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1887

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* Die Pflichten der katholischen Arbeitgeber.

Rede des Generaldirektors Hilt (Aachen) auf dem Katholikentag zu Trier.

Hochwürdigste Herren Bischöfe! Hochansehnliche Versammlung! Wenn ich, der Aufforderung des Lacalcomitäs folgend, cs unternehme, heute über die Ausgabe der katholischen Arbeitgeber zu Ihnen zu sprechen, so bin ich mir dessen wohl bewußt, daß eine eingehende und gründliche Behandlung dieses Gegenstandes nicht nur weit über meine Kräfte hinausgeht, sondern auch in der eng be­messenen Zeit unmöglich märe. Ich werde mich dayer darauf beschränken, Ihnen aus meinen Beobachtungen und praktischen Erfahrungen Einiges mitzutheilen und daran einige naheliegende Be­trachtungen anzuknüpfen.

Wenngleich das göttliche Wort: „Im Schweiße Deines Angesichtes sollst Du Dein Brod essen" — an uns Alle gerichtet ist und wenn das Gebot: Bete und arbeite — jedem Einzelnen von uns gilt, so wird doch, und insbesondere bei der heutigen Gestaltung der Verhältnisie, eine Theilung dahin zulässig sein, bar? der eine mehr betet, der andere mehr arbeitet. Wird doch Demjenigen, der im rechten Geiste arbeitet, der die Arbeit Gott und sich der Arbeit widmet, die ganze Arbeit als Ge­bet angerechnet (Bravo!), wenn er handelt wie ein Soldat, der in einen guten Kampf zieht. Und in der Thal, meine Herren, heute ist die Arbeit viel­fach ein Kampf, und zwar ein schwerer Kampf, nicht nur beim Bergbau, wo in der mittleren Ar­beitszeit von 25 bis 30 Jahren im Durchschnitt jeden zwei bis drei Mat eine Verletzung trifft, und wo jeder Zehnte eines gewaltsamen Todes stirbt, wenigstens in vielen Gegenden; nein, auch in vielen anderen Industrien, wo zwar der Unglückssälle weniger sind, wo aber die schäd­lichen Eirflüffe, die auf die Gesundh.it dcS Arbeiters wirken, vielfach noch tiefer die ganze Generation schädigen, als beim Bergbau die äuße­ren Unfälle. Und noch mehr; nicht nur das phy­sische Leben, das physische Gedeihen der Arbeiter ist bedroht, nein, in vielen Fällen in noch viel höherem Maße die soziale Stellung, ja sogar die ganze sittliche Existenz des Arbeiters. Wenn wir dies betrachten, dann ergeben sich die Aufgaben de» Arbeitgebers von selbst.

Dich eigene Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

79. Fortsetzung.

„Sie kommen zu spät," eraiederte der Gefragte mit einem ernsten, fast traurigen Gesicht.

„Zu spät!" rief Hermann erschrocken.

„Ich leiste Bürgschaft für ihn," sprach der alte Steider, der rasch hinzugetreten war, „ich werde Alles für ihn bezahlen. Wo finden wir ihn?"

„Sie kommen zu spät," wiederholte der Gerichts- beamte. „Herr Damken selbst hat sich unserer Hand entzogen."

„Sprechen Sie, sprechen Sie," drängte Steider ungeduldig, „was ist mit Damken?"

„Er hot vor kaum einer Stunde seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende gemacht."

„Allmächtiger Gott!" klang e» von Steider» Lippen und bewußtlos sank er nieder.

Hermann fing ihn in seinen Armen auf und trug ihn, von dem Beamten unterstützt, in das Hau». Ihm schwindelte und der Schreck raubte ihm fast die Kraft.

Dieser Schlag hatte da« Leben de» Greise» noch dicht vernichtet, aber nur an einem Faden hing e». Endlich richtete er sich langsam empor und

Er hat in erster Linie dafür zu sorgen, daß die physische Existenz seiner Arbeiter durch die Arbeit so wenig rote möglich gefährdet werde. (Bravo!) Ec hat nach Erfahrung und Wiffenschaft Alles an­zuwenden, was den Einzelnen zu schützen geeignet ist; es ist das das Gebiet des physischen Arbeiter­schutzes.

