1887
,« 236.
sne Fuldaer, Zeitnnz- erschenu tLglich, Sonn- und Feiertage «^genommen Vi-rt-.jährtt-h«r »bonnemeMSpre.d °h^ «ring-rl°hn und B-ft-llg-ld: 1 R. 50 Pt., mit der belletristischen Wochenbeilage »Stern« und Blumen' m Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts I M. 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* General Bonlanger
tritt jetzt im Skandal Caffarel in den Vordergrund. Der Exkriegsminister, dem immer noch Beziehungen zur Limoufin nachgesagt werden, wie sehr eie auch dieselben abzuleugnen bemüht ist, hat den gegen ihn gerichteten Angriffen dadurch die Spitze abzubrechen gesucht, daß er stch als Opfer eines Komplott hinstellte, in welches Rouvier und Ferron ihn hineinqezogen hätten, um ihn zu verderben. Mit größter Bereitwilligkeit ertheilte er am 11. d. einer Menge Pariser Reportern, die seinetwillen nach Clermond - Ferrand gekommen waren, Audienzen, die alle mit den Worten anfingen und schloffen: die Affaire Caffarel sei gegen ihn persönlich gerichtet, um die seinem Nachfolger Ferron unbequeme Popularität des Vorgängers zu vernichten. Da aber die Untersuchung trotz aller übelen Absichten der Regierung klarstellen werde, daß er, Boulanqer, nie die mindeste Ahnung von den Vergehen Caffarel'», ja auch nur von seiner Gelbverlegenheit gehabt habe, so werde ihre Mühe umsonst sein. „Ich bedauere Diejenigen," sagte er einem Mitarbeiter der .Nation' gegenüber, „denen in ihrem Haffe alle Mittel gut find, selbst solche, die auf die Armee einen geraden Mißkredit und in das Land Mißtrauen und Entmuthigung werfen. Die öffentliche Meinung wird richten." Auch beklagte Boulanger sich, „oaß gewisse von ihm aufgegebene Depeschen nicht an ihre Adreffe gelangt, daß gewiffe Briefe in großer Zahl erbrochen weroen". Diese ganz unqualifizirbaren Verdächtigungen Ferron's, für weiche auch nicht die Spur eines Beweises vorlag, find im Kriegs- mimsterium, wie ste es verdienten, als eine Auflehnung und als grober Verstoß gegen die Disziplin aufgefaßt worden. Ferron ließ deshalb sofort bei Boulanger telegraphisch anfragen, ob die ihm zuqeschriebenen und in verschiedenen Blättern veröffentlichten Aeußerungen authentisch seien. Boulanger gab eine ausweichende Antwort, indem er vorgab, die betreffenden Zeitungen noch nicht in Händen gehabt zu haben. Der Kriegsminister Ferran hat aber die Antwort des Generals Boulanger für ungenüoend erachtet, weil die gedachten Zeitungen in Clermont-Ferrand vorlägen und eine neue Depesche an den General Boulanger gerichtet, wann derselbe aufgefordert wird, mit Ja oder
o Der Kapitän des Geiers.
Aus dem Spanischen mit Erlaubniß des Verlegers übersetzt.
15. Fortsetzung
Der Kronanwalt erhob stch jetzt.
„Mein geehrter Kollege hat vergeffen," sagte er, „daß die Person, die vorgibt, Kapitän Duke zu fern, nur von einem Manne erkannt worden tst, und daß dieser Mann ein Zeuge für die Angeklagte ist. Die Herren Geschworenen haben duffere Beweise für seine Identität nothwendig, bevor ste zugeben, daß kein Mord begangen worden ist."
„Ich fürchte nichts," entgegnete der Advokat Mrllicent's; „rufet Samuel, Sara, Darrell, Mark- Ham, Martha Meggis und Hugh Martin!"
Die Zeugen wurden gerufen.
„Kapitän Duke, stell n Sie stch an einen bester erleuchteten Ort des Saales," sagte der Advokat.
