M 225. Montag, den 3. Oktober. 5887
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Ein schwerer Schlag gegen die polnischen Katholiken.
Der polnische Sprachunterricht, welcher bisher in den Volksschulen der Provinzen Posen und Westpreußen den Kindern polnischer Nationalität ertheilt worden ist» wurde bereits von Ostern d. I. ab eingeschränkt. Nunmehr soll infolge höherer Anordnung der polnische Sprachunterricht vollständig aufhören, die dadurch gewonnenen Stunden sollen zum deutschen Sprach- unterricht benutzt werden; die Lehrer in den betreffenden Kreisen haben bereits eine gedruckte Benachrichtigung und Anweisung seitens der Kreis- Schulinspektoren erhalten, denen die neuen Stundenpläne in den ersten Tagen des Oktober» d. I. einzusenden find. Den Anlaß zu dieser Anordnung hat, wie die polnischen Zeitungen mittheilen, die in Lehrerkreisen gemachte und in den Kreis-Lehrer-Konferenzen ausgesprochene Wahrnehmung gegeben, daß die polnischen Kinder in den Volsschulen der Provinz Posen bisher noch immer recht geringe Forschritte gemacht haben. Diese Verfügung bildet den Gipfel aller bisherigen antipolnischen Maßregeln, fie ist der härteste Schlag gegen die polnischen Katholiken.
Um die Tragweite diese» Schrittes zu ermeflen, muß daran erinnert werden, daß auf Grund der Instruktion von 1842, entsprechend der königlichen Zusicherungen, für polnische Kinder die polnische Sprache Unterrichtssprache war, wobei natürlich auch die deutsche Sprache gelehrt wurde. Dieser gerechte und billige Zustand wurde im Anfang de» Kulturkämpfe» durch die Falk'sche Schulordnung vom 27. Oktober 1873, also gerade heute vor 15 Jahren, vollständig beseitigt, denn da» Polnische wurde al» Unterrichtssprache auf allen Stufen, mit einziger Ausnahme de» Religionsunterrichte» aufgehoben. Selbst der kleinste polnische
Rosenkranzmonat.
Mit leisrn Schritten zieht der Herbst durch'» Land» Und fallend Laub bezeichnet seine Spuren;
Er pflückt die letzten Blumen von den Fluren, Drauf einst der Sommer sein« Kränze »and.
Doch leuchtender al» ird'scher Blüthen Slanz Strahlt einer Himmeljblume Herrlichkeit;
Sie blüht in später öder Herbstejzeit Sar lieblich auf im heil'gen Rosenkranz.
Ihr Rose«, unverwelllich, dornenlos, Dem Blut entsproffen, da» vom Kreuze floß, stankt Such empor, zieht austvärts unfern Sinn Zum hohen Thron der Himmel»königin l
o Der drs Seim.
dem Spanischen mit Srlaubniß bei Verleger« übersetzt.
*. Fortsetzung.
Den Arm um den Hal» Sara» lehnend, umtonte fie zärtlich die treue Dienerin.
.Am Ende wird fich Alle« aufllären, meine liebe Sara," sagte fie zu ihr; „nie wird Jemand glauben, daß ich dieses Verbrechen» schuldig bin; «te, nie! Der wahre Mörder wird gefunden, viel- leicht schon in dieser Nacht, während ich hier ungeschloffen bin. Der gute Gott, welcher weiß,
Schüler wurde schon im ABC sofort in der ihm fremden deutschen Sprache unterrichtet, und alle Petttionen und der vom Centrum unterstützte An- tag der polnischen Fraktion um Wiedereinführung der polnischen Unterrichtssprache, welcher am 5. Mai 1885 zur Verhandlung kam, hatten keinen Erfolg. Im Gegentheil forderte eine Verfügung de» Posener Oberpräsidenten auch die Ertheilung der Religionsunterrichts in der deutschen Sprache. Diese Verfügung hob allerdings der Kultusminister auf, aber nun half man sich in der Praxi» damit, daß man polnische Kinder mit deutschen Namen zwangsweise dem deutschen Religionsunterricht überwie» oder diesen Unterricht für einzelne Schulen einführte.
Immerhin aber blieb für die polnischen Kinder noch ihre polnische MutterspracheGegen- stand de» Unterricht»; siekonnten, wenn auch nur in wenigen wöchentlichen Stunden ihre Muttersprache lesen und schreiben lernen, und wurden so wenigstens in den Stand gesetzt, den Katechismus und die Kirchenlieder zu lesen. Als dann aber die Maffenversetzung polnischer Lehrer nach anderen Provinzen und der Import de» Polnischen unkundiger Lehrer nach polnischen Gegenden begann, sah man, wohin diese Maßregeln führen mußten: zur gänzlichen Beseitigung de» Polnischen auch als Lehrgegenstand. In der That begannen bereits im April diese» Jahre» einige Schulinspektoren, da» Ertheilen de» polnischen Sprachunterricht» in den zwei unteren Schulklaffen zu verbieten, und nun wird dieser Verbot mit einem Schlage auf alle polnischen Gegenden und alle Schulklassen ausgedehnt I
Aber wenngleich alle» auf diesen Schlag hin- beutete, wird man ihn im Posen'schen kaum für möglich gehalten haben. Herr v. Goßler erklärte noch am 5. Mai 1885, e» sei nicht die Aufgabe der Unterrichtsverwaltung, die polnischen Kinder zu entnationalisiren, und er denke nicht daran, ihnen ihre Muttersprache zu nehmen. Und jetzt soll da» polnische Kind nicht einmal im Lesen und Schreibm seiner Muttersprache unterrichtet werden! Hat man sich auch wirklich die ganze Tragwette und alle Folgen dieser Verfügung klar gemacht? Lernt da» polnische Schullind nicht einmal polnisch lesen, so bleibt der Katechi»mu», die biblische Geschichte,
daß ich unschuldig bin, wird mich nicht immer leiden lassen."
