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Bei dem bevorstehenden
Quartalswechsel (1. Oktober
1887) werden die verehrlichen Abonnenten gebeten, ihr Abonnement bei den kgl. Postanstalten rechtzeitig zu erneuern, damit m der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Aus die nach dem 1. Oktober erfolgenden Zeitungs-Bestellungen berechnen die Postanstalten eine um 10 Pfg. höhere Gebühr.
Eine Enthüllung der Vorgeschichte der bayrischen Königs-Katastrophe.
Unter dieser Ueberschrist bringt die »Köln. Volksztg.' einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen:
Drei Tage nach der Katastrophe am Starnberger See wurde von „bestunterrichteter Seite" von München aus in alle möglichen Zeitungs-Büreaus Hinaustelegraphirt, rote folgt: „Durch einen Sekretär des Baron Rothschild in Paris wurde das Anerbieten gemacht, dem König 40 Mill, zur Verfügung zu stellen gegen die Zusicherung der Neu- tralität Bayerns im Kriegsfall, der damals wegen der griechischen Frage rc. recht unangenehm nahegerückt war. Der Bevollmächtigte des Finanziers unterhandelte mit einer hiesigen sehr hohen Persönlichkeit, ohne zu bedenken, daß dieselbe sich höchster Gunst in Preußen erfreut. Um Bayern davor zu bewahren, daß ihm mit französischem Gelde geholfen werde und um gleichzeitig den gegen Preußen zielenden Plan der bayrischen Neutralität zu vereiteln, wandte sich die hiesige hohe Person einfach an Prinz Luitpold und theilte ihm alles mit. Daraufhin kam die Regentschastsfrage, die ursprünglich bis mindestens »ach der Ludwigs Jubiläumsfeier verschoben war, in Fluß und zu schneller Erledigung."
Jedermann mußte aus dieser Noth entnehmen, daß König Ludwig nahe daran war, einen hochverrätherischen Vertrag mit Frankreich gegen den Judaslohn eines Darlehens abzuschließen. Die Einsetzung der Regentschaft erschien jetzt auf einmal als Rettung des Reiches und Staates, als absolut nicht länger aufzuschiebende politische Nothwendigkeit, der Tod des Königs als ein Glück. Welches war nun die äußere Veranlassung zu jenen Ausstreuungen gewesen?
Wie aus den in alle Zeitungen übergegangenen steno- Saphischen Berichten über die Verhandlungen der bayri- en Reichsraths- und Abgeordneten-Kammer vom 21. bezw. 20. Juni 1886 erhellt, war in der That schon am 6. Januar 1886 beim königlichen Kabinet ein Brief an Ludwig II. aus Frankreich eingelaufen, welcher auf der Adresse den Vermerk trug: „Lettre absolument personelle au Boi“. Der Absender wollte also, daß der Brtef unbedingt zu des Königs eigenen Händen gegeben werde. Dieser Brief wurde aber im königlichen Kabinet sofort mit Beschlag belegt. Abg. Dr. Stamminger fragte am 26. Juni 1886: „Konnte man denn einen Brief des
o Der Kapitiin des Geiers.
Xus dem Spanischen mit Erlaubniß des Verlegers übersetzt.
1. Fortsetzung.
„War soll der hier bei D r?" fragte er seine an allen Gliedern zitternde Frau.
„Als Verwandter — al» Freund —" stammelte diese. , ,
„Nein," brüllte Duke, „er will den rechtmäßigen Gatten bei Dir ausstechen. Aber," und er machte mit der Hand eine drohende Bewegung, „laß ihn mir nicht mehr vor die Augen kommen."
Erst gegen 9 Uhr traten die beiden Gatten den Weg in's Schloß an, begleitet von Darrell und Samuel, welche sürchteten, Duke möchte sich zu Gcwaltthätiqkeiten gegen seine unschuldige Gattin hinreißen lassen. Doch beide Gatten sprachen auf dem ganzen Wege kein Wort mit einander. Als aber beide im Schlöffe waren, und Darrell und Samuel fich entfernt hatten, fing der Kapitän von Neuem an zu fluchen, und Niemand konnte ihm etwas recht machen. Er schrie nach Wein und Cognac, und Millicent beeilte sich, da» Verlangte herbeizuschaffen. Dann verließ sie den Kapitän und eilte nach ihrem Zimmer.