Der Mann schritt vor bis zu dem Platze, wo die Leuchter standen; er trug dieselben Kleider wie bei seiner Rückkehr nach Compton, den blauen, reichlich mit Knöpfen besetzten und mit Tressen verzierten Rock, dte großen Stiefel und den dreieckigen, durch die Zeit abgenutzten Hut. Sein blondes Hanr war in einen Zopf zusammengedun- den und seine grauen Augen leuchteten io grausam, wie die des Kapitäns George Duke.
Nein zu antworten, ob er die fraglichen Aeußerungen gethan habe. Wenn seine Antwort eine ungenügende fei, werde im Disziplinarwege gegen ihn vorgegangen werden. Auf diese kategorische Anfrage de» Kriegsministers telegraphicte Boulanqer an diesen, er habe die ihm von den Zeitungen zngeschriebenen Aeußerungen getyan. Es ist klar, daß nach diesem Eingeständniß, zu welchem der reklamesüchtige General direkt gezwungen wurde, weil er stch sonst nie dazu Herbeigelasten hätte, Ferron gegen ihn disziplinarisch vorgehen mußte. Die heutigen Pariser Morgenblätter melden denn auch bereits, daß General Boulanger mit 30 Tagen strengem Arrest bestraft rooroen sei. Der Ministerrath wird später darüber beschließen, ob derselbe seine» Kommandos enthoben werden solle. Dies dürfte die richtige Strafe für den Exkriegsminister fein. Der Unwille^ in der französischen Preste über die Anmaßungen Bou- langer's hat schon einen hohen Grad erreicht. Die ,Rep. Fr.' schreibt: „Wenn es nur einen Augenblick zugelassen werden könnte, daß ein Offizier in aktivem Dienste sich da« Recht anmaßen darf, im Wege des Reporterthums zu polemisiren und noch obendrein nach Art der intranfigenten Blätter gegen den obersten Kriegsherrn zu polemisiren, dann wäre es aus mit der Disziplin, dann wären wir der Anarchie, der scheußlichsten aller Anarchien verfallen: der militärischen. Der Herr General Boulanger bildet stch ohne Zweifel ein, er stehe im Dienste einer hiSpano-amerikanischen Republik. Es ist hohe Zeit, ihn zur Wirklichkeit zmückzurufen." Der Kriegsminister hat nun schon dem Wunsche der ,R-p. Fr.' willfahrt, und wenn auch nicht mit Gewißheit erwartet werden kann, daß er den Muth haben wird, zu der letzten durchschlagenden Maßregel, der endgiltigen Beseitigung Bou- längere zu greifen, so verdient doch schon sein gegenwärtiges energisches Auftreten einige Anerkennung. Der im Skandal Caffarel gleichfalls kompromittirte Senator, General d'And lau, in besten Hause man bei der gerichiliden Durchsuchung eine gewiste Anzahl von Agenden und Ver- zeichnisse von Rechnungen entdeckte, die seine Schul d ergaben, sollte verhaftet werden, doch hat die Polizei seiner bisher noch nicht habhaft werden können. d'Andlau bat stch entweder ins Ausland geflüchtet, oder stch das Leben genommen, oder
Alle 3mgen, einer nach dem andern, bezeugten seine Joentität. Hugh Martin war der letzte von ihnen.
„Ich kenne den Kapitän Duke sehr gut," sagte er, „und ich kann schwören, daß der, welcher vor mir steht, es ist. Doch wenn Ihr einen noch bessern Beweis seiner Identität verlangt, so kann ich den auch liefern."
„Gebt ihn denn, er ist uns sehr nothwendig," saute der Advokat Millicents.
Der Konstabler nahm einen Gegenstand aus feiner Tasche und gab ihn dem Vertheidiger. Dieser Gegenstand war ein Knopf, rote ihn die Seeleute trugen, mit einem Stückchen blauen Tuch.
„Ich habe ihn in dem Ztmmer genommen in jener Nacht, als ich annehmen zu müsten glaubte, dast ein Mord begangen worden fei," sagte Hugh. „Ich hoffe, daß Sie denselben den Knöpfen gleich- finden, welche dieser Mann an seinem Rocke trägt."
