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M 228. Donnerstag, den 6. Ottober. l887

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* Virchow gegen die Darwinsche Lehre von der Abstammung des

Menschen vom Affen.

Mit der Darwinschen Lehre, daß der Mensch einzig und allein ein höheres Thier sei, hat man schon gar manchen unreifen Leuten, besonders unter der Jugend, die Köpfe verdreht und sie dadurch besonders auch an ihrem Christenthume irre zu machen gesucht. Das geschah vielfach mit Erfolg und es gab eine Zeit, in der so ziemlich alle libe­ralen Zeitungen sich zu jener Lehre bekannten, sich und ihre Gläubigen nicht mehr als Ebenbilder Gottes, sondern als Abkömmlinge der Affen priesen und Viele zum Abfall vom Glauben verleiteten. Die Darwinsche Lehre war vielfach eine Haupt­waffe im „Kulturkämpfe" und wir Alle erinnern uns noch der fast abgöttischen Pflege, welche so manches Affenvieh in zoologischen Gärten erhielt, werl Männer der „Wiffenfchaft" in dem Vieh ihren Urvater verehrten. Wer freilich etwas länger in die Welt geblickt hat, der kennt den Schwindel, welcher mit der Wiffenschaft nur zu häufig getrie­ben wird, wie auch hier vielfach die Mode herrscht und Tagesmeinungen, an die bald kein Mensch mehr denkt, zu Parteizwecken als „unfehlbare Re­sultate der Wiffenschaft" hingestellt werden. So ging es auch mit der Affentheorie. Der Natur­forscher Professor Dr. Virchow, ein Mann, der nie ein Freund des Christenthum» war, der sich aber auch so viel gesunden Menschenverstand be­wahrt hat, um die That fach en zu beachten, hat nun kürzlich in Wiesbaden auf der deutschen Natur- forscher-Versammlunz jene Lehre gründlich zerzaust. Er hat nachgewiesen, daß sie sich auch nicht auf eine einzige wirkliche Thatsache stützen kann. Unter dem Beifall fast der gan­zen Versammlung sprach Virchow gegen denTranS- formismus, die Lehre von der Umbildung der orga­nischen Geschöpfe, worauf ja die ganze Affentheorie ruht. Virchow sagte dabei im Wesentlichen:

Man möchte wissen, wie das Leben überhaupt entstan­den ist. Denn der Versuch, eine Befriedigung des Seh- nenS durch ein Dogma von der Ewigkeit der leben­den Welt zu gewähren, ist noch jedesmal gescheitert. Die Menschen glauben mit gutem Grund, daß es eine Zeit gegeben hat, wo noch kein Lebewesen existirte, und fie wollen wissen, wo der Anfang des Lebens zu suchen sei und wie das Leben inmitten der unbelebten Welt be«

o Der KeMn dk» Seim.

Aus dem Spanischen mit Srlaubniß des Verlegers übersetzt.

7. Fortsetzung.

„Ah, da» ist er," rief Samuel klagend au», „worüber ganz Compton in Aufregung ist, und am meisten Sara, werhalb fie sich auch genöthigt sah, seit vorgestern da» Bett zu hüten, fie, die nie den Laden verlaffen, seit fie in den „Schwarzen Bären" kam. So kommt e», daß Alle» in Un­ordnung ist, und unser Kellner, der Josef, welcher der nüchternst« von allen Menschen war, wenn Sara hier die Aufsicht führte, hat sich zwei Nächte hinter einander berauscht und vergi ßt Thränen darüber, daß die arme Frau Duke jetzt im Ge- fängulffe zu Carlisle eingesperrt ist."

„Wre? Frau Duke befindet sich in dem Ge­fängnisse zu Carlisle?"

„Ja, fie ist angeklagt, ihren Mann ermordet zu haben, sie, die nie einer Fliege ein Leid anthat," sagt« Samuel gefühlvoll.

„Frau Duke ist angeklagt, ihren Ran« er- nwrdet zu haben?"

„Jal — Arme Sara I — Wie soll sie e» aber nur gemacht haben? Und wenn sie di« Thal voll­bracht hat, wo ist dann der Leichnam?" rief Sa­muel, auf die Frage, die er sich nie hatte bemtt-

