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M 217.

Freitag, den 23. September.

1887

®*e »Fuldaer Zeitung erscheint tägttch. Sonn-^md Feiertage ausgenommen, «ierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brinaerlobn uni, «<.ft.iim.rh • i <ro w «r mti der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf.» auswärts I M 75 Bf * °

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* Die Pflichten der katholischen Arbeitgeber.

Rede des Generaldirektors Hilt (Aachen) auf dem Katholikentag zu Trier.

(Schluß.)

Aber, meine Herren, soll der katholische Arbeit­geber sich darauf beschränken, nur das zu thun, was sich gesetzlich regeln und vocschreiben läßt? Auf diese Frage muß ich ein entschiedenes Nein antworten; weit darüber Hinau»grhr»o <#«<. ». Pflichten, und Pflichten nicht nur gegen seine Ar­beiter, er hat religiöse Pflichten zu erfüllen, er hat soziale Pflichten, er soll nach allen Richtungen hin viel Weiteres thun, als was jemals die staatliche Gesetzgebung ihm vorschreiben kann. Gestatten Sie mir das, indem ich die verschiedenen Hauptgebiete der Arbeiter-Fürsorge kurz betrachte, im Einzelnen flüchtig nachzuweisen.

Betrachte ich zunächst den physischen Arbeiter­schutz, so läßt sich in Herrichtung luftiger Räume, in Aufstellung zweckentsprechender, nicht gefährlicher Maschinen, in Herstellung einer guten Ventilation und Beleuchtung, in Einrichtung angemessener Aus- und Ankleideräume und Wasch- und Baderäume, getrennt nach Geschlechtern, sehr, sehr Vieles er­reichen, was niemals der Staat vorschreiben kann.

Durch eigene Sch»».

Roman aus der Handelswelt.

80. Fortsetzung

„Sei gefaßt meine Gabriele," sprach Hermann endlich, von des Mädchens heftigem Schmerz er­schüttert. „Sei gefaßt I"

Gabriele brach nach diesen Worten in ein noch heftigeres Schluchzen aus, denn sie riefen ihr das entsetzliche Unglück noch lebhafter in die Erinnerung. Sie war nicht im Stande, ein einziges Wort zu erwidern und in krampfhafter Angst klammerte sie stch an den geliebten Bräutigam. Ihre bleichen Wangen waren mit einem schwachen Roth über­haupt, ihr Busen hob und senkte sich ungestüm und unruhig.

Still saß Hermann neben ihr. Seine Hand hielt die Rechte der Braut umfaßt und seine Augen ruhten mit Trauer und Liebe auf ihrem Antlitz. Dann und wann öffnete sie die Augen und blickte ihn mit Schmerz und Liebe an, er fühlte den leisen Druck ihrer Hand und es war ihm, als ob ein wehmüthiges Lächeln um ihren Mund zuckte.

Endlich richtete sich Gabriele gefaßt empor. Die Nähe und der Blick Hermann'» hatten ihren Schmerz gemildert und sie mit neuer Kraft er-

Viele Arbeitgeber haben e» zu ihrem eigenen Vor- theile heute bereits gethan. Mögen die anderen diese Vorbilder studiren, mögen sie insbesondere Dasjenige, was das „Arbeiterwohl" ihnen vorzu­führen sich bemüht, nicht unberücksichtigt lasten. (Bravo!)

Und betrachten wir den Arbeitslohn. Ganz ge­wiß, nichts ordnet sich mehr nach allgemeinen Ge­setzen, auf keinen Punkt der Fürsorge für die Ar­beiter sind vielleicht mehr wirksam die allgemeine Konkurrenz, die allgemeinen wirthschaftlichen Gesetze. Ader so sehr ich da« anerkenne, so entschieden muß ich bekennen» daß auch auf diesem Gebiete eine weitgehende persönliche Fürsorge für seine Arbeiter jedem Einzelnen möglich ist. Es ist eine allgemeine Erfahrung: nicht Derjenige kommt am weitesten, der die am schlechtesten bezahlten Arbeiter beschäf­tigt, sondern gerade umgekehrt. (Bravo!)

Und was nun die Arbeiterversicherung angeht, die bei uns, Gott sei Dank, in der Hauptsache bereits durch den Staat geregelt ist oder doch bald geregelt sein wird — hat da der Arbeitgeber nicht noch darüber hinausgehende Pflichten? Betrachten wir die Krankenversicherung. Ist es genügend, wenn der Arbeitgeber mehr ober weniger wider­willig vielleicht einer Ortskrankenkasse beitritt? Rein, m, H., wo immer es angeht, da soll er Werks-, Fabrik-Krankenkasten errichten, an welche sich mit Leichtigkeit anglteoern lassen auch Fami- lien-Krankenkassen, auch Unterstützungsvereine und so manches Andere, was nöthig ist, um dem Ar- wechselvollen Lagen des ganzen Lebens unter die Arme zu greifen, wenn ihn Unglück trifft, wenn bittere Roth bei ihm einzieht, wenn beim Heran- wachfen der Familie der gewöhnliche Lohn nicht mehr ausreicht. (Bravo!)

Er hat einzurichten und kann einrichten je nach der Wahl der Lokalität und der Verhältnisse Ar- beitennnen-Hospize, Arbeiter-Hospize; er kann sich betheiligen bei Baugenossenschaften für gute Arbei­terwohnungen; er kann für Arbeiterversorgungs- häuser, er kann für sehr vieles Andere sorgen, was Alles nicht allgemein sich vorschreiben läßt, was mit Liebt zur Sache will diskutirt, im Ein­zelnen festgestellt und organisirt lein. (Bravo!)

