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Jfä 227. Mittwoch, den 5. Ottober. 1887

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* Ueber die Sonntagsruhe.

geht eine offiziöse Noti, durch die Blätter, deren Ueberschrift lauten müßte: „Laßt alle Hoffnung fahren!" Jeder Freund der Arbeiterschutzgesetz­gebung erblickt in der gesetzlich obligatorisch er­klärten Sonntagsruhe eine der wichtigsten und auch eine der am leichtesten durchführbaren Arbeiterschutzmaßregeln. Daher nahm die Forde­rung in dem bekannten Centrumsentwurf nicht nur die erste Stelle ein. sondern gerade dieser Theil ging auch in der Reichrtagskommisfion der ersten Reichstagssesflon durch und gelangte zur Berathung im Plenum. Da das ganze Centrum, die Konservativen und die Sozialdemokraten für die obligatorische Sonntagsruhe waren, konnte an der Annahme der Bestimmungen im Reichstage gar kein Zweifel fein. Da brachten die Nationalliberalen, in derem Sinne Fürst Bismarck sprach, die Reso­lution ein, man solle zunächst eine Enquete veranstalten über die Frage. Die Regierung er­klärte sich dazu bereit, und so kam dieselbe vor 2 Jahren in den Sommermonaten in Gang. Von festen der katholischen Preffe ist damals gleich auf die auffallende Fragestellung aber auch auf die auffällige Auswahl der Befragten hingewiesen worden. Was in der Preffe über die Antworten verlautete, lief darauf hinaus, daß die Arbeiter sich meist für die obligatorische Sonntagsruhe erklärten, die Mehrzahl der Arbeitgeber aber gegen dieselbe. Zwei volle Jahre hat man nun, trotz Heranziehung vieler Arbeitskräfte, an der Sichtung des Enquetenmaterials gearbeitet und nunmehr ist auch der Gefammtbericht fertig ge­stellt, welcher demnächst dem Bundesrath und dem Reichstage zugehen wird. Ueber den Sinn dieses Gesammtberichts sagt nun die erwähnte offiziöse Notiz, „durch die Enquete glaube die Regierung augenscheinlich den Beweis erbracht zu haben, daß weitere gesetzliche Schritte nicht erforderlich

o Akk Kapiliin iti Krim.

Aus dem Spanischen mit Erlaubniß des Verlegers übersetzt.

6. Fortsetzung

Ein todtähnliches Schweigen herrschte in dem Saale, während sie ihre Geschichte erzählte; die­selbe wurde nur durch das Geräusch der Feder des Schreibers und den Schlag des Perpentikel» an der Uhr unterbrochen.

„Roch eine Frage, Frau Duke," sagte Montagne Bower», „und ich bitte Sie um Ihres eigenen Vortheil» willen, vorsichtig zu sein, wenn Sie ant­worten: Kennen Sie Jemand, der Ihren Gemahl haßt?"

Die Unglückliche hätte bezeugen können, daß sie Nichts aus dem Leben ihre» Gatten wußte, daß sie feine Freunde nicht kannte, und daß sie, obwohl er ein Dutzend erbitterter Feinde hatte, deren Na­men nie erfahren habe. Doch sie sagte nur:

„Nein, ich kenne Niemanden."

„Bedenken Sie cs wohl, e» ist ein wichtiger Punkt für Sie, und ick wollte nicht um Alle» in dir Welt, daß Sie au» Übereilung so antworten. Rennen Sie Jemand, her U-fache hätte, den Tod Ihre» Gatten zu wünschen?"

„Niemand," antwortete Millicent.

seien." Hinzugefügt wird noch: fall» das Centrum und die Konservativen nochmals die Sache an­regten, „würden sie nichts erreichen, da mit Bestimmtheit verlaute, daß die verbündeten Re­gierungen die in den Einzelstaaten vorhandenen Vorschriften als ausreichend erachten." Das soll also das Ergebniß dieser mit so vielen Opfern an Zeit und Geld veranstalteten Enquete sein? Frei­lich haben wir uns über das Resultat keine Illu­sionen gemacht, seit die ,Nordd/ und alle Offi­ziösen die Sonntagsarbeit so in Schutz nahmen und alle Freunde der Reform oft in der rücksichts­losesten Weise abkanzelten. Ob der Generalbericht in der That die von den Offiziösen angegebene Schlußfolgerung zuläßt, wird sich erst ergeben, sobald der Text vorliegt. Eins aber ist auch jetzt zweifellos, es bestehen also nach dem Ergebniß der Enquete die verschiedensten Bestimmungen in den einzelnen Staaten, während es gerade im Jntrreffe der Industrie, ihrer Konkurrenzfähigkeit liegt, daß die Bestimmungen in allen deutschen Staaten die gleichen seien. Das Centrum betrachtet die obligatorische Sonntagsruhe als eine re l i giö.s, gesundheitlich und sozial so wichtige und ernste Sache, daß es dieselbe zu be­antragen nicht aufhören wird, bis die Reform durchgefochten ist. Das Centrum hat in der Vergangenheit doch genug Beweise für seine Ausdauer und Fähigkeit erbracht, namentlich auch in sozialer Beziehung.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Oktober.

• Der Kaiser und die Kaiserin empfingen in Baden-Baden den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern sowie deflen Sohnes, des Prinzen Ruprecht. — Prinz Heinrich von Preußen, der augenblicklich am Darmstädter Hofe zum Besuche weilt, begiebt sich zum Geburtstage seines Vaters, des Kronprinzen, nach Italien, um diesen Tag im Kreise der kronprinzlichen Familie zu verleben und seine Glückwünsche zum 18. Oktober persön­lich abzustatten.