gonnen hat. Wer diesem Drängen nicht widerstehen kann, dem bleibt schließlich nur die Wahl zwischen dem Dogma von der Schöpfung und dem Dogma von der Urzeu­gung, der sogenannten Generatio aequivoca. Keines die­ser Dogmen ist ein Gegenstand der Forschung ; denn noch nie ist ein lebendes Wesen oder auch nur ein lebendes Element, sagen wir eine lebende Zelle, gefunden worden, von denen man hätte sagen können, sie seien die ersten ihrer Art gewesen. Noch nie ist auch nur ein versteinerter Rest entdeckt worden, an dem die Möglichkeit hervorgetre­ten wäre, daß er einem ersten oder durch Urzeugung entstandenen Wesen angehört habe. Es ist allerdings noch nicht lange her, daß man selbst vollkommen entwickelte Wesen, zum Beispiel Eingeweidewürmer, durch Generatio aequivoca entstehen ließ; ja noch in unseren Tagen erhebt sich immer wieder die Frage, ob nicht gewisse niederste Wesen, namentlich solche, welche der Familie der Spaltpilze angehören, wenigstens aus organischer Substanz, aus den Trümmern früherer Zellen neu aufgebaut werden. Durch neuere Forschungen sind alle diese Möglichkeiten zerstört. Die Eingeweidewürmer haben ihre erbliche Fortpflan­zung so gut, wie die anderen Thiere, und seit Pasteurs entscheidenden Entdeckungen über die Geschichte der nieder­sten Pilzformen hat selbst die Praxis der Aerzte und Land- wirthe sich auf die Erblichkeit der kleinsten Gebilde der organischen Welt eingerichtet. Es mag sein, daß eine an­dere Zeit die Mittel findet, auch in dieser schwierigen An­gelegenheit mit einer objektiven Forschung einzusetzen. Wer sich mit dem Dogma von der Schöpfung nicht beruhigen will, der hat allerdings das Recht zu fragen, wo denn die lebende Welt hergekommen ist, wenn sie nicht in Ewig­keit vorhanden war, und die Geologie bietet ihm eine gute Stütze, indem sie Zeiten der Erdbildung oder genauer Schichten der Erdrinde kennen lehrt, wo lebendige Wesen nicht vorhanden waren und nicht einmal vorhanden sein konnten. Gerade diese Erfahrung führt uns nothwendig auf die Frage von der Abstammung der jetzigen Lebewesen. Kennen wir ihren Stammbaum, beziehungs­weise ihre Stammbäume? Bekanntlich geht die biblische Schöpfungsgeschichte von der Voraussetzung aus, daß die Arten oder Gattungen der Lebewesen unmittelbar durch Gott geschaffen seien und sich seitdem in getrennten Stamm­bäumen fortgepflanzt haben. Die moderne Descendenzlehre (Darwinsche) dagegen ist in ihrer strengeren Richtung zu der gerade entgegengesetzten Formel gekommen: nach ihr führen alle Arten und Gattungen auf eine einzige ursprüng­liche Art, ja man könnte ohne Uebertreibung sagen, auf ein einziges ursprüngliches Wesen zurück, Die umfassen­den Vorbereitungen Darwin's und seiner Nachfolger haben die werthvollsten Erfahrungen über individu-lle Variation und daraus hervorgehende Entstehung erblicher Rassen und Varietäten geliefert. Was die Umbildung der Arten und noch mehr die der Gattungen betrifft, so ist der bisherige Gewinn ein sehr mäßiger.

Der Darwinismus Hal sich als ein höchst befruchtender Gedanke erwiesen und wird sicher noch lange Zeit wie ein energisches Ferment fortwirken. Aber das darf uns nicht hindern, von Zeit zu Zeit zu untersuchen, wie es mit dem direkten Nachweise der transformistischen Erbfolge steht. Ich will mich diesmal darauf beschränken, diese Frage in

Worten können, znrücktommend. „Was ist da» größte Hinderniß für einen Mörder? Sicher der Leichnam. Zn was sind die Richter, die im Namen der Krone zu Gericht sitzen, als über die Per­sonen, die tobt gefunden werden, Untersuchungen anzustellen? Wie kann ein Mord stattfinden ohne einen Leichnam? Ich für meinen Theil glaube, daß der Kapitän frisch und gesund ist und sich irgendwo verborgen hält, vielleicht hier in der Nähe, und daß er sehr wahrscheinlich lacht bei dem Gedanken, daß seine Gattin in dem Ver­dachte steht, Um ermordet zu haben. Schlecht genug ist er dazu."

Der Baronet blieb einige Minuten in tiefe» Nachdenken versunken.

„Welch ein Zufall I Welch ein Zufall!" sagte er, mehr mit sich selbst al» mit dem Wirths sprechend. „Er gibt Personen, die van Anfang an unglücklich sind, und dieser Mensch war einer von jenen. Die Nacht seiner Rückkehr, dieselbe Nacht, in der er sein Glück zu finden hoffte! — Welch ein Zufall!"

„Sagen Sie nicht, daß er tobt sei," ent­gegnete Samuel, „sondern sagen Sie vielmehr, daß er sich nicht hat scheu laffen seit seiner Mckkchr."