Und komme ich nun zur Unfallversicherung, so wird Mancher sagen: Da ist ja Alles bestimmt

füllt. Sie drückte ihm fest und liebreich die Hand.

„Wann bist Du zurückgekehrt?" fragte sie end­lich mit leiser Stimme.

„Gestern Abend," erwiderte Hermann. „Es war zu spät, um noch zu Dir zu kommen, so sehr mich auch mein Herz trieb."

„O, wärest Du doch gekommen, hättest Du Deinem Herzen gefolgt," rief Gabriele, aufs Reue in Thränen ausbrechend, — „es wäre vielleicht anders gekommen, es wäre ..."

Sie war nicht im Stande, die Worte zu vollenden.

„Sei ruhig, sei gefaßt, meine Gabriele" bat Hermann. „Hätte ich dies ahnen können, keines Menschen Macht würde mich zurückgehalten haben. Mit frohen, freudigen Hoffnungen eilte ich hierher — nur eine Stunde früher und es wäre jetzt Alles gut."

„Weiß Dein Onkel darum?" fragte sie nach einiger Zeit, nachdem sie sich gefaßt hatte. „Weiß er Alles, Hermann?"

„Er weiß es. Ec ist mit mir hierher gekommen — jetzt ist er bei Deinem Vater, um ihm Lebe­wohl zu sagen."

Der alte Steider trat in diesem Augenblick in das Zimmer und al« Gabriele sein bleiches und kummervolles Antlitz erblickte, sprang fie empor,

geregelt und festgestellt; was bleibt da dem ein­zelnen Arbeitgeber übrig? Meine Herren, sehr viel bleibt übrig; bis lebendige Betheiligung des Einzelnen bleibt übrig. Treten wir als katholische Arbeitgeber nicht zurück, überlassen wir nicht Alles den Andersgläubigen und Andersdenkenden, nehmen wir voll und ganz Theil an den Verwaltungen, und dann wird auch katholischer Geist, katholisches Streben in diese Verwaltungen einziehen, dann wird unsere Stellung auch nach dieser Richtung hin diejenige sein, auf die wir mit Recht Anspruch machen können.

Meine Herren, soll ich Ihnen nun noch aus füh­ren, was Alles auf den obigen Gebieten, auf dem, ich möchte so sagen mehr ethischen und sozialen Gebiete möglich ist? Soll ich vor dieser Versamm­lung ausführen, daß der katholische Arbeitgeber die Sonntagsfeier in vollem, in ganzem Umfange weit hinausgehend über die strikten Gebote der staatlichen Gesetzgebung durchführen soll? Soll ich Ihnen entwickeln, Jaß er in seinem Arbeiter den freien Mann in sozialer wie in bürgerlicher Be­ziehung anerkennen und schützen muß, daß er ihn schützen muß gegen die Uebergriffe von Unterbeam­ten, daß er ihm seine Freiheit bei Wahlen in Ge­meinde und Staat garantiren muß? (Bravo!)

Aber es wird mir mancher Arbeitgeber sagen: das sind ganz gewaltige Zumuthungen; wie sollen wir das bei unseren sonstigen vielen Geschäften Alles thun? Wie können wir das Alles studieren, Alles übersehen, Alles einrichten? Ja, da erwie- Euch gilt dar Wort: „im Schweiße EueM^iM sichte- sollt Ihr Euer Brot essen," und auch Euch gilt da« Wort: betet und arbeitet, und im rech­ten Geiste, namentlich die in diesem Sinne verrich­tete Arbeit wird auch Euch als Gebet angerechnet werden.

Ehe ich schließe, erlauben Sie mir noch eine kurze Beantwortung der Frage: Wer ist denn alles Arbeitgeber? Da werden die Meisten von Ihnen denken: nun, das bezieht sich nur auf die Groß-Industriellen, auf diejenigen, welche Hun­derte und Tausende von Arbeitern beschäftigen; nun, ich leugne nicht: in erster Linie und vor Allem gilt es von ihnen. Aber es gilt auch von denen, die weniger Arbeiter beschäftigen, es gilt von den kleinen Industriellen, es gilt von den

eilte ihm entgegen und warf sich schluchzend ihm in die Arme.

Erschüttert blickte der Greis auf das Haupt des jungen Mädchens nieder. Er wußte, was ihr Herz empfinden mußte, er fühlte es an dem eigenen Schmerz.

„Weine Dich aus, mein Kind," sprach er, „weine Dich aus, Thränen sind das Einzige, was Dir Trost und Linderung zu geben vermag. Gott hat Dich schwer und hart geprüft, er wird Dir Kraft geben, es zu tragen, er wird Dir helfen. Sei ruhig, Gabriele, Du stehst noch nicht allein und hilflos da, ich bleibe bei Dir und werde Dir beistehen."

Er führte sie sanft zum Sopha zurück und er wie Hermann boten Alles qif, sie zu be­ruhigen.

Schon nach kurzer Zeit erschienen Gerichtsbe­amte auf der Villa, um den Leichnam des Ge­schiedenen zu untersuchen und die Angelegenheiten, denen er sich durch den Tod entzogen hatte, in die Hand zu nehmen. Und jetzt war de» alten Steider ganze Thätigkeit nöthig, um von dem un­glücklichen Mädchen die Härte des Gerichts abzu­wenden, die ihre» Vater» That auch für sie her­vorgerufen hatte.

Bereitwillig leistete er mit seiner Person und