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M 218.

Sonnabend, den 24. September.

1887

M«er M Leitung.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Erstes Blatt.

♦ Ueber die Pflichten der Katho­liken gegenüber der Preffe

sagt das .Wests. Vbl.': „Wir sollen überall, wo wir zu Worte kommen, unsere Ansicht klar und bestimmt ausdrücken. Diese Ansicht kommt aber nirgendwo so oft und so wirksam zur Geltung, als in der katholischen Presse. Es war sehr wohl vorbedacht, daß unser politischer Führer gerade diesmal mit solcher Wärme auf die katholische Presie und ihre Vertreter hinwies; denn niemals haben wir die Preffe nöthiger gehabt, als unter den jetzigen Verhältniffen. Die „Einfchläferer" kommen von allen Seiten, die Gegner thun für ihre Presse, was sie können — jedenfalls nicht aus Liebe zur katholischen Sache —, die Unter­scheidungen werden von Tag zu Tag feiner, die Widersacher ziehen ja selbst mit Vorliebe Kräfte aus dem katholischen Lager für ihre Zwecke heran, deßhalb heißt es für die Katholiken jetzt doppelt und dreifach auf der Hut zu sein. Vergesse Nie- mand Windthorst's goldene Worte: „Ich wieder­hole: vernachlässigen wir die Presse nicht! wir haben sie dringend nothwendig, — dringend noth- wendig, denn wir haben unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß jede Ungebühr, die statt­findet, jede Unregelmäßigkeit, die eintritt, sofort gerügt werde. Denn das kann ich den Herren sagen, man zeigt sehr oft Verachtung gegen die Presse, Respekt haben sie Alle davor." — Diesen Respekt bewahren die Gegner nur, wenn sie sehen, daß die katholische Presse eine Macht, ja eine Großmacht ist, und daß sie das bleibe, dafür hat das katholische Volk zu sorgen, insbesondere dadurch, daß es den katholischen Zeitungen stets neue Leser heranzieht. Jetzt muß jeder Katholik ein Apostel für die Presse sein. Nachdem der Kanonendonner verstummt ist, muß das Ohr für die herannahenden schleichenden Feinde geschärft werden, und das hat die Presse zu besorgen. Wie wir Leute von der Presse, die wir fürwahr nicht um Ehre und Anerkennung, sondern unter Schwierig­keiten für eine heilige Sache kämpfen, das machen sollen, hat uns Windthorst auch gesagt, indem er über die Presse sich ausdrückte: „Ich habe die

Dmch eigene Schild.

Roman aus der Handelswelt.

81. Fortsetzung.

Als ihr Schmerz gemildert war, als sie sich etwas Fassung errungen hatte, zog es sie zu Ga­briele hin. Diese war ja ihre vertrauteste Freun­din, ihr allein konnte sie gestehen, was sie so un­glücklich machte.

Erst einige Zeit später, als sie die ersten un­angenehmen Eindrücke des Vorgefallenen über­wunden hatte und ihre vereinsamte Lage ihr all- mälig unerträglich geworden war, konnte sie den Entschluß fassen, den wiederholten dringenden Bitten ihres Gatten, der sie an das beim Abschied gegebene Gelöbniß der unverbrüchlichen Treue er­innerte, endlich doch nachzugeben und ebenfalls die Reife über den Ozean anzutreten.

Der Selbstmord Damkens hatte in der Stadt ein noch bei weitem größeres Aufsehen erregt, als die Flucht seines Geschäftsführers und der bedenkliche Zustand feines Hauses.

Die alte Firma Damken war jedem in der Stadt bekannt, und halten auch nicht alle den reichen Handelsherrn gekannt, so hatten sie doch alle seine herrliche Besitzung gesehen und be­wundert.