* Der Redakteur des .Reichsfreund' Emil Barth ist heute von der dritten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I wegen Beleidigung des Fürsten B smarck zu 3 Monaten Gefängniß ver-

„Ve.zeihung, Herr Bowers," unterbrach Darrell, „Mcllicent vergißt ohne Zweifel, daß der Kapitän des Geiers ein geheimnißvoller Mensch war. Nie würde er in unsere Familie zugelaffen worden sein, wenn nicht durch die Laune meines Oheims, der ihm fast von allen seinen Handlungen Rechenschaft ablegen mußie."

„Niemand in Compton weiß, wer Duke war, noch woher er kam, und nur der Verstorbene glaubte da» Wort des Kapitän», daß er zur Ma­rine Seiner Majestät gehöre. Vor acht Jahren hatte ich Jntereffe daran, die Wahrheit zu erfah­ren, und erfuhr auch, daß man bei der Admira­lität nickt» von einem sogenannten Kapitän Duke wiffe. Niemand wußte etwa» von seinem vergan­genen Leben, um so weniger kann also Millicent vollkommen auf Ihre Frage antworten."

„Und Sie, Herr Markham, können Sie das?" $ „Ich befinde mich in derselben Lage wie Frau

„Ich glaube dar," entgegnete ernsthaft der Sherif, „ich glaube da» recht gern. In der gegen­wärtigen Lage sehe ich mich jedoch genöthigt, den Entschluß zu faffen, der mich selbst schmerzt, Mil­licent Duke al» die muthmaßliche Urheberin de» absichtlichen Morde« ihre« Gatten in da» Gefäng- niß von Carli»le abführen zu (offen."

urtheilt worden. Herr Barth zeichnet bekanntlich verantwortlich für Herrn Eugen Richter.

* Der ,Kur. Pozn.' schreibt in einem zweiten Artikel über das Verbot despolnischenSprach- unterrichts u. A. auch was folgt! „Die Be­hauptung, man könne von der deutschen Schule nicht verlangen, sie möchte eine fremde Sprache beschützen und fördern, ist ein banale» Nonsens. Wenn die deutsche Schule die Kenntniß der Sprache ihrer Erbfeinde, der Franzosen, begünstigt, wenn in den deutschen Gymnasien und Realschulen in der lateinischen, griechischen, englischen, hebräischen Sprache Unterricht ertheilt wird, wenn jüngst noch mit großem Kostenaufwande und vielen Bemühun­gen für die orientalischen Sprachen ein Lehrstuhl errichtet wurde, mit welchem Rechte kann man be­haupten, daß die deutsche Schule, wenn wir diese in den polnischen Landestheilen so nennen wollen, die Kenntniß der Sprache von drei Millionen preu­ßischer Unterthanen nicht fördern dürfe, die Sprache eines Volkes, welches gegen 12 Millionen Seelen zählt, eine so hervorragende Literatur in der Ver­gangenheit und in der Gegenwart besitzt, eines Volkes, dessen literarische Erzeugnisse in alle euro­päischen Sprachen übersetzt werden? Mit solchen Phrasen vermögen unsere Feinde die Berechtigung der letzten Schritte auf dem Gebiete des Schul­wesens nicht zu erweisen, ja nicht einmal den Schein hierfür zu erwecken. Die in den polnischen Pro­vinzen nicht nur polnischen, sondern auch deutschen Kindern entzogene Möglichkeit, die polnische Sprache im Allgemeinen und das polnische Lesen und Schrei­ben im Besonderen zu erlernen, wäre eine schwere Schädigung der Kinder selbst, sowie der Eltern. Jeder unparteiische Mensch wird uns hierin Recht geben."

* Für 1889 soll hier im Ausstellungspark eine Ausst ellung von Apparaten, Einrichtun­gen u. s. w. zur Verhütung von Unglücksfällen wie auch zur ersten Hilfeleistung nach Ünglücksfäl- len in Fabriken rc. geplant fein. Die Idee ging von der Brauerei- und Mälzerei - Berufsgenossen- fchast au», fand aber auch bei anderen Berufsge- noflenfchaften Anklang. Die Berufsgenossenschaft bezeichnet da» Zustandekommen der Ausstellung für gesichert.

* C r e f e l b , 3. Okt. In Betreff der Duell- Angelegenheit des Frhrn. v. Solemacher-Ant-

Jn dem Augenblicke, in dem diese Worte aus­gesprochen wurden, wurde unter den Zuhörern ein durchdringender Schrei vernommen, der von Sara, nicht von der Angeklagten herrührte.

Diese selbst blieb ruhig und suchte sogar ihre alte Freundin zu trösten und sie zu ermahnen, sich ihrem Schmerze nicht hinzugeben, da die Vorsehung, wenn es ihr Wille sei, Alles zum Besten lenken werde.

Sara war jedoch nicht in der Stimmung, Trö­stungen anzunehmen.

„Nein, Fräulein," sagte sie, „nein! Die Vor­sehung hat oftmals zugelaffen, daß Unschuldige lit­ten, und sie straft uns jetzt, weil wir so wenig an sie gedacht haben. Gott vergebe uns eine solche Vernachlässigung! Ach, Herr Darrell, sprechet und saget dem Sherif, daß uriter allen unschul­digen Geschöpfen dieser Welt die Tochter meines alten Herrn die Palme verdient; daß unter allen zärtlichen und gefühlvollen Herzen keines mit dem ihrigen verglichen werden kann; daß seit ihrer Ge­burt bis auf diese Stunde ihre Hand sich nie er­hob, um auch nur dem geringsten Wesen einen Schaden zu verursachen. Wie kann man sich den­ken, daß sie nach dem Leben eines ihr gleichen Wesens gestrebt habe! Ich kann nicht glauben, daß man so grausam fein roitb, ein unschuldige» Kind