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M 237.

Montag, den 17. Oktober.

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Di« Fuldaer, Bettung' erscheint täglich, Bonn» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher ÄbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Das Abschieds-Hirtenschreibe«, welches gestern von allen Kanzeln unserer Diözese verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Georg,

durch Gottes Erbarmung und die Gnade des hl. Apostolischen Stuhles ernannter

Fürstbischof von Kreslan und Apostolischer Abmntstrotor des Kisthums Fulda, Hausprätat Seiner Heiligkeit,

dem ehrwürdigen Klerus und allen Gläubigen der Diözese Fulda Gruß undSegen vom Herrn« Ehrwürdige Mitbrüder! Geliebte Diözesanen! Wie einst der hl. Paulus vor den Gemeinden Kleinasiens stand, so stehe ich heute vor den Gemeinden des Bisthums Fulda und muß mit dem Apostel zu euch sprechen: „Gebunden im hl. Geiste gehe ich."" Der Wunsch, mit welchem ihr mich vor beiläufig 6 Jahren bei meinem Eintritt in diese Diözese begrüßt habt, es möge mir vergönnt sein, manches Jahrzehnt die theuren Vermächtnisse eurer hl. Ahnen zu hüten, ist somit nicht in Erfüllung gegangen. „„Nimm das Joch des Herrn, das ich Deinen Schultern auferlegt habe, mit bereitwilliger Unterwerfung an!"" so schrieb mir der hl. Vater am 9. August d. I. und löste damit das Band, das mich über 5 Jahre mit euch verbunden hielt, und das ich für unauflöslich ansah. Ich habe diese Lösung nicht gesucht, vielmehr vom ersten Tage an mich bestrebt, sie abzuwenden. Da sie nun doch über uns ver­hängt worden ist, verhängt von der Stelle, in welcher wir das Walten des hl. Geistes verehren, kann und darf ich hier den Willen Gottes verkennen und mich demselben wüersetzen? Nein, geliebte Diözesanen, ich muß euch mit dem frommen Knechte Abrahams bitten: „„Laßt mich ziehen !"" Der Trost, mit dem ich von euch gehe, ist die Ueberzeugung, daß es so Gottes Wille ist. Indem ich euch aber die Hand zum Abschiede reichen muß, drängt es mich, noch ein letztes Wort an euch zu richten, ein Wort des Dankes, der Mahnung und der Bitte.

Ich kam als Fremder zu euch, als ich vor 58/< Jahren auf Befehl des hl. Vaters den hiesigen Bischofsstuhl be­steigen mußte, als Fremder zu Fremden. Aber ihr nähmet mich nicht auf als Fremden, nein, ihr nähmet mich auf wie einen Engel! Von der Grenze der Diözese an kämet ihr mir mit Jubel entgegen; an den Hauptstationen war das treue fuldaische Volk versammelt, um den neuen Ober­hirten zu begrüßen. Bei dem Eintritte in die Bischofsstadt wies das Haupt derselben sinnig darauf hin, daß Fulda das katholische Herz Deutschlands fei, und daß sich die Pforten dieses Herzens weit aufgethan hätten, mich in dasselbe einzuschließen; und ein Festkleid hatte Fulda an­gelegt, wie es hier bis dahin noch nie gesehen worden war. Unvergeßlich wie die Erinnerung an Alles dieses wird auch mein Dank sein!

So bestieg ich den bischöflichen Stuhl am Grabe des hl. Bonifatius, getragen von eurer Liebe und eurer from-

o Der KaMil in Seim.

Aus dem Spanischen mit Erlaubniß des Verlegers.übersetzt.

16. Fortsetzung

Die Geschichte der Erscheinung des Kapitäns Duke, die Samuel erzählt hatte, erregte die Auf­merksamkeit der Zuschauer, welche bei dem Ge­danken, daß der Mann, der da stand und auf den die Kerzen ihr Helles Licht warfen, nur ein Geist sein könne, erbleichten.

Derselbe Mann blickte wild auf Millicent und sagte:

„Meine Frau ist wahnsinnig. Wollen wir die ganze Nacht hier bleiben, um ihre sinnlosen Reden zu hören?"

„Wer will diesem Menschen zwei oder drei Fragen vorlegen?" sagte Frau Duke.

Der Vertheidiger Millicent» entgegnete: „Ich, wenn Sie e» wirklich verlangen."

„Ich verlange e» wirklich."

„Dann stehe ich zu Ihrer Verfügung."

„Fragen Sie ihn, ob er einen Ohrring in sei­nem Besitze hat, einen in indischen Gold gefaßten Diamanten von seltener Arbeit."

Der Mann nahm au» seiner Tasche den Ohr­ring und gab ihn dem a booteten.