Ueberzeugung, daß sie diese Pflicht erfüllen wirb, wenn zwar natürlich in den Formen, die einem entschieden zum Frieden neigenden Zustand ent­sprechen." In diesem Sinne wird die katholische Presse vorgehen, und wie unser Appell an die Leser stets ein lautes Echo gefunden hat, so wird auch erst recht das Wort unseres allverehrten Centrumsführers doppelt und dreifach wieder­klingen."

Deutsches Reich.

Berlin, 23. September.

* Der Kaiser hat an den Reichskanzler Fürsten Bismarck zu dessen heutigem 25jährtgemMi- nisterjubiläum ein huldvolles Schreiben ge­richtet und dem Jubilar ein sinniges Geschenk übermitteln lassen. Obgleich das Jubiläum nicht offiziell gefeiert wurde, gingen doch in Friedrichs - ruh viele Beglückwünschungs-Telegramme und Adressen ein.

* Die Meldungen über den Beginn derReichs- t a g s f e f s i o n lauten jetzt alle 24 Stunden anders. Früher war sogar der Januar als Termin ge­nannt, jetzt heißt e», es solle um den 22. No­vember losgehen. Wahrscheinlich hängt dieses Schwanken mit dem Gesundheitszustände des Mi­nisters v. Bötticher, des Hauptvertreters der Re­gierungen im Reichstage, zusammen. Der letzten Meldung zufolge ist chm die Spätkur in Karls­bad gut bekommen und er wird nach kurzem Landaufenthalt anfangs Oktober nach Berlin zu­rückkehren, und dann werden wohl die Vorarbeiten für den Reichstag eiliger betrieben werden. In­zwischen dauert im Lager der Kartellbrüder der Streit über die Erhöhung der Kornzölle fort, namentlich aber über die Frage, wie die National­liberalen sich dazu verhalten werden. Die,Rat.- Ztg.' steift sich darauf, daß nur vereinzelte Na­tionalliberale für die Kornzollerhöhung sind, wäh­rend die .Kreuzztg.' an der Hoffnung festhält, daß sich unter den Nationalliberalen nur vereinzelte Gegner der Maßregel finden werden. Mehr als dieser häusliche Streit interefsirt in der Sache die Bemerkung der ,Nat.<Korr.', die Centrumsprcsie habe zu der Sache noch keine Stellung genommen. Indessen ist jdie Stellung der Centrumspresse zu der Kornzollfrage seit Langem bekannt. Sie ist

Buchmann triumphirte im Stillen. Er hatte mehr erreicht, als er gehofft hatte, denn jetzt sah er sich zugleich von dem ihm so sehr verhaßten Rivalen befreit.

Er erlitt zwar selbst einen nicht unerheblichen Verlust dadurch, der ihn anfangs geschmerzt hatte, aber jetzt ertrug er ihn ruhig, ja selbst mit einer gewissen Genugthuung, denn eines solchen Preises war er werth.

Das Gericht hatte durch einen sachkundigen Mann die Bücher des Geschäfts Damken durch­sehen und revidiren lassen und da es sich her­ausgestellt, daß es unmöglich war, den eingc- gangenen Verpflichtungen nachzukommen und die Wechsel einzulösen, so wurde öffentlich der Kon­kurs des Hauses Damken bekannt gemacht uno seine Gläubiger wurden aufgefordert, ihre For­derungen anzumelden.

Jetzt erst stellte sich die Größe der Schulden, welche theils durch Damken's Leichtsinn, theils durch Äteufer’8 unglückliche Spekulationen und Betrügereien auf dem Hause Damken's lasteten, heraus. Wechsel im Betrage von über hundert- undsiebenzig Tausend Thaler, welche früher oder später fällig waren, wurden angemeldet, und von diesen waren allein in Buchmann's Händen über fünfzig Tausend.

