M 235.
Freitag, dm 14. Oktober.
1887
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* Angesichts der Ueberfüllung itt den akademisch gebildeten Ständen brachte die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg.' neulich einen Mahnruf an die Eltern, ihre Söhne nicht ohne gewissenhafte Prüfung der Veranlagung stu« diren zu iossen, damit nicht ein gelehrtes Proletariat heranwachse, das Gefahren für die Gesellschaft in fich berge. Wer die unabsehbare Schaar junger Leute sieht, welche den mittleren Unterrichtsanstalten Deutschlands alljährig zuströmen, wird diese Mahnung nicht unberechtigt finden. Die „Studierwuth" beginnt in der Thal zu einer gesellschaftlichen Gefahr zu werden. Es dürfte daher angezeigt sein , dem übertriebenen Studir- und Bildungstriebe in geeigneter Weise entgegen zu treten, um ihn auf andere Wege der Entwickelung und Befriedigung zu leiten.
Die Summe von Mißstimmung und Gedrücktheit, die sich unseres Landmannes bemächtigt hat, mag wohl selten größer gewesen sein, als in der Jetztzeit. Hört man seine endlosen Klagen über geringe Einnahmen, welche theils durch mittelmäßige und schlechte Ernten, theils durch niedrige Preise des Getreides und unabwendbare oder nickt vorherzusehende Unglücksfälle im Viehstande bedingt sind, über überspannte Arbeiislöhne der Dienstboten und Taglöhner, so erkennt man leicht, daß die Unzufriedenheit in großem Umfange vorhanden fern und ihre Nachtschatten immer weiter und dichter werfen und ausdehnen muß. Was ist daher natürlicher, als daß der Vater, der sein eignes Geschick bedauert, seinen nur irgendwie günstig veranlagten Sohn „studiren" läßt, um ihm eine bessere Zukunft und Existenz zu bereiten? „Ist er einmal Gelehrter, so ist sein Brod gebacken; er schreibt einige Stunden per Tag und geht die übrige Zett mit schönen Kleidern spazieren und sich belustigen, während seine früheren Kame> raden die Last und Hitze des Tages tragen müssen und seinen Herrn Sohn bewundern und beneiden, wenn der Glückliche einen Tag auf Besuch nach Hause kommt." — So denkt der Vater; was er aber nicht bedenkt, das sind die Auslagen, mit denen er feine Familie jetzt belastet und die zahllosen Schwierigkeiten, mit denen der junge Mann heute zur Erringung einer Anstellung zu kämpfen hat.
o Dkl Kaflitäil des Geiers.
Aus dem Spanischen mit Srlaubniß des Verlegers übersetzt.
14. Fortsetzung
„Eine Blutlache in dem Zimmer, in welchem der erst nicht auffindbare Mann schlief, und die Entdeckung eines verwesenen Körpers, den man nicht mehr kennt, das find die Thatsachen, die, verbunden mit dem Verschwinden des Kapitäns Duke, uns einzig bekannt sind, diese bilden aber keinen genügenden Beweis.
„Dem Kapitän konnte eine Arterie gesprungen sein, er konnte Compton verlassen haben, um ein unbekanntes Projekt zu Ende zu führen. Ein Zeuge, den ich oorführen lassen kann, wird bezeugen, daß dieser Mann ein Bösewicht war, der sieben Jahre im Gefängnisse saß und drei Wochen vor seiner Rückkehr nach Compton entsprang. Er war ein Elender, der zu Allem fähig war, und sein Verschwinden kann ein schrecklicher Plan fein, den er gefaßt hat, um sich an dieser unglücklichen Frau zu rächen. Halten Sie diese Annahmen nicht für so unwahrscheinlich, wie sie im ersten Augenblicke erscheinen; sie können nicht unglaublicher sein, al» die Annahme der Schuld meiner Klientin.