Aber er hat weitergehende Pflichten; er hat da­für zu sorgen, daß dem Arbeiter ein angemeffener Verdienst wird. Und was ist ein angemeffener Verdienst? Der angemcffene Verdienst muß dem Arbeiter nicht nur die standesgemäße Existenz für sich ermöglichen; er muß sie auch sichern für seine Angehörigen, er muß ihm die Mittel bieten, zu sorgen für die Zeiten der Krankheit, der Arbeits­losigkeit, dcrArbertsunfähigkeit. (Bravo!) Ja, noch viel weiter, es muß zu dem physischen Arbeiter­schutz der soziale Arbeiterschutz treten, der soziale Arbeiterschutz, welcher vor Allem die Familie, diese Wurzel des ganzen Volkslebens, garantirt. Es muß die Jugend, es muffen die weiblichen Arbeiter ge­schützt werden, es muß die Arbeitszeit nicht über ein gewisses Maß hinausgehen, es muß vor Allem die Sonntagsfeier möglich sein und möglich bleiben. (Bravo!)

Meine Herren, das sind die Gegenstände des sozialen Arbeiterschutzes. Sie haben bereits aus dem Vortrage des Herrn Generalsekretärs Hitze ge­hört, wie weit wir auf diesem Gebiete bisher ge­kommen sind.

Wir Alle wiffen, daß heute der Einzelne in vie­len Fällen machtlos den Aufgaben, die ihm ge­geben sind, gegenübersteht: Wir wiffen, daß heute bei den Konkurrenz-Verhältnissen, wo der Einzelne nicht nur mit seinen Nachbaren, nein, wo er zu konkurriren und in Wettbewerb zu treten hat mit den Produzenten des In- und Auslandes, daß da an den Staat die Aufgabe herantritt, regelnd und ordnend einzugreifen. (Bravo!)

Wenn das aber der Fall ist, dann ist es die Aufgabe der Gesammthett, dahin zu wirken, daß der Staat in der That diese seine heilige Pflicht erfüllt. (Bravo!)

Dann ist es vor Allem die Aufgabe unserer katholischen Organisationen, nie zu ruhen und nie zu rasten, auf diesem wichtigen Gebiete stets den Staat zu stimulrren, daß er seine Pflicht thut. Wir Alle sind uns bewußt, daß auf der wirklichen

blickte, wie aus einem festen Schlaf erwachend, um sich.

„Bringe mich zu ihm," bat Steider Hermann mit matter Stimme. „Ich muß ihn noch einmal sehen."

„Du bist schwach jetzt. Der Schmerz würde Dich aufs Neue überwältigen. Erhole Dich erst," bat Hermann.

Er schüttelte ablehnend mit dem Haupte. „Ich bin gefaßt und stark genug, ihn zu sehen," er­widerte er. „Führe mich zu ihm, ich muß ihn sehen. Er ist mein Herr, ich kann nicht so von ihm scheiden."

Alle Bitten Hermanns, nur noch kurze Zeit zu warten, waren vergeben». Mtt ungeduldiger Heftigkeit verlangte der Alte zu dem Leichnam seine» unglücklichen Herrn gebracht zu werden. Er mußte ihm endlich nachgeben und von dem Beamten unterstützt geleitete er ihn zum Zimmer de» Handelsherrn.

„Laßt mich allein zu ihm eintreten," bat der Greis, indem er einen Augenblick an der Thür stillstand, um für den letzten fchweren Gang alle Kräfte zusammenzunehmen und dem Schmerze, der seine Brust so ungestüm erfüllte, Fassung aus­zuerlegen. „Laß mich allein eintreten, um von

Durchführung dieser hohen und dieser heiligen Pflichten nicht nur das Gedeihen der Industrie, nicht nur unser Volksleben, nein, daß darauf der soziale Friede, die ganze Existenz unseres Volkes beruht. (Lebhaftes Bravo!)

