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M 215.

Mittwoch, den 21. September.

1887

filtatr W Zkitiiug.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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* Die wichtigsten Beschlüsse des dies­jährigen deutschen Katholikentages' DieKatholikenv^rsammlung in Trier ist bekannt­lich in glänzender Weise verlaufen. Die Bedeu­tung der diesmaligen Versammlung wurde vom Grafen Ballestrem bei der Annahme seiner Wahl zum Präsidenten gleich hervorgehoben, indem er sagte: „Was die Wichtigkeit dieser Generalver­sammlung betrifft, so wissen wir wohl, daß im vorigen Jahre zwischen Staat und Kirche ein Friedenswerk begründet ist, welches wir drei Fak­toren verdanken: der Weisheit des hl. Stuhles und der Liebe des hl. Vaters zu den deutschen Katholiken, dem landesväterlichen Wohlwollen der deutschen Monarchen, speziell dem des greisen Hel­den auf dem deutschen Kaiserthron, und endlich dem Muthe und der Ausdauer und der Treue des katholischen Volkes. Em altes HSprüchwort sagt, die Reiche werden durch dieselben Mittel erhalten, durch welche ste begründet worden sind. Wir dürfen vertrauen, daß die Weisheit des hl. Stuhles, und die Liebe des hl. Vaters und das Wohlwollen unseres Landesherrn fortdauern wer­den; aber es muß auch fortdauern, unsere Aus­dauer und unsere Treue, und das wollen wir auf dieser Generalversammlung aufs Neue bethätigen, und deshalb ist diese Generalversammlung so be­sonders wichtig." In diesem Geiste ist die 34. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands abgehalten worden. In diesem Sinne sind auch die gefaßten Resolutionen gehalten, von »»;>. die wichtigsten hier zusammenstellen:

1. Die Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands füh't sich gedrungen, Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII. den Ausdruck ihrer Verehrung, ihres Gehorsams und ihre Liebe darzubringen. Dankersüllten Herzens er­kennen die Katholiken Deutschlands die große Sorgfalt an, mit welcher Se. Heiligkeit seit Beginn Ihrer glor­reichen Regierung bemüht ist, die Herstellung des kirch­lichen Friedens, welchen sie selbst seit langen Jahren ersehnen, herbeizuführen. Den Hoffnungen des heiligen Vaters, daß es den weiteren Verhandlungen gelingen werde, die Herstellung der vollen Freiheit zu erreichen, sich vertrauensvoll anschließend, werden ste nach wie vor in aller Treue und mit allen Kräften die Bemühungen des hl. Vaters unterstützen und für alle Rechte, und Interessen der Kirche einstehen.

2. Die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands spricht wiederholt die Ueberzeugung aus, daß die Wieler- herstellung der territorialen So uv erainetät des hl. Stuhles für die Selostständigkeit desselben und für feine volle Freiheit und Unabhängigkeit in'der Re-

Durch rigtnt Schuld.

Roman aus der Handelswelt.

78. Fortsetzung

Aber was — was bleibt Deinem unglücklichen Vater? Was hat er noch von dem Leben zu er­warten und zu hoffen? Alles, was für sein Leben Reiz hatte, ist vernichtet! Glaubst Du, daß er auch überwinden und vergcffen könne, daß er einst der reiche und mächtige Handelsherr gewesen und jetzt ein Bettler ist! Glaubst Du, daß sein stolzes Haupt die Schmach und Schande, welche ihn be­troffen, von sich schütteln könnte wie einen düsteren Traum, wie ein wirres Bild seiner Phantasie! Glaubst Du, daß er im Stande wäre, fein schweres Loos in Demuth und Geduld zu ertragen und um die Bedürfnisse des Lebens zu ringen und zu sorgen! Siehe, wie er noch dasitzt auf dem Stuhle, regungslos und die Augen starr auf den Boden gefesselt, — blicke in sein bleiches Gesicht, Du wirst den Kummer nicht verkennen, der so schwer darauf liegt, Du wirst erkennen, wie Sä merz und Verzweiflung seine Züge entstellt haben — aber das ist nicht die Mure eines Menschen, der sein Geschick mit Geduld und Faffung erträgt. Er hat sich noch nie in seinem

gierung der Kirche eine unabweisbare Nothwendigkeit ist und daß jede von Gott gesetzte weltliche Macht im wohlverstandenen eigenen Interesse und zur Wiederher­stellung der erschütterten Gesellschaftsordnung handelt, wenn sie die vom hl. Vater deshalb erhobenen Ansprüche erfolgreich unterstützt.