„Schon oft ist in Folge eines Jrrthum» der Richter unschuldiges Blut vergossen worden.
tt Sobald der Sohn das Gymnasium bezieht, bürdet sich der Vater eine jährliche Ausgabe von wenigstens 4—500 Mark auf. Rechnet man die ch Arbeitskraft, welche ihm im Kinde verloren geht, ft zu einem durchschnittlichen Jahreswerth von i« 200—300 Mark, so werden seinem Anwesen jähr- !- lich 600—800 Mark entzogen. Macht der Gym- l- nasiast jedes Jahr seine Klasse ab, so kosten die ir 9 Studienjahre bis zur Oberprima einschließlich > mindestens an 5400 bis 7200 Mark. An t, der Hochschule, die der Musensohn jetzt vier bis !. fünf Jahre bezieht, kommen Beköstigung, Kleidung, r Wohnung, Immatrikulation, Bücher und Bier be- ;e deutend höher zu stehen, als auf dem heimath- - lichen Gymnasium. Auch der sparsame Univer- n sitätsbesucher braucht wenigstens 1200 Mark jähr- - lich. So hat der junge Mann dem väterlichen
Hause nach Beendigung seiner Studien einen - Nachtheil von wenigstens 10200—13300 Mark :, ohne die unvermeidlichen Zinsen gebracht. — Da- r für ist der Sohn allerdings ein Gelehrter, r aber noch lange kein Angestellter, der bereits - in das vom Vater vor vielen Jahren erträumte e Eldorado eingezogen wäre. Die Erfahrung lehrt, t daß viele junge Leute wegen Mangels an Ern- • pfthlung oft Jahre lang ohne bestimmte Stellung c umherirren und sich schließlich einer Beschäftigung , unterziehen, die in keiner Hinsicht den Auslagen ° und Entbehrungen entspricht, welche sie den Ihrigen : verursacht haben.
t Eine zweite Folge der übertriebenen Studier- i sucht ist gar häufig ein verfehlter Lebensberuf. ! Viele gerathen auf dem Wege gnach Bildung und i im Drange nach Wissenschaft in ein unrechtes Fahr- ' wasser, indem sie einige Zeit beschäftigungslos um- ■ herwandern und schließlich zu Grunde gehen oder 1 doch nur ein elendes, kümmerliches Dasein fristen.
Als dritte Folge des übermäßigen Studiertriebes giebt es eine große Zahl junger Leute, die keine ordentlichen und gedeihlichen Studien machen, ihrer Studierbahn wegen dieser oder jener Ursache vorzeitig eine Schranke setzten und so auf halben Wegen stehen bleiben. Einzelne unter ihnen bringen es vielleicht noch zu einer menschenwürdigen Existenz; doch lehrt die Erfahrung, daß bei den Meisten das verwandte Geld nutzlos bleibt, ja die Betreffenden unglücklich macht.
Sie besonders müssen mit dem ungerechten Haus-
„Meine erste Behauptung ist, daß nicht noth- wendiger Weise ein Mord vorliegen muß; die zweite, daß, wenn Duke wirklich ermordet worden st, er dar Opfer eines oder vielmehr einiger Unbekannten ist, die Interesse an seinem Tode hatten.
„Die Wohnnng, in welcher er schlief, war leicht zugänglich, oder man konnte mit leichter Mühe die Thüre derselben erbrechen, die nach Aussage meiner Klientin und der Haushälterin nur mittelst eines Riegels verschlossen war.
„Sicher war Jemand in die Wohnung einge- drungen, um zu stehlen, in dem Glauben, daß sie nur von Meggis bewohnt fei, und ohne zu wissen, daß sich Duke darin befand".
„Der Mörder, wer auch immer er fein mag, wurde zweifellos in feinem schrecklichen Werke rurch das Eintreten meiner Klientin gehindert, die, wie sie in ihrer Erklärung sagte, nur mit Mühe die Thüre aufmachen konnte. Er hatte also Zeit, sich zu verbergen, bevor sie in das Zimmer etntrat. Unmittelbar nach der Entdeckung des Mordes floh sie aus dem Hause und überließ dasselbe ganz dem Mörder.