„Kann das vielleicht meiner Frau genügen?" j fragte er.

men Begeisterung, gehoben und ermuthigt durch euer Ver­trauen. Darum war es auch nicht schwer für mich, in die fremden Verhältnisse mich hineinzufinden. Ich befand mich unter einem treuen, gläubigen Volke! Ich sah euch stets in großen Schaaren zum Gottesdienste, zu Andachts- ü6ungen, zum Empfange der hl. Sakramente eilen. Wie ihr vordem in schwerer Zeit eure Priester opferwillig unterhalten habt, so wäret ihr nicht weniger opferwillig, als ich euch zum Josephspfennig aufrief, um dem Priester- mangel abzuhelfen. Den Vereinen zur Linderung der Armuth, zur Pflege kirchlichen Sinnes, zur Bewahrung der Jugend von den ihr drohenden Gefahren, schlosset ihr euch willig an und fördertet ihre Thätigkeit durch eifrige Theilnahme und wirksame Unterstützung. Eure Kirchen- Vorstände und kirchlichen Gemeinde-Vertretungen waren stets bemüht, in kirchlich treuer Gesinnung die gesetzlichen Verwaltungsbefugniffe auszuüben und ihr Amt zu ver­sehen. Habet Dank für Alles dieses, für die Erbauung, die mir eure Frömmigkeit gewährt, für die Opferwillig­keit, mit der ihr alle kirchlichen Zwecke unterstützt, für eure Treue uud euren kirchlichen Sinn, wodurch ihr euch selbst und mich geehrt habet!

Ich trat ferner unter einen eifrigen Klerus. Was der greife Vertreter desselben an meinem Consekrationstage aussprach, das hat der Klerus fort und fort bewiesen. Er hat feine ruhmvolle Vergangenheit nicht verleugnet, sondern wie er ausharrte in schweren Tagen in Geduld und Gottvertrauen, so stand er bei anbrechender Morgen- röthe besserer Tage seinem Bischof in strenger Pflicht­erfüllung treu zur Seite, und was er am Consekrations­tage im stillen Händedruck gelobte, das hat er gewifienhast gehalten und in eifriger Mitarbeit erfüllt. Das Band der Liebe, das gemeinsame Arbeit Jahre lang geknüpft hat, wird, so hoffe und vertraue ich, die Entfernung nicht lösen, sondern gegenseitige Fürbitte dauernd machen!

Ich fand eine fromme, gläubige Lehrerschaft, Dank der hiesigen Pflanzschule der fuldaischen Lehrer und ben treu« kirchlichen und eifrigen Männern, welche an derselben wirkten und wirken! Die Erweckung frommen Sinnes in der ihnen anoertrauten Jugend, die Sorge für eine gründ­liche Unterweisung in ihrer hl. Religion, die eifrige Wahr­nehmung des Kirchendienstes und die Pflege des Kirchen» gesanges sichern den Lehrern der Diözese ein ehrenvolles Andenken bei ihrem scheidenden Bischöfe!

Von den Orden, der Blüthe des kirchlichen Lebens, fand ich freilich nur wenige vor, nur diejenigen, welche sich dem Dienste der ärmsten und verlaffensten unter den Menschen widmen, der Pflege der Kranken, der Sorge für die Armen und Altersschwachen, der Sorge für die un­mündige Jugend. Sie sind die Apostel der christlichen Nächstenliebe und die lebendigen Vorbilder der Selbstver- leuguung und Enthaltsamkeit, und darum die treuen Ge­hilfinnen des apostolischen Amtes durch Arbeit, Beispiel und Gebet. Dankbar reiche ich auch ihnen die Hand zum Abschiede und begrüße noch mit herzlicher Freude die­jenigen, welche ich jetzt durch die geöffneten Thore des Vaterlandes wieder heimkehren sehe.

Wenn ich aber noch einmal Alles an meinem Geiste vorüberführen will, was mir die Sorgen und Mühen

„Der Ohrring ist ganz nach Ihrer Beschrei­bung, Frau Duke, sagte der Advokat; sind Sie befriedigt?"

„Durchaus nicht; fragen Sie ihn, was mir mein Ehemann gesagt hat, als er ihn von mir bekam."

Der Mann lachte.

„Was wird ein Ehemann seinem Weibe sagen können, niknn er ein Andenken von ihr erhält?" erwiderte er; „was wird er anders thun, als ihr versprechen, es treu zu bewahren und es keiner andern Frau, die er in der Fremde finden kann, zu schenken."

„Höret Ihr es? Höret Ihr es?" rief Milli­cent au»; „er kann mir nicht sagen, was George Duke mir vor sieben Jahren gesagt hat, als er dies Kleinod von mir empfing. Mein Gatte sagte mir, daß, wer auch immer komme und sich für meinen Mann ausgebe, ein Betrüger fei, wenn er nicht diese« Kleinod vorzeigen könne."

„Alsdann," sagte der Advokat, aufgebracht über den Starrsinn seiner Klientin, „wollen wir, da diese Person da» Kleinod vorzeigen kann, eine andere Probe ihrer Identität vornehmen."

Millicent legte die Hand an die Stirn und blieb einige Minuten ruhig.

