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Sonnabend, den 22. Oktober.
1887
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Erstes Blatt
dem
ver- be-
I kens! Wir betrachten es als ein günstiges Vorzeichen, daß Dich wie den heiligen Bonifatius, von dessen Grabe Du ,u uns kommst, der Wille und Befehl des Papstes in die-
I f*n Weinberg des Herrn geschickt h at, indem wir die sichere Gewißheit und Hoffnung hegen, daß auch Du in Wahrheit iin Fürst des Friedens und ein Wohlthäter der weiten Diözese und Provinz sein und Deinem Patron, dem heil. Georg, nacheifernd, den Drachen der Bosheit und Schlechtigkeit und das Gewürm der Lüge und Schmeichelei [mit tapferen Schwerte bekämpfen werdest, falls es, was der dreimal heilige Gott verhüten wolle, an Dich heranzutreten wagen sollte. Die Hilfe und der Beistand des gehorsamsten Kapitels werden Dir nie fehlen. Tritt ein, guter Hirt, in Deine offene, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Kathedrale I Auf viele, auf glücklich- Jahre!
Der hochwürdigste Herr Fürstbischof erwiederte die Begrüßung in lateinischer Sprache. Er dankte in warmen Worten für die freundliche Begrüßung. Nur ungern habe er seinen ihm so lieb gewordenen , „„„ vcl
Bischofssitz verlassen, aber in Gehorsam gegen den Breslauer Elementar-, Stifts- und Anstaltsschulen, Ruf des hl. Vaters fei er hierher geeilt, um die des Matthias-Gymnasiums, der katholischen höheren Leitung der verwaisten Diözese zu übernehmen. Bürgerschule und der übrigen höheren Lehranstal- Er komme hierher wie ein Bruder zu Brüdern und **" ~ —
wie ein Hirt zu der ihm anvertrauten Heerde. Er bitte das hochwürdige Kapitel, ihn nicht bloß freundlich aufnehmen zu wollen, sondern ihn auch thatkräftig in der Arbeit im Weinberge des Herrn zu unterstützen. Nur mit Hilfe des Domkapitels und gestützt auf die Treue und den guten Sinn des Klerus werde er seine oberhirlliche Aufgabe zu lösen im Stande sein. Ec stelle sich besonders unter den Schutz des Patrons der Domkirche, welcher mit Entschiedenheit und festem Muth ausgc-
Trotzdem das Wetter bis zum letzten Augenblicke höchst ungünstig war, bildeten dichte Menschenrassen vom Bahnhofe au» auf sämmtlichen Straßen, die der imposante Wagenzug passirte, Spalier. Vom Ritterplatz ab hatten, wie in dem Festprogramm vorgesehen war, die Schüler und Schülerinnen der
lichen Aktes wurde der Herr Fürstbischof prozessig. naliter nach seinem Palais geleitet, woselbst im Vestibül deffelben die Vorstellung des Domkapitel» und der Mitglieder der katholischen Fakultät der hiesigen Universität stattfand, welche unter Führung de» derzeitigen Dekans, Professor Dr. Scholz, erschienen war. Nachdem der hochwürdigste Herr nochmals an alle Anwesende herzliche Dankesworte gerichtet hatte, zog sich Hochderselbe in seine Gemächer zurück.
Um dieselbe Zeit, als sich im Bibliothekzimmer seines Schlosses diese kurze, leidenschaftliche Szene abspielte, unternahm der Besitzer des ausqedehnten 1
draußen dem Diener den Auftrag gab, ihn Herrn Oberst zu melden.