„Daß er ermordet worden, oder daß er sich

Bezug auf die Geschichte des Menschen zu beant° warten. Denn am Ende ist dieser Punkt doch derjenige, der uns Alle am meisten berührt Palaeontologisch be­trachtet, darf das Erscheinen des Menschen auf der Erde im äustersten Falle bis in die Tertiärzeit zurückversetzt werden. Gleichviel, ob durch Schöpfung oder durch Ab­stammung von einer Thierart im Wege des Transformis- mus, jedenfalls muß der erste Mensch int Beginn der Quartär- oder gegen den Schluß der Tertiärzeit entstan­den fein. Aus einer früheren Zeit der Erdbildung ist auch nicht die geringste Spur des Menschen bekannt geworden. Sichere Beweise für den tertiären Ursprung zu liefern, ist bis jetzt nicht gelungen. Auch selbst wenn man die bis jetzt beigebrachten Beweisstücke als ausreichend be­trachten wollte, so sind es doch fast ausschließlich Feuer­steinsplitter und andere roheste Gegenstände, welche man als Manufakte des Menschen angesprochen hat, keine Theile des Menschen selbst. Noch viel weniger hat man etwas gesammelt, was dem vorausgesetzten Bormenschen, dem hypothetischen Proanthropos, zugeschrieben werden könnte. Die praktifche Anthropologie beginnt erst mit der Quartär­oder Liluvialzeit, aus der in der That Schädel- und Skelettheile erhalten sind. Was lehren nun diese Ueber- reste. Zeigen sie uns den Menschen auf einer niederen Stufe der körperlichen Entwickelung, wie sie sonst nicht bekannt ist? Es hat eine Zeit gegeben, wo an vielen Orten mit einem gewissen Fanatismus auf diluviale Schädel gefahndet und von ihne , gesprochen wurde. Es würde zu lang sein, die Geschichte aller dieser Unter­suchungen von den Schädeln von Engis und dem Neander- thal bis zu dem Unterkieferstück aus der Schipkahöhle vorzuführen. Das Wesentliche ist, daß selbst die Fanatiker befriedigt waren, wenn sie den Charakter dieser Schädel dem Typus der Australier oder der Feuerländer oder auch nur des Batavus genuinus, d. h. eines alten Friesen, annähern konnten. Der Abstand dieser These von dem, was man erwartet hatte, ist recht groß. Ein Australier mag mancherlei Mängel oder Erceßbildungen an sich haben, welche ihm einen einigermaßen thierischen Ausdruck verleihen. Früher nannte man das bestialisch, neuerlich hat man es im Jfiteresse der Descendenztheorie für besser erachtet, es pithekoid zu heißen. Aber so bestialisch und so pithekoid der Australier auch sein mag, so ist er doch weder ein Affe, noch ein Proanthropos; im Gegentheil, er ist ein wahrer Mensch. Feuer­länder sind in neuerer Zeit zu uns gekommen, wir haben sie kennen gelernt, es stnd sogar einige derselben mit aller erdenklichen Sorgfalt untersucht worden, und es hat sich gezeigt, daß unsere bisherigen Methoden nicht einmal aus­reichen, um prinzipielleUnterschiedevon Europäern zu begründen. Daß sie im Uebrigen Wilde, oder wenn man lieber will, Barbaren waren, darf uns nicht ab­halten, ihren rein menschlichen Habitus anzuerkennen. Genug, die diluvialen Menschen, so weit wir von ihnen wissen, hatten keine unv ol lkomm enereOrga- nifation, als die heutigen. Nachdem wir in den letzten Jahren Eskimos und Tschuktschen, Araukanier und Kirgisen in Europa gesehen haben, nachdem von allen den als niederste bezeichnete Raffen wenigstens Exemplare zu uns gebracht sind, kann keine Rede mehr davon fein,

nicht hat sehen laffen, ist dasselbe, wenn er nicht zurückkehrt, mein lieber Samuel. Gesetzt, Frau Duke werde gerichtet und zum Tode verurtheilt, so wird ihr Eigenthum an die Krone fallen."

„Ich glaube, daß er so ist," entgegnete Sa­muel, „diese Sachen fallen gewöhnlich an die Krane!"

„Samuel," sagte der vornehme Reisende, „dar Beste, wa» Sie thun können, ist, zwei Flaschen Wein zu holen und mich in ein abgelegenes Zimmer zu führen, wo Sie mir Alle» erzählen."

Der Wirth war damit einverstanden und that, wie der Baronet befohlen hatte. —

Samuel hatte die Wahrheit gesagt in Betreff de« Gasthause«, welche« sich in vollständiger Un­ordnung befand.

Betty, die Köchin, hastig und unsicher in allen ihren Bewegungen, dachte nur an den Meuchel­mord, unbesorgt um die Beschäftigungen in der Küche, machte Fehler auf Fehler und ließ e« ge­schehen, daß die kleinen Kinder der Nachbarschaft in die Küche de« „Schwarzen Bären" tarnen; von Zeit zu Zeit trat sie in die Thüre und sprach mit den Vorübergehenden, obgleich sie sich in ganz un­ordentlicher Kleidung befand, ganz da« Gegentheil, wie sie e« sonst zu thun pflegte.

Sara war bi« jetzt die beste Aufseherin in