„Wer auch immer mein Gemahl ermordet ha­ben mag, ermordet wurde er; seine Kleider sind

meines bischöflichen Amtes erleichtert hat, so darf ich auch nicht vergeffen des Wohlwollens, mit welchem die staat­lichen wie Gemeindebehörden mir entgegen gekommen. Allen fei herzlich gedankt für jede Unterstützung, die sie mir in meinem Amte gewährt haben I

Je leichter ihr mir aber die Erfüllung meiner Hirten­pflichten unter euch gemacht habt, desto schmerzlicher sind die Gefühle, mit denen ich dieselben heute niederlege und von euch scheide. Allein neue Pflichten hat der Herr mir auferlegt und auf ein anderes Arbeitsfeld sendet Er mich. Ich scheide von euch, weil es Gott so will. Der Wille des Herrn möge also geschehen! Der hochgeweihte Mund seines Stellvettreters auf Erden sprach zu mir: „„Gehe hinweg aus dem Hause, das Dir lieb geworden ist."" Welchen Tausch ich dabei mache, soll ich davon noch etroaS sagen? Ich scheide nicht, um ein leichteres und bequemeres Amt zu übernehmen; ihr wißt, daß ein zehnmal größeres Arbeitsfeld meiner wartet in ganz fremden Verhältnissen und unter einem Volke, das zum Theil eine fremde Sprache redet! Mich blendet nicht der äußere Glanz, mit dem das neue Arbeitsfeld umgeben ist! Muß ich doch, um mit dem Apostel zu reden, „„was Andere für Gewinn halten, um Christi willen für Schaden halten und als Koth ansehen, um Christum zu gewinnen."" „„In die Demüthigung wie in den Ueberfluß muß ich mich schicken und stets bereit und geübt fein, Ueberfluß zu haben und Mangel zu lei­den."" Und „„fern soll es von mir sein, mich in etwas Andern, zu rühmen, als im Kreuze unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist und i ch der Welt.""

„„Und nun empfehle ich euch Gott und der Gnade Dessen, Der mächtig ist aufzubauen."" Er möge mein ge­ringes Wirken unter euch segnen! Haltet fest an dem hl, Glauben, den euch euere Voreltern als ein theures Ber- mächtniß hinterlassen haben; bemüht euch, denselben unver- sehtt und rein, aber auch in lebendiger Hebung euren Kin­dern zu vererben. Sorget darum mit allem Eifer dafür, daß sie in den Wahrheiten ihrer heil. Religion gründlich unterrichtet werden, zunächst durch euch selbst, durch eure häusliche Unterweisung von frühester Jugend an, durch ihre Angewöhnung im Gebet und christliche Sitte. Und wenn ihre eure Kinder in die Welt hinausschicken müßt, des zeitlichen Erwerbes wegen, dann laßt sie nicht aus den Augen; prüfet wohl Ott und Verhältnisse, wohin ihr sie schickt, und seid wachsam über die Sitten und Gewohnhei­ten, die sie aus der Fremde mitbringen. Zeiget eure Fröm­migkeit auch in eurem Lebenswandel, damit die Schönheit eures hl. Glaubens in demselben offenbar werde und ihr euch eures großen hl. Apostels würdig erweiset. Fliehet insbesondere die Pest der heutigen Zeit, die Unmäßigkeit und die übettriebene Vergnügungssucht. Ihr selbst wißt, es würde um manche Gemeinde, um manche Familie viel besser stehen in religiöser wie irdischer und zeitlicher Hin­sicht, wenn nicht die böse Krankheit der Zeit, Unmäßigkeit und Genußsucht, Einzug in dieselbe gehalten hätte! Hal­tet darum fest an den einfachen Sitten und dem mäßigen, arbeitsamen Leben, wie es ein treugläubiges Volk zieren soll.

Meine heißesten Segenswünsche für euch, für euer zeit­liches und ewiges Wohlergehen, lege ich nieder am Throne

verschwunden, und dieses Kleinod befand sich in der Tasche seine» Mantels."

In der Sprache Millicents lag eine solche Auf­richtigkeit und ein solcher Eifer, daß fie ihre Zu­hörer überzeugte.

Nur der Vertheidiger glaubte wirklich, daß der Mann, der da stand, George Duke, der Kapitän des Geier», wäre.

Trotzdem und zu feinem eigenen Verdruffe änderte sich diese Meinung, al» ec diese Worte hörte und das ruhige Antlitz sah, mit welchem sie sich den Strick, von dem sie eben gerettet worden war, von Neuem um den Hals legen wollte.

Der Advokat Millicent» war ein vorzüglicher Gesichtskenner und heftete seine ernsten Augen auf die Gestalt de« Menschen, der auf der Zeugen­bank saß. •

Ec blickte zur Linken, wo der würdige Thomas Masterton, von einem Polizeiagenten bewacht, stand.

Die beiden Menschen betrachteten sich ernstyaft, und der Mund Mastertons v rzog sich auf eine eigenthümliche Weise, war sowohl eine krampf­hafte Zuckung als ein Zeichen sein konnte. Es war tut Zeichen, denn glei* nachher wurde e» von einem Zeichen mit der Hand begleitet; dies Zeichen war bei den französischen Dieben und Va­gabunden sehr bekannt.

„Wie können Sie fih erdreisten, diesem Manne