„Es vergingen zwei Stunden, bis der Ron» iabler Hugh Marlin und Herr Darrell in das Schloß kamen; während dieses Zeitraumes hatte der Mörder Zeit genug, den Leichnam zu ver
holter klagen: „Arbeiten kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich." Manche sind froh, wenn schließlich ein Notar, Advokat, Geschäftsagent ober Bürgermeister sich ihrer erbarmt, um sie in die Kompagnie der Lohnschreiber einzureihen.
Diese kurze Erörterung möge Eltern und Vormünder von einem unüberlegten und leichtfertigen Studierenlassen ihrer Söhne und Mündel warnen. Mögen diese Zeilen zugleich beitragen, den Einen oder den Andern von dem leider gar häufigen Vor- urtheile zu heilen, das Studieren führe zu einem süßen Nichtithun, zu einem üppigen und sorgenlosen Schlaraffenleben, und nur die Dummen seien gut, um das Pflughorn anzufassen, den Hobel zu führen und den Hammer zu schwingen. Möchten besonders die Lehrer die betreffenden Eltern, zumal die Landleute, in dieser Hinsicht aufklären und ihnen zeigen, daß das Handwerk noch immer einen goldenen Boden hat, und daß ein ehrsamer und tüchtiger Landwirth oder Handwerker oft glücklicher, besser bestellt und mehr zu beneiden ist als. Mancher, der fein väterliches Gut durch übel angebrachtes Studieren durchgebracht und die Lust und Liebe zu reger und nützlicher Arbeit eingebüßt hat.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Oktober.
• Behufs der Vorbereitung eines Gesetzes zur Regelung der Unterstützung der Familie der zu Friede«;eiten einberufenen Reservisten und Landwehrleute ist eine Enquete angestellt worden. Die gestellten Fragen haben die Kreisbehörden bis zum 5. d. M. beantworten müssen.
* Der Unterrichtsverwaltung scheint es, daß die Regierungen zu viel Lehrern die Pension bewilligen. Daher hat der Unterrichtsminister jüngst die Regierungen angewiesen, den Lehrern das Versetzen in den Ruhestand nur „bei dringender Roth« Wendigkeit" zu bewilligen. Wahrscheinlich sind die günstigeren Bedingungen des neuen Pensionsgesetzes mit die Veranlassung der zahlreicheren Gesuche, obwohl in vielen Fällen das Gesuch auch wohl in Erwartung des neuen Gesetzes hinausgeschoben worden ist. Das würde die Häufigkeit der Gesuche in den letzten Monaten hinreichend erklären.
* Gegenüber einer römischen Meldung der Wiener ,Pol. Äorrefp/ wird dem .Frankfurter Jourbergen und die Kleider seines Opfers an fich zu nehmen; denn ich muß Sie daran erinnern, daß auch die Kleider Dukes verschwunden waren, als der Konstabler und Herr Markham die erste Untersuchung in dem Schlosse hielten.
„Ich frage Sie, meine Herren Geschworenen, wenn Sie einen Augenblick glauben sollten, meine Klientin sei schuldig, welches Interesse sollte fie an diesen Kleidern haben? Welche Zeit, welche Mittel, welche Gelegenheit hatte sie, um die Kleider, die ihr Mann trug, zu verbergen? Was mich an- betriffl, so antwortete ich, fie hatte keine."
Der Vertheidiger schloß hierm.t seine Rede.
Thomas Masterton war der erste Zeuge, der für die Vertheidigung auftrat.
Es war schwer, aus diesem Pkenschen die Wahrheit herauszubringen, denn er antwortete auf die Fragen, die ihm vorgelegt wurden, in einer Weife, die allgemeines Aufsehen erregte, bis ihn einer )er Geschworenen fragte, wie er und Duke von den Galeeren entsprungen seien.
Alle horchten mit vieler Aufmerksamkeit auf das, was er sagte, alle beobachteten ihn, während er eine Geschichte erzählte, fuhren aber vor Schrecken zusammen, als er plötzlich während feiner Rede Die Haltung feines Körpers änderte. Mitten in einem Satze hielt er inne und blickte mit bleichen