M 213.
Montag, den 19. September.
1887
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Deutsches Reich.
Berlin, 18. September.
* Der Kaiser hat, wie der .Post' aus Stettin gemeldet wird, gestern auf dem Manöverfelde den bisher mit der Führung des II. Armec-Corps beauftragten General-Lieutenant v. d. Burg defintiv zum kommandirenden General dieses Corps ernannt und außerdem noch mehrere Beförderungen vollzogen.
* Die Berufung des Reichstages ist nach zuverlässigen Informationen auch in diesem Jahre erst für die zweite Hälfte des November in Aussicht genommen. Die Meldung von einer früheren Berufung wird trotz der Bestimmtheit, mit welcher dieselbe verbreitet wurde, nicht bestätigt.
* In Friedrichshagen bei Berlin wurde vorgestern der bisher in der Handschuhfabrik von Forster, Paul & Comp. als Färbermeister beschäftigte Franzose Copenulle wegen äußerst grober Majestätsbeleidigung verhaftet und in das UntersuchungSgefängniß zu Moabit geschafft. Beinahe wäre Monsieur Copenulle von den empörten Fabrikarbeitern gelyncht worden.
* Offiziös wird berichtet: „Wenn in letzter Zeit das juristische Studium vielfach Gegenstand öffentlicher Erörterungen gewesen ist, und wenn im Weiteren die Vorbereitung zur Laufbahn der richterlichen wie der Verwaltungsbeamten und damit zusammenhängt nde Dinge zum Theil von namhaften Beamten öffentlich besprochen worden sind, so ist dies, wie man mit Bestimmt- hktt versichert, keineswegs bloßer Zufall, sondern
Pirch tigrnt Schuld.
Roman aus der HandelSwelt.
76. Fortsetzung.
„Du bist noch nicht verloren," rief sie mit begeistertem Tone. „Ich werde Dich retten, Vater, ich. Jetzt kann ich e« Dir gestehen, daß ich Dich und Setzingen nur getäuscht habe. Ich hatte meine Einwilligung nur deshalb gegeben, weil ich hoffte, daß Setzingen Dich retten werde. Ich hatte es nur gethan, um Zeit zu gewinnen, bis ich Dir eine andere Hilfe bringen konnte, auf die Du fest und sicher bauen kannst. Nie, nie sollte Setzingen der meine werden, da» war mein fester Entschluß. Lieber hätte ich mich dem Tode geweiht, al» daß ich ihm vor dem Altäre meine Hand gereicht. Und doch ist e« nicht zu spät zur Rettung. Siche, Vater, der Mann, den Du verstoßen, den Du verkannt, der alte Steider, er hat mir jenen Rath gegeben, um Zeit zu gewinnen, bis da« Werk ihm gelungen, da» er vor hatte, und diese« Werk ist: da« Hau« Damken zu retten, ihm seine Ehre, seine Größe und seinen Ruhm zu bewahren!"
„Steider?" fragte Damken überrascht, und für einen Augenblick tauchte eine neue Hoffnung in ihm auf, aber sie verschwand auch eben so schnell wieder.
es läge in der Absicht, in dieser Beziehung mehrfache und umfaffcnde Veränderungen anzubahnen, cs seien in dieser Richtung weitere Schritte sogar bereits erfolgt.
* Eichstätt, 16. Sept. Der Herr Bischof Franz Leopold hat soeben einen Hirtenbrief über das Papstjubiläum erlaffen, in welchem er zwei Gedanken erörtert, nämlich daß wir einen Papst und daß wir dermalen einen großen Papst haben.
* Mainz, 15. Sept. Das hiesige bischöfliche Klerikalseminar, eine vollständige philosopisch-theo- logische Lehranstalt, welche von dem hochseligen Bischöfe v. Ketteler 1851 gegründet und 1876 von Staatswegen geschloffen wurde, wird am 25. Oktober wieder eröffnet werden. Die ehemaligen Alumnen werden die Nachricht von der Wiedereröffnung der bei allen im besten Andenken stehenden Anstalt mit Freuden begrüßen und sich gern daran erinnern, daß der Eröffnungstermin des Studienjahres stets der oben erwähnte Tag war. Aus dem gefeierten Profefforenkollegium werden die Herren Domdechant Prälat Dr. Heinrich in Dogmatik, Domkapitular und Prälat Regens Dr. Moufang in Moral, Pastoral und Homiletik, Domkapitular Dr. Holzammer und Dr. Hundhausen in Exegese und Einleitungswiffenschaften, Domkapitular Ohler in Pädagogik und Katechetik, Dr. Brück in Kirchengeschichte, Dr. Schneider in Liturgik und Kunstgeschichte, wie früher zu lesen fortfahren. Die philosophischen Kollegien wird an Stelle des hochwürdigsten Herrn Bischofs Haffner ein Ntffe des Herrn Domdechanten Heinrich, der seitherige Rektor Dr. Heinrich in St. Gallen, die kirchenrechtlichen an Stelle de» verstorbenen Herrn Domkapitulars Dr. Hirsche! HerrProfeffor Dr. Brück mit übernehmen. Demnach ist die Fakultät aufs beste besetzt und wird, wie ehedem, alsbald einen zahlreichen Besuch auch von Angehörigen anderer Diözesen erhalten. Vor der gewaltsamen Schließung der Anstalt machten die Theologen der Diözese Limburg, viele Schweizer Theologen, Hohen- zollern u. A. hier ihre Studien. Während die Limburger Theologen einstweilen meist ihre Studien in Fulda absolviren, dürften sich aus der Schweiz alsbald wieder viele Studirende der auch in ihren häuslichen Einrichtungen sehr vervollkommneten hiesigen Anstalt zuwenden."
