M 238.
Dienstag, den 18. Oktober.
Fuldaer
Zeiinll,.
1887
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o Dkl Kapitän des Gcikrs.
Aus dem Spanischen mit Erlaubniß des Verlegers übersetzt.
18. Fortsetzung,
„Ich weiß, wer er ist/ sagte er; „er ist die Erscheinung, die mich gefragt hat, welchen Weg sie nach Marley nehmen muffe; die am Abend des Äordes in den „Schwarzen Bären" kam; die Er- icheinung, welche Fräulein Milly am Strande von Morley gesehen hat."
Der Eifer des guten Wirthes fitzte Alle in Er- siaunen.
Masterton stützte aber eine Hand auf das höl- lerne Geländer, das vor ihm stand und rief aus:
„Erscheinung! Daß Gott uns helfe! Dieser Mensch ist kein Geist; ich weiß, wer er ist; ich erinnere mich jetzt und ich muß wahnsinnig gewesen >?m, daß ich nicht eher daran dachte; dieser Mensch sie der größte Feind George Duke's."
Eine merkwürdige Veränderung ließ sich an dem Unbekannten bemerken, als Masterton diese Worte ^rach; er blickte um sich, als ob er aus dem «rale entfliehen wollte; aber es war eine solche Menschenmenge da, daß er nicht entrinnen konnte
er wie mit Ketten eingeschlossen war.
„Wie so, wie so, Thomas Masterton?" sagte
Fürstbischof Georg von Breslau in Duderstadt.
Duderstadt, 13. Oktober.
Unser sonst so ruhiges Duderstadt wurde in den letzten Tagen in freudige Aufregung versetzt. Ein Mann, dessen Name einen vorzüglichen Klang in ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus besitzt, der sich große Verdienste um Kirche und Staat erworben, der Hochwürdigste Fürstbischof Georg von Breslau wollte, ehe er seine neue hohe kirchliche Stellung antrat, zuvor noch einmal seine Vaterstadt sehen, und seine Landsleute auf dem Elchsfelde begrüßen. Diese Anhäng, lichkeit an die Heimat h erfüllte die Einwohner Duderstadt's mit hoher Freude und Begeisterung, und sie beschlossen, ihren hohen Gast würdig zu empfangen und würdig zu ehren. Am Dienstag den 11. Okt., Nachmittags 3 Uhr, traf Se. Fürstl. Gnaden in Begleitung des Herrn Senators Kühle, der dem hohen Gast entgegengefahren war, von Leinefelde kommend, hier ein. Schon in Gerblingerode, dem ersten Dorfe der Hildesheimer Diözese und in der Nähe Duderstadts gelegen, durch welches der Hochwürdigste Herr Fürstbischof kam, konnte er an dem Flaggenschmucke sehen, daß er in seiner Heimnth herzlich willkommen sei. Nicht weniger hatten die Duderstädter ihre Häuser reich mit Fahnen geschmückt, und zwar, was rühmlichst anzuerkennen ist, ohne Unterschied der Konfession.
Nachdem der Hochw. Herr seine hochbetagte Mutter und seine Verwandten begrüßt, begab er sich auf die katholische Pfarrei zum Herrn Kom- miffarius Hugo, um bei demselben sein Absteigequartier zu nehmen. Er wurde von demselben herzlich begrüßt und nachdem auch die Herren Kapläne sich ihm vorgestellt, erschienen um 5 Uhr die städtischen Behörden, an der Spitze der Herr Bürgermeister Freericks, um den hohen Herrn in Duderstadt willkommen zu heißen und um ihm den tiefgefühltesten Dank für die Ehre seines Besuches auszudrücken. Herr Bürgermeister Freericks entledigte sich dieser Aufgabe mit bewegten Worten; auch bat derselbe den Hochw. Herrn, das Ehrenbürgerrecht Duderstadts als theueres Andenken an die liebe Heimath in seinen neuen Wirkungskreis mitnehmen zu wollen. Der Herr Fürstbischof sprach sichtlich gerührt der Stadtbehörde seinen Dank aus und nahm das Ehrenbürgerrecht dankend entgegen.