Bei der Prüfung ergab stch die Gleichheit: die Knöpfe waren aus einer auswärtigen Fabrik und trugen da» Wappen de» Königs von Spanien; st» waren nicht in London gekauft.
„Meine Herren Geschworenen," rief der Ver- tbeidiger au«, „es ist nicht nothwendig, Sie noch länger aufzuhalten, noch den Kapitän Duke zu nöthigen, uns den Beweggrund feiner fo unge-
aber hält stch in Frankreich selbst versteckt, um den ersten Sturm der Entrüstung vorübergehen zu lassen und dann, nach Eröffnung de» Parlaments, gestützt auf seine Unantastbarkeit als Senator, wieder zum Vorschein zu kommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Oktober.
* Der Reichstag soll Mitte November, etwa acht Tage früher al» im vorigen Jahre, einberufen werden.
♦ Der Bundesrath hat alle bisherigen Formulare für die von denOrts-Krankenkaffen u. s. ro. aufzustellenden Ueberfichten und Rechnungs-Abschlüsse einer Abänderung unterzogen. Das neue Formular für die „Nebersicht" unterscheidet stch von brnt alten Formular dadurch, daß zunächst die mona'- lichen Mitgliederzahlen anzugeben flud; diese Zahlen find für die statistische Bearbeitung, für welche die Ueberstcht das Material liefern soll, durchaus nothwendig. Die Unterscheidung zwischen gesetzlich versicherungspflichtigen, statuarisch ver- sicherungsxflichtigen und freiwilligen Mitgliedern ist fortgefallen, desgleichen die Unterscheidung bei den Angaben der Erkrankungsfälle und der Krank- heitstage hinstchtlich der in Folge von Betriebsunfällen Erkrankten. Die Angaben der „Ueberstcht" können naturgemäß für die Aufstellung einer vollständigen Kranken-Statistik nicht genügen; es fehlt die Angabe de« Alters des Erkrankten und der Art der Krankheit für jeden einzelnen Krankheitsfall. Derartige Angaben könnten aber unmöglich in die „Ueberstcht" aufgenommen werden, und fo hat stch die hieß Gewerbe-Deputation des Magistrats entschlossen, für die unter ihrer Aufsicht stehenden Krankenkassen eine besondere Statistik aufzustellen. Das Material hierfür soll in der Weise beschafft werden, daß ein kurzes Formular mit vier Fragen von dem betreffenden Kassen-Veamten nach Beendigung jedes Krankheitsfalles, d. b. also bei Auszahlung des letzten Krankenscheines, ausgefüllt wird. Die gesammelten Formulare werden alsdann dem Statistischen Amt der Stabt Berlin zur Aufarbeitung überwiesen. Das abgeänderte Formular für den „Rechnungsabschluß" zeichnet sich durch größere Klarheit und Uebersichtlichkeit au», desgleichen das Formular für den „Vermögensaus- wöhnlichen Handlung zu erzählen. Er ist vor dem Gerichtshöfe von sechs Zeugen erkannt worden. Die Unschuld meiner Klientin liegt so klar vor, daß ich Sie bitte, dieselbe für schuldlos zu erklären, ohne daß Sie Ihre Plätze verlassen."
Darauf sprach der Richter einige Worte:
„Meine Herren Geschworenen! Ich bin vollständig mit der Ansicht des Herrn Vertheidiger« einverstanden. Die Sache scheint mir g-nügend aufgeklärt, und was Sie zu thun haben, sehen Sie deutlich ein."
Die Geschworenen sprachen leise mit einander; in der versammelten Menge ließ sich ein Gemurmel der Zufriedenheit hören, nur Sara stieß einen krampfhaften Schrei aus.
Der erste der Geschworenen erhob sich und wandte sich an den Richter:
„Wir finden die Angeklagte schuldlos."
Lauter Beifall erfüllte bei biefen Worten ben ganzen Saal.
Zum ersten Male an diesem Tage erhob sich Millicent von ihrem Sitze, und stch zu ben Geschworenen wendend die sie eben für nicht fdju#*' big erklärt hatten, sagte sie mit ruhiger <Kt- schlossenheit:
„Meine Herren! Ich danke Ihnen für Ihre