater. In der Politik giebt es verschiedene Meinungen in der kirchlichen Verwaltung und Leitung nur eine Mei­nung, die des hl. Vaters. Dies ist ein Hauptgrundsatz der gan;en katholischen Lehre, den wir nie verletzen dürfen. Ich habe diese Bemerkung nicht gemacht, weil ich irgend welchen Grund hätte, an den ausgesprochenen Gesinnungen zu zweifeln; im Gegentheil, ich spreche meine Freude aus über die sichtliche Eintracht, die Sie vereinigt. Ich werde als Mittelpunkt der Diözese ja der fein, an den diese Gefühle der Eintracht und des Gehorsams zuerst gerichtet werden; ich fasse sie aber nicht als für meine Person berechnet auf, sondern ich werde sie überleiten und nieberlegen, auf den Gesammtaltar unserer heiligen Kirche."

Darauf erfolgte die Vorstellung der sieben Mit­glieder der Breslauer Deputation. Herr Landge­richts-Präsident Lampugnani aus Görlitz be­grüßte fodann noch in kurzen Worten den hoch­würdigsten Herrn Oberhirten, welcher sich auch einige der Herren aus Görlitz vorstellen ließ.