M 231.
Montag, den 10. Oktober.
1887
iiliitt W Jtitiii.
Die »Fuldaer Zeitung' erscheint tLglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf.» mit der belletristischen Wochenieilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Oktober.
♦ Wie Pariser Meldungen besagen, ist der Zwischenfall an der elsässisch-französischen Grenze endgültig beigelegt. Wie offiziös geschrieben wird, überreichte der deutsche Botschafter bei der franzöfischen Republik dem französischen Minister de» Auswärtigen mit einer deutschen Note den Betrag von 50,000 M. für die Wittwe Brignon. Die deutsche Auffassung ist wie folgt entwickelt: „Ein erneuter Ausdruck des Bedauerns wird für unnölhig gehalten, da ein deutsches Bedauern bereits unmittelbar nach dem Vorfälle in aller Form ausgesprochen wurde. Was die Entschädigung anbelangt, so hält die deutsche Regierung daran fest, daß bei dem Vorfälle kein böser Wille, sondern nur ein bedauerlicher Jrr- thum vorliegt; da aber da» Unglück in Folge deutscher Diensteinrichtungen geschehen und dadurch französische Unterthanen geschädigt wurden, so halte die Regierung es für ihre Pflicht, soweit thunlich, eine Entschädigung zu gewähren, die sie mit 50 Tausend Mark angemessen veranschlagt halte. Bezüglich etwaiger Bestrafung der Soldaten Kaufmann muffe alles den Gerichten überlassen bleiben, die nach Recht erkennen würden." Flourens sprach dem Grafen Münster seinen Dank für das der Billigkeit entsprechende Entgegenkommen Deutschlands aus, wodurch der Fall endgültig erledigt ist.
* Rach der polnischen Schule im Osten kommt nun die sranzöfische im Westen an die Reihe. Vorläufig soll durch deutsche Sprachübungen das Verständniß des Deutschen im französischen Sprachgebiet so gefördert werden, daß Rechnen und Gesang schon in den ersten zwei Schuljahren deutsch ertheilt werden kann. Auf der Mittelstufe soll zu diesen deutsch zu ertheilenden Fächern noch Geographie, Naturkunde und Turnen kommen, während auf der obersten Stufe alle Fächer bis auf den Katechismus deutsch zu er- theilen sind. Gegen die Polen ging Falk schroffer vor, indem er die deutsche Unterrichtssprache mit einem Schlag für alle profanen Fächer und Klaffen verordnete, und Herr v. Goßler überbietet nun Falk, indem er polnisch n Kindern das Lesen- und
o Der Kapitän des Geiers.
Aus dem Spanischen mit Srlaubniß des Verlegers übersetzt.
10. Fortsetzung
Sara erhob flehend ihre Hände und legte eine Hand auf seinen Mund, gleichsam als ob sie ihn am Sprechen hindern wolle; er aber stieß sie zurück.
„Ich werde ihm sagen, daß ich, Thoma» Masterton, vor den Augen de» Gesetze» Dein rechtmäßiger Ehemann bin, und daß ich nur ein Wort zu sagen brauche, auf daß Du die» Haus verlassen und mir folgen mußt, wohin ich Dich nur führen will."
Einige Augenblicke legte stch das arme Weib auf das Äiffen; ihr ganzer Körper zitterte heftig, und sie seufzte laut; doch plötzlich erhob sie sich, sah ihm fest in’8 Angesicht und sagte:
„Nun gut, sage es ihm, Thomas; sage ihm, daß Du der Mann bist, mein erster Gatte, dem ick als unerfahrene» Kind die Hand gereicht, der mich betrogen, geschlagen und mich fast vor Hunger hat sterben lassen; der mich aus meinem Hause geholt und mich von meinen Freunden getrennt hat; der mir mein einziges Kind, mein Söhnchen, entrissen; der üb et’s Mer mit ihm gezogen und siebenzehn Jahre verschollen war, so da Alle an- nahmen, er sei verunglück', gestorben. Nun ist er zurückgekehri, um mich zurückzuverlangen, jetzt, da
Schreibenlernen ihrer Muttersprache in der von ihren Eltern unterhaltenen Schule verwehrt. Für die Franzosen kommt da» wohl nach.