Das Diplom konnte leider noch nicht überreicht werden, da es noch nicht vollständig fertig gestellt war; es soll dasselbe indeß, wie uns gesagt wird, seiner Anlage und Ausführung nach einen hohen künstlerischen Werth versprechen. Am Mittwoch Morgen beehrte der Hochw. Herr die barmherzigen Schwestern auf St. Martini, woselbst er die hl. Messe celebrirte, mit seinem Besuche; am folgen- den Tage hatten die Ursulinerinnen, die vor kurzem aus Belgien gekommen, in ihrem Kloster die Ehre seines Besuches.
Heute Abend wurde Hochdemselben ein glänzender Fackelzug dargebracht, an welchem sich die fämmtlichen hiesigen Vereine, und eine große Anzahl von Mitgliedern aus der Bürgerschaft bc- theiligten. Um 8 Uhr bewegte sich der Zug vom Rathhause ab nach dem Pfarrhause. Nachdem die beiden Musik-Kapellen je ein Stück vorgetragen, hielt der Herr Bürgermeister Freericks eine Anrede an den Herrn Fürstbischof und gab in gewählten Worten der Freude Ausdruck, den Hochw. Herrn in den Mauern Duderstadts vor seiner Uebersiedelung nach Breslau begrüßen zu können. Mit berechtigtem Stolze nenne ihn Duderstadt den seinigen, der so viel dazu beigetragen habe, die Spannung der Geister, welche unheilbringend für das deutsche Vaterland eine Reihe von Jahren obgewaltet, zu beseitigen. Duderstadt freue sich, daß einer seiner Söhne zu so hohen Würden gelangt sei und alle, ohne Unterschied der Konfession und politischen Parteistellung blickten mit Stolz zu ihm empor, der durch Talente und Tugend, Thatkraft und hohe Stellung, Duderstadt zu so hoher Ehre gereiche. Als Ausdruck der Liebe und Verehrung, die alle für ihn hegten, forderte Redner seine Mitbürger auf, ein kräftiges Hoch auf den Gefeierten auszubringen, in welches alle begeistert einstimmten.
Der Herr Fürstbischof sprach mit gerührtem Herzen feinen lieben Duderstädtern feinen Dank ür die Ovation aus. Bescheiden lehnte er ab, daß er bei Anbahnung des kirchlichen Friedens ein be- anderes Verdienst sich erworben habe, er sei nur Werkzeug gewesen; das Verdienst gebühre andern; es gebühre vor Allem Sr. Majestät, mferm gnädigsten König und Kaiser, seinen Rathgebern und der Friedensliebe Sr. Heiligkeit des Papstes. Dre heutige Festfeier, an der sich seine lieben Landsleute ohne Unterschied ihres Glaubens be-
theiligten, zeige ihm, daß auch hier der konfessionelle Friede herrsche. Rühmlich sei es für eine Stadt, wenn ihre Söhne zu hohen Stellungen gelangten, rühmlich aber auch für die Bürger, wenn sie ihre angesehenen Mitbürger ehrten. Er sei immer ein Duderstädter gewesen, habe immer Liebe zu seiner Vaterstadt gehegt, heute Abend sei diese ihm zu vollem Bewußtsein gekommen.
Hochderselbe gedachte dann der Wohlthaten, welche er in Duderstadt empfangen; er gedachte des heimatlichen Hauses, das er nie vergessen werde, der Bürgerschule, an welcher tüchtige Lehrer gewirkt, von denen heute noch einer, in Ehren ergraut, lebe; er gedachte des Bischöflichen Pro- gymnasiums, wo er auf die höheren Studien vorbereitet wurde, der geistlichen Lehrer, welche an ihm mit Hingebung gewirkt und er versprach, dm Anstalten stets eine liebende Anerkennung bewahren zu willen. Seine Worte, welche der Herr Fürstbischof von dem geöffneten Fenster des Pfarrhauses aus mit kräftiger Stimme zu der lautlos horchenden Bürgerschaft sprach, schloß er mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Stadt Duderstadt. — Wollen wir Alles zusammenfassm, so müssen wir sagen, daß der Herr Fürstbischof sich in den Tagen seines Besuches, die zu den glänzendsten in den Annalen Duderstadts zählen, in den Herzen seiner Landsleute ein freudig dauerndes Andenken geschaffen. Möge es ihm in feiner neuen Heimath recht wohl ergehen, möge es ihm gelingen, auch fernerhin segensreich für Kirche und Vaterland zu wirken und möge Gottes Segen feine Wirksamkeit erhöhen.________(Dud. Volksbote.)
