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M 221.
Mittwoch, den 28. September.
1887
filhrr W Jeitiig.
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rannen zwischen den Fingern hindurch und tropften
Und in dem Uebermaß seiner Freude barg er da» Gesicht in den Händen und seine Thränen
Hauptbuch.
Und al» der Alte sich wieder emporrichtete,
* Das Manifest des Grafen von Paris
sagt im Wesentlichen:
Die Monarchisten der Kammer, obwohl genug zahlreich, um auf die Entschließungen der Nationalversammlung einzuwirken, haben die Leitung der Angelegenheiten doch nicht in den Händen; sie müssen also heute die konservativen Interessen und das öffentliche Vermögen vertheidigen, ohne die parlamentarischen Krisen zu vermehren. Sie haben sich um das konservative Frankreich verdient gemacht. Aber die scheinbare Ruhe verbirgt nur unvollkommen die Gefahr der Zukunft. Wahlrücksichten beherrschen die allmächtige Kammer und machen alle Versuche zur Herstellung der Ordnung der Finanzen unfruchtbar; der stete Wechsel der Exekutivgewalt isolirt Frankreich in Europa. Die Sicherheit steht nicht außer Zweifel; überall unterdrückt die siegende Partei das übrige Bürgerthum, und Niemand hat Vertrauen auf den morgigen Tag. Diese Situation legt den Monarchisten im Lande andere Pflichten auf; sie müssen zeigen, wie nothwendig die Monarchie in Frankreich ist und wie leicht deren Wi derherstellung wäre, müssen das Land über die eingebildeten Gefahren, welche mit dem Uebergange verbunden sein sollen, beruhigen und ihm beweisen, daß der Uebergang auf gesetzlichem Wege erfolgen kann. Vergeblich proklamirte der Kongreß den ewigen Bestand der Republik; was ein Kongreß schuf, kann ein anderer vernichten. An jenem Tage, an welchem Frankreich diesfalls klar den Willen geäußert haben wird, kann sich kein Hinderniß der Rückkehr zur Monarchie entgegenstellen. Der Moment ist günstig, um zu sagen, daß die Monarchie keinen Schritt nach rückwärts bedeuten werde, daß sich das Prinzip der historischen Tradition gut modernen Einrichtungen anpaffen laffe, daß sie in die Regierung unserer demokratischen Gesellschaft ein das Gleichgewicht herstellendes Element bringen wird, welches der republikanischen Regierung mangelt. Um nach vielen Revolutionen eine Regierung zu gründen,
„Seht, Ämter," spr ich der Greis, „seht diese Hand, wie sie zittert, sie vermag kaum noch die Feder zu halten. Da» neue Hauptbuch mag ich nicht entstellen, erlaßt e» mir."
Hermann und Gabriele ließen nicht nach, ihn mit Bitten zu bestürmen, so daß er endlich nachgab. Auf ihren Arm gestützt, trat er au» dem Zimmer und schritt langsam die Treppe hinab. Seine Augen lächelten glücklich, al» er bemerkte, wie der Eingang zu den Geschäftslokalen mit Grün und Blumen geschmückt war.
Erschöpft ließ sich Steider auf den Sessel vor dem Schreibpult nieder, auf welchem das neue und große Hauptbuch dieses Hause» lag. Gabriele und Hermann standen ihm zu beiden Seiten und blickten einander lächelnd an. Hermann gab der Braut einen Wink mit den Augen, da schlug sie da« vor dem Alten liegende Hauptbuch auf.
Arglos blickte der 2Ute hinein, und erschrocken fuhr er zurück, al» er die Aufschrift auf dem Titelblatt erblickte.
„Äinder, Kinder," rief er mit bewegter Stimme, „da» ist zu viel für mich!"
Dich tigtet Schild.
Roman aus der Handelswelt.
(Schluß.)
Gabriele lächelte. „Er hoffte, daß e» heute geschehen solle, wenn Sie sich wohl und kräftig genug fühlten," antwortete sie.
„Ich?" fragte der Alte überrascht.
„Ja, Sie müssen dabei sein," rief Gabriele, „denn Ihr Werk ist es, daß die« alte Haus von Neuem in's Leben tritt."
Bei dem bevorstehenden Quartalswechsel (l. Oktober 1887) werden die verehelichen Abonnenten gebeten, ihr Abonnement bei den kgl. Postanstalten rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Auf die nach dem 1. Oktober erfolgenden Zeitungs - Bestellungen berechnen die Postanstalten eine um 10 Pfg. höhere Gebühr.