* Mainz, 6. Okt. Im Anschluß an die bei- den vorausgegangenen Berichte über die 11. Generalversammlung der Gör reSgesellschaft ist noch Folgendes nachzutragen: Nach einem gestern Morgen in der Seminarkirche für die verstorbenen Mitglieder celebrirten Seelenamt, fand eine allgemeine wissenschaftliche Sitzung statt, worin Herr Prälat Dr. Hülskamp über die Sitzung der historischen Sektion referirte und erfreuliche Mit- theilungeu über die Fortschritte des historischen Jahrbuchs machte. Herr Professor Dr. Schütz berichtet im Namen der philosophischen Sektion, worin Herr Professor Dr. Pohle aus Fulda einen Vortrag über die obfiktive Bedeutung de» unendlich Kleinen als philosophische Grundlage der Differentialrechnung gehalten habe. Als eine erfreuliche Mittheilung aus dem Referat der Sktior* für Sozial- und Rechtswissenschaft sei erwähnt, daß das Erscheinen des Staatslexikons gesichert ist und nächstens die erste Lieferung ausgegeben wird. Man hoffe, den ersten Band Mitte des nächsten Jahres vollenden zu können. Das Werk sei auf 3 Bände in ca. 500 Artikeln berechnet. Verdient darum hätten sich namentlich Profi ffor Dr. Freiherr von Hertling und Dr. Bruder in Innsbruck gemacht. Nunmehr erhielt Dr. Schnürer aus München das Wort. Derselbe sprach in interessanter Weise über da» Sauren- tianische Schisma (Ende des 5. Jahrhunderts). Dann gab Herr Domdekan Dr. Heinrich, laut Bericht des Mainzer Journalsfi eine kurze Ent- wickelungsgejchlchte der modernen Philosophie« Von besonderem Interesse war die Darlegung der Aufgaben der katholischen Wissenschaft in unseren Tagen. Auf allen Gebieten, so führte der Redner aus, muß der katholische Gelehrte zu Hanse fein. Die Hilfswissenschaften, besonders Naturwissenschaft und Geschichte, dürfen nicht blos, wie dies leider vielfach der Fall, der unchristlichen Philosophie dienen, sie müssen gleichfalls zur Ver- theidigung des Glaubens und der ächten Wissenschaft ausgenutzt werden. Als besonders wichtig und z itgemäß hebe er hervor, die vergleichende Religionswissenschaft, die, wie sie jetzt vielfach von ungläubigen Gelehrten behandelt werde, in gc-
ich die glückliche Gattin eines ehrenwerthen Mannes bin. Sage ihm, daß Du Thomas Masterton bist, der Schmuggler, der Dieb."
Der Tabuletthändler versuchte zu lachen. „Du hast immer ein starkes Herz gehabt, Sara, und Deine Krankheit hat Dich nicht geschwächt; Du wirst also kein Geld von Samuel fordern?"
„Nein, nicht einen Penny."
„Und wenn wir annehmen, daß ich ein Geheim- niß weiß, das ich Dir verkaufen kann und dafür von Dir hundert Pfund verlange, wirst Du mit dann da« Geld verschaffen?"
„Ein Gcheirnmß?"
„Ja; eben sprachen wir von dem Sohne, den Du so sehr liebst; wie, wenn ich Dir nun sagen kann, wo er sich befindet, nahe bei Dir; wirst Du mir dann das Geld für diese Nachricht geben?"
Sara schüttelte traurig den Kopf.
„Ich kenne Dich," sagte sie zu ihm, „und es ist unedel von Dir, mich zu täuschen."
„Wahrlich," entgegnete der Tabuletthändler, Du bist diese Nacht sehr mißtrauisch; doch bin ich sicher, daß, wenn Du schwörest, Du den Eid nicht brechen wirst. Schwöre mir, daß wenn ich Dir sage, wo Dein Sohn ist, und daß, wenn ich ihn Dir vorstelle, Du mir in dieser Woche die hundert Pfund geben wirst."