3. Die Katholiken Deutschlands begrüßen mit lebhafter Freude die Thatsache, daß die dem hl. Stuhl gebührende Weltstellung, für welche die territoriale Souverainetät gleichfalls eine nothwendige Unterlage ist, wieder mehr zur Anerkennung gelangt, und sind überzeug!, daß diese Weltstellung zur Aufrechterhaltung des Friedens, sowie zur Vermittelung der widerstreitenden Interessen der Völker und der Gesellschafts-Klassen dasjenige leisten werde, was weltliche Macht nicht vermag.

4. Die Generalversammlung fordert die Katholiken Deutschlands auf, ihre Ergebenheit und kindliche An­hänglichkeit an den hl. Vater bei Gelegenheit der Se- cundizfeier zu bethätigen, sei es durch Uebersmdung von Paramenten und anderen Geschenken, sei es durch Beiträge zum Jubiläums-Meßstipendium, sei es durch persönliche Betheiligung an der Wallfahrt nach Rom oder endlich durch Theilnahme an den in jeder Gemeinde für diesen Zweck zu veranstaltenden Feierlichkeiten.

5. Das katholische Volk -Deutschlands hat das Recht und die Pflicht, nicht zu ruhen, bis alle Ueberbleibsel und Folgen der Cu lturkampf gesetze, insbesondere auch jegliche Beschränkung des ungehinderten Aufenthaltes und der vollen segensreichen Wirksamkeit aller katho­lischen Ordensgenossenschaften, beseitigt sind.

6. Die:Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands gedenkt mit größter Dankbarkeit der Leistungen und Verdienste derjenigen Männer, welche im Centrum seit so vielen Jahren unter den schwierigsten Verhältnissen für die Freiheit, die Rechte und die Interessen der kath. Kirche uud für das wahre Wohl des Volkes muthig und beharrlich gekämpft und viele Erfolge errungen haben.

T. x.w «........- c .»t-Ct f» 00..,. <Tg.v.

spruch gegen den beim Beginn des Culturkampfes zum ersten Male gesetzlich ausgesprochenen Grundsatz, daß alle mit der Aufsicht über die Schule betrauten Be­amten und Behörden lediglich, im Auftrage des. Staates handeln und daß auch sogar der schulplanmäßige Reli­gionsunterricht in der Volksschule unter Aufsicht des Staates durch die von ihm berufenen oder zugelaffenen Organe ertheilt wird. Sie erblickt in diesem Grundsätze eine Beschlagnahme des der Kirche zustehenden Rechtes dessen volle Anerkennung als unerläßliche Vorbedingung zur Herstellung eines dauernden Friedens zwischen Staat und Kirche erscheint.

8. Was die Kirche als das Mindeste und Unerläßliche zur Erfüllung ihrer Aufgabe in der Schule immer von Neuem fordern muß, ist;

1. die volle und rückhaltlose Anerkennung des ihr von Gott verliehenen Rechtes, den Religionsunter­richt in der Schule selbstständig zu ertheilen und zu beaufsichtigen und demgemäß die dazu nothwendige Sendung (missio canonica) zu verleihen oder unter Umständen zu versagen, den Unterrichtsstoff zu ver-

Leben gebeugt, er ist nie gedemüthigt worden und er wird — er kann es auch jetzt noch nicht.

Langsam erhob sich Damken, durch den herein­brechenden Tag aus dem starren Brüten erweckt. Er faßt mit der Hand an die Stirn und ein schmerzvoller Zug zuckte um sein Gesicht, als ob diese Berührung ihm Schmerz verursache. Sein Gesicht war bleich, aber ruhig. Er blickte sich im Zimmer um, er trat an's Fenster und schaute hinaus, aber theilnahmslos und gleichgültig. Es lag Lebensmüdigkett in seinem Blicke, wie sie nur ein Herz ohne jede Hoffnung und Freude Hervor­rufen kann.

Seine Lippen waren fest geschloffen, als wenn sie sich nie wieder öffnen sollten und die Hände hielt er noch immer krampfhaft zusammengeballt. Dann und wann zuckle es flüchtig durch feinen Körper, und an diesem Zittern bemerkte man, wie wild es in seinem Innern stürmte und kämpfte, wie unsägliche Schmerzen er erduldete. Langsam schritt er im Zimmer auf und ab. Sein Schritt war fest und sicher. Noch trug sein Nacken den Kopf fest und stolz in die Höhe, aber man sah es ihm an, welche Anstrengung es ihn kostete, sich diese ruhige und feste Haltung zu bewahren.