nicht prinzipielle Gegnerin der Erhöhung, wie die freisinnige Presse; sie ist aber auch nicht unbe­sehen für die agrarischen Forderungen, denn eine Brodvertheuerung, welche ja zweifellos eintritt, muß als eine Nothwendigkeit zuvor nachgewiesen werden. Den Beweis dieser Nothwendigkeit haben die Antragsteller zu erbringen. Vermögen sie den Nachweis zu liefern, daß unsere Landwirthschaft ohne erhöhte Kornzölle nicht existiren kann, so wird das Cent rum sich die Sache überlegen. Vermögen sie jedoch diesen Beweis nicht zu er­bringen, so werden sie trotz allen Wohlwollens, das vom Centrum der Landwirthschaft stets ent­gegengebracht wurde, dessen Unterstützung nicht finden.

* In der neuen Schnaebele-Angelegenheit wird, wie der .Kreuzzeitung' aus Paris gemeldet wird, die französische Regierung eine durchaus re- servirte Haltung beobachten.

* Karlsruhe, 22. Sept. Gegenüber den in der liberalen Presie mehrfach aufgetretenen falschen Unterstellungen, insbesondere auch gegenüber der Behauptung des Herrn v. Göler, im Großherzog- thum Baden hätten niemals Männerklöster bestan­den, stellt der ,Bad. Beob.' folgende Thatsachen fest: 1805 wurde das heutige Großherzogthum Baden errichtet und cs bestanden Männerklöster: 1) das Benediktinerkloster St. Trutpert im Breis­gau bis 1806; 2) das Kapuzinerkloster auf dem Michgelsberge bei Untergrombach bei Bruchsal bis 1806; 3) das Jesuiten-Kollegium in Baden bis 1808; 4) das Franziskaner - Kloster in Tauber- bischofrheim bis 1812; 5) das Franziskaner-Klo- fier auf dem Fremersberg bei Baden bis 1826; 6) das Kapuziner-Kloster in Walldürn bis 1830.

— 23. Sept. Der heutigen Konferenz der Ver­eine vom Rothen Kreuz wohnte das Großher­zogliche Paar und der Kaiser von Brasilien bei. Die Konferenz beschloß, die der Genfer Konvention beigetretenen Staaten und Vereine um Durchfüh­rung der antiseptischen Behandlung von der Gc- fechtslinie ab zu ersuchen, ferner den Regierungen und Eisenbahn-Gesellschaften für die kostenfreie Be­förderung der Naturalsendungen im Jnteresie der Verwundetenpflege zu danken und den Wunsch der Verallgemeinerung der Erleichterungen auszusprechen. Die Kaiserin sandte ein Dank-Telegramm für das gestrige Begrüßungs-Telegramm.

Die Bücher wiesen außerdem noch die bedeu­tende Summe von fünfundsechzig Tausend Thalern Schulden für unbezahlte Waarenposten nach, und Letzingen endlich meldete die dem Handelsherrn dargeliehene Summe von fünfundzwanzig Tausend Thalern. Passiva, gegen welche die vorhandenen Aktiva fast verschwanden.^

In den Waarenlagern fand sich nur ein Vor­rath von kaum viertausend Thalern, das Haus war zu zwanzig Taufend geschätzt, und die Villa ncbst Park, so wie sie waren, sämmtlich sehr theuer und nutzlos, und mit Recht stand zu be­fürchten, daß von dem Käufer noch nicht einmal fünfundzwanzig Tausend Thaler gegeben werden würden. .

Die Aktiva, welche zusammen vierundsiebzig Tausend Thaler geschätzt waren, betrugen also nicht einmal achtundzwanzig Prozent der ganzen Schuldenmasie, und mehr hatten die Gläubiger in keinem Falle zu erwarten.

Ehe die Resultate genau bekannt waren, hegte Steider, der zu Gabrielen- Vormund ernannt war und ihre Angelegenheiten mit der größten Ge- wiffenhaftigkeit und mühevollsten Sorgsamgkeit leitete, die Hoffnung, daß es ihm möglich fein werde, das Haus Damken für Gabriele zu über«