„Ja, er," fuhr Gabriele fort. „Ec wollte Dich retten. Was er sich in einem langen und mühe- vollen Leben erspart, was er durch eigenen Fleiß und eigene Mühen vermehrt hat, das wollte er Dir darbringen, Dir anbieten, um damit Dich und Dein Geschäft zu erretten."
„Du glaubst, daß ich von einem Diener ein Gnadenbrod annehme?" erwiderte Damken mit seinem früheren stolzen, bitteren Lächeln. „Du glaubst, daß ich von seiner Barmherzigkeit leben könne! Ha, nimmermehr, nnd müßte ich noch in dieser Stunde zu Grunde gehen!"
„Du wirst e», Vater," rief Gabriele, „Du bist verloren ohne ihn, nur er kann Dich retten, er allein!"
„So will ich lieber untergehen!" erwiderte Damken fest und bestimmt. Und in diesen wenigen Worten prägte sich sein ganzer hartnäckiger Stolz aus, der ihn eher brechen ließ al» er sich beugte.
„Nein, nein, Vater," rief Gabriele in Aufregung, „Du darfst nicht untergehen, Du mußt gerettet werden. Ich will zu Steider eilen, ich weiß, wie er Dein Geschäft und Dich liebt, er wird Alle» — Alles für Dich thun und wagen."
„Ich will seine Hilfe nicht," erwiderte er. „Sie
Ausland.
* Linz, 15. Sept. Für die große oberösterreichische Katholik en Versammlung zu Ehren der Sekundiz des hl. Vaters am 28. d. M. dahier ist das Programm bereits festgesetzt. Darnach wird dieselbe in der geräumigen Volksfesthalle stattfinden, die in Saal und Galerien mehrere tausend Personen faßt. Das Präsidium führt Se. Gnaden der Abt von Kremsmünster und Landeshauptmann P. Leonhard Achleuthner, sodann wird der hochwürdigste Herr Bischof über die Bedeutung der Sekundiz sprechen. Als weitere Redner sind vorgesehen: der Abg. Gras Brandts, Präsident des kath.-polit. Volksvereins, Statthaltereirath i. P. v. Billau und der hochw. Herr Rektor der Anima zu Rom, päpstl. Hausprälat Mons. Doppelbauer. Die Versammlung wird durch die Theilnahme von Tausenden treuer Katholiken sich zu einer großartigen Manifestation der Liebe zum heil. Vater gestalten und an den glänzenden Verlauf des Linzer kons. Parteitages dcs Jahres 1880 erinnern.
* In bulgarischen Regierungskreisen ist man darüber beunruhigt, daß die deutsche Regierung auf die durch die bulgarische Regierung gegebene Satirfaction wegen Beleidigung des deutschen Vicekonsuls v. Loy er in Rustschuk noch nicht geantwortet hat. In Sofia ist das Gerücht verbreitet, die deutsche Regierung habe bei der Pforte die Eclaubniß nachgesucht, daß einige deutsche Kriegsschiffe die Dardanellen pasfiren dürften, da die Satisfaktion al» ungenügend befunden werde. Das Rustfchuker Journal ,Der Bulgare', welche» Schmähungen gegen den deutschen Vicekonsul enthielt, soll übrigen« suspendirt und dcffen Redakteur unter Anklage gestellt worden sein.
* Die Mobilmachungskomödie ist den Franzosen dermaßen zu Kopf gestiegen, daß sie meinen, nicht allein Deutschland, die ganze Welt besiegt zu haben. Diese» ist man beinahe versucht zu glauben, wenn man die einzelnen Nachrichten über die Beendigung der Komödie liest. Der Schluß der Mobilmachung wurde durch ein Effen in Villefranche gefeiert, bei welchem General Breart die erzielten Erfolge hervorhob und mit folgenden Worten schloß: „Wir sind bereit und
käme auch zu spät, denn — denn heute oder morgen wird sich schon mein Geschick erfüllen."
„Vater, Vater," rief Gabriele in höchster Angst, indem sie ihn fest mit den Armen umklammerte. „Du mußt Dich retten, denk' an Dein unglückliche« Kind!"
Damken war heftig erschüttert. Sein eigene» Geschick war ihm in diesem Augenblicke gleich- giltig, nur da» Gabrielen'» lag ihm am Herzen.
,,E» ist zu spät!" rief er und riß sich au» den Armen seiner Tochter los, um sich nicht durch die Bewegung, welche ihn ergriffen hatte, überwältigen zu lassen.
Die Sorge und Angst um das Geschick seine» Kinde« rief noch einmal einen schwachen Muth und Hoffnungsfunken in ihm wach.
Er eilte zur Villa, schwang sich auf sein Pferd und ritt in ungestümer Eile in die Stadt. Wa« er wollte, wa« er thun sollte, wußte er noch nicht —, vielleicht griff der Zufall mit günstiger Hand in sein Geschick ein — vielleicht! Er wollte noch einmal um seine« Kinde» willen den letzten schweren Schlag von sich abzuwenden versuchen.
In bangen Sorgen blieb Gabriele zurück. Sie war entschlossen, zur Stadt zu eilen und ihren alten Freund Steider um Rettung und Hilfe anzuflehen, aber hatte ihr Vater nicht gesagt, daß er nie die Hilfe eine» Diener» in Anspruch nehmen,