„Was soll ich dabei, Kind?" erwiederte der «reis. „Ich kann Hermann nicht unterstützen, er 8ni6 das Geschäft ja doch allein führen und leiten." Der Genannte trat in diesem Augenblicke in dar Zimmer und hörte noch die letzten Worte. „Nein, nein Onkel," rief er, „Du mußt dabei ohne Dich wird das Geschäft nicht eröffnet!
3ch habe noch einen besonderen Wunsch und eine «itte dabei, die darfst Du mir nicht abschlagen. ^4 bitte Dich, in dem neuen Hauptbuchs dieses Aause« die ersten Zeilen zu schreiben und den ersten Posten einzutragen."
„Nein, nein," rief der Alte abwehrend, „nur <Mne Hand soll in dem Buche stehen und gebe «olt, Hermann, daß nie eine andere Hand nölhig M, auch nut eine Z ile hmeinzuschretben." , ... v ,
die erst n Z ilen sollst Du schreiben, wie einst langsam auf das vor ihm aufgeschlagene Me, thue eS, Onkel," bat Hermann, und Ga- onele unterstützte feine Bitte.
| beten Grundlage fester und breiter wäre, als die einfache Besitzergreifung der Gewalt oder eine Delegation der Souveränetät der Zahl, muß man die historische
I Tradition durch einen freien Vertrag zwischen der | Nation und der Familie, welche der Erbe dieser
Tradition ist, wieder aufleben laffen. Diese gegenseitige I Verpflichtung besiegelt das historische Recht, bindet die I künftigen Generationen, kann allein die Stabilität sichern, deren Frankreich so sehr bedarf, um einen Rang in Europa wieder einzunehmen, ebenso wie die wahre Freiheit, die namentlich der Schutz der Schwachen ist. Dieser Pakt wird Namens Frankreichs entweder durch eine Konstituante oder durch ein Volksvotum (P le bi seit) in Kraft gesetzt; gerade weil sie in der Monarchie nicht gebräuchlich, ist letztere Form um so feierlicher und paßt beffer für ; einen Akt, der sich nicht erneuern soll. Sie gestattet, ohne : Aufschub der Verfassung eine solide Grundlage zu geben.
Ein von der öffentlichen Meinung getragenes Regierungssystem hat nichts von dieser direkten Befragung der Nation zu befürchten. Durch das allgemeine Stimmrecht (Suffrage nniversel) sollen die Abgeordnete n gewählt werden. Die Monarchie wird stark genug sein, um das Suffrage universel mit Garantien der Ordnung vereinbar zu machen, welche das von dem republikanischen Parlamentarismus angewiderte Land verlangt. Das Land wird eine starke Regierung begehren, weil es sehr gut begreift, daß selbst ein wahrhaft parlamentarisches Regime damit vereinbar sei. Unter der Republick regiert die Kammer ohne Kontrole, unter der Monarchie regiert der König mit Hilfe der Kammer. Eine gleiche Autorität wie die Kammer wird der Senat haben, der zum größeren Theile gewählt werden und die Vertreter der großen sozialen Kräfte und Jntereffen vereinigen soll. Von diesen beiden Vertretungskörpern wird das Königthum, welches Minister als Interpreten hat, die sich auf die eine oder andere Kammer stützen können, geführt werden, ihnen aber nicht unterworfen sein. Das Budget, anstatt jährlich votirt zu werden, soll künftig ein gewöhnliches Gesetz sein und bloß durch Uebereinstimmung der drei Gewalten abgeändert werden. Alljährlich wird ein Finanzgesetz blos die von der Regierung vorgeschlagenen Aenderuugen enthalten; werden diese verworfen, so wird nicht der ganze öffentliche Dienst suspendirt sein, wie durch die Ablehnung des Budgets. Dabei werden aber die konstitutionellen Prinzipien strenge befolgt, keine neue Steuer, keine neue Ausgabe ohne Zustimmung der Erwählten der Nation beschlossen und aufgelegt werden. Den Erwählten der Nation fällt auch die Aufgabe der freien Diskussion aller Landes- Interessen zu; aber die Laune der Abgeordneten-Kammer wird nicht mehr unversehens das öffentliche Leben und die nationale Politik lähmen können. Die Monarchie wird die Ordnung der Finanzen, der Verwaltung und die Unabhängigkeit der Justiz wieder Herstellen. Sie muß unsere Situation in Europa erhöhen, wir müssen wieder als von unseren Nachbarn geachtet und gesucht erscheinen. Dank dem durch die Solidstät seiner Institutionen hervor-