Als der schwere Tritt auf dem Korridor hallt war, warf er sich in einen Stuhl und deckte das Gesicht mit den Händen.
ten unter Führung ihrer Lehrer Aufstellung genommen. Es schlossen sich demnächst auf der Neuen Sandstraße an die Seminaristen, die Inquilinen des St. Anna- und St. Lazarus-Hospitals, zahlreiche Mitglieder des Centrums-Vereins, von der Sandkirche bis zur Dombrücke die kirchlichen Bruderschaften mit ihren Fahnen und Emblemen, von der Dombrücke bis zur Ehrenpforte die Ressource zur Geselligkeit, die Lehrer der höheren Lehranstal- ten und die Elementarlehrer, soweit sie nicht bei ihren Schulen Aufstellung genommen hatten, und endlich die Zöglinge des adligen Stifts und der Waisenanstalt zur „Schmerzhaften Mutter". Von der Dompropstei bis zum Portale des Domes hatten mit ihren Fahnen, Vereinsabzeichen rc., der
Rittergut«, alter Gewohnheit folgend, feinen In- fpektionsritt durch die Felder.
Schon vor mehreren Jahren hatte der Oberst von Gravenstein beim Tode feines unverheiratheten älteren Bruders, dessen einziger Erbs er war, seinen Abschied genommen, um sich mit ganzer Kraft der Verwaltung seiner großen Besitzungen widmen zu können, und er wurde unter den großen Grundeigenthümern der Provinz mit Recht als einer der rührigsten und erfolgreichsten angesehen. Wie er vorher mit Leib und Seele Soldat gewesen war, so war er jetzt mit Leib und Seele Landwirth geworden, und alle seine Beamten kannten ihn al» einen aufmerksamen und strengen Herrn, dem man wegen seiner Unnachsichtigkeit wohl wenig Zuneigung entgegengebracht haben würde, wenn er nicht zugleich ebenso gerecht als streng gewesen wäre.
Auch heute hatte der Oberst, — er ließ sich nur mit diesem militärischen Titel anreden — bei seinem Ritt wiederholt Veranlassung zu Unzufriedenheit und Tadel gehabt, und nicht eben in der blsten Stimmung wendet» er sein Pferd zum Heimritt.
Aus dem breiten Wcge, der am Rande des Waldes hinliei, holte er einen rüstig ausschreiten-
* Einzug und Inthronisation des Fürstbischofs Georg von Breslau.
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatte.)
Die Wagenreihe bewegte sich programmmäßig die Neue und Alte Taschenstraße entlang über die Ohlauerstraße, Schuhbrücke, den Ritterplotz bis zu der Sandkirche. Dort verließen sämmtliche Herren die Wagen und der Festzug nahm jetzt seinen Weg durch die via triumphalis über die Dombrücke nach der Ehrenpforte. Dort erwartete der Erzpriester der Stadt Breslau, Herr Pfarrer Böer, an der Spitze von ca. 200 Geistlichen aus Breslau und der Diözese, den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof und begrüßte denselben mit einer kurzen Ansprache.
Die letzten Granenstemer.
2. Fortsetzung,
„Was giebt es dabei für mich zu bedenken?" gab er kurz und hart zurück. „Soll ich verantwortlich sein für das, was Sie gethan? Sie selbst hätten das bedenken sollen, ehe Sie sich entschlossen, einen armen Menschen zu hintergehen! Sie mögen nun auch zusehen, wie Sie mit Ihrer Ehre und mit Ihrem Gewissen fertig werden. Das einzige, was ich noch für Sie thun kann, ist, daß ich auf der Stelle mit dem Herrn Oberst rede. Will er für Ihre Schuld aufkommen, so mag cs meinetwegen gut sein! Ich habe in der That kein Jntercsse daran, Sie vor den Strafrichter zu bringen, wenn ich auf andere Weise zu meinem Gelds gelange! Darum geben Sie mir den Weg frei, Herr Baron, denn da» ist mein letztes Wort in dieser Angelegenheit!"
Baron Herbert von Gravenstein machte in der That keinen Versuch mehr, den unerbittlichen Gläubiger zurückzuhalten.
Mit niedergeschlagenen Augen und in gebrochener Haltung blieb er stehen, während Jener an ihm vorüberschritt, aber wie ein Schauer lies es über seinen Körper, al» er hörte, wie Michelmann
Schon nach wenigen Augenblicken jedoch fuhr er wieder empor und ging hastig auf ein zwischen den Bücherschränken stehendes Gewehrspind zu. Ec öffnete die Thür und griff nach einer der schön gearbeiteten Pistolen, die in demselben hingen.