Königs unterschlagen, wenn man nicht wenigstens zu dieser Zeit (im Januar) an seinem geistigen Zustand schon gezweifelt hat?" Minister Frhr. v. Lutz erwiderte darauf: „Der KabinetS-Sekretär macht alle Briefe Sr. Mazestät auf — so war es bisher, so war es unter zwei Königen, soviel ich weiß; die Briefe, die für Se. Majestät nicht von Interesse sind, werden, wenn Sie wollen, unterschlagen — sie fallen in den Papierkorb oder werden der sonst angezeigten geschäftlichen Behandlung zugeführt. Es werden nur nicht ausgemacht diejenigen, die osfensichtltch von distinguirten Persönlichkeiten herrühren. Das war mit dem Briefe des Franzosen gewiß nicht der Fall." Jndeß wanderte der Brief des Franzosen nicht etwa in den Papier- korb, sondern er wurde vermuthlich dem Minister des Aeußern, Freiherrn v. Crailsheim, zur „angezeigten geschäftlichen Behandlung" zugeführt. Welches war nun der Inhalt des Briefes: Der Hauptsache nach folgender: Der Absender des Briefes bot dem Könige die sofortige Vermittelung eines Darlehens von 40 Millionen Francs be, den Prinzen aus dem Hause Orleans an, welches Darlehen als getilgt gelten sollte, wofern der König ,m Knegs- falle Deutschlands mit Frankreich Bayern neutral zu erhalten vermöge. ...... o ~ x
Erst nach fast einem halben Jahr (leit dem 6. Januar) trat der Brief offiziell wieder ans Tageslicht, als die Kammer der Abgeordneten am 22. Juni das auf dte Regentschastsfrage bezügliche Akten-Material und damit auch jenen Brief in Vorlage bekam. Rach der Aussage eines jener einzig in der Geschichte dastehenden Komgs- zeugen aus der Bedientenstube sollte König Ludwig einmal den mündlichen Auftrag gegeben haben, den Grafen von Paris um ein Darlehen anzugehen. Dieser Auftrag sei von dem betreffendem Bedienten auf einen Zettel geschrieben und vom König mit einer übrigens unleserlichen Korrektur versehen worden. Der Auftrag war nicht mit der leisesten politischen Anspielung verbunden. Auch dieser Zettel gelangte direkt in die Hände der Minister. Am 14. Juni aber — wenige Tage nach Einsetzung der Regentschaft — brachte der Pariser ,Matin', angeblrch „von bestunterrichteter Seite aus München informirt", einen angeblich durch Stallleute und Lakaien vermittelten und gleichzeitig dem Fürsten Bismarck mitgetheilten Anleiheversuch bei den Orleans in höchst abenteuerliche Verbindung mit gewiffen diplomatischen Schritten des Kanzlers in München und Paris, abzielend auf Entmündigung König Ludwigs und auf Ausweisung der französischen Prinzen. Ein Pariser Journal bezeichnete diese Ausstreuungen sofort als „malpropretSs“, zu deutsch „unflätiges Zeug", und nur wenige Zeitungen nahmen dieselben als baare Münze. Am 16. und 17. Ium endlich erfolgte gleichfalls von bestunterrichteter Seite aus München der eingangs erwähnte Hauptschlag gegen den tobten König durch Veröffentlichung des Inhalts jenes französischen Briefes in tückisch verdächtigender Form. Welches waren nun die Urheber dieser Veröffentlichung?
Roch am 22. Juni schrieb die Münchener .Allgemeine Zeitung': „Erst als der König in seinem geistigen Verfall so weit gekommen war, daß er Handlungen nahe getreten war, welche seine Ehre und Existenz als bayrischer Souverain und das innerste Lebensintereffe Bayerns als selbstständigen Staates wie als deutschen Reichsguedes angreifen mußten, konnte keinen Augenblick mehr gesäumt
In stummer Verzweiflung sank sie auf einen Seffel nieder. Lange saß sie da in Gedanken vertieft: Die Bilder der Vergangenheit zogen an ihrem Geiste vorüber; sie gedachte der glücklichen Tage, die sie in dem schwarzen Bären und am einsamen Strande vonMarley verlebt hatte; keine düstere Wolke hatte ihr ruhige», stille» Leben ge. trübt: glücklich und zufrieden hatte sie gelebt; da erscheint mit einem Male der Mann, den sie nre lieben kann, an den aber der Wille ihre» Vater» sie gebunden hatte; der längst todt Geglaubte er- scheint plötzlich wieder und vernichtet mit einem Male die so glücklich geträumte Zukunft. Verzweiflung ergriff sie bei diesem Gedanken, und ein schrecklcher Gedanke tauchte in ihrem Geiste auf. Doch sie schauderte zusammen und dachte an da» Frevelhafte dieser Absicht.
„Nein", sagte sie zu sich selber, „em Verbrechen will ich nicht begehen, und sollte ich auch während meine» ganzen Leben» unglücklich bleiben. Doch will ich hingehen und mich meinem Manne zu Füßen werfen, ihn bitten, mir gut zu sein oder mich mein Leben in der Einsamkeit, fern von den Menschen, beschließen zu lassen."