Wußte er, was ihm bevorstand? War sein Gei-

theilen und die zum Unterrichte nothwendigen Bücher auszuwählen und zu bestimmen;

2. Erhaltung bezw. Wiederherstellung des confessio- nellen Charakters der Schule mit thunlichster Beseitigung der Simultanschulc, die nach aller Er­fahrung als eine Pflanzstätte der religiösen Gleich­giltigkeit, als ein verhängnißvoller pädagogischer Mißgriff und eine Quelle confeffioneller Streitigkeiten betrachtet werden muß.

Mit dieser Forderung verbindet die Generalversamm­lung die ernste Mahnung an die katholischen Eltern, ein­gedenk ihrer verantwortungsvollen Pflicht, ihre Kinder von dem Besuche solcher Anstalten, wenn irgend möglich, fernzuhalten, jedenfalls aber den schädlichen Einflüssen derselben mit erhöhter Sorge entgegenzuwirken.

9. Die Generalversammlung verlangt, daß die katho­lischen Religionslehrer an höheren Lehran­stalten in erster Linie als Organ der Kirche angesehen und behandelt werden und daß ihnen folgerecht sowohl in dem Lehrkörper wie in dem Wirkungskreise der betreffen­den Schulen überall eine Stellung angewiesen werde, wie sie ihrem Charakter und ihrer hohen religiösen und sitt­lichen Aufgabe entspricht.

10. Die Generalversammlung spricht hiermit ihre Anerkennung und ihren wärmsten Dank jenen Lehrern aus, welche sich bisher unentwegt in Wort und That zu den Grundsätzen der katholischen Kirche be­kannt haben.

11. Die Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands empfiehlt unter Hinweis auf die Encyclica des h. Vaters „Humanum genug“, auf zahlreiche Hirten­schreiben der hochw. Herren Bischöfe die Förderung katho­lischer Arbeiter- und Arbeiterinnen-Vereine, sowie die Arbeiterinnen-Hospize als eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung der glaubensfeindl chen und sitten- verderbznden Strömung der Zeit und zur Hebung des Arbeiterstandes in wirthschaftlicher und sozialer Be­ziehung. Die Generalversammlung legt die Förderung unv.den'FÄnSank^ MVWK der bochw. Geistlichkeit

12. Die Generalversammlung empfiehlt den katholischen Arbeitgebern und Arbeiterfreunden den Anschluß an den Verband katholischer Industrieller und Arbeiterftsunde, genannt „Arbeiterwohl".

13. Arbeiter-Kolonien urb damit in Verbindung stehende Verpflegungs-Stationen können nur gedeihen und ihrem Zweck, soweit möglich, entsprechen, wenn der Kirche auf die Gründung und Leitung derselben ein maßgebender Einfluß eingeräumt wird. Die Generalversammlung empfiehlt den Katholiken, welche bei der Einrichtung solcher Anstalten wie immer mitzuwirken berufen sein mögen, ihren Einfluß in dieser Richtung geltend und ihre positive Mitwirkung davon abhängig zu machen, daß da­bei nach diesen Grundsätzen verfahren wird.

14. Die Generalversammlung betrachtet eine inter­nationale Vereinbarung bezüglich der wichtigsten Be­stimmungen des Arbeiterschutzes, insbesondere auch bezüglich einer wirksameren Regelung der Sonntags­ruhe als ein nothwendig zu erstrebendes Ziel.

stesblick der Gegenwart vorausgeeilt? — Er wußte nur, daß ihm nichts, nichts vom Leben geblieben, daß er Alles verloren hatte. Ec mußte auf Alles gefaßt sein.

Ein Diener trat leise und schüchtern in das Zimmer. Ruhig wandte sich Damken zu ihm um und blickte ihn fragend an.

„Ein Herr wünscht Sie zu sprechen," sprach der Diener.

„Wer ist es?" fragte Damken mit tonloser, aber fester Stimme.

Der Diener wurde verwirrt, er schien es zu wiffen und verschweigen zu wollen. Verlegen ant­wortete er: „Ich kenne ihn nicht."

Die Verwirrung des Dieners war Damken's scharfen Augen nicht entgangen. Er schien zu er» rathen, wer es war, und mit derselben festen Stimme erwiederte er: „Laß ihn eintreten!"

Ruhig blieb er stehen, seine Augen auf die Thür geheftet, und als gleich darauf zwei Männer ein­traten, glitt ein bitteres Lächeln um seinen Mund, als ob er zu sich sagen wollte: „Ha, ich habe mich nicht getäuscht!"

Mit schweigendem sto z n Neigen seines Hauptes erwiederte er den Gruß und fragte fest und ruhig: „Was wünschen Sie?"