Eine finstere Entschlossenheit sprach au« seinen Mienen, während er die Waffe prüfend betrachtete und einer der unteren Schubladen de» Schranks die Munition entnahm, sie zu laden.
„Es wäre jammervoll, wenn die ganze Komödie ein so erbärmliches Ende nehmen sollte," murmelte er ingrimmig vor sich hin, „aber man wird doch gut thun, sich für alle Fälle vorzusehen , und ich denke, er wird dabei auch für diesen gemästeten Schurken eine Ladung Übrig bleiben!"
Der hochwürdigste Herr Fürstbischof daickte mit herzlichen Worten für den ihm gewordenen festlichen Empfang. Hierauf setzte sich der Zug unter dem Geläute sämmtlicher Glocken, das bereits von 4 Uhr Nachmittags ab ununterbrochen ertönte, nach der festlich geschmückten Kathedrale in Bewegung. An der Spitze gingen die Kirchenschweizer, erfolgte sodann der gesammte Klerus, die Zöglinge des Alumnats und endlich der hochwürdigste Herr Fürstbischof, geleitet von den Mitgliedern des Malthe- ferordens, dem katholischen Adel und den übrigen Deputationen welche den hochwürdigsten Herrn auf «...
o b a 1 b“®&Wforte empfangen harrt habe. Alsdann wies Se. Fürstliche Gnaden Der Zug wurde geschlossen! durch dre Fah- auf die hervorragenden Patrone der Diözese hin, kirchlichen Bruder- insbesondere auf den heil. Märtyrer Vincenz und
15, s<>r sRnrfinn» Korporationen, die Schutzpatronin Schlesiens, die hl. Hedwig, die I «» »>'» iy«n yuynen, -vereinsaozetcyen rc.. Der
Örae k"91, euns Allen ein Vorbild sei in der unermüdlichen kaufmännische Verein, die katholische Studenten- fämmHi ®2?be.Außer Arbeit für das Wohl der Armen und Bedrängten, schäft, der Gesellen- und Meisterverein und, in
s res.dtrenden Domkapitularen Sich dem Gebet Aller empfehlend, dankte der Herr besonder« stattlicher Zahl, der katholische Arbeiter-
«i6if*en SLn? Fürstbischof am Schlüsse seiner Rede nochmals für verein das Spalier gebildet. Die festen Mauern,
a’S” mTtbeipiLm l(he 6 $er!l A^'hluschof den herzlichen und liebevollen Empfang, der ihm welche besonders die letztgenannten Korporationen cShLSU Domherrn und ferner die so überaus wohl gethan habe. Dann wurde der bildeten, boten einen prächtigen Anblick/
ei‘ hochwürdigste Oberhirt unter Absingung des „Großer Gegen 6 Uhr Abends nahmen die Festlichkeiten MMhPt Professor Dr. Kayser, Gott wir loben Dich" an den Hochaltar geleitet, ihr Ende, aber erst lange Zeit hiernach lösten sich
b o m ü r d l aff e "mi? h«pr?'r "°feW ber $ert Fürstbischof ein kurzes Gebet die dichtgedrängten Massen der Spalier bildenden
lateinischen An- verrichtete und die im Rituale vorgeschriebenen Korporationen und der übrigen Schaulustigen auf.
... M “»■ u-b-r .z-i-r Im Dome,
zum ersten Male in der Vorhalle Deiner Kathedrale be- sang der Domchor miter Leitung des Dom- Diner im Fürstbischöflichen Palais, grüßen, rufen wir im Gefühle der höchsten Freude aus: kapellmeisters Herrn Greulich die Antiphon „Sacer- Diner im St. Vincenzhause und Fackelt
^.h°be»°men Bischof! Wir haben einen Nachfolger dos et Pontifex“ und demnächst die Motette zuq werden wir in der nächsten Nummer Iins-r-a
des « Gott verstorbenen Bischof Robert seligen Angeln- „Lauda anima mea“, Nach Schluß des kirch. Blattes ebenfalls ausführlichberichten **