Diesen Gedanken folgte auch sogleich die That.
werden, die Führung der Regierung de» Königreiches in die nächstberechtigten Hände zu legen." Das .Bayrische Vaterland' des Dr. Sigl spricht gleichfalls am 22. Juni nach denselben Gedanken in einem langen Leitartikel aus, der mit dem Satze Beginnt: „Der Handel mit den Orleans war's, was, wie die »Köln. Ztg.' bemerkt, dem Faß den Boden ausgeschlagen hat! Damit kam die erste Aktion in Fluß." So die Münchener Blätter am 22. Juni! Das republikanische,Journal des Döbats' in Paris aber hatte von seinem Münchener Korrespondenten schon am 19. Juni über die angeblichen Unterhandlungen mit dem Hause Rothschild folgende D-pesche erhalten: „Diese ganze Geschichte ist nichts anderes als eine Jnttigue, ersonnen von bayrischen politischen Persönlichkeiten (personnages poli- tiques bavarois), für die ein Interesse besteht, um jeden Preis das Andenken an den verstorbenen König schwarz zu machen (noircir), und die es bequem finden, ihn anzuklagen, er habe das deutsche Vaterland verrathen wollen."
In München sickerte die Wahrheit nur tropfenweise und nicht ohne Schwierigkeiten durch. Der Referent der Reichsrathskammer, Staatsrath Excellenz v. Neumayr, ehemaliger Minister König Ludwigs II.» sagt in seinem Berichte vom 21. Juni, er wolle über diesen von der Presse „ganz besonders ausführlich besprochenen Fall" in die näheren Details eingehen. „Es wurde nämlich dem Ausschüsse ein beschlagnahmter Brief vorgelegt, welchen ein Geschäftsagent in Paris an den König gerichtet hatte mit einem bedeutenden Darlehnsanerbieten, das der Agent durch das Haus Rothschild zu vermitteln sich erbietet gegen die Bedingung der bayerischen Neutralität in einem französisch-deutschen Kriege." »übrigens hat Herr v. Neumayr „ausdrücklich konstatirt", daß „der Brief durchaus keine Erwähnung von einer an den Agenten ergangenen Aufforderung oder sonstigen Veranlassung des Anerbietens enthält," und er schließt mit der Bemerkung, daß der Vorgang „in der Presse außerordentlich aufgebauscht" worden sei. Durch die Worte „ein Geschäftsagent in Paris" beweist der Herr Referent, daß er weder Ueberschrist noch Unterschrift des Briefes, ja nicht einmal, was auf dem Kouvert stand, gelesen hat! Erst im Berichte des Abgeordneten Bonn vom 26. Juni, welcher seinerseits die ganze Geschichte als belanglos behandelte, ttfmmt die wahre Adresse des Briefschreibers zum Vorschein. Die Überschrift lautete: „Le Passage d’Agen le 4 janvier 1886,“ die Unterschrift : „Raymond Faur6 (de Tonneins), Inventeur mecanicien au Passage d’Agen (Lot et Oaroune.)“ Und damit haben wir den Namea des Mannes genannt, der — freilich ohne es zu wollen — in einer hochwichtigen und ewig denkwürdigen Staatsaffaire „die Aktion in Fluß" gebracht haben fall und den König Ludwig II. nach seinem Tode in den Ruf „eines Hochverräthers am Reiche" brachte.
Der Gewährsmann der ,Köln. Volksztg.' hat nun diesen Raymond Saure nicht ohne Schwierigkeiten ausgesucht und gefunden, daß ^rselbe ein Geisteskranker ist, der sich einbildet, das Perpetuum mobile erfunden zu haben. Der Gewährsmann des rheinischen Blattes schildert diese Begegnung wie folgt: „Ich stand vor einem armseligen Häuschen und trat durch eine nur angelehnte Thür in ein fensterloses Parterregelaß ein; der Boden war mit rothen Ziegelsteinen gepflastert, zur Rechten ein ländlicher Kamin, zur Linken ein Verschlag aus morschen, durchlöcherten Brettern, sichtlich Strandgut aus der vorbeifließenden Ga- Hastia verließ sie ihr Zimmer und eilte nach der Wohnung de» Kapitän». Nur mit Mühe konnte sie die schwere Thür öffnen. Doch starr wie eine Leiche blieb sie nach einigen Schritten, die sie in da» Zimmer gethan, stehen. Eine Blutlache lag vor dem Bette de» Kapitän»; er selbst lag auf dem Bette bleich wie der Tod, und au» einer schrecklichen Wunde am Halse strömte da» Blut wie ein Bach.
Millicent stieß einen furchtbaren Schrei au» und floh entsetzt vor dem schrecklichen Anblicke.
Trotz ihre» wahnsinnigen Schrecken» erinnerte sie sich doch, daß e» ihr viel leichter sei, au» diesem unglücklichen Hause durch da» Thor, welche» in den Garten führte, al« über die Treppe und durch da» Vorderhaus zu entkommen.
Diese Thür befand sich in einer Mauervertiefung, welche durch Tap-ten ganz verdeckt war.
Millicent entfernte die Tapeten, öffnete die Thjir, die nur durch einen Riegel verschlossen war, eilte schnell bie flemeine Treppe hinab und nahm ihren Weg durch die einsamen Pappelalleen de» Parke».
Bi» an die Kniee sank sie in den Schnee ein,