। wisset Beziehung dem Darwinismus vergleichbar fei, wie sie dem Christenthum eine ähnliche Entwickelung zur Voraussetzung gibt. Scharf verur- theilt er sodann jene falsche Anschauung, die auch heute wieder in gefahrdrohender Weise sich geltend zu machen suche, als ob jene natürlichen Wahrheiten wie die Existenz Gottes und bet Seele rc., blos Glaubens- und nicht auch Vernunftwahrheiten feien. Es bedürfe allerdings, so führte der verehrte Herr zum Schluß aus, des ganzen Muthes eines Mannes, um in der gegenwärtigen Zeit den Muth nicht zu verlieren; allein nichtsdestoweniger könne man durch Fleiß und Ausdauer, auch ohne Mitglied eines Profefforenkollegs einer Universität zu fein, Großes leisten, wie das Beispiel eines Janssen beweise, der bereits viele Schüler und fleißige Helfer gefunden habe. Wie auf dem Gebiete der Geschichte, so müßte auch auf den anderen Gebieten der Wissenschaft Hand an's Werk gelegt werden. Bei allen diesen Arbeiten aber müsse man festhalten an Christus und sich mit der Siebe Christi erfüllen. In seinem Schlußwort bemerkt der Präsident der Görtes-Gesellschast, Professor Freiherr von Hertling, daß die diesjährige Generalversammkung manches Bemerkenswerthe geboten habe. Manche Unterstützungen für wissenschaftliche Unternehmungen seien bewilligt, dieJn- griffnahme neuer beschlossen worden. Die Herausgabe eines philosophischen Jahrbuchs werde jetzt in Angriff genommen und die vorbereitenden Arbeiten des Staatsb xikon» seien soweit fortgeschritten, daß die ersten Hefte bald erscheinen könnten. Auch habe man beschlossen, dem Heiligen Vater als Geschenk zu seinem demnächsten Jubiläum eine Festschrift zu widmen. Herr Domkapitular Dr. Hippler in Frauenburg habe die Herausgabe derselben übernommen und als Gegenstandgewählt: „TyonisiusderAreopagite." Nach der Dankesbezengung an die Mitglieder des Verwaltungs- ausschufles schloß Freiherr von Hertling die 11. Generalversammlung der Görres-Gesellschaft. Bei dem Nachmittags int „Frankfurter Hof" stattgehabten Fest- und AbschiedSiffen brachte der hochw. Herr Bffchos Haffner auf Se. Heiligkeit den Papst den ersten Toast aus. Namens des Sokalkomiläs sprach Herr Nikola Racke den Dank aus, daß die GörreS- Gesellschaft dieses Jahr in Mainz getagt habe; sein Hoch galt dem Verwaltungs-Ausschüsse der
Nun sagte Sara entschieden: „Ich schwöre es."
„Gut denn. Dein Sohn ist jetzt gerade mit Samuel in dem „weißen" Zimmer auf der andern Seite des Gange». Er nennt sich Sir Sovel Mortimer; doch nennen ihn feine Freunde, feine Gefährten und die Konstabler von Sow - Street den Kapitän Fanny. Er ist einer der größten Dübe, die je die Welt getragen."
V.
Samuel und sein Gast faßen noch in dem weißen Zimmer und tränten. Zwischen elf und zwölf Uhr Nachts wurde ihre Aufmerksamkeit durch den Klang einer Schelle erregt, der au» dem Gemache Sara'» tarn. '
Samuel war ein zu guter Ehemann, um den Ton jener Schelle unbeachtet zu lassen. Ohne Verzug und ohne sich bei seinem vornehmen Besuche zu entschuldigen, verließ er sogleich das weiße Zimmer und begab sich schnell nach dem Gemache seiner Gattin.
Der Tabuletthändler hatte schon, von Betty geführt, die Wohnung verlassen, und Sara hatte der Kölin befohlen, ihm eine Schlafstelle in einer b. r Getreidekammern über dem Pferdestalle anzuweifen.
Sara war also allein, als der Gastwirih ein- trat, um nach ihrem Begehr zu fragen.