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Oktober.
* Ueber das Befinden Sr. Majestät des Kaisers, dessen Rückkehr nach Berlin am Freitag beoorsteht, liegen aus Baden-Baden die günstigsten Berichte vor. I. M. die Kaiserin wird bis Ende dieses Monats in Baden-Baden verbleiben und dann auf einige Zeit nach Koblenz übersiedeln. — Zum morgigen Geburtstage des Kronprinzen sind die Prinzen Wilhelm und Heinrich von Preußen nach Baveno gereist.
* Als Termin für die Einberufung des Reichstages wird jitzt der 21. November genannt. Ueber die bevorstehenden Reichstagsarbeiten ist
der Richter, während die Zuschauer furchtsam den Seemann anbliflten.
„Ich sage, dieser Mensch ist derjenige, den George Duke mehr haßte als den französischen Kapitän, der ihm fein Schiff verbrannte, ober den Richter, der ihn zu den Galeeren verurtheilte. Der Mensch ist der Zwillingsbruder George Duke's."
„Sein Bruder?"
„Ja, fein Zwillingsbruder, und er war ihm so ähnlich, daß ihre Mutter, wenn sie bei einander waren, sie kaum von einander unterscheiden konnte.
„Der Kapitän erzählte mir die ganze Geschichte während einer Windstille, die uns an die Küste Afrikas band. George Duke wurde Seemann und floh, als er fünfzehn Jahre alt war. Der andere, James, ist ein Dieb und Bösewicht gewesen seit der Zeit, daß er allein gehen konnte; George mußte oft für die Sünden seines Bruders büßen, denn kein Konstabler konnte den einen von dem andern unterscheiden. James war ein Lügner und Müßiggänger, der immer bereit war, zu fliehen, wenn Gefahr im Anzuge war; er verließ feinen Bruder im Gedränge, und ähnliche Fälle zerstreuten keineswegs den Haß, der zwischen beiden herrschte und der sich derart steigerte, daß George Duke, als er Seemann wurde und von seinem Vaterlande Ab
schied nahm, als letzten Abschiedsgruß seinen Zwillingsbruder verwünschte. Merket Euch," fügte Thomas hinzu, „daß ich die Geschichte erzähle, wie Kapitän Duke sie selbst mir erzählt hat. James Duke, dem Zwillingsbruder, bin ich bis jetzt noch nie begegnet, aber ich kenne eine Person, die ihn sehr gut kennt."
„Das ist eine sehr seltsame Geschichte," sagte der Richter, „und wenn der Mensch sie nicht widerlegen kann, so ist das ein Beweis, daß er des Meineides schuldig ist."
„Ich bin so dreist zu sagen, daß er sie nicht widerlegen kann, Mylord," entgegnete Millicents Advokat; „wenn dieser Mensch, der die Kleider trägt, welche George Duke am Abende seines Ver- schwindens trug, nicht George Duke ist, wie kann er den Besitz dieser Kleider rechtfertigen? Ich bin so dreist zu behaupten, daß dieser Mensch der Mörder seines Bruders ist. Er ist von Samuel als die Person wiedererkannt worden, die einige Stunden vor dem Morde in den „Schwarzen Bären" kam. Er ließ ein Pferd in dem Gasthause •uifii und schickte nachher einen Bevollmächtigten jin, es wieder zu holen. Heute stellt er '-ch vor liefen Gerichtshof und erzählt eine sehr unwahrscheinliche Geschichte in der Absicht, sich für den