„Er wird Dich nicht leiden lassen; nein, meine Liebe, nein!" rief Sara au», während ihr die hellen Thränen die Wangen jherabliefen und fie Millicent an ihr Herz zog.
Sara erinnerte fich zitternd, wir viele arme Unglückliche damal» litten, und sie dachte daran, daß kaum eine Woche verging, ohne daß eine Hinrichtung stattfand. Wie konnte man wissen, ob alle, welche ihr Leben mit einem so schimpflichen Tode beendeten, der Verbrechen schuldig waren, deren fie verurtheilt wurden. Nie hatte fie daran gedacht bi» jetzt, da fie immer glaubte, die Richter oder die Geschworenen wüßten, wa» fie thun müßten, und daß jene Hinrichtungen nach ihrem Ermessen nothwendig seien.
„O Fräulein Mrlly, Fräulein Millyl Warum habe ich mich nicht vergangene Rächt bei Euch be- funben?" sagte fie zu ihr; „ich wollte zwar nach betn Schlosse gehen, al» Darrell Euch verlassen hatte, aber ich wußte, daß der Kapitän nicht gut auf mich zu sprechen war, und ich glaubte, daß meine Gegenwart ihn noch mehr gegen Euch aufbringen werbe.*
Man hörte den letzten Schritt auf dem Schnee, die letzten schwankenden Lichter erlösät«. Die lange Winternacht, welche den beiden Frauen ewig
ja da» Gebet- und Gesangbuch für dasselbe ein verschlossene» Buch. Schon jetzt klagen viele Seelsorger in polnischen Gegenden, daß 50 Prozent bet Konfirmanden nicht den Katechismus lesen können und daß die Vorbereitung der Kinder zu den heiligen Sakramenten mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist. Wird die Ertheilung dieses für das ganze religiöse und sittliche Leben so wichtigen Unterricht» nicht ganz zur Unmöglichkeit ober zur erdrückenden Last, fall« die Verfügung in Krafl tritt? Ja, selbst beten und in seiner Muttersprache Gott lobsingen wird da» polnische Kind in der Schule ferner nicht lernen, und welche Folge muß da» für den ganzen Gottesdienst für das religiöse und sittliche Leben der ganzen Gemeinde haben?
Es widerstrebt uns, diese» Zukunftsbild weiter auszumalen; aber daran darf wohl erinnert werden, daß die Schule auch dazu da ist, „dem Volke die Religion zu erhalten." Lernt aber da» Kind in feiner Muttersprache nicht einmal lesen, so fehlt ihm da» wichtigste und noth- wendigste Mittel zur Ausübung feiner Religion, zur Erfüllung feiner religiösen Pflichten. Mit welchen Gefühlen der polnische Klerus und die polnischen Eltern diese Verfügung aufnehmen werden, das kann man sich denken. Wie soll der Klerus seine religiöse Unterrichtspflicht Kindern gegenüber erfüllen, die im Lesen ihrer Muttersprache unkundig find? Und die Eltern haben für den Unterhalt einer Schule zu sorgen, in welcher ihre Kinder nicht einmal da« lernen, wa» ihnen für das Heiligste, die religiöse Pflichterfüllung heutzutage nothwendig ist?
Und war denn diese Verfügung nothwendig und durch irgend einen pädagogischen Grund geboten? Seit wann schadet denn, wa« man lernt t Und seit wann ist das Lesen und Schreiben in der Muttersprache ein Hinderniß für irgend etwa«? Oder glaubt die Regierung, daß nun die polnischen Kinder im Deutschen bessere Fortschritte machen werden, wenn sie kein polnische« ABC lernen? Wir fürchten, daß die gänzliche Verbannung der Muttersprache polnische Eltern und Kinder noch mit größerem Widerwillen gegen eine Schule erfüllen wird, welche fie schon vorher al« Germanisirung«miUel betrachteten. Wir fürch- zu währen schien, ging doch vorüber, wie jede Nacht in dieser Welt vorüberzugehen pflegt, und die traurige Morgenröthe be» Tage» schien bleich burch bte Eisenstäbe be» Gefängnisse» zu Compton.
Eine Miethkutsche be« „Schwarzen Bären" brachte bte beiden Gefangenen zum Sherif. Die Famllie war beim Frühstücke, al» fie vorfuhren, während die Stimmen und da» Geschrei der Kinder au» dem Hause tönten.
Sie durchschritten den Vorhof, bevor fie in da» Bureau be« Sherif» eintraten. Dasselbe war ein bunkele» Gemach, nur durch einige schmale Fenster erhellt, und da» Mobilar bestand au» einigen eichenen Stühlen mit geschweifter Lehne, die um einen Tisch standen, und einem gewaltigen Schreibzeug , welche« da» Herz eine» Angeklagten mit Furcht erfüllen mußte.
In diesem Zimmer erwarteten Millicent und Darrell mit dem Konstabler und Sara die An- ünft de» Sherif« Montagne Bower«.
Eine große Volksmenge hatte fich auf dem Vor- sofe angesammelt und fich in die Nähe der Kam- merthüre auf gestellt; ein Jeder aus der Menge war überzeugt, daß er etwa« über das 93er* chwinden des Kapitän» wissen müsse und berufen ei, durch feine Aussage dem Staate einen Dienst zu erweisen.