Aber, meine Herren, hat denn der einzelne Ar­beitgeber keine Pflicht, so lange ihm der Staat nicht vorschreibt, was er zu thun hat? Es wäre verkehrt, wenn wir uns auf den Standpunkt stel­len wollten. Zunächst hat der Arbeitgeber heute die Pflicht, jeder einzelne an seiner Stelle, den Nachweis zu führen, daß es möglich ist, die For­derungen durchzuführen, die wir für alle Arbeit­geber stellen. Er kann, jeder in seiner Sphäre, schon vorarbeiten; er kann, bevor selbst der Arbeit- terschutz in allen Richtungen durchgeführt ist, wie wir es wünschen, ihn bei sich durchführen, und er kann und wird dadurch nicht nur zufriedene Arbei­ter erreichen; nein, meine Herren, er kann und wird damit auch wirthschaftliche Vortheile erzielen. Ich spreche es aus mit vollem Bewußtsein und aus tiefmnerster Ueberzeugung, das Blühen und das Gedeihen auch der einzelnen Industriezweige und der einzelnen Unternehmungen beruht auf der angemessenen Berücksichtigung der berechtigten For­derungen der Arbeiter. (Bravo!)

M. H! Ich brauche nicht nur hinzuweisen auf einzelne blühende Unternehmungen; ich brauche nicht nur hinzuweisen auf die allbekannten Vorbil­der, z. B. unseres verehrten Herrn Franz Brandts aus M.-Gladbach (Bravo I); ich kann Sie auch Hinweisen auf einen Vergleich der Industrie unsere» Vaterlandes mit der des nächsten Nachbarlandes. Theils durch die private Thätigkeit, thcils durch Initiative des Staates sind wir, Gott sei Dank, ein gutes Stück weiter gekommen, als man dort ist, wenngleich wir noch lange nicht Alles erreicht haben, was wir erstreben müssen. Betrachten wir nun die Industrie unseres Vaterlandes im Vergleich zu derjenigen dieses Nachbarlandes. Steht sie gegen dieselbe zurück? Verdienen unsere Industriellen weniger? Nein, m. H., wenn von einem Vergleich die Rede ist, so ist die Industrie in Deutschland blühender, der Arbeiter zufriedener; wir sind der sozialen Gefahr, nicht so nahe, als in unserem Nach­barlande. (Bravo!) (Schluß folgt.)

ihm Abs ieb zu nehmen. Er hat mir im Leben nahe gestanden, und fitzt - und fitzt!"

„Der Schmerz wird Dich überwältigen, die Aufregung Dich aufreiben," erwiderte Hermann, „ich darf Dich nicht allein lassen." Der Alte schüttelte verneinend mit dem Kopfe. „Ich muß es in Feffung ertragen, ich kann ihn nimmer in'» Leben zurückrufen. Ich bin zu spät gekommen; aber ich muß ihn doch noch einmal sehen. Sei unbesorgt, ich werde gefaßt bleiben."

Hermann verließ ihn und allein trat der Alte in das Zimmer. Seine Hand, welche die Thüre wieder schloß, zitterte, und kaum wagte er, das Auge zu erheben. Da lag der Leichnam de» Mannes, der ihm so nahe gestanden, auf dem Sopha, da» Haupt mit einem Tuche verhüllt. Der Kopf, den er im Leben so stolz und hoch getragen, neigte sich auf die Brust und seine Rechte hing leblos und schlaff herunter.

Der Alte zögerte einen Augenblick. Sein Auge ruhte mit dem Ausdruck unendlichen Schmerzes auf dem Tobten. Dann aber faßte er sich und trat an ihn heran. Er kniete vor ihm nieder, er­faßte feine R-chte mit beiden Händen und blickte ihn schweigend an. Thränen rannen über seine bleichen und durchfurchten Wangen und tropften