gerufenen Vertrauen wird Frankreich die nothwendige Autorität haben, um mit den Mächten Verträge zu schließen und eine gleichzeitige Erleichterung der Militärlasten, welche das alte Europa zu Gunsten anderer Theile der Welt ruiniren, anzustreben. Die Monarchie wird allenKulten jedenSchutz gewähren, welchen eine aufgeklärte Regierung dem Glauben schuldet, der die menschliche Seele über das Erden-Elend erhebt, Herz und Muth stärkt; sie wird dem Klerus die Achtung, deren er für seine Mission bedarf, sichern, und indem sie den Gemeinden die Unabhängigkeit auf dem Schulgebiete, die ihr von einer tyrannischen Regierung entrissen wurde, wieder- giebt, wird sie Frankreich die Freiheit der christlichen Erziehung wiedererstatten. Die Monarchie wird den religiösen Gesellschaften wie anderen die Freiheit sichern, welche unter gewissen Bedingungen der öffentlichen Ordnung das gemeine Recht aller Franzosen werden wird, anstatt, wie heute, das Privilegium einer Partei zu sein, und so wird der religiöse Friede, welchen eine Politik der Intoleranz so sehr gestört hat, wiederhergestellt sein. Die Monarchie wird die militärischen Traditionen vor Fluktuationen der Politik schützen, indem sie der Armee einen unabsetzbaren und unbestrittenen Chef gibt. Die Stabilität der Regierung wird der Monarchie gestatten, sich mit den Problemen der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land zu befassen, deren Schicksal zu verbeffern und ihre Leiden zu sänftigen. Anstatt die Klassen gegen einander aufzuhetzen, wird sie sich bemühen, sie zu versöhnen und so den sozialen Frieden herbeizuführen.
Das Manifest trägt die Unterschrift: „Philipp Graf von Pari»." Der „Univers" jammert zwar darüber, daß der Graf von Paris, nach dem Rechte der Legitimität allerdings der König von Gottes Gnaden, diese Grundlage des Königthums preisgegeben und sich auf den Boden des Volkswillens, des Plebiscils, gestellt habe. Aber das heutige Frankreich ist nun einmal demokratisch und dieser Strömung sich schroff entgegenstellen, hielten wir für einen Akt großer politischer Unklugheit. Der Graf von Pari« will au« dem PlebiScit auch keine dauernde verfassungsmäßige Einrichtung machen, und das unterscheidet ihn stark von dem Bona- pariismus. Nur für die erstmalige Wiedereinführung der Monarchie will er eine allgemeine Volksabstimmung; wenn er einmal im Sattel sitzt, hofft er schon reiten zu können und sich festzusetzen, daß das feurige und an Capricen reiche Pferd Frankreich ihn nicht mehr abwerfe. Die Orleans unterscheiden sich von dem Grafen Chambord unter manchen nicht gerade schönen Eigenschaften doch auch dadurch, daß sie au» der Geschichte jetzt et« schloß er Hermann und Gabriele zusammen in seine Arme und seine Lippen vermochten nur zu sagen: „Es ist zu viel, zu viel für mich."
„Es ist nur Dein eigenes Werk," erwiderte Hermann ergriffen. „Es ist nicht mehr als billig, daß dies Geschäft auch Deinen Namen mit trägt, denn Du allein hast es gerettet, ohne Dich wäre auch die Firma Damken für immer erloschen gewesen. Nun gieb diesem Buche auch noch Deinen Segen und trage den ersten Posten in dasselbe ein, thue es, Oakel."
„Nein," erwiderte der Alte, indem er diese Bitte mit dem greifen Haupte schüttelnd, ablehnte. „Ich bin zu schwach, um an der Leitung de» Geschäfts ferner theilzunehmcn. In Deiner Hand allein soll sie ruhen und nur sie soll eintragen, was das Geschäft betrifft. Aber auf die erste Seite, welche meinen Namen trägt, will ich wenige Worte schrei- ben, auf denen Segen ruht. Sie find der Wahlspruch meines ganzen Lebens gewesen, und haben sich stets bewährt."
Er ergriff die Feder und schrieb mit sicherer Hand auf die erste Seite die Worte:
„Halt zu Gott, so hält auch Gott zu Dir!"
„Dies ist mein Segensspruch," fuhr er fort, „an ihm haltet fest." Dann schloß er beide bewegt